Ausgabe 
1-30 (13.1.1914)
 
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Angst, keinen Schmerz, keine Wut. Dieses verdammte Stahl geschöpf, herausreißen möchte ich ihr Stahlherz, das so unbarmherzig und leidenschaftslos schlägt.

Wesentlich für die Geistes- und Seelenentwicklung der Arbeiter ist die Frage nach Ermüdung. Auch darüber informieren uns umfangreiche Ermüdungstabellen. Kurz hebt Levenstein auch den gemütsbedrückenden Einfluß der Berufskrankheiten auf die Arbeiterschaft hervor. Ein er schütterndes Kapitel ist dasjenige vom Denkprozeß bei der berufsmäßigen Arbeit und im Zusammenhang damit die Frage: Was drückt Sie mehr, der geringe Lohn oder daß Sie vom Arbeitgeber so abhängig sind, Ihren Kindern gar nichts bieten können? Da waren schon gänzlich Automaten geworden: von den Bergarbeitern 8885 gleich 42,8 Prozent, von den Textilarbeitern 176 gleich 14,8 Prozent, von den Metallarbeitern 242 gleich 13,3 Prozent. Levenstein widmet dem Abhängigkeitsverhältnis vom Arbeitgeber ganz be sondere Aufmerksamkeit. Er sagt: Wir haben vollkommen vergessen, daß Barzahlung nicht die einzige Beziehung unter menschlichen Wesen bildet. Ohne daran zu zweifeln, denken wir, daß sie alle menschliche Verbindlichkeiten löst und schlichtet. Wie lodert es aus den Worten eines Berg

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die noch viel viel kleinen

deckung sührte, daß es Masseuteilchen gäbe, sind als die Atome. Es ist dies zum erstenmal gelungen bei den eingehenden Untersuchungen über die Kathodenstrahlen, an deren Ersorschung die bedeutendsten Physiker aller Länder all ihr Wissen und Können gesetzt haben. Von Strahlen können wir bei den Kathodenstrahlen freilich nur noch in dem Sinne sprechen, wie wir etwa von einem Wasserstrahl oder noch besser von einem Sandstrahl reden. Denn sie bestehen nicht wie Licht⸗ und Wärmestrahlen aus Aetherschwingungen, sondern vielmehr aus kleiusten, allerkleinsten materiellen Teilchen, Elektronen genaunt, die mit negativer Elek trizität geladen sind und mit außerordentlicher, z. T. sast mit Licht⸗ geschwindigkeit fortgeschleudert werden. Wie verträgt sich aber, wird der Lale fragen, mit dieser Vor⸗ stellung die Tatsache, daß die Kathodenstrahlen, also materielle Teilchen, durch seste Körper, selbst durch Metall hindurchgehen können, ohne diese zu beschädigen oder selbst Schaden zu erleiden? Das wird offenbar nur möglich sein, wenn eben diese Partikelchen so winzig klein sind, daß sich selbst so sestgefügte Körper, wie etwa Holz oder Metall, ihnen gegenüber verhalten, wie ein weitmaschiges

Netz. Auf den ersten Blick mag es allerdings unnatürlich er scheinen, daß Körperteilchen durch

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arbeiters: Wie ein Hund ge füttert zu werden, muß ich unter dem Druck ökonomischer Kalamität vermodern, weil ich abhängig bin usw. Wie beschämend und demütig äußert sich ein Textilar⸗ beiter: Wenn ich mehr Ach tung kriegen täte, aber der Fabrikant grüßt mich nicht! Den Gegensatz bildet ein Metallarbeiter: Ich bin kein Sklave, Mensch, wirklicher Mensch! Lieber fresse ich trockene Brotkrusten, als mich

Föenbohn- Unterführung.

Cisen- und Stahlplatten hindurch 4

sozusagen ein- und ausfliegen. Aber wir überlegen uns ja, es handelt sich nur um Relativ zahlen. Ein Elefant, um ein recht deutliches Beispiel zu ge⸗ brauchen, bedarf einer Tür von mindestens 3 Meter Höhe und Meter Breite. Und doch wird er vielleicht durch diese weite Oeffnung weniger leicht und be⸗ a quem hindurchkommen, als die meisten Bakterien durch die mil⸗ lionenmal engeren Maschen des feinsten Haarsiebes. Was hindert

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2 5 uns nun, uns Gebilde zu denken,

entwürdigen zu lassen. Und

der Gedanke 11 11 Zukunft Foersuosder auser tor bruch dle wieder millionenmal lleiner 1 der Kinder bildet ein be f sind, als die kleinsten Bakterien sonderes schmerzliches Resü uff. Direkt die Masse eines

mee: Der Gedanke, daß meine Kinder als Arbeitssklaven zur Welt kommen, schmerzt mich am meisten. Warum wurden sie geboren? 5

Noch viele, beinahe schmerz⸗ lich-ernst Gespräche führt Levenstein mit der Arbeiter seele, wenn er über Fragen Auskunft verlangt und er⸗

Kathodenstrahlpartikelchens oder Elektrons zu messen, ist natürlich unmöglich, noch weniger möglich 5 als beim Atom. Aber durch

scharfsinnige Kombination ver⸗ schiedener Beobachtungen ist man imstande gewesen, die Größe eines solchen Elektrons mit der

hält: Finden Sie Ihr Ver⸗ gnügen mehr in der Jamilie oder im Wirtshaus? Eine nebeldicke, stickige Atmosphäre steigt da auf. Immer kehrt es wieder: Bei abstumpfender Ar beit, in einer elenden Wohnung, inmitten einer großen Kinderschar kann von Vergnügen nicht die Rede sein. Kapitalismus zerstört jedes Familienleben, und darum gehe ich ins Wirtshaus.(Schluß folgt.)

or *

Aus nuserer Sammelmappe.

Wie groß ist ein Elektron? Von Otto Debatin, Stuttgart.

kos. Seit der Wende des Jahrhunderts bilden die durch dle Entdeckung der radioaktiven Erscheinungen angeregten Unter⸗ suchungen über den Aufbau der Materie eines der interessantesten Gebiete unserer modernen Phusik. Noch im vorigen Jahrhundert betrachtete man die schon in ihrem Namen die vermeintliche Un⸗ teilhaftigkeit andeutenden Atome(atomos Sunteilbax) der zahl⸗ reichen chemischen Elemente als die stets fertig gegebenen, unwau⸗ delbaren Bausteine des Universums, die wir mit aller Kunst ver⸗ gebens zu ändern versuchten. Ein großer Jortschritt wurde er⸗

Buder rom Beriin-Hesimer S n He Eberowaldte.

Lielt. als das Studium der radioaktiven Erscheinungen zu der Ent⸗ *.

eines Atoms zisfernmäßig zu vergleichen. Wir müssen uns darnach die Masse eines Elektrons noch mindestens tausendmal klei ner vorstellen, als die des Was⸗

serstofsatoms der kleinsten aller bekannten Atome. Man achte wohl: tausenfdmal kleiner als diejenige Größe, die, wie der Name Atom ja so scharf zum Ausdruck bringt, nach unseren bisherigen Vorstellungen unteilbar sein sollte! 2 Die Entdeckung der Elektronen und die Feststellung ihrer Größe führten auch zur Beantwortung der FrageWoher nimmt d 8 Radium seine Energie?, ein Problem, über das sich jahrelang dit Physiker der ganzen Welt den Kopf zerbrochen haben. Auch dleses Rätsel kann heute als gelöst angesehen werden. Wir wissen, af von dem Radiumotam ständig Elektronen absplittern. Bei ein 1 derartigen Prozeß müssen aber gang gewaltige Energiemengen fre werden. Und so darf es auch nicht überraschen, daß wir 5 Radium sehr bedeutende Wärmemengen erhalten und wegen Kleinheit der fortgeschleuderten Teilchen trotzdem nicht im sein werden, mit der Wage eine Abnahme der Nadiummenge zu weisen. a