mühevolle Arbeit erfordert haben muß. Ueberhaupt steckt in der Stadt eine Arbeit, die sich sicher über Jahrhunderte erstreckt haben mag. Häuser und Tempel lassen einen nicht gering entwickelten Kunstsinn der Bewohner erkennen. Eine besondere Sorgfalt 7 die Bevölkerung auf eine starke Verteidigung gelegt zu haben.
Die ganze Stadt ist in Gruppen von 6 bis 10 Häusern einge⸗ teilt und jede solche Gruppe hat nur einen einzigen Torweg, der im Innern noch besonders befestigt ist. Obgleich die Stadt selbst schon durch ihre eigenartige Lage nahezu vollkommen gegen jeden An⸗ griff gedeckt ist, ist sie doch von zwei großen Steilnwällen umgeben. Der äußere Wall zieht sich nach einem der zunächst gelegenen Berge über einen schmalen Grat, dann folgt eine ausgedehnte Reihe von Ackerbauterrassen, die von Steinen eingefaßt waren, dahinter ein steiler trockener Wallgraben und hinter diesem der 4½ bis 6 Meter hohe innere Wall, der aus den größten Steinblöcken aufgetürmt war. Außerdem befand sich noch auf dem benachbarten Gipfel eine Signalstation. Für die damalige Technik der Kriegsführung muß die Stadt infolgedessen tatsächlich uneinnehmbar gewesen sein.
Da die Stadt bis jetzt also noch völlig unberührt war, so ist die Ausbeute an Gerätschaften, Schmuck, Gefäßen usw. eine außer- ordentlich große und wertvolle. Man darf von ihr wichtige etymologische Aufschlüsse erwarten. Für die Paläontologie, die Knochenlehre, sind besonders wertvoll die in den 52 bis jetzt ent⸗ deckten Grabstätten aufgefundenen Skelettreste. So verspricht die weitere Untersuchung der interessanten Stadt der Wissenschaft eine reiche Ausbeute. Nach den Vermutungen Binghams ist die Stadt vor zirka 2000 Jahren erbaut worden.
Bingham hat auf seiner Expedition auch noch eine Reihe anderer Inkastädte besucht und überall ein reiches wissenschaftliches Material gesammelt. Er hat ferner ausführliche Karten der von ihm besuchten Gegenden aufgenommen, so daß seine Reise einen großartigen Erfolg zielbewußter wissenschaftlicher Arbeit darstellt.
Aus unserer Sammelmappe.
Der Vorgang beim„Gedankenlesen“. Wie genaue wissenschaft⸗ liche Analysen durch Geh. Rat Prof. Dr. Sommer in Gießen zeigen, liegt der„Gedankenübertragung“ oder dem„Gedankenlesen“ folgender psychologischer Vorgang zugrunde: Der Experimentator Hat ein besonders feines Gefühl für die unbewußten Ausdrucks⸗ bewegungen der Versuchspersonen und des übrigen Publikums. Solche Ausdrucksbewegungen, die alle seelische Vorgänge, wie Wahr⸗ nehmen eines Gegenstandes, sich etwas vorstellen usw. begleiten, sind willkürliche oder unwillkürliche Veränderungen des Mienen⸗ spiels, unbewußtes Flüstern oder Bewegen der Lippen, leichte Be— wegungen, Zuckungen oder Spannungen der Hände, Veränderungen des Pulses, der Gesichtsfarbe, der Pupillenweite und dergleichen. Alle diese Bewegungen verstärken sich, wenn auch nur geringe Affekte, wie Erwartung, Neugier oder Spannung auf die Versuchs⸗ person und die übrigen Zuschauer wirken und können dann leichter wahrgenommen werden. Der Experimentator nimmt sie wahr ver⸗ mittelst seiner Sinnesorgane, also durch die Augen, das Gehör, vor allem aber durch das Gefühl bei näherem Zusammensein, durch Anfassen oder Berühren der Versuchsperson. Der Erperimentator ist für diese verfeinerte Wahrnehmung besonders geeignet, weil er gewöhnlich von Hause aus eine übersensible Persönlichkeit(häufig ein Neurastheniker) ist, zweitens weil er diese Fähigkeit durch Uebung verschärst hat und drittens, weil er im Moment des Experimentes im Zustand hochgradiger geistiger Konzentration sich befindet. So läßt z. B. der Gedankenleser sich von 5 Personen je ein Taschenmesser geben. Er gab nun einer Person auf, eines der Messer zu nehmen, sich nach einer der anwesenden Personen zu be⸗ geben und andeutungsweise dieser entweder in den Kopf, in die Kehle oder in das Herz zu stechen. Während der Beauftragte eines der Messer nahm und bei einer in der Mitte des Saales sitzenden Person einen Stich nach dem Kopfe andeutete, war der Gedanken⸗ leser außerhalb des Saales. Zurückgekehrt gab der Gedankenleser richtig an, welches Messer benützt worden war, welche Person und in welche Körpergegend gestochen wurde. Die Anwesenden ersuchte er dabei immer an die Sache zu denken. Nach einmaligem Versagen gelang es, den richtigen Mann zu finden, auch konnte er angeben, daß der Stich von oben nach dem Kopfe erfolgt war. Daß das richtige Messer gefunden wurde, läßt sich wohl so erklären, daß dies Messer wärmer war wie die anderen. Vermittelst seiner über die Norm scharfen Sinnesorgane merkte er an dem Verhalten der Ver⸗ suchsperson oder einzelner Zuschauer, bei wem der Stich angedeutet war, weil die Ausdrucksbewegungen der Versuchsperson stärker und lebhafter wurden, wenn er sich der richtigen Stelle näherte. Die führende Versuchsperson führte ihn, ohne daß er es wollte, zu der Stelle hin oder hielt ihn zurück, wenn er auf elne falsche Stelle zuging.
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Die naturwissenschaftliche und lechnische Bildung ber bresten Massen, wozu auch ein großer Teil der gebildeten Kreise zu rechnen ist, liegt leider noch sehr im argen, obwohl das deutsche Volk selt dem großen Kriege allgemach vom Ackerbauvolk zum Industrievolk geworden ist. Der gewiß schönen Aufgabe, hier Wandel zu schaffen, will sich eine neue Zeitschrift„zur Verbreitung naturkundlichen und technischen Wissens“ unterziehen, die den Titel„Der Stein der Weisen“ trägt. Die bis jetzt vorliegenden zwei ersten Hefte lassen erkennen, daß die Leitung des Unternehmens es trefflich versteht, das Juteresse für das Walten der Natur und die moderne Technik, durch die der Mensch sich die Kräfte der Natur dienstbar gemacht hat, zu wecken und zu vertiefen. In einem einleitenden Aufsatz wird der geschichtliche Begriff des„Steins der Weisen“ und daraus logisch der Zweck der Zeitschrift entwickelt: g
„Bildung ist die„Quintessenz“ für den Weg der immer höherer Kultur zustrebenden Menschheit,„Wissen ist Macht“. Darum haben wir unserer Zeitschrift den Namen„Der Stein der Weisen“ ge⸗ geben. Sie will ihren Lesern das Walten der Natur in allen ihren Erscheinungen, namentlich auch in ihren Einflüssen auf die Ent⸗ wicklung des vielgestaltigen und oft so seltsamen Völkerlebens zeigen, und sie lehren, wie der Mensch sich diese Natur zu seinenr Fortschritt dienstbar macht. Sie will ihnen aber auch die Augen öffnen für die Schönheiten der Natur und ihnen helfen, nicht nur materiellen Gewinn zu sammeln, Schätze,„welche die Motten und der Rost fressen“, sondern auch Schätze fürs Gemüt. Kurz und gut, sie will mit ihnen den wahren Stein der Weisen suchen.“
Der weitere, reich mit Bildern geschmlickte Inhalt der ersten Hefte hält, was dieses Programm verspricht. Wir finden darin u. a. folgende unterhaltend geschriebene Aufsätze angesehener Fach⸗ leute: Der Segen des Bergbaues— Unser Nachbar, der Mond— Unser täglich Brot! Das Brot im Wandel der Zeiten— Die Er⸗ oberung der Luft— Die Eisenindustrie der Afrikaner— Von Galvani bis Telefunken— Vom Urwaldbaum zum Autoreifen— Tiere als Verstellungskünstler— Die Reklame im Pflanzenreich— Eisen und Stahl— Wenn der Urwald erwacht— Europäische Er⸗ sindungen in den Augen von Wilden— Die Matadoren der Metallindustrie der Erde— Wie alt werden die Tiere usw. usw. Daneben einen spannenden Roman, der uns näher in den Begriff des„Steins der Weisen“ einführt:„Das Geheimnis des Magisters Leonardus, die Geschichte eines Goldmachers“. Da das 24 Seiten starke, mit über 50 Bildern geschmückte Heft der im Atlasverlag G. m. b. H., Berlin S. 42 erscheinenden Zeitschrift nur 15 Pfennige kostet, so ist diese jedermann zugänglich und namentlich der Familie als Quelle der Unterhaltung und Belehrung zu empfehlen.
Pflanzenwachstum. Es ist bekannt, daß Bor das Pflanzen⸗ wachstum beeinträchtigt, neu ist aber, daß schon die Anwesenheit von einer Spur von 1 Milligramm Bor in einem Liter der Pflanzen⸗ nährlösung schädlich ist. Anscheinend greift die Borsäure bei Halm⸗ pflanzen nur das Stroh an und nicht die Körner. In den Blättern der anderen Gewächse treten durch Bor Fleckenbildungen auf.— Für das Pflanzenwachstum soll auch die Saatweite von Bedeu⸗ tung sein. Daran ist ohne Zweifel etwas Richtiges, freilich wird auch hier, wie so oft, weit über das Ziel gegangen, denn der Ein⸗ fluß der Saatweite auf den Ertrag ist unter gewöhnlichen Ver⸗ hältnissen sehr geringfügig. Versuche mit Mais zeigten, daß der weitreihig gesäte Mals einen etwas höheren Protein- und Rohfett⸗ gehalt aufwies, als eng gepflanzter. Der Ertrag selbst aber richtete sich lediglich nach der Witterung. Unter normalen Verhältnissen gibt der dicht gepflanzte Mais einen besseren Ertrag und nur in trockenen Jahren ist es umgekehrt. Die weite Saat hat also nur Berechtigung in Gegenden, in denen Dürre eine regelmäßige Er⸗ scheinung ist. 4
Eleltrische Erscheinungen des Wüstenwindes. Die Luftelek⸗ trizität bildet ein wichtiges Kapitel der umfangreichen Wissenschaft von der Elektrizität. In ägyptischen Reiseberichten finden wir, nach 5 Angabe der Mußestunden(Stuttgart), häufig Mitteilungen über die elektrische Eigenschaft des Wüstenwindes. So beschreibt der als Elektrotechniker berühmt gewordene Werner v. Siemens in seinen „Lebenserinnerungen“ folgendes:„Gelegentlich einer Besteigung der Cheopspyramide, während der sturmartige Chamsin, ein trockener, heißer Wüstenwind darüber fegte, machte mich einer der l Araber darauf aufmerksam, daß beim Aufheben seines ausgestreck⸗ ten Fingers Über seinem Kopfe ein scharser, singender Ton entstand, der aufhörte, sobald er die Hand senkte. Ich fand dies bestätigt, als ich selbst einen Finger über meinen Kopf erhob, zugleich spürte ich im Finger eine prickelnde Empfindung. Daß es sich hier bei um eine elektrische Erscheinung handelte, ergab sich daraus, d man einen gelindeu elektrischen Schlag bekam, wenn man aus ein, Weinflasche zu trinken versuchte. Durch Umhüllung mit feuchte Papier verwandelte ich eine solche noch gefüllte Flasche mit ein metallisch belegten Kopf in eine Leidener Flasche, stark gele wurde, wenn man sie hoch über den Kopf hielt. ihr klatschende Funken von 1 Zentimeter Schlagweite ziehen.“
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