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Daseinsklugheit anzupassen. Eine Au
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Giaue schreitet immer drohender der Schreckensruf: Ein Jacobiner
fasser sich bemüht habe,„das Dasein Gottes als eines selbständigen
Aber in keinem preußischen Buchladen sei das Journal zu finden, Schriften,„die der Au
die Gott zu einem persönlichen Weltschöpfer, Menschenlenker und
Trristenz unvereinbar mit der erhabenen Gottesidee Fichtes war. So mußte allerdings Fichte für das Kirchenchristentum ein Atheist sein, weil dieses ihm selbst niedrigster Atheismus schien. Die Wei⸗
flährlichsten Augenblicke
kleinen, bequemen Akt der Nachgiebigkeit die Stellung zu retten. Diiesem geistigen Selbstmord kam Goethe zuvor, dem dieses ganze un⸗ bändige Treiben längst zuwider war; er opferte als Minister den
ward, den Fichte anfangs als den Vollstrecker der Revolution ver— ehrte, bis er ihn als ihren Abtrünnigen haßte. Die Verhandlungen mit Frankreich blieben ergebnislos. Die(damals preußische) Uni⸗
radikalste Verneinung des Zeitalters, heute würde man sagen, den
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semester in Königsberg, geht nach Kopenhagen und kehrt nach Berlin Hiäsche
te der Unsinnige aufs Spiel. Seine Jeneuser Jahre treiben Kon—
kt auf Konflikt. Die Verbindungsstudenten stört er in ihrer rüden Zügellosigkeit. Das neidische Professorentum hetzt er gegen sich auf, ie Weimarische Regierung wird ängstlich. Durch dle deutschen
auf einem deutschen Lehrstuhl! Aufsätze in den von Fichte heraus⸗
gebenen philosophischen Journal wurden des Atheismus angeklagt. Das Journal wird in einigen hundert deutschen Vaterländern ver⸗ boten. Dieses Ruhmesblatt preußischer Freiheit ist freilich zerfetzt, seitdem man die Kabinettsordre Friedrich Wilhelm III. vom 25. Mai 1799 kennt: Der König ist zwar auch peinlich berührt, daß der Ver⸗
Wesens wegzuräsonnieren“, auch bemitleidet die Majestät höhnisch die„Halbphilosophen, die ihre Vernunft in dem Grade verlieren“.
ebenso wenig ein Anhänger seiner traurigen Lehre, wofern die smerksamkeit der Regierung ganz unwürdig sind, nicht durch öffentliche Schritte aus der Dunkelheit hervorgezogen werden, in der sie bisher garnicht bemerkt wurden“. Preußen duldete Fichte, weil der vertrackte Träumer kein Unheil anrichten konnte, das Asul, das dieser Staat dem Verfasser dann bot, ist die altpreußische Vorliebe des Hoses für gelehrte Narrenfreiheit zu ver⸗ danken.
In Schriften von mächtiger Ueberzeugungskraft hatte Fichte die Anklage des Atheismus den Anklägern selbst entgegengeschleudert,
Strafrichter gottlästerlich erniedrigen. Ein solcher Gott, wie ihn die Kirche lehrte, war für Fichte, nicht nur, wie Kant lehrte, als Inhalt eines Glaubens für die Philosophie, als die Wissenschaft von den Wissenschaften, unbeweisbar, das Nicht⸗Dafein eines solchen Gottes war für ihn vielmehr schlechthin erwiesen, da eine solche göttliche
marische Regierung zögerte. Als aber Kursachsen den Boykott der Universität androhte, wußte man, was zu tun. Das waren die ge⸗ in Fichtes Dasein. Einen Augenblick schwankte der Mann, ob es nicht schließlich doch vernünftiger wäre, das irdische dem ewigen Seelenheil voranzustellen und durch einen
Prosessor, indem er einen unverbindlichen Privatbrief Fichtes als n Entlassungsgesuch stempelte und allerhöchst genehmigen ließ.
Fichte stand bürgerlich wieder im Leeren, aber aufrecht. Nie wieder latte er Anwandlungen zu überstehen, seinen Charakter der icht bietet ihm die neue Uni⸗ versität der französischen Republik: Mainz. Eine seltsame Fügung wollte es, daß ein Jenenser Schüler Fichtes Sekretär Bonapartes
versität Erlangen nimmt ihn eine Zeit lang auf. Nach Berlin über⸗ siedelt, fristet er seine Existenz durch Privatvorträge, in denen er die
Umsturz des Staates und der Gesellschaftsordnung predigt.
Napo⸗ leon gestaltet sich ihm zum Inbegriff alles Bösen:
er hat den revo⸗ lutionären Ausfschwung der Menschheit zerstört. Darum bietet er sich schon 1806, ebenso vergebeus wie 1813, dem preußischen Könige an, mit dem Heere als Feldprediger des wahrhaften Krieges zu ziehen. Nach dem Zusammenbruch Preußens wirkt er ein Winter—
zurück, wo er angesichts des Feindes und in klarer Erwartung, den . rn und dem Tode ausgeliefert zu werden, in den Reden an die deutsche Nation zur Massenerhebung gegen die „Universalmonarchie“ Napoleons aufruft. 7 Nichts ist eine so grobe und so sinnlose Fälschung, als das Ge⸗ rode von der Wandlung Fichtes vom vaterländischen Weltbürger und Revolutionär zum nationalistischen Patrioten der preußischen Mo⸗ narchie. Fichte ist der gleiche geblieben, nur hat er unter veränderten Deitumständen das Zentrum seiner Wirksamkeit verlegen miissen. die Revolution war im Kaiserreich zugrunde gegangen, die Idee der nschheit schien verloren, die Großmächte der Erde in Raubtiere verwandelt, die einander zerfleischten. So konnte, das war Fichtes Gedanke, die Rettung der Welt nur von einem Volke kommen, das . de wegen der Auflösung seines staatlichen Daseins blos noch üstig existierte. Das Ziel der deutschen Kriege gegen Napoleon var ihn nach wie vor der Völkerbund sozfalistischer Staaten. Diese neue Welt“, dieses„Vernunftreich“ ist der Gipfel, zu dem— mitten 4* Freiheitskriegen— Fichte noch in seinen letzten Vorlesungen
„Die Reden an die deutsche Nation sind nur ein Kapitel einer sozlalistischen Utopie. Sie fordern die Erziehung der jungen Gene⸗ ation in abgesonderten Erziehungsanstalten, in denen nach Pesta⸗ lozzis Lehre Menschen gebildet werden; eine von Grund aus das hengeschlecht erneuernde Erziehung, die nicht etwa nur den Mut
e zur bewährten Massenerhebung gegen die Fremdherrschaft,
bie Zöglinge reif machen sollte, Bürger der so ialistischen
dem Siege solgen würde. In der ge⸗
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herausgab, deuten darauf Lebens an einer Schrift er ein umfassendes Bild des Zukunftsstaates ent⸗ warf. Das scheint offenbar der Grund zu fein? warum der in der königlichen Bibliothek zu Berlin verschlossene Nachlaß Fichtes immer noch nicht vollständig veröffentlicht ist.
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Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wuchs Fichtes Drang, sein persönliches Dasein mustisch zu vergrübeln, und im reinen Geiste zu sichern, in demselben Maße, wie das Ungestüm, unmittelbar prak— tisch in die Zeit zu wirken. g
In der Epoche der schlimmsten Demütigung Preußens benutzten die kleinlaut gewordenen Hlerrschenden eine Zeit lang auch Fichtes Prophetenmacht. Als 1810 die Universität Berlin gegründet wurde, gab man ihm eine Prosessur. Es ging ihm nicht anders wie in Jena. Im zweiten Jahre der Universität wurde er Rektor, mußte das Amt aber, nach heftigen Kämpfen mit einem preußischen Stallknecht von Kultusminister bald aufgeben. Hätte er 1815 überlebt, wäre er seiner Prosessur entsetzt worden und im Kerker geendet.
Fichte kannte sein Schicksal, das ihm bevorstand. zum Kriege aufrief, war er sich klar, daß dieser Krieg nicht„wahr⸗ haftig“ werden würde, kein Krieg für die Freiheit. Damals schrieb er:„Wenn sich nun hinterher doch zeigte, daß es nicht Ernst gewesen wäre, wenn nach Errettung im Kampfe abermals die Selbständigkeit der Nation dem Vorteile der Herrscherfamilie aufgeopfert würde, wenn sich zeigte, daß der Herrscher zwar wollte, daß für seine Herr⸗ schaft das edelste Blut seines Volkes flösse, er dagegen für die Selbst⸗ ständigkeit desselben seine Herrschaft nicht wagen wollte, so könnte unter einem solchen der Vernünftige durchaus nicht bleiben. Ein solcher Staat befindet sich im Zustande der Verstockung, er hat öffent⸗ lich das Siegel der Verwerfung sich selbst aufgedrückt. Der Edle rettet sein unsterbliches Leben, indem er flieht.“
Er glaubte nicht an den Beruf eines freien Preußen unter Führung Friedrich Wilhelms und der Junker. Ein Lazarettfieber, das sich seine Frau bei der Pflege der Verwundeten zugezogen, über⸗ trug sich auf Fichte, und raffte ihn am 29. Januar 1814 fort.
Dem toten Fichte aber ward nun zum erstenmal lebendige Wirkung beschieden. Die wiedererstarkten Machthaber entdeckten in Fichte den Urheber aller revolutionären Verwirrung der Jugend, und als sie sich auschickten, die Freiheitskämpfer von 1813 aufs Schaffot zu schleppen, in Festungshöhlen zu begraben, in Verban⸗ nung zu jagen, marschierte dem Zug der Demagogen der Geist Fichtes voran. Zwar verstand man Fichte nicht, niemand las auch, seine verstaubten Bände, aber man ahnte die Gefahr eines kämpfen⸗ den Denkers, der dem sozial und politisch unterdrückten Volke das Sittengebot zurief:„Das vernünftige Wesen ist nicht zum Lastträger bestimmt!“; der eben erst in der Staatslehre von 1813 bis zur Er⸗ kenntnis des Klasseustaates und des Klassenkampses vorgedrungen war:„Die Menschheit zerfällt in zwei Grundstämme: die Eigen⸗ tümer und die Nichteigentümer. Die ersteren sind nicht der Staat. sondern sie halten den Staat, wie ein Herr sich einen Bedienten hält, und der letztere ist in der Tat ihr Diener.“ 1821 nach den Karls⸗ bader Beschlüssen riesen die Ratgeber Friedrich Wilhelms III. in einer Denkschrift den König zur Vernichtung der Umstürzler auf. Darin wird Fichtes verderbliche Wirkung also dargestellt:„Du sollst Gott mchr gehorchen als den Menschen, wird nach diefer neuen Moral so gedeutet, daß, da Gott im Menschen selbst oder nichts an⸗ deres als des Menschen tiefstes Wesen, seine innerste Ueberzeugung sei, dieser Ueberzeugung, mehr als allen Gesetzen zu gehorchen ist... Daher entspringt denn also auch für die Bekenner dieser Moral die absolute Notwendigkeit eines gesetzgebenden Volksrepräsentation: so wie sich für selbige andrerseits aus dem Grundsatz der Nichtigkeit aller Autorität, selbst der göttlichen Gesetze der Offenbarung; und aus dem Grundsaßh des absoluten gleichen Wertes der Menschen als Inhaber des böchsten göttlichen Wesens die notwendige For⸗ derung der Universität des Volkes gibt.“ In solchen Meinungen sei zdeutlich die Hand des Verderbens zu erkennen, der die schwachen Menschen durch solche Vorspiegelungen zum ewigen Unheil zu ver⸗ führen sucht, indem er das Zauberbild einer libermenschlichen Voll⸗ kommenheit ihren betörten Augen vorgaukelt“. Von den Berliner Vorlesungen Fichtes, heißt es in dieser amtlichen preußischen Biographie Fichtes weiter, schreibe sich„die gänzliche Zerstörung der christlich⸗religiösen und moralischen Gesinnung her, welche weiterhin unter einem großen Teil der hiesigen Staatsbeamten, Gelehrten und Jugendlehrern zur Erscheinung gekommen ist.“
„Die Haud des Verderbens!“ Auf sie weist auch der Bericht des Inqussitionsgerichts des deutschen Bundes hin, der Mainzer Zentral- Untersuchungskommission. Als Ursache der Umsturzbewegung wer⸗ den in der Einleitung des Berichts, vor den Polizeiakten der noch lebenden, also quälbaren Demagogen, Fichtes Reden an die deutsche Nation genannt. Und 1824 wurde die Neu⸗Ausgabe der Reden als „eines verführerischen, leere Phantome nährenden Buches“ verboten. Das war die höchste Ehrung Fichtes, die er in der bürgerlichen Welt erregte. So lange man ihn verfolgte, ward dort seine Größe und Bedeutung anerkannt.
Dann aber kam der furchtbare Absturz. Man putzte den ver⸗ schollenen Revolutionär als einen ordinären preußisch⸗deutschen Spießbürger auf, mit christlich⸗patriotisch⸗königstreuer Normal-
ing das Fichteseiern los. Der große Unbekannte ward
Spuren in den Werken, die sein Sohn hin, daß Fichte in der letzten Zeit seines arbeitete, in der
ö
Als er 1819
gesinnung.
Nun g
0 Reden ind diese Leitgedanken an entscheldende der Zensur verstsimmelt worden, ü
sogar, wenn auch unter Schwierigkeiten, denkmalsreif,


