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chaftliche Arbeit in vorwiegend oder rein katholischen Gegenden legt, und sodann blesenigen, die zu religiösen und Weltanschau⸗ ungsfragen Überhaupt so aut wie kein Verhältnis, wenig oder kein nneres Interesse an ihnen haben, vielmehr der Melnung sind, daß solche Dinge atavlstische Reste längst vergangener Zeiten sind und am besten dadurch gänzlich überwunden werden, daß man sie still⸗ chweigend ignoriert. für diese beiden an Zahl wie Bedeutung sehr edeutsamen Gruppen erscheint die Beibehaltung der bisherigen aktik der Partei in religiösen Dingen auch in Zukunft als die nzig richtige und vernünftige, dagegen die ganze neuerliche rchenaustrittsbewegung als eine Störung und darum die Forde⸗ rung selbstverständlich, daß von Partei wegen alle diejenigen ener⸗ isch abzulehnen und zu desavouiren seien, die jetzt den Versuch achen, mittels sener neuen Motivierungen die Partei mehr oder veniger einseltig und eindeutig für die Kirchenaustritts⸗ und über⸗ haupt antireligiöse Bewegung zu engagieren. Es stehen sich also augenblicklich zwei starke Richtungen innerhalb der Partei wegen des religiösen und kirchenpolitischen Problems gegenüber. Was ist nun dazu zu sagen? Auf welcher Seite ist bas Richtige? Welche Haltung ist für die Partei in Zukunft die angemessenste, die chlich und taktisch ratsame? * 0
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Bei der Erörterung dieser Frage muß zunächst von der Tatsache ausgegangen werden, daß die Zahl derjenigen Parteigenossen, die an der Kirchenaustrittsbewegung beteiligt sind, gegenwärtig über varten groß ist, und daß die Zahl von Monat zu Monat nament- lich in den Großstädten weiter wachsen wird. Die Kirchenaustritts⸗ vegung, die früher stets nur eine recht eng begrenzte und daneben h vorwiegend bürgerliche war, ist heute in der Tat im Begriff, e proletarische Massen⸗ ö
ewegung von sehr
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Vom Seelenleben der Arbelter. (Schluß.)
Den Genuß von Alkohol hielten für entbehrlich: 411 Bergleute gleich 19,7 Prozent, 68 Textilarbeiter gleich 5,9 Prozent, 107 Metallarbeiter gleich 5,6 Prozent. Auch hier wieder ausgedehnte tiefgründige Statistiken. Levenstein fragt nun weiter: Was wird der Arbeiter, wenn das ersehnte Ziel der Arbeitskürzung(Achtstundentag) erreicht, mit seiner freien Zeit beginnen? Er zitiert das Goethewort: Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewußt. Daran schließt sich die Frage: Was würden Sie tun, wenn Sie genügend Zeit für sich hätten? — Eine neue Welt. Wer Tag für Tag am Schraubstock oder sonst einer Maschine steht, im Bergwerk oder zu Hause physisch und psychisch niederdrückende Arbeit verrichtet und dann noch diesem Zuviel von Unlustaffekten auf alle mögliche Art und Weise zu entgehen versucht, bei dem kann man wohl mit Recht eine tiefe seelische Nötigung voraussetzen. Immer und immer kehrte die Antwort wieder: Wenn ich genügend Zeit hätte, würde ich malen. Die Kunst wurde für diese gehetzten Menschen ein Faktor seelischen Gleichgewichts. In die Kunst retteten sie hinüber, was ihnen die Wirklichkeit
nicht halten konnte. Levenstein hat ja gerade in dieser Rich⸗ tung weitergeforscht
dauerhaftem Charakter zu werden.
Diese Erscheinung hat den Nachdenklichen üchts Ueberraschendes. ist die ganz natür⸗ liche Folge der Tatsache, 5 seit der Zeit, als der
kannte Abschnitt des Parteiprogramms ge⸗ schaffen wurde, die aller⸗
rößten Veränderungen . der geistigen Struktur .* 7.— Zahl so riesig gewachse⸗ nen Parteigenoffen ein⸗ getreten sind. Da ist zunächst und vor em ein überaus großer
— und uns in der Ar-
long nνν beiter-Dilettanten-
Ende kunstausstellung seiner—
zeit gezeigt, wie dieses
8 ö A künstlerische Ringen
5 zum Ausdruck.
7 langte.— Ein Metall-
I K 8 arbeiter schreibt u. a.: 2228
Ehe ich schlafen gehe, muß ich erst noch ein- mal mein letztes Bild
O ansehen. Meine Kinder K
sprechen immer: Da
Fortschritt in der Ent⸗
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wehe tun, aber seine
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6.
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Glieder vom Arbeiten Jlerei drücke ich aus,
igt, die Beeinflussung
ingsstoff ist immer ergischer abgelehnt worden. Der sozlaldemokratische Durch⸗ nittsarbeiter von heute ist auch in seiner Weltanschauung viel modernerer Mensch geworden im Vergleich zu dem⸗ igen vor zwanzig und noch mehr im Vergleich zu dem vor ßig Jahren. Das erreicht zu haben, ist eines der größten ÜUturverdienste unserer Partei. Diese moderne Weltanschauung t aber heute im schroffen Widerspruch mit der alten, die zugleich approbierte kirchliche ist. Inwiefern— das darzulegen ist in sem Zusammenhang und an dieser Stelle weder möglich noch tig. Es genügt, die Tatsache, die niemand mehr bestreitet, hier konstatieren. Und eben diese Tatsache hat nun unsere Partei- 1 in unerwartet großer Anzahl in unüberbrückbaren geisti⸗ Gegensatz auch zum traditionellen Christentum gebracht und ngt och heute täglich in immer größer werdendem Maße in chen Gegensatz. Schon dadurch wird eine so feindselige geistige mperatur en Kirche und üÜberliefertes Christentum erzeugt, J allein in ihr eine Kirchenaustrittsbewegung ein ganz anderes istiges und dauerndes Gedeihen finden muß als früher. azu kommt der weitere Umstand, daß infolge der stark zuge⸗ nen wirtschaftlichen und politischen Durchbildung unserer teigenossen auch der Klassencharakter der Kirchen und staatlich kannten Religionsgemeinschaften ganz anders deutlich erkannt den Massen ins Bewußtsein getreten ist als noch vor einem auch nur einem halben Menschenalter. Daß die heutigen hen zugleich Klassenkirchen sind, ähnlich wie der Staat ein senstaat ist, ist heute immer mehr ein Axiom der sozialdemo⸗ . ten Massen geworden und wird es von Tag zu Tag r. Die Erkenntnis diefes Axioms zerstört aber genau so das men der„Kirche wie die Hineinentwicklung der in die uung das Verständnis und den stberlieferte Kirchen 5
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u lehre zerstört,
a l forte zum Cenerasssrein in Arisssch Sid mf was ich am Tage ge-
waltsam unterdrücken muß.— Ein Maschinist: Ich male und zeichne nach zwölf. stündiger Arbeit an der Maschine. Ein heulender Ton in nächtlichen Morgen ruft mich zur Arbeit. Die Sorge ums tägliche Brot und die Zukunft ist unser Gast. Getreu bleibe ich trozdem der Arbeit und der Kunst.
Engverbunden mit der eben besprochenen Frage ist die, nach den Hoffnungen und Wünschen. Die Resümees gebe ich kurz wieder: Hoffnungslos sind: Bergleute 706, Textil- arbeiter 52, Metallarbeiter 130. Als Kredit dagegen die Hoffnungen. Ein Teil will selig werden, ein anderer hofft, mehr zu verdienen, wieder andere bauen auf den Sieg der Sozialdemokratie. 7
Ein weiteres eigenartiges Kapitel behandelt Levenstein bei der Frage: Welche Bücher haben Sie gelesen?— 97 Metallarbeiter, 16 Textilarbetier und 2 Bergarbeiter gaben an, Friedrich Nietzsche gelesen zu haben; eine Angabe, det zuerst eine gehörige Portion Skeptizismus entgegengebracht wurde, jedoch fand bei einer Nachprüfung die Wahrheit det Angabe in vollem Maße Bestätigung. Und nun veröffentz licht Levenstein hochinteressante Auszüge aus seinem Brie wechsel mit den Arbeitern über Nietzsches Hauptwerk:„Allo sprach Zarathustra“. Interessant sind hier die ausgedehnten statistischen Angaben. g
Von den Bergarbeitern beschäftigten sich mit wise schaftlicher Literatur 238 gleich 11,4 Prozent, mit sozialistiz
Vertleung felgt).. Licher und gewerkschaftlicher 401 gleich 19,3 Prozent, It


