dem preußischen Oberkirchenrat in Berlin unkerstellt sind, ist in;
leder Beziehung viel schärfer ausgeprägt als derjenige der einzelnen auch organisatorisch ganz selbständigen Kirchen der neuen preußischen Provinzen. Die Landeskirche des Königreichs Sachsen sucht heute schon in sehr auffällsger Weise einen immer mehr entgegen⸗ kommenden Modus vivendi mit der so sehr erstarkten sozialdemo⸗ Tratichen Masse und arbeitet in vielen ihrer Geistlichen immer ernst⸗ licher an einer Abstreifung ihrer früheren der Arbeiterklasse feind⸗ lichen Taktik. In Sachsen⸗Meiningen ist unter dem Drucke des modernen Geistes die Trennung von Kirche und Schule bereits durchgeführt worden. Die kirchliche Verfassung Hamburgs und Bremens ist im Vergleich mit anderswo in Deutschland überaus demokratisch; und die süddeutschen protestantischen Kirchen haben wieder einen anderen Geist und Zuschnitt als alle bisher genannten. Das alles verhindert also, daß man diese einzelnen Landeskirchen schablonenhaft gleich behandelt. Wollte sich die Partel auf eine pPolitische Bekämpfung derselben einlassen, so müßte sie mindestens, um Erfolg zu haben, in dieser Bekämpfung stark individualisieren. Noch unmöglicher aber ist es für die Partei, sich, wie das fein 9— Professor Ostwald offenbar heiß ersehnt, dem Komitee onsessionslos anzuschließen und unter dessen Fahnen den Kirchen⸗ austritt zu betreiben. Das würde die Auslieferung der Partei an eine noch dazu überaus verschwommene und aller Wahrscheinlichkeit nach auch rasch vergängliche bürgerliche Kulturbewegung bedeuten. also eine Selbstenthauptung, die unter uns überhaupt nicht diskutabel ist. . So notwendig also eine Revision der bisherigen Taktik der Partei dem religiösen Problem gegenüber auch erscheint, sie kann nicht darin bestehen, daß die Partei den Forde⸗ rungen der Freidenker oder den Schlagworten Liebknechtsoder garden Ansprüchen des Komitees Konfessionslos folgt.(Schluß folgt.)
4 Kalk und Körperentwicklung. 8 Von Prof. R. Emmerich und Dr. O. Loew. . Kallarmut und Kalkreichtum prägen sich im Gesund— heitsgrade der Menschen und Tiere aus. Am auffallendsten tritt dieses Naturgesetz uns entgegen, wenn zwei benachbarte 1 Gebiete mit einander verglichen werden, von denen das eine kalkarmen, der andere kalkreichen Boden besitzt. Solche Distrikte sind z. B. die von Forbach und von Spichern, wo⸗ rüber Geh. Rat Dr. G. Feist, der in jenen Gegenden früher als Arzt tätig war, sehr wertvolle Mitteilungen gemacht hat. . Forbach, das am Fuße eines Ausläufers der Vogesen liegt, hat in seiner Umgebung lediglich Sandstein, während Kalk nur auf den entfernten höheren Gipfeln anzutreffen ist. In jenen Gegenden sind nun Knochenbrüche bei hochträch⸗ tigen Kühen ungemein häufig, ferner leiden schwangere Frauen oft an Knochenerweichung, so daß sie an Krücken herumgehen müssen. Kinder werden rachitisch, sodaß sie selbst im Alter von 3 bis 4 Jahren noch kaum laufen können und krumme Beine bekommen. Die Ferkel laufen nicht fröhlich umher, sondern liegen meist apatisch am Boden. Nur 4 bis 5 Kilometer von Forbach entfernt liegen die Dörfer Gaubibingen, Thetingen, Tentlingen und Spichern, umgeben von einer Kalkformation. Der Unterschied, det sich hier dem aufmerksamen Beobachter darbietet, ist gerade⸗ zu überraschend. Die Leute sind kräftige und gesunde Ge— stalten und bei den Tieren sind keinerlei schwache Knochen mit ihren traurigen Folgen zu beobachten. In neuester Zeit wird Mehl aus Ungarn in diesem Kalkdistrikt importiert, w il es backfähiger ist als das Mehl aus einheimischem Ge— treide. Das ungarische Mehl aber soll kalkärmer sein und man fürchtet, daß nach längerem Gebrauch eines kalkarmen Brotes auch bei diesen Einwohnern allmählich gewisse schãd⸗ liche Folgen sich zeigen könnten. . Aus dem Buntsandsteindistrikt des Schwarzwaldes be⸗ richtete uns Tierarzt und Schlachthofdirektor Dr. Zeeb: Da in der hiesigen Gegend(Freudenstadt) mit seinem Buntsand⸗ steinboden sich die allgemeine Kalkarmut bemerkbar macht und darunter sowohl Menschen wie Tiere viel zu leiden haben, so möchte ich an mir selbst und auch an meiner Familie das Chlorcalcium versuchen. Bei den Tieren tritt die Osteomalazie hier oft geradezu seuchenartig auf, Ich glaube, daß man bei Behandlung dieser Krankheit mit Chlorcalcium weit bessere Erfolge hätte als mit dem gewöhnlich verabreichten Futter⸗ alk, dessen Wirkung oft zu wünschen übrig läßt. Dr. 5traumer weist darauf hin, daß das weiche, kalkarme Wasser, as die meisten großstädtischen Wasserleitungen liefern, der eit gar nicht forderlich ist
Früher hat man bei Beurteilung des Nährwerte mensch⸗ licher Nahrungsmittel die Mineralstoffe fast ganz vernach⸗ lässigt, obgleich unter diesen der so nötig Kalk oft in auf⸗ fallend geringer Menge vorhanden ist; diese Vernachlässigung wurde vor einigen Jahren im Archiv für Rassenhygiene ge— ziemend getadelt.„Die Kalk essenden Kinder und schwangeren Frauen, heißt es dort, vermochten in dieser Wissenschaft, die bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts in der Hauptsache auf den Eßgewohnheiten von ein paar Arbeitern beruhte, keinen Eindruck zu machen.“ Auf jenem veralteten Stand— punkt stehen heute noch die, die behaupten, sämtliche Mineral nährstoffe seien in der menschlichen Nahrung in genügender Menge vorhanden. Je eher diese Meinung aufgegeben wird, desto besser ist es für das körperliche Wohl unseres Volkes.
Es ist garnicht zu leugnen, daß kalkhaltige Nahrungs- mittel, wie z. B. Calciumbrot, eine wichtige gesundheitliche Mission erfüllen. So rasch als möglich sollten sie besonders in jenen Gegenden eingeführt werden, in denen Granit- und Sandstein vorherrscht, und wo nur weiches Wasser zur Ver— fügung steht. Sie würden sich hier bald als ein wahrer Segen erweisen.
Die Wiege des Jukareiches.
Dem amerikanischen Professor Bingham, der schon in den Jahren 19061911 sehr ergebnisreiche Forschungen im Jnkareiche unternommen hatte, ist es auf einer im Jahre 1912 vorgenommenen, von der Nationalen Geographischen Gesellschaft in Washington und der Nale⸗Universität durch reiche Mittel unterstützten Expedition in die Hochanden gelungen, dort auf dem Gipfel eines Berges die sagenhafte Wiege des Inkareiches zu entdecken. Als die Spanier im 10. Jahrhundert erobernd im Amerika vordrangen, da stießen sie auf ein großes Reich, das sich von Ecuador bis Chile erstreckte und dessen Bevölkerung im Gegensatz zu den übrigen wilden Horden des neuen Erdteiles eine hohe Kultur aufwiesen. Die regierende Kaste des Landes waren die Inkas, die sich allmählich die rohen Volksstämme unterjocht hatten und diese in freilich durchaus aristokratischer, aber friedlicher und gütiger Herrschaft hielten. Obgleich dem Volke eiserne Werkzeuge unbekannt waren, wurden viele Handwerke mit Erfolg geübt. Der Ackerbau blühte und mächtige Bauwerke legten Zeugnis von der hohen Zivilisation des eigenartigen Reiches ab. Die Spanier als die Vertreter der alten „Kultur“ durchzogen das Land raubend und mordend, machten den letzten Inkaherrscher Atahualpa nieder und stürzten die Bevölkerung in Elend und Verwilderung. 5
Gleichzeitig brachten sie nach Hause Kunde von einer Art heiliger Stadt, der Inkas Tam pu Tocco genannt. Diese Stadt sollte von den Inkas als Zufluchtsort gebaut worden sein, nachdem sie Jahrhunderte früher aus ihren ursprünglichen Wohnsitzen durch wilde Horden vertrieben worden waren. Nachdem sie dann in dem in einer der unzulänglichsten Gegenden der Anden gelegenen Tampu Tocco ihre kriegerische Kraft wieder gewonnen hakten, zogen sie in langer Wanderung nach Cuzko, wo sie das berühmte Inkareich gründeten. Doch blieb Tampu Tocco ihr„Mekka“, dessen Geheimnis sie ängstlich vor den Spaniern hüteten. Bis jetzt war alles Suchen nach der sagenhaften Wiege des Inkareiches vergeblich. Eine auf die Aussage von Indianern sich stützende Vermutung, daß das kleine Dorf Pacarikampu identisch mit jener Stadt sei, erwies sich als hinfällig, da die Gegend nichts, was an eine Höhle erinnerte, d. h. nichts Geschütztes hatte und ebenso wenig etwas zu entdecken war, was den Namen„Fenster“ gerechtfertigt hätte. Tampu heißt näm⸗ lich Höhle und Tocco: Fenster.
Dagegen treffen beide Merkmale auf die von Prösessor Bingham entdeckte Stadt zu, wie auch schon die Großartigkeit der aufgefundenen Bauten darauf hindeutet, daß es sich hier um einen Mittelpunkt der Inkakultur gehandelt haben muß. Einen sehr interessanten, mit Abbildungen geschmückten Bericht bringt die Zeit⸗ schrift Umschau in ihrer Nr. 3 aus der Feder von Dr. Th. Arldt Der Ort, den Bingham im Jahre 1911 zum ersten Male erblickte, liegt auf dem schmalen Rücken eines Berges der Hochanden im Ge⸗ biet des reißenden Urubamba, 750 Meter über dem seinen Fuß umspülenden Fluß im heutigen Peru. Die Gegend ist so unzu⸗ gänglich, daß nicht einmal Maulesel dahin gelangen konnten, son⸗ dern daß man sich unter unendlichen Mühen einen Fußpfad schafsen mußte, den die indiauischen Träger benutzen konnten. Tampu Toccd oder Machu Piechu, wie der Ort jetzt heißt, lag ganz unter üppig wucherndem tropischen Urwald verborgen. Nach den viele Wochen dauernden Aufräumungsarbeiten zeigte sich das Bild einer terasseuy⸗ förmig gebauten Stadt. Die Häuser sind fast alle andert Stockwerk hoch und sind aus unregelmäßig mit Steinhämmern be⸗ hauenen Steinblöcken aufgebaut. Die 8 ebenso herge⸗ 'stellte, aber an Großartigkelt alle seither in Amerika entdeckten Ruinen übertreffende Bauwerke. Der bedeutendste unter ihnest hat drei große Feuster, von denen also vermutlich der alte Nause der Stadt herrührt. Auffallend ist die große. von Treppesß⸗ wegen, von denen einige bis zu 150 Stufen haben. Dabei sind
gehauen, was bei den unzulänglichen Werkzen gen
al ganze Stnsenreihen aus einem einzigen Block 10


