zu achten. Als„doctor misabilis“, als der„wunderbare Lehrer“ war er längst verschrien, nun witterten die Dunkel- männer Morgenluft. Man schritt gegen den Modernismus ein und ging nicht halb vor. Als erste Maßregel traf ihn das Verbot seines Ordens, seine teuflischen Künste niederzu— schreiben. Bacon aber war ein mutiger und aufrechter Mann. Auch er begnügte sich nicht mit halben Gedanken, sondern trat nun mit seiner Ueberzeugung hervor, daß solch un— wissende Geistliche nicht die geeigneten Lehrer des Volkes sein können. Er entwarf den Plan zu einer Reform der Bildung und forderte, daß sie auf Kenntnis der Natur und der antiken Schriften beruhen müsse, nicht aber auf dem theologischen Wust der Scholastik, an deren Stelle er die Sittenlehre als Hauptinhalt der Religion in den Vorder— grund stellte.
Damit war der Bruch vollzogen. Man ließ sich nicht in einen Disput mit ihm ein— man sperrte den gefährlichen Denker und Forscher ein.
Der aber hatte Verbindungen mit Rom, mit dem Papst lelbst und schrieb in seiner Rechtfertigung, nachdem ihn dieser freigelassen, nun erst recht sein Hauptwerk. Aber nicht Ein— ficht in das Unrecht, das ihm widerfahren, hatte ihn befreit, sondern nur persönliche Protektion. Kaum war also sein Gönner gestorben, ließ ihn sein Ordensgeneral neuerdings einkerkern. Und zehn Jahre lang, bis er ein alter und ge— brochener Mann war, währte seine Gefangenschaft. Er hat durch sie gelernt, welche Art von Menschen allein dort möglich sind, wo die Kirche herrscht und hat nichts mehr gelehrt und geschrieben. Die Flügel des Genius waren gebrochen, wenn auch nicht sein Genie. Denn in rührender Weise findet man in seinen Werken seine letzten Erfindungen in Rätselana⸗ gramme gekleidet. So spricht er von Salpeter, Schwefel und einem fehlenden Bestandteil, durch den man ein donnerarti— ges Krachen hervorbringen könne, und versteckt in diesem wunderlich verschnörkelten Satz ein Anagramm, dessen Lösung lautete: Carbonum pulvere!
Roger Bacon bekennt sich somit in seinem Werk De Secretis operibus(Von geheimen Arbeiten) auch zur Er— findung des Schießpulvers, aber erst lange nach seinem Tode, um 1313, wird diese letzte Tatsache fruchtbar. Unbekannt woher(die Erfindung durch Berthold Schwarz ist sagenhaft) taucht das Schießpulver in Deutschland auf und um 1340 steht die erste Pulvermühle zu Augsburg. Um diese Zeit lebte Bacon nicht mehr. Mit welchem Gefühl aber mag dieser seltene Mann gestorben sein, der befähigt war, der Menschheit in so vielem zum Fortschritt zu helfen und dessen Leben zer—
brach im Kampfe wider die Mächte seiner Zeit!
Aus unserer Sammelmappe.
Farben des Altertums. Von der Malerei des Altertums weiß man recht wenig, zumal mit Rücksicht auf die Völker, die in Europa damals die Hauptträger der Kultur gewesen sind. Reichlicher fließt die Kunde durch Ueberlieferung und durch die Erhaltung von Kunstwerken selbst aus Aegypten und auch aus dem Orient bis nach China hin. Professor Laurie von der Londoner Akademie der Künste hat jetzt eine große Zahl altertümlicher Farben untersucht. Er hat in diesen Forschungen berühmte Vorläufer gehabt, zunächst schon den großen Chemiker Davy, dann Berthelot, hat aber deren Ergebnisse in weitem Umfange vervollständigt. Trotzdem klaffen immer noch große Lücken in der Kenntnis der alten Farben, ins⸗ besondere für die Lackfarben, die in den vielen Abstufungen von Lila, Rosa, Rot und Purpur gebraucht wurden. In manchen Fällen läßt sich ihr Ursprung überhaupt noch nicht nachweisen. Von Blau sind nach den Angaben von Professor Laurie aus dem Alter⸗ tum bekannt, nämlich: Indigo, das ägyptische Blau, der aus Mine⸗ ralstossen hergestellte Azurit, das aus Lapis lazuli bereltete Ultra⸗ marin, das Bergblau und die Smalte. Diese sechs Farben sind nicht überall in Gebrauch gewesen, aber sie herrschen doch vom Altertum bis gegen den Schluß des 16. Jahrhunderts vor. Die wichtigste unter ihnen war das ägyptische Blau, das Professor Laurie nach Zusammensetzung, malerischen Eigenschaften und Be⸗ reitungsart sehr genau untersucht hat. Das bekannte preußische Blau kam erst mit dem Ansang des 18. Jahrhunderts auf, das Kobaltblau und das künstliche Ultramarin im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, das Anlinblau um das Jahr 1870. In vielen Fällen wird eine genaue Prüfung der Farben nach den neuesten For⸗ schungen am ehesten zur Feststellung des Alters eines Bildes führen.
Die Welterzeugung an Mineralien, Erzen und Metallen hat in den letzten Jahren einen ungeheuren Aufschwung genommen. Der Wert der jährlich geförderten Kohle beträgt etwa 8400 Millionen Mark, der Wert der Eisenerze 2900 Millsonen Mark, Gold 1700,
tionen Mark. Die gesamten Bergwe sse können auf einen jährlichen Wert von 20 Willtarden Patt geschätzt werden. Davon entfallen auf Deutschland etwa 47 auf England 13 Prozent und auf Amerika 42 Prozent. dem gewaltig steigen⸗ den Verbrauch an Eifenerzen und den* Vorkommnissen drängt sich immer wieder die Frage auf, wie lange wohl die Eisen⸗ erzvorräte der Erde noch vorhalten werden. Die uns bekannten Eisenerzlager enthalten nach neueren Schätzungen über 17 Milliarden Tonnen, von denen 3,6 auf Deutschland entfallen, 43 auf Amerika, 3,3 auf Frankreich, 1,3 auf England, 1,2 auf Schweden und 3,8 auf die übrigen europätschen Länder. Der Jahresverbrauch der Welt an Eisenerz stellt 4 heute auf ungefähr 150 Millionen Tonnen, er steigert sich aber ständig, sodaß man mit einer Erschöpfung der bekannten Eisenerzvorräte in etwa 60—70 Jahren rechnen muß. Durch die Entdeckung neuer Lager, die vor allem in Asien und Afrika noch zu erwarten ist, durch die Verbesserung der Verhüttungs⸗ prozesse und endlich durch die steigende Verwendung von altem Eisen läßt sich die Zeit der Cisenerschöpfung bedeutend hinaus⸗ schieben, sodaß wir mit dem Ekntritt einer Eisennot vielleicht erst nach 100 oder 120 Jahren zu rechnen haben. Bis dahin aber muß die Menschheit einen Ersatz gefunden haben oder es muß sich ein vollständiger Umschwung in der gesamten Technik vollziehen, der das Eisen entbehrlich macht. Ob der Beton auf so einen Weg hin⸗ weist, läßt sich heute natürlich noch nicht voraussehen.— Von noch höherer Wichtigkeit als das Eisen ist die Kohle. Die Kohlen⸗ gewinnung der Welt stellte sich im Jahre 1911 auf 1185 Millionen f Tonnen, im Jahre 1012 in Deutschland auf 259 Millionen Tonnen, f Amerika 484 und England 264 Millionen Tonnen. Alle andern Länder der Erde blieben unter diesem Satz. Deutschland ist also mit etwa 21 Prozent an der gesamten Kohlenförderung der Welt beteiligt. Eine Erschöpfung der Kohlenschätze ist in den nächsten Jahrhunderten noch nicht zu befürchten.
Das deutsche Normalmeter. Es ist das Verdienst der französi⸗ schen Revolution, ein Einheitsmaß geschaffen zu haben. Im Jahre 1790 beschloß die französische Nationalversammlung, daß künftig in ganz Frankreich der zehnmillionste Teil des Erdquadranten, d. h. des vom Pol bis zum Aequator reichenden Bogens, als Längen⸗ einheit zu gelten habe. Nach sorgfältiger Messung dieser Strecke wurde ein Urmaß angefertigt, ein Platinstab von 25 Millimeter Breite und 4. Millimeter Dicke, dessen Länge genau der gewählten Länge entsprach. Dieses Urmaß erhielt dann den Namen„Meter“.
Ein genau nach dem Pariser Urmaß angefertigter Melerstab bildet das gesetzliche Grundmeter für das Deutsche Reich. Eine mit der peinlichsten Genauigkeit hergestellte Wiederholung dieses Grund⸗ meters befindet sich in der Physikalisch⸗Technischen Reichsanstalt in Berlin. Diese Reichsanstalt beschäftigt sich, wie die Mußestunden (Stuttgart) in einem interessanten Artikel ausführen, neben nur der Wissenschaft dienenden Untersuchungen auch mit der Prüfung 2 von Erzeugnissen der Industrie und Technik. Da wird gerade vort einer Fabrik ein metallener Meterstab eingeschickt. Ex ist dazu be⸗ stimmt, als Grundmaß für alle, auch die feinsten Messungen des Fabriklaboratoriums zu dienen. Durch Vergleich mit dem Grund⸗ 3 meter der Reichsanstalt kann nun noch eine Abweichung um den tausendsten Teil eines Millimeters festgestellt werden. Ein Appa⸗ rat, dessen wesentliche Bestandteile zwei Mikroskope bilden, wird zunächst so auf das Normalmeter eingestellt, daß beim Durchschauen durch die Mikroskope die beiden überaus seinen Endstriche des Meter⸗ maßes zu sehen sind, d. h. daß also der Abstand der beiden Mikro⸗ skope von einander genau 1 Millimeter beträgt. Jetzt wird an Stelle des Grundmeters der Prüfling untergelegt und zwar so, daß einer seiner Endstriche genau unter die Mittelachse des einen Mikroskops zu stehen kommt. Fällt nun der andere Endstrich außerhalb der Mittelachse des zweiten Mikroslops, dann stimmt sein Maß nicht mit dem gesetzlichen Grundmeter überein. Das zweite Mikroskop wird nun mit Hilfe einer ungemein feinen Mikrometerschraube so weit verschoben, bis seine Mittelachse den fehlerhaften Endstrich des Prüflings trisst. An der Mikrometerschraube lesen wir dann ein⸗ sach ab, um wieviel hundertstel Millimeter der Prüfling 2 stimmt. Diese langwierige Messung erfolgt unter allen möglichen orsicht⸗ maßregeln. Bekanntlich dehnen sich alle Körper beim Erwärmen aus. So verlängert sich ein Meterstab aus Platin⸗Jridium bei Er⸗ höhung der Temperatur von 0 Grad bis 30 Grad Celsius um 0,261 Millimeter, ein solcher aus Messing gar schon um 0,541 Millimeter. Bei unserer Messung muß deshalb alles, was irgendwie Wärme ausstrahlen könnte, sorgfältig ausgeschaltet werden. Sie geht in einem ganz verdunkelten Zimmer vor sich, in dem alle Wände tief⸗ schwarz angestrichen sind. Ganz abseits in einer Ecke hrennt eine Nernstlampe. Ihr Licht fällt jedoch nicht direkt auf die Metermaße, 5 denn sonst würden ja mit den Lichtstrahlen auch Wärmestrahlen darauf treffen. Der Lichtschein wird deshalb durch eine Reihe von Spiegeln, die sast nur Lichtstrahlen zurückwersen, zum Meßapparat geleitet, um dort die Endstriche der beiden zu vergleichenden Stäbe zu beleuchten. Noch eine andere Wärmequelle ist ebenfalls zu berück⸗ . der Körper des Beobachtenden selbst. Die von ihm aus⸗ trahlende Wärme wäre wohl imstande, eine verschiedene Längen⸗ änderung der beiden Stäbe und somit ein ungenaues Prilfungs⸗ ergebnis zu verschulden. Wenn es deshalb um Messungen
udelt, bei denen es wirklich auf tausendstel Millimeter ankommt, egt man die Maßstäbe für eine halbe Stunde in ein Becken lließendem Wasser von gleich bleibender Temperatur. Wäh dieses Bades nehmen auch die beiden Stäbe eine völlig gleiche peratur an. Und dann kann man wieder messen, durch das Wa hindurch ist eine Wärmebeeinflusfung nicht mehr zu befürchten.
Kupfer 1200, Silber 900, ginn 250, Blel 200 unh Star 220 Wil. 118 der Belt
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