tung zum größten Teil vollkommen besitzlos ist, ein ganz ungeheurer Reichtum angehäuft hat. Diesen Reichtum, der heute den Machtgelüsten einer herrschenden Klasse dient, der organisierten Volksmacht zu unterwerfen, und ihn zu einer Quelle der Wohlfahrt für alle zu machen, ist die Aufgabe des Sozialismus.
Die Zusammensetzung des dentschen Volkes.
Von H. Falkenfels. 1
Wenn es nicht bereits tägliche Erfahrung lehrte, so können wir nach den Untersuchungen der Anthropologen und Sprachforscher (Familiennamen!) nicht daran zweifeln, daß das deutsche Volk in seinem heutigen Bestand längst nicht mehr rein deutsch, vielen Ortes sogar nicht einmal überwiegend deutsch auch an den Orten ist, die schon seit Herausbildung von Deutschland zu diesem Begriff ge⸗ hörten. In jeder deutschen Stadt, ja in jedem Dorf finden sich Zahl⸗ reiche, die durch dunkle Haut⸗, Haar⸗ und Augenfarbe, durch Rund⸗ köpfigkeit und kleinen Wuchs sich als„urdeutsch“ in ethnologischer Beziehung verraten, da man übereinstimmend mit den Berichten des Tacitus Caesar und Ammia mus Marcellinus als Tupus der deutschen Rasse die langgewachsenen, blonden, blau⸗ äugigen und langschädeligen Menschen betrachtet.
Woher stammen nun die fremden Bevölkerungselemente, welche Bedeutung haben sie für den Volkskörper, in wie sern haben sie den Begriff deutschen Wesens beeinflußt?
Die Antwort auf die Fragen gehört zum Bildungsbesitz, denn nur sie verschafst uns ein sicheres Urteil in einer Zeit, in der man es immer zielbewußter versucht, durch überspannte Rassebegriffe eine impertalistische Verhetzungspolitik zu treiben, nachdem das kon⸗ 1 Motiv schon so sehr bei diesen Hetzern an Zugkraft ver⸗ oren hat.
Da ist es denn sehr lehrreich, die Germania des alten Tacitus aufzuschlagen, um aus ihr zu sehen, daß schon er inmitten der Deutschen einige Mischvölker kannte. So erzählt er, daß am Erz⸗ gebirge Völker mit gallischer und paninischer Sprache säßen. Er kennt Veneden(Wenden) als Nomadenhorden, und Suionen in Schweden, die er nicht für deutsch hält; auch wird von den scharf⸗ blickenden Römern bereits erkannt, daß auch im reindeutschen Volk eigentlich zwei Völker verborgen sind: ein germanisches Herrenvolk der Freien und ihre nichtdeutschen Sklaven, die offenbar die unter⸗ jochten Reste der ursprünglich, vielleicht keltischen Urbevölkerung— die uns Stein⸗ und Bronzegeräte und Pfahlbauten hinterlassen hat— waren. Da sie als Hörige das Ackerland bebauten und im Hause die Geschäfte besorgten, müssen sie wie stets jede Sklavenkaste zahlreicher gewesen sein, als ihre Herren.
Diese Urbevölkerung ist nicht ausgewandert, sondern im Lauf der Zeiten mit den Deutschen verschmolzen. Diese Tatsache versetzt dem Rassedünkel der Alldeutschen den ersten Stoß.
Wenn uns Caesar und andere die Gallokelten am Rhein schil⸗ dern, beschrieben sie uns das launig⸗lustige, regsame Wesen der heutigen Rheinländer, woraus sich ergibt, daß wenigstens hier die Kelten dauernd das deutsche Wesen beeinflußt haben.
Dazu kamen nun mit Beginn der christlichen Aera die Römer, die zu Hunderttausenden in Süddeutschland einwanderten. Wenn ihre Städte Augusta, Regin acastra, Castra batava, Brigantium, im Rheinland Trier, Colonia in Augsburg, Regensburg, Passau Bregenz und Cöln noch die alten Namen er⸗ halten haben, kann man daraus ermessen, daß ihr Einfluß stark und nachhaltig war. In einzelnen Gegenden, z. B. im Tal von Garmisch, will man die besonderen Gesichtstypen allen Ernstes auf das Blut römischer Legionäre zurückführen. Tatsache ist, daß um Salzburg. das ja auch eine Römerstadt war, noch im 11. und 12. Jahrhundert viele Bauern lateinisch sprachen und Bauernhöfe noch heute antike Namen flihren.
Der Südwesten Deutschlands hat also keine Ursache, sich beson⸗ ders reindeutschen Blutes zu rühmen.
Noch weniger aber der Osten und Nordosten. Dort wanderten nach dem Abzug der Goten und Burgunden, der Bojer und Sem⸗ noner Slaven aus Rußland ein bis zur Elbe, darüber hinaus nach Thüringen, an der Donau, fast bis zum Harz. Wenn man Karl, den die Geschichtsschreiber den Großen nennen, als Vorkämpfer des Deutschtums seiert, so beruht dies darauf, daß er mit vollem Nach⸗ druck den Kampf gegen die Slaveneinwanderung aufnahm. Er hat ihn auch durchgesetzt. Ein volles halbes Jahrtausend haben Deutsche und Slaven um die Herrschaft östlich der Elbe miteinander gerun⸗ gen, bis sich der heutige Zustand herausgebildet hat, in dem tzwischen Oder und Weichsel noch immer die Slaven in geschlossener und ihrer Rasse bewußter Masse sitzen, und auch Sachsen, das eigentliche Altpreußen, ihr Deutschtum in manchem nur als Ueber⸗ kleid um einen slavischen Kern tragen. Wieder sind es Städte und Ortsnamen, die dafür laut zeugen. Dresden, Leipzig, Breslau, Gör⸗ litz sind slavische Namen und der reiche Kranz fremdklingender Vor⸗ orte um Leipzig(Plagwitz, Zschocher, Stötteritz, Schkeuditz, Gautzsch, Leutzsch, Wiederitzsch u. a.) verrät, wie mühsam sich die deutschen Eroberer die eingebürgerten Namen auf ihre Weise zurecht machten.
Die Slavenkämpfe hatten aber noch eine andere, bis in die Gegenwart sehr wenig beachtete Folge.
Ein Lieblinasakt der Willkür jener Zeiten war die Auswurze⸗
Sachsen aufs Bitterste erfahren, als ste Karl dem 8
lung widerspenstiger Stämme und Bevölkerungen. Das a
Willen waren. In ganz Deutschland wurden sie versetzt und 4 wo sie in geschlossener Ortschafst der andersgegrteten Bevölkerung
als Fremdkörper aufgepfropft wurden, hat sich auch das gleich in
Ortschaftsnamen wiedergespiegelt wie z. B. enhausen 1 85. über Frankfurt a. M. oder in Sachsenkam beim Tegernsee mitt im altbayerischen Land. 3 Dasselbe Schicksal erfuhren nun die besiegten Slaven. Wieder ereignete sich dasselbe, was die keltische Urbevölkerung Deutschlands erfahren hatte. Sie wurden zur Hörigenkaste herabgedrückt. Aber die Menschheit hatte einen„Fortschritt“ seitdem gemacht. Die Men⸗ schenkraft hatte man als verhandelbare Ware schätzen gelernt. Und so begann zwischen dem 9. bis 12. Jahrhundert ein lebhafter Handel mit gefangenen Slaven. In den deutschen Hafenstädten waren ganze Märkte und Versteigerungen für diese lebendige Ware, und wenn
sie gegen Ende des 12. Jahrhunderts langsam aufhörten, kam das
vor allem daher, daß man um diese Zeit nicht mehr viel eroberte. Slave war soviel Sklave— die Geschichte dieses Wortes allein sagt alles iber dieses Kapitel deutscher Rassengeschichte. Und die not⸗ wendige Folge war, daß in gang Deutschland bis zum 14. Jahrhun⸗ dert überall flavische Elemente in die Bevölkerung gestveut wurden, die auch wieder damit verschmolzen.
II. 5
Im 13. und 14. Jahrhundert, von deren kerndeutschen Bürger⸗ tum die idealisierende alldeutsche Geschichtsschreibung so gern schwärmt, setzte sich das deutsche Volk in sast allen zum„römischen Reich deutscher Nation“ gehörigen Ländern aus einem oft über⸗ wiegenden Teil einer nichtdeutschen Urbevölkerung, einem nicht un⸗ erheblichen Teil versklavbter Slaven und aus deutschen Stammes, angehörigen zusammen. Die drei Elemente vermischten sich und es
ging aus ihnen ein neuer Typus von Menschen hervor, der die in
der Kulturgeschichte so gewichtigte Arbeit des Deutschtums voll⸗ brachte. Es war aber wohl kaum eine Familie darunter, die ihren Stammbaum durchaus rassenrein erhalten hatte. Hierzu kamen aber seit dem 9. Jahrhundert, besonders zahlreich aber im Zeitalter der Türkenkriege auch Einsprenglinge turanischer, nämlich astatischer Herkunft. Es stellt sich wohl nur ein Schulfunge geschichtliche Vor⸗ gänge wie die Schlacht auf dem Lechfelde gegen die Ungarn so vor, daß die magyarischen Reitervölker in geschlossener Reihe bis Augs⸗ burg zogen, dort bis auf den letzten Mann niedergehauen wurden, also spurlos verschwanden. In Wirklichkeit bedeutete ein solcher Einfall eine jahrelang dauernde Jufiltration des ganzen Donau⸗ tales bis ins Herz von Bayern mit Asiaten, die Schlacht selbst hinterließ auch tausende von Leichtverletzten, die sich gezwungen sahen, ein Unterkommen im deutschen Land zu finden und dann oft genug dauernd ansässig blieben. Am Chiemsee bezeichnen sich die durch dunklere Hautfarbe und eigenen Tupus auffallenden„Hummel⸗ bauern“ selbst als die Nachkommen von Hunnen, wie die Ungarn damals genannt wurden.
Dieser Vorgang, zu dem eine zwangswelse Ansiedelung versklav⸗ ter Gefangener kam, wiederholte sich mit Avaren, Tataren, in ge⸗ wissem Sinn auch mit den Türken. Endlose Kolonnen von Gefan⸗ genen wandern in Ketten auf diese Weise in Deutschland ein. Z. B. in München allein mehrere hundert mit dem„Sieger von rad“, die dann zu Erdarbeitern verwendet, schließlich in der Vorst an⸗ gesiedelt wurden, wo sie Milnchnerinnen heirateten. Ein Volks⸗ glauben meint dort noch heute die Türkenabkömmlinge unterscheiden zu können, was wirklich nicht unmöglich ist.
In ganz besonderem Maße aber drangen nichtdeutsche„Bluts⸗ 1
tropfen“ durch den 30jährigen Krieg und die Napoleoufeldzüge ein. Schiller und neuestens Ricarda Huch in ihrem„großen Krieg“ haben es schon für weite Kreise plastisch geschildert, mit was für„Völkern“ das Haus Habsburg das ungllickliche Deutschland überschwemmten. Kroaten, Pandurxen, halbtürkisch gewordene Ma⸗ gyaren und natürlich immer wieder Slaven bildeten die entmensch⸗ ten Rotten, die dreißig Jahre lang über die deutschen Städte her⸗ fielen und den grauenvollen Nachwuchs hinterließen, den wir auf Callots Meisterbildern so unlbertrefflich dargestellt finden. Auf diesen Kupferstichen sieht man zwar, wie die Bauern die Räuber und Marodeure zu Dutzenden erschlagen und henken, um sich endlich Ruhe vor den plündernden Banden zu verschassen, der Großteil die⸗ ser vertierten Vaganten, denen man die östliche Abstammung meist sogleich ansieht, ist aber doch im Lande geblieben und hat wieder eine ehrliche Existenz gefunden. Das Deutschtum hat sie aufgenom⸗ men, ebenso gut wie die vielen Schweden, die nach dem Krieg sich hier ansässig machten. Man denke nur daran, daß Stralsund jahrhun⸗ dertelang eine schwedische Stadt blieb. 5
Ganz bedeutungsvoll für die Rassenmischung waren nebst dem siebenjährigen Krieg die Napoleonfeldzüge. In einer ganzen An⸗ zahl von Kunstwerken ist die Verheiratung von Angehörigen der
französischen und anderen Rassen behandelt— man denke an Kleist's N
Marquise von O. oder Donizettis Oper: Die Regiments⸗ tochter— und noch mehr Familienchroniken wissen aus Anlaß der
Napoleonseldzüge zu berichten, wie ein verwundeter Ahne im 2 den Land irgendwo aufgenommen, gepflegt und dann auch gllicklich
verheiratet wurde. a N Hierzu gesellt sich dann eine friedliche Vermengung der Nach⸗
barn mit Deutschen. Die Wirkung des Ediktes von Nantes hat der
deutschen Kultur außerordentlich genützt. 300 estanten hat die Unduldsamkeit aus Frankreich 1 ihnen ist nach Brandenburg, Hessen und in ische Länder
gewandert, hat sich dort vermischt mit Deutschen und hieß seitt
verjagt und ein großer Teil von 3


