Ausgabe 
1-30 (3.3.1914)
 
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Däche stürzten unter der Last dieser Aschenmengen ein und Häuser wurden son Aschenlawinen, die die Hügel herabführen, zerstört. As Jenstaub fiel noch in einer Entfernung von 900 Meilen, und wenn Schiffe in diesen Meeresgebieten vorhanden gewesen wären, würden sie sicherlich von noch ferneren Orten Ascheuregen gemeldet haben. Höchstwahrscheinlich sind größere Aenderungen im Vulkan selbst auf getreten, da ein Beobachter erklärte, daß die Hälfte des Berges fehle.

Auch beim Krakataua ist die halbe Insel in die Lust geflogen, sodaß in beiden Fällen so gewaltige Aschenmengen in die Atmosphäre geschleudert worden sind, daß sie sogar das Wetter zu beeinflussen vermochten. In der Tat hat sich der Aschenstaub über die ganze Erde verbreitet und dazu beigetragen, daß wir aus den durch ihn hervorgerufenen Dämmerungserscheinungen wichtige Aufklärung über die höheren Atmosphärenschichten und anderes erlangten.

Die Unzuverlässigkeit der amtlichen Wettervorhersagen ist bei den meisten eine ausgemachte Sache. In der Tat läßt sich nicht leug⸗ nen, daß die amtlichen Wetterprognosen nicht den Grad von Zuver⸗ lässigkeit besitzen, den man von ihnen gern annehmen möchte. Jeder, der vom Wetter abhängig ist, gäbe etwas darum, wenn man ihm mit einiger Zuverlässigleit sagen könnte, wie sich das Wetter in den kommenden 24 Stunden gestalten wird. Der Landwirt kann sich darauf einrichten, der Tourist ebensalls, überhaupt erhielte jede Ar beit im Freien eine sichere Grundlage. Bei den heutigen Prognosen aber kann ses dem Tou risten passieren, daß er bei schönstem Wetter zu Hause sitzt, oder umgekehrt, daß er mitten auf dem Wege vom scheußlichsten Wetter überrascht wird, ohne dazu gerüstet zu sein.

Ist es denn nun wirklich unmöglich, diesen Zustand zu be⸗ seitigen? Nein, es gibt dagegen wohl Hilfsmittel, die zwar nicht absolut verläßlich sind, aber doch die Unsicherheit auf ein viel ge ringeres Maß herunterdrücken. Einmal wäre wichtig, wenn die Wettervorhersagen, die immer nur für große Gebiete aufgestellt werden, lokale Verbesserungen erhielten, wenn sie also an Ort und Stelle einer Bearbeitung unterzogen werden könnten. Soweit sind wir ja nun leider noch nicht. Was aber geschehen könnte ist, daß den amtlichen Voraussagen eine Notiz beigegeben würde, die er kennen läßt, wie groß die Verläßlichkeit ist. Es gibt Wetterlagen, bei denen die Vorhersage so gut wie sicher ist, in anderen Fällen kann der Meteorologe sagen, daß seine Vorhersage auf sehr schwachen Füßen steht. Der Freiherr von Myrbach macht nun in derMeteo⸗ rologischen Zeitschrift den Vorschlag, diese Umstände zu berüäcksich⸗ tigen und der Vorhersage eine entsprechende Note beizugeben. Es genügte mitzuteilen, ob die Prognose 1. sehr große Wahrscheinlichkeit besitze, 2. große Wahrscheinlichkeit, 3. minder große Wahrscheinlich⸗ keit und 4. geringe Wahrscheinlichkeit. Jeder weiß dann wenigstens, was er von dem amtlichen Wettertelegramm zu halten hat.

Auf die Anregung des genannten Herrn hin hat nun die Wiener Zentralanstalt einmal einer Prognose den Vermerk zugefügt:Prog⸗ nose sehr fraglich! Die Folge davon war, daß die Zeitungen den Fall aufgriffen und glossierten. Die Wiener Anstalt hat daher den Vermerk wieder fallen gelassen. Das ist bedauerlich. Wenn die Zeitungen die Sache aufgriffen, so liegt hier allerdings ein Mißgriff vor, der nur dadurch erklärlich ist, daß die Zeitungen fast nie Fach⸗ leute in ihren Redaktionen sitzen haben. Wer sich jedoch mit der Meteorologie etwas beschästigt hat, weiß, daß eine genaue Prognose oft unmöglich ist. Zudem ist zu beachten, daß unsere Wetterkunde noch eine so junge Wissenschaft und auf die weiteste Ausbildung aller möglichen Hilfsgebiete angewiesen ist, daß man unmöglich verlangen kann, daß sie bereits alles leiste. Es ist bedauerlich, daß trotz der enormen Wichtigkeit zuverlässiger Wetterprognosen noch immer nicht mehr Geld für meteorologische Institute flüssig ist. Hier bietet sich für die Zeitungen ein Weg, zum Guten zu wirken. Das in die meteorologische Wissenschaft hineingesteckte Geld ist sehr gut ange⸗ legt, weshalb es ein Verdienst ist, auf die Vergrößerung der Budgets der Wetterwarten und die Vermehrung dieser Anstalten hinzu⸗ wirken.

Was aber unter den jetzigen Umständen geschehen kann, ist, daß die amtlichen Bulletins trotz der Glossierung ruhig die eigenen Zensuren hinzufügen. Die Zeitungen und das Publikum werden dann auch mit ungerechter Kritik aufhören, und die Wettervorhersage wird sich zu dem ausgestalten, was sie heute leider noch nicht ist, näm⸗ lich zu einer segensreichen und volkstümlichen Einrichtung.

Unsere Urhaustiere. Wir wissen heute, daß das Menschen⸗ geschlecht weitaus älter ist, als man noch vor wenigen Jahrzehnten angenommen hat, und daß seine ältesten Spuren bis in die Tertiär⸗

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zeit zurückreichen. Wir wissen ferner, daß die Menschen der letzten Eiszeit bereits einen verhältnismäßig hohen Grad von künstlerischer Kultur besaßen; das zeigen die Zeichnungen, die man zu Ende der siebziger Jahre in der berühmten Höhle zu Altamira in Nord spanien gefunden hat. Hier haben die Menschen der Vorzeit die Tiere ihrer Epoche mit erstaunlichem Geschick auf den Felswänden verewigt; man kann freilich annehmen, daß alle diese Tiere damals nach ungezähmt waren und nur gejagt wurden. Die Frage, welches die ersten Haustiere gewesen sind, ist trotzdem nicht leicht zu beant⸗ worten. Möglicherweise war es das Renntier, das in Mitteleuropa zu Ende der Steinzett lebte, dem scheint aber die Wahrnehmung zu widersprechen, daß es sich hier um ein reichlich dummes Geschöpf handelt, das auch die Lappländer heute nur gebrauchen können, wenn sie sich der Unterstützung der Hunde bedienen. Man darf deshalb auch annehmen, daß es der Hund gewefen ist, der zuerst an den Meuschen gewöhnt und von diesen dresstert wurde. Das beweisen auch die zahlreichen Hundeknochen, die man bei den Ausgrabungen von Gräbern aus der Steinzeit gefunden hat. Er war in diefer Zeit überaus weit verbreitet, und zwar war es eine Rasse von kleinem Wuchs, die an unsere Jagdhunde erinnert. Zu Beginn des Bronzezeitalters erscheinen in Italien größere Hunde, die darauf hinweisen, daß man eine neue Hunderasse zu züchten wußte. Erst am Ende des Bronzezeitalters traten die Windhunde und die Bull doggen als bemerkenswerteste Rasseneuheiten in die Erscheinung. Das Pferd ist im Bronzezeitalter zweifellos schon häufig vorhanden gewesen. Seine Zähmung geschah aber erst in späterer Zeit. Das geht auch daraus hervor, daß alle Worte, die auf die Pferdezucht Bezug haben, in den Sprachen der Völker des Westens aus dem Sanskrit stammen, d. b. aus einer Sprache Mittelasiens, einer Gegend, in der auch noch heute ungezählte Herden wilder Pferde leben. Zum Haustier ist das Pferd demnach in Mittelasien erzogen worden, und das gezüchtete und dressierte Tler wurde dann nach Europa und in den fernen Osten eingeführt, vermutlich in der Zeit des Bronzezeitalters. Schweine wurden zweifellos schon in der Steinzeit gezüchtet. Der Büffel stammt wahrscheinlich von jenem Bilfsel ab, der heute nur noch in Korsika und Sardinien lebt. Seine Zucht ist jünger als die des Rindes und des Pferdes, und auf den alten ägyptischen Mauerzeichnungen findet man nur diese beiden letzten Arten. Im Bronzezeitalter erscheint auch das Bos frontosus, ein Rind mit langem Kopf, flacher Stirn und langen Hörnern, das der Urvater unserer durch Zucht und Dressur veredelten Rinder zu sein scheint.

Kaltwettereinbrüche im tropischen Südamerika und ihre Wirkung. Die plötzliche Kältewelle, die über Deutschland im Januar wegging, weckte viele Erinnerungen an ähnliche Ereignisse in frühe⸗ rer Zeit. Aus der Zeit vor hundert Jahren werden ähnliche Vor⸗ kommnisse wiedererzählt. Das alles ist aber weniger bemerkens⸗ wert, weil unser Klima doch immerhin so ist, daß wir des öfteren auf große Kälte gefaßt sein müssen. Viel schlimmer wirken solche Ereignisse in südlichen und tropischen Ländern, wo die Kälteeinbrüche unerwartet kommen und auf die das tropische Klima gewohnte Lebe⸗ welt eine außergewöhnlich schädliche Wirkung ausüben. Der Forscher Bates hat schon des öfteren solche Kälteeinbrlche aus dem Gebiete des oberen Amazonenstromes beschrieben. 3

Nun veröffentlicht der Chef der bolivianisch-brasillanischen Grengkommission, Edwards, aus der Gegend von Catapara(an dem nordwestlichen Zipfel Boliviens) folgenden Bericht:Hier erfuhren wir zuerst einen KälteeinbruchVriajem, der unter dem Namen Suracon in Bolivien bekannt ist. Er besteht in einer plötzlichen Aenderung des Wetters, gewöhnlich angekündigt durch einen eisig⸗ kalten Regensturm, währenddessen die Temperatur von etwa 32 Grad im Schatten auf 8 bis 9 Grad sinkt. DieseVriajems dauern 4 b 7 Tage, und treten häufig in der Trockenheit von Mai bis September (dem südlichen Winter) ein. Sie verursachen den sonniges Wetter liebenden Arbeitern in diesen Gegenden große Unannehmlichkeiten und selbst Schädlichkeiten. Sie verlassen während dieses schlechte Wetters selten ihre Behausungen. Im Wald ist alles still, kein Tier verläßt sein Nest oder Lagerstätte; die Vögel sitzen stumm anein⸗ andergedrängt auf den höchsten Zweigen der Bäume; das Schweigen der Sümpfe wird nicht gestört durch die gewöhnliche Musik der Frösche; die Blätter mancher Bäume und Sträucher schließen sich, manche rollen sich zusammen und sterben ab. Die ganze Natur schein in einem Zustande des Scheintodes zu verharren, lebt aber sogl wieder auf, sobald die Sonne scheint und der Himmel sich aufklän