Ausgabe 
1-30 (24.2.1914)
 
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entweder schon einen bestimmten Schriftsteller- oder Buchnamen wissen, um zu seinem Ziele zu kommen. Hier sindet er unter I. Gesellschaftswissenschaften, AbsatzGegenwartsfragen, Abteilung. Gegnerische Gewerkschaftsbewegung ohne alle zeitraubende Milhe bas Gesuchte. Zwölf solcher Absätze mit vielen Abteilungen allein hat die gesellschaftswissenschaftliche Gruppe. Achnlich ist die Ein⸗ teilung der zweiten, die der Natuxwissenschaften, weniger genau, Linfach alphabetisch geordnet die Dichtungen. Eine Einteilung schien hier weniger notwendig, weil in die Gruppe tatsächlich nur solche Bücher aufgenommen wurden, die mit ruhigem Gewissen empfohlen werden dürfen. Jugend⸗ und Kinderbücher fehlen nicht, und wie die Bücher des eigenen Verlages den Anfang, machen die billigeren n(nicht gebrauchte Bücher!) den Schluß. Der Katalog 1914 bietet ein lebendiges Bild des Umfanges und In⸗ haltes der geistigen Arbeit und ihrer Bewegung innerhalb der sterreichischen Sozialdemokratie. 8.

Gehirnumfang und Geistesgaben. Der Gehirnumfang galt lange Zeit als das beste Maß sür die Geisteshöhe, nicht nur beim Menschen, sondern allgemein im Tierreich. Die neueren Forschun⸗ igen der Gehirnanatomen haben aber diesen bequemen Maßstab für die Genialität erbarmungslos zerbrochen. Der Gehirnumfang ist kein Maßstab für die Geistesgaben eines Wesens, wir müssen schon nach einem anderen Wertmesser suchen. Die Anatomen sind eifrig an der Arbeit, aber so schnell ist diese Aufgabe nicht zu lösen, denn es heißt auf diesem Gebiete fast noch einmal von vorn anfangen. Um bei dem Vild von dem Maßstab zu bleiben; die Anatomen müssen den neuen Wertmesser für das Gehirn erst Zentimeter füt Zentimeter, ja, wenn man die Schwierigkeit einer solchen Arbeit betrachtet, dann möchte man sagen, Millimeter für Millimeter in mühsamer Arbeit aufbauen.

In der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte hat Brodmann durch seinen Vortrag liber die neuen Forschungsergeb⸗ nisse der Großhirnrinden-Anatomie ein gutes Bild von dem augen⸗ blicklichen Stand der Wissenschaft gegeben. Ein Vergleich der Ober⸗ flächengröße verschiedener Tiergehirne hat gezeigt, daß der Elesant ein größeres Gehirn besitzt als der Mensch und daß Pferd, Rind und der Tümmler, ein zu den Delphinen gehörender Fisch, an Gehirnoberfläche sast auf derselben Stufe stehen wie der Mensch. Untersuchungen an Walen sind bisher noch nicht vorgenommen worden, sie würden aber aller Wahrscheinlichkeit nach auch ein größeres Gehirn ergeben als es der Mensch hat. Ist die Größe der Gehirnoberfläche also als Maßstab für die Geisteshöhe des be⸗ treffenden Wesens anzusehen, so müßte der Elefant über dem Meuschen stehen und z. B. das Rind an Intelligenz dem Menschen sehr verwandt sein. Schon dieser Vergleich, der unwillkürlich wie ein Kasernenhofwitz anmutet, zeigt die Unhaltbarkeit des alten Maßstabes. Es hat sich gezeigt, daß die Oberflächenausdehnung eines Gehirnes sich nach der Körpergröße richtet, aber auf die Geisteshöhe des betreffenden Wesens keinen Einfluß hat. Nun wurde die Furchung des Gehirnes als Maßstab der Intelligenz angesehen, derart, daß die größere Furchung ein Zeichen höherer Entwicklung sei. Aber auch hier hat sich ergeben, daß der Mensch nicht die größte Furchenfläche des Gehirnes aufweist, er wird über⸗ troffen vom Elefant. Tümmler, Schimpansen und Pferd, und der Seehund steht dem Menschen fast gleich. Auch die Furchenentwick⸗ lung des Gehirnes kann also nicht als Maßstab für die höhere oder niedere Organisation seines Trägers herangezogen werden. Trotz⸗ dem besteht kein Zweifel, daß das Gehirn der Träger der Geistes⸗ tätigkeit ist, es muß also auch Kennzeichen für die Höhe derselben erkennen lassen. Welcher Art sind nun diese Unterschiede? Das Gehirn zerfällt in eine ganze Reihe von Bezirken, die den einzel⸗ nen Sinnen zukommen, und die Größe dieser Bezirke zu einander sowie ihr mikroskopisch⸗anatomischer Aufbau zeigen Verschieden⸗ heiten. Hier werden wahrscheinlich die Beziehungen liegen, die später eimnal, nach genauer Ersorschung aller dieser Dinge, einen 2 für den Vergleich der Geisteshöhe der Tiere und Menschen

ilden.

Das beste Licht für die Augen. Interessante neue Experimente über die Art und Stärke des Lichtes, die dem Auge am zuträglichsten ist, hat der amerikanische Professor C. C. Ferree angestellt und seine Resultate auf dem internationalen Kongreß für Schulhygiene in Buffalo bekannt gegeben. Für ein kurzes, scharses Hinsehen, bei dem kleine Einzelheiten erkannt werden sollen, ist sehr helles Licht notwendig, doch verursacht dieses leicht Ermüdung. Wenn man die Augen lang Zeit zu gebrauchen wünscht, so sollte die Hellig⸗ keit schwach sein, viel schwächer, als man gewöhnlich für erforder⸗ lich zu einer guten Beleuchtung hält. Die Versuche von Professor Ferree gingen darauf hinaus, die Wirkungen des Tageslichtes und dreier künstlicher Licht⸗Einrichtungen, die er als direktes, indirektes und halbindirektes Licht klasfifiziert, miteinander zu vergleichen. Diese vier Formen der Beleuchtung wurden zunächst in der gleichen Lichtstärke beobachtet. Dabei ergab sich, daß am Ende einer Dauer von 3 Stunden, während deren das Auge unter diesen besonderen Lichtbedingungen zum Lesen verwendet wurde, die Sehfähigkeit in dem Falle des Tageslichts und des indirekten Lichtes nur wenig beeinträchtigt war, während bei den beiden anderen künstlichen Be⸗ leuchtungsformen eine starke Ermüdung und Abnahme der Sehkraft konstatiert wurde. In seiner zweiten Gruppe von Beobachtungen wurde die Lichtstärke bei jedem der verschiedenen Systeme in ver⸗ schiedenen Graden angewendet. Auch hier waren die Resultate bei Tageslicht am günstigsten und bei indirektem Lichte fast ebenso

Boden senke und das Zimmer langsam von unten aus anufülle, nicht

günstig. Bei dem sogenannten halbindirektem Licht ergab sich, daß

die Sehstärke sich nur bei einer sehr geringen Reihe von Jutensäls. a

stufen gleich stark erhält: bei hellerer oder schwächerer Belen

tritt die Abnahme der Sehstärke nach Ablauf der 3 Stunden sehr deutlich hervor. Verwendete man die direkte Lichtform, so wurde ihre Wirkung bei allen Helligkeitsgraden als gering festgestellt, ob⸗ wohl auch hier ein Maximum bei einer ganz bestimmten Stärke der Belichtung gefunden wurde. Die günstigsten Helligkeitsgrade, die für die Sehstärke des Auges die besten Resultate ergaben und beim Lesen am vorteilhaftesten wirkten, lagen weit unter der Lichtstärke, bei der die Schärfe des Sehens am größten ist, und sind geringer, als man im allgemeinen zu jeder Arbeit, bei der die Augen auf einen nahen Gegenstand gerichtet sind, bisher für erforderlich ge⸗ halten hat. Nach der Ansicht des Gelehrten ist daher bei der Wahl des besten Lichtes für die Augen weniger die große Helligkeit als die günstige Form der Belichtung, wie sie sich im indirekten Lichte darbietet, zu beobachten.

Die Luftverschlechterung in Arbeitsräumen. In dem Zeitalter des Taylor-Systems, da die Gier nach gesteigerter Profitrate des Kapitalismus unter dem Schlagwortwissenschaftliche Organi⸗ sierung der Arbeit und unter der Vorspiegelung steigerbarer Löhne zu einer bisher unerhört raffinierten Ausnützung der Arbeitskraft Stimmung macht, verdienen alle Fortschritte der Wissenschaft be⸗ sondere Beachtung, die wirklich zu verbesserten Arbeitsbedingungen führen, ohne daß die Mehrleistung an Arbeit aus einer Steigerung der seelischen Spannung herausgedrückt wird, wie es das Taylor⸗ System mit sich bringt.

Es wird daher für alle, welche die Lähmung der Arbeitskraft in der mit Menschen überfüllten Werkstatt, im Arbeitssaal oder Burcau Tag für Tag am eigenen Leib zu fühlen bekommen, und das was ihnen die Unzulänglichkeit ihres Arbeitsraumes an Spannkraft raubt durch ein Plus an Energse, das sonst ihren freien Stunden zugute kam, ersetzen müssen, von Interesse sein, zu ver⸗ nehmen, daß nun in dem Zentralblatt für Biochemie und Biophysik N (1913) Untersuchungen von E. P. Norton vorliegen, welche bessere Leistung bei geringerem Kräfteverbrauch(denn das wäre die ideale Formel einer Arbeitsresorm) ermöglichen. 3

Norton untersuchte die Luftverschlechterung in Arbeits⸗ und Wohnräumen durch die ausgeatmete Luft und fand, daß die bis⸗ herige weitverbreitete Ansicht, wonach sich die verbrauchte Luft zu

der Wahrheit entspreche. 1 Die Kohlensäure und sonstige mit der ausgeatmeten Luft in die Atmosphäre dringenden schädlichen Substanzen bewegen sich 37 nach aufwärts, wenn die Zimmertemperatur unter 30 Grad Celsius bleibt und die Luft trocken ist. Die mit Wasserdampf gesättigte aus⸗ geatmete Luft ist keineswegs dichter als frische Luft. Es wird sich daher in der Praxis jedes Ventilationssystem am besten bewähren, das an der Zimmerdecke die verbrauchte Luft absaugt. Unten ge⸗ öffnete Fenster, wie sie Architekten empfehlen, überhaupt jede Lufterneuerung, die nur die unteren Schichten des Arbeits⸗ oder Wohnraumes berührt, sind im Lichte dieser neuen Erkenntnis un⸗ zulänglich. Welchen Einfluß aber reine Luft auf die Spannkraft der Arbeitenden hat, wenn man schon in Werkstatt und Bureau nicht darauf achtet, wissen am allerbesten die Lehrer aus dem Unter⸗ schied ihrer und ihrer Schüler Leistung zu Beginn und am En der Unterrichtsstunden. 5 Wo steht das erste deutsche Heinedenkmal? Das in Fra furt a. M. enthüllte Heinedenkmal wurde in allen Berichten das erste deutsche Denkmal für denungezogenen Liebling der Grazien bezeichnet. Demgegenüber dürfte es interessant sein, z erfahren, daß Deutschland schon seit etwa zwanzig Jahren ei öffentliches Heinedenkmal besitzt, das zwar an künstlerischer Schön⸗ heit mit der Schöpfung Kolbes in Frankfurt keinen Vergleich hält, aber als ein Zeichen der Heineverehrung deutscher Fra nicht vergessen bleiben soll. Es steht auf der Friedensau be Elberfeld, hoch auf den prächtigen Höhen, die dieser Stadt ih großen landschaftlichen Vorzüge verleihen, und wurde von de Gattin des bekannten Wuppertaler Kunstfreundes Freiherrn v der Heydt errichtet. Allerdings: einen besonderen Kunstwert be⸗ sitzt dieses erste deutsche Heinedenkmal nicht; es besteht aus roh Basaltblöcken, die zu einem Sockel r 2 0 ist eine Steinplatte mi nschrift: n n Heinr Keie 52 Wale auf der Riickseite trägt d Vers Heines: Auf die Berge will ich steigen, Wo die dunklen Tannen ragen, Bäche klingen, Vögel singen Und die dunklen Wolken jagen. 1 Dunkle Taunen umstehen auch die Stelle, von der mau 1 in dasBergische Laud hineinsieht, das von jeher einDicht winkel gewesen ist. g a 18