hinaus 1900— und dann bricht die Krise aus. Genau das⸗ selbe Schauspiel 1906 und 1907. Wenn nun die Zahlen für 1912 und 1913(denn in diesem letzten Jahre, dessen genaue Zahlen wir noch nicht haben, ist ja die Produktion wiederum über den Stand von 1912 hinaus gesteigert worden)— wenn also die Zahlen für 1912 und 1913 aufs neue den gleichen Vorgang spiegeln, wie darf man dann daraus eine Sicherheit gegen erneute Krisengefahr herleiten! . Noch ein letztes Beispiel sei angeführt, die Produktion von Walzwaren in Deutschland seit dem Jahre 1897. Sie betrug pro Kopf der Bevölkerung: 1897 50 Kilo 1902 68 Kilo 1907 104 Kilo 1912 120 Kilo 1898 74 Kilo 1903 75 Kilo 1908 90,3 Kilo 1899 84 Kilo 1904 82,7 Kilo 1909 93 Kilo 1900 78 Kilo 1905 88,6 Kilo 1910 101 Kilo 1901 61,4 Kilo 1906 102 Kilo 1911 100 Kilo 5 Auch hier sehen wir, wie in den Jahren 1899 und 1900, sowie 1906 und 1907, d. h. unmittelbar vor den Krisen, die Produktion weit über den früheren Stand hinaus gesteigert worden ist. Wie man dann aus der Tatsache der stark ge- steigerten Produktion den Schluß ziehen will, daß die Krise noch weit im Felde sei, erscheint geradezu unerfindlich. In Gegenteil, diese vollständige Uebereinstimmung, im Verlauf aller bisherigen Krisen hat vielmehr alle Welt an den Ge— danken gewöhnt, daß eine so starke Steigerung der Produktion als ein Vorbote der Krise anzusehen sei. Dieser Gedanke kommt auch der Wahrheit bedeutend näher, zumal wenn, wie heute, die stark gesteigerte Produktion begleitet ist von ebenso stark gesteigerter Arbeitslosigkeit. Nur darf man sich nicht darüber täuschen, daß hiermit nur ein äußerliches Symptom, aber noch keine Ursache der Krise erkannt ist.
Wie wurde das Radium entdeckt?
1 Wenn schon ein antiker Schriftsteller den Zufall die Mutter der Weisheit genannt bat verriet er damit, wie alt das Wissen darum ist, daß ein guter Teil, eigentlich das Beste unseres wissen⸗ schaftlichen Besitzes, nicht so sehr erarbeitet, wie vielmehr aus glücklichem Ungefähr entstanden ist, freilich nur dann, wenn ein weitschauender Kopf imstande war, das durch den Zufall offenbarte 2 als N zu erkennen und dann zielbewußt weiter zu ver⸗ folgen. * Welch eigenartige Verbindung von Zufall, Scharssinn und Fleiß aber dazu gehört, um die Kultur durch eine große Entdeckung u fördern, geht aus der neuerdings bekannt gewordenen merk⸗ würdigen Entdeckungsgeschichte des Radiums hervor, die, wie sich immer klarer erweist, zu einem Wendepunkt der Naturerkenntnis von größter Tragweite führte. N Die Vorbedingung der Radiumentdeckung war die Kenntnis Röntgenstrahlen, die selbst aus einem Zufall ans Tageslicht kamen. Sofort nach ihrer Entdeckung stellte sich der französische Physiker Poincaré die Frage, ob denn nicht die an der Wand 5 Röntgenröhre wahrnehmbaren Lichlschimmer die Ursache der merkwürdigen, durch Holz und Fleisch ringenden neuen Strahlen ei. Er löste sie nicht befriedigend, daher nahm sein Kollege Becquerel die Sache nochmals auf, denn schon sein ebenfalls physikalisch forschender Vater hatte sich als Lieblingsgegenstand das eigentümliche Ausstrahlen gewählt, das jedermann 3. B. vom zetroleum kennt. Man neunt es Fluoreszenz, wenn Petroleum im darauf fallenden Sonnenlicht blau schimmert. Diese Fluoreszenz in hervorragendem Maße ein Salz, das in der Wissenschaft unter dem schwerfälligen Namen Urankalisulsat bekannt ist. Davon aß Becquerel von seinem Vater her eine ganze Menge, und us bloßer 5 um zu sehen, ob Fluoreszenz und Röntgen⸗ trahlen etwas Aehnliches seien, machte er einen„Röntgenversuch“ mit seinem Salz. Er wickelte es in schwarzes Papier ein und legte im Dunkeln auf eine photographische Platte. Als er die ent⸗ vickelte, sand sich darauf ein hübsches Bild der Uransalzkristalle. , Nun verkettete sich Zufall mit Zufall. Als er seinen Verfuch dachte, sagte er sich, daß an dem Salz eigentlich nur das Uran srahlen könne. Und das mit ihm bekannte Ehepaar Curie, das ch flir die Sache interessierte, hatte Gelegenheit, sich von aller arten solche Uranerze kommen zu lassen, die dann auf ihre ztrahlung untersucht wurden. Darunter war zufällig auch Mate⸗ aus den 8 zu Joachimstal in Böhmen. Dieses hlte viermal stärker als das übrige Uranmaterial. An diesem Punkte setzte der Scharfsinn von Frau Curie ein. 0 4 daß es nicht verschiedene Arten von Uran geben ne, 0
ndern daß im böhmischen Erz wahrscheinlich noch ein blender Stoff vorhanden sei. Herr Curle, der mit ingen beschäftigt war, fand diesen Gedanken so gut, daß liegen ließ und als guter Chemiker die Joachims⸗ chemisch zu zerlegen begann. Was wäre aus der na geworden, wenn er seine frühere Arbeit nicht
n alles
*
3 hätt? Vielleicht würden wir noch heute kein Radium ennen.
Es gelang ihm, aus dem Uranerz einen Stoff auszuscheiden, der sich in jeder Weise so wie Wismuth verhielt, aber viel stärker strahlte als das Uranerz.
An diesem Punkte gesellte sich zum Scharssinn der Fleiß. Denn Frau Curie bemerkte, wenn man das Materfal durch Umkristalli⸗ steren reinigte, daß dessen Strahlungsenergie zunahm. Trotzdem das sehr mühsam war, begann sie ihr Material mehrere hundertmal aufs neue zu reinigen, bis dadurch endlich daraus eine neue Materie hervortrat, die rund zwei Millionen mal stärker strahlte als das ursprüngliche Uranerz, die reine Strahlungsenergie war und deshalb von den Curies den Namen Radium erhielt.
Seitdem ist die Welt um eine ihre Naturanschauung revol— tierende Kenntnis reicher. Aber wie viel Verdienst hat daran die Wissenschaft und wieviel das Ungefähr? Der Wendepunkt war, daß Becquerel vergeblich wartete, bis die Sonne schien. Er selbst sagte, daß er, als er durch mangelnden Sonnenschein keine Fluores⸗ zenz seines Urankalisulfates erhalten konnte, die Geduld verlor und eigentlich ohne rechten Grund die Platte entwickelte. Also hing die Entdeckung von einer momentanen Laune ab. Und sie wäre wohl auch unterblieben, wenn er nicht zufällig dieses Salz im Haufe gehabt hätte.
Aus solchem Wissen heraus erklärt sich der unverbrüchliche Glaube aller echten Naturforscher, daß es in der wissenschaftlichen Arbeit gar nichts Unwesentliches' und Bedeutungsloses gibt, daß also in einem gewissen Sinn jede scheinbar noch so fernliegende Ar- beit gleich ernst und wichtig ist, weil sie sich als der erste Anfang zur Eröffnung neuer Fenster erweisen kann, durch die der Men⸗ schengeist hinausblicken kann aus der Beschränktheit feiner fünf Sinne und Alltäglichkeit in die Unendlichkeiten der Natur
Aus unserer Sammelmappe.
Deutsche Arbeiter⸗Schachzeitung. Monatsschrist zur Förbe⸗ rung der Schachspielkunst in Arbeiterkreisen. Herausgegeben und redigiert von M. Wingefeld-München, unter Mitwirkung von O. Martin⸗Stuttgart und H. Fiedler⸗Nürnberg.
Wie der Titel besagt, hat diese Zeitung, welche jeden Monat in einem Umfange von 16 Seiten erscheint, es sich zur Aufgabe ge⸗ macht, das Schachspiel in Arbeiterkreisen zu fördern. Und was hat das Schachspiel für eine Bedeutung für den modernen Arbeiter? Die Zeit des patriarchalischen Systems ift vorbei, der Arbeiter von heute ist längst über seine Lage im klaren, er weiß, daß er zu seiner Verbesserung kämpfen muß. Jeder Kampf, sei er politischer oder wirtschaftlicher Art, bedingt zunächst ein klares, logisches Denken, und je mehr dem Arbeiter diese Eigenschaft innewohnt, desto leichter wird der Kampf. Aber logisches Denken allein tut es auch nicht; um den Sieg zu erringen, bedarf es großer Ausdauer und Ent⸗ schlußfähigkeit. Alle diefe Eigenschaften den Arbeitern einzuimpfen, bestreben die verschiedenen Gewerkschaften durch Veranstaltungen von Vorträgen, Herausgabe von Fachblättern, die Partei durch ständige Aufklärung in der Presse. Durch all dieses verbleiben dem Arbeiter nur wenige Mußestunden, die er, einem inneren Drange folgend, mit einem Spielchen ausfüllen möchte. Wir wollen nicht eigens hier auf das schädigende Kartenspiel verweisen, wir wollen den Arbeitern ein Spiel empfehlen, welches neben der An⸗ nehmlichkeit, daß dabei nichts verspielt und nichts gewonnen wer⸗ den kann, die oben angeführten notwendigen Eigenschaften bei dem Arbeiter sördert.
Es ist das Schachspiel, das edelste aller Spiele!
Das Schachspiel hat in den letzten Jahren durch die Deutsche Arbeiter⸗Schachzeitung folch große Verbreitung gesunden, daß in allen größeren Städten gut gedeihende Arbeiter⸗Schachvereine be⸗ stehen. Die Deutsche Arbeiter⸗Schachzeitung enthält jedesmal interessante und belehrende Aufsätze Über das Schachspiel, bringt immer eine Anzahl Partien nebst Besprechung, wichtige Mit⸗ teilungen aus der Schachwelt und eine reine Auswahl von Pro⸗ 5 die Anfänger und Geübte anspornen, ihren Geist zu chärsen.
Der Herausgeber Max Wingeseld, München, Landshuter Allee 14, ist stets bereit, Interessenten Auskunft zu erteilen und mit Ratschlägen an die Hand zu gehen. 0
Was sollen wir lesen? Soeben ist von unserer Parteibuchhand⸗ lung, der Wiener Volksbuchhandlung J. Brand u. Co., ein Katalog erschienen, der unter den gleichen Zwecken dienenden Erscheinungen des dentschen Büchermarktes in allererster Reihe steht. Das 208 Seiten umsassende Buch ist kein gewöhnliches Bücherverzeichnis mehr, es ist ein Nachschlagebuch, ein Ratgeber und Führer nicht nur für denjenigen, der erst zu lesen anfangen will, sondern auch für den geschulten Bücherkenner. Es ist überhaupt eine nicht zu unterschätzende Kulturtat, aus dem Wiener Bildungswesen hervor⸗ gegangen, daß die Bicherverzeichnisse immer mehr die Aufgabe übernommen haben, durch Anpassung an Verständnis, 2 und Bedürfnis der Arbeiter aller Bildungsstusen zugleich Rat un Belehrung zu erteilen. Aber dieser Katalog hat an Reichhaltigkeit des Juhalts und geschickter Anordnung das Höchste geleistet; das kann unberührt von jeder Voreingenommenheit des Parteimenschen gesagt werden. Er ist ein Sammelkatalog aller deutschen Partej⸗ buchhandlungen und enthält alles, was in deutscher Sprache über Kapitalismus und Sozialismus geschrieben worden ist. Wer zum Beispiel etwas über das Verhältnis der„Gelben“ zu den Unter⸗
nehmern erfahren wollte, mußte in den bisher üblichen Katalogen


