verschüttet tä) . . . janz Deutschland [tef>t — hupp! — mit Bejeiste- rung bei Vundeslenvssen lischt laut und gröhlt): Puppchen, du bist mein An . . Au . . Aiigenstern),
Ein Fremder (düster): LS ist schrecklich . . .
Der Student: Pardon, sind Sie etwa Serb — dann — (klemmt das Monokle ein).
Ein kleines Mädchen (blickt Interessiert zärtlich auf den Fremden): Das wäre reizend, ein wirklicher Serbel (Zum Fremden): Miisie» Sie auch in den Krieg?
Der Fremde serregi): Aber haben Sie all« denn gar kein Gcfllhl fllr di« Furchtbarkeit, für de» Ernst . . .
Ein Zeitungsjunge bringt Extrablätter, Rufe von Tisch zu Tisch: Der Krieg ist erklärt. Einen Augenblick die Stille einer längst erwarteten Entscheidung, die dennoch erschüttert, indem sie wirklich wird. Die Musik bricht plötzlich ab. Dann fohlendes Geschrei: Musik! Dcuischland über alles! Dl« Kapelle spielt, alles fingt: Deutschland, Deutschland über alles.
Der Fremd« (nicht mitsingend) seufzt: Ach!
Der Student (drohend): Warum singen Sie nicht mit? Der KommiS: Hallo — Marsch, mitjesungenI Der zweite Kleinbürger: Ich habe doch gelesen, tu Belgrad,
Frau Lehmann: Erhebend, baß man bei so was dabei
sein kann.
Der Student: Singen oder raus!
Das kleine Mädchen: Lasten Sic ihn doch!
Ter Student: Maul haltenI (Packt den Fremden am Rock.) Der Hoteldtrektor (herbeieilend): Halt, hier wird nicht gehauen.
Der Student: Das werden wir sehen.
Der KommtS: Sie heut jarnischt zu sagen, DerDlrektor: Wenn Sie nicht Ruhe geben, spielt di« Musik nicht mehr.
Der Student: Die wird spielen.
Der Direktor läuft zum Kapellmeister und bedeutet ihm, auszuhören.
Der Kapellmeister: Das geht nicht, bas Publikum verlangt heute patriotische Nummern,
Der Direktor (schreiend): Ich befehle Ihnen , . .
Di« Gäste werden aufmerksam auf den Streit zwischen Direktor und Kapellmeister »mb sammeln sich um das Podium,
Der Kapellmeister (weiter dirigierend): Scheren Eie sich , , . .!
DerDlrektor (in Heller Wut, brüllt): Aufhören, aufhöre»! Ein Bierglas fliegt dicht an den: Kopf des Direktors vorüber. Das ist das Signal zu einein allgenieinen Ausstand, Man schlägt mit den Stühlen aus bi« Tische, schleudert sie auf den Boden, bis die Marniorplotten zcrbreckzen, zertrümmert mtt den Marmor- stücken, mit Biergläsern, Stöcken die elektrischen Lampen und Kronen, Die Frauen kreischen und lachen. Dt« Kapelle spielt weiter: Deutschland .Dcutschlaub, Während di« Menge bas Lied mttbrüllt, vollendet st« ttn Takt bas Zerstörungswerk. Der Direktor flüchtet »n»d ruft telephonisch nach der Polizei, Di« Marmortrilmmer werden jetzt durch die Scheiben auf die Straß« geworfen und auf demselben Wege zurückgcschleudert. Die Lorbeerbäume, di« dt« Hotelfront säumen, ivcrden ans den Kübeln geristen und mu, spielt man so lang« durch die Fensterscheiben mit den schqveren Kiibelu Fangball, bis alles kurz und klein geschlagen ist. Eine wild« kwrde stürzt sich auf di« Garderobenständer und schleppt Mäntel und Hlite auf dt« Straße, dtc bald mit Fetzen bedeckt ist. Das Licht In der Restauration erlischt, Die Kapelle spielt im Dunkeln weiter, Polizei rückt an. Alles läuft davon, Di« Kellner sammern um bl« Zeche, da niemand gezahlt hat. In dem verwüsteten Saal tst niemand mehr außer der. Polizei, dem Direktor und den Kellnern. Nur der KommtS liegt hilflos am Boden und fohlt:
Hoch der Kriech!
II.
Straße einer großen Stadt,
Der ZellungSfung«: Neuestes Extrablatt — neuestes Extrablatt — großer Sieg — fünftausend Tote — 12 000 Ber- wundeie.
Der Kleinbürger: Ich mag garnicht mehr lesen. Kein Mensch zahlt mehr. Das Geld ist an? der Welt verschwunden. 81t mtisteil eile krepieren. Ganz egal, ob die andern siegen oder wir, nicht mal «in Glas Bier kann mau sich mehr leisten. Was gingen uns die Serben an. . . .
Ein Arbeiter: Seit acht Tagen haben wir kein Stück Brot im Haus«. Di« Kinder verhungern.
Der zweit« Arbeiter: Umso bester, bann brauchen ste nicht zu warten, bis Granate» sie zerreißen.
Ein alter Arbeiter: Zwei Söhne haben ste mir gemordet, den dritten zun, Krüppel geschosten und alle haben sie Fra« und Kinder,
Ein Student (zum Kleinbürger): Darf ich um Feuer
bitten?
Der Kleinbürger: Verfluchter Hund I Hot noch
Zigaretten! (Schlägt ihn nieder.)
Ein Arzt: Ich habe Pestbazillen gezüchtet. Ich will fl« den Leuten einimpsen. Es wäre ein« Erlösung — für bi« Besiegten und
die Sieger,
Ein Mädchen (hohlwangig, geschminkt): Konim mit, Schatz! Dop Arzt: Sie soll best Anfang machen.
III.
Weltes Feld, Nacht. Ein dunkelroter Himmel liegt schwer über der Erde. ES regnet Blut. Ein nackte», totes Kind liegt einsam in der leeren vede. Der Hals tst ihm herausgeschnitten und da» Köpfchen liegt auf der Schulter. Vom Blutregen rot gefärbt, schleicht sich ein menschenähnliches Gerippe heran, benagt das Händchen de» Kindes und verschlingt es. Durch die steigend« rot« Flut, die den Leichnam b«S Kindes sacht hebt, watet ein Zug Gespenster, Gestatten auS allen Zeiten und Völker, Kronen auf den Schädeln, Szepter und Schwert an den Händen, glitzernd« Orden an den Rippen auf« gereiht, Fürsten, KrlegHhelden, Staatsmänner, Größen der Kirche und des Geldes, Sie waten gebeugt und schleppen, alle zusammen in dieselbe eisern« Kette eingeschtrrt, hinter stch «In« ungeheure, den Weltraum ausiüllend, schattenhaft getürmte Last, Durch die Nacht stöhnt, während bi« Blutstropfen unablässig rieseln, ein Gesang, der all« Sprachen zu einer neuen Sprache ewiger Onal und Klage vereinigt,
DerZug der Verantwortlichen:
Durch blutend« Nacht Wer schleppen und schleifen Wir Unerlösten Gemordet Leben,
Zerstörtes Glück,
Zerstückle Leiber.
ES türint stch di« Last Mit steigender Schuld Am Wehe der Welt,
E i n « S t i m m e:
Und niemals wird der Fluch von euch genommen.
Bis ihr, die göttlich Leben ruchlos rafftet,
Das Wunder lernt, die Augen eines Kindes,
Vom Krieg geschlossen, neuem Licht zu ösfneu.
Der Zug sinkt in die Knie, daß bas Biuttneer fast Uber ihm zusammenschlägt und betet beschwörend zu dem toten Kinde, Aber besten Augen bleibe» geschloste» und der Zug wiederholt, weiter, wandelnd, das ewige Lied:
Durch blutend« Nacht Wir schleppen und schleifen Wir Unerlösten Geniordet Leben,
Zerstörtes Glück,
Zerstückle Leiber,
Es türmt sich die Last Mit steigernder Schuld Am Weh« der Welt,
Zm Mw-Morker ßhegericht.
Der „Fall Frau Karolina Beck gegen Louis Beck" wird aufgerufen, und aus entgegengesetzten Winkeln des scheunenartigen Raumes, in dein wir uns befinden, treten Karolina und Louis vor den Kadi, der den neuen Newyorker Gerichts- Hof für eheliche Zwistigkeiten verkörpert. Es gibt hier keinerlei überflüssige Förmlichkeiten, und ek wird auch nicht gerade im preußischen Schnellfeuer-Tempo drauf los „gestraft", vielmehr hat man es mit einem Haager FriedenS- tribunal für eheliche Konflikte zu tun, wenn das neue Gericht seinen sanften »nd aufgeklärten Beruf auch nicht in allen Fällen gleich vollkommen erfüllt.
Frau Karolina Beck tritt vor. Sie tst erst seit einem Jahre verheiratet, und ihr Baby hat erst vor sechs Wochen das Dunkel der Welt erblickt. Und doch sind sie und ihr LouiS schon übereingekommen, daß es unmölich sei, miteinander weiterzuleben. „DaS hat ste davon, daß sie einen Chauffeur geheiratet hat", erläutert der Mann; „sie geriet immer außer sich, wenn ich erst zu später Stunde nach Hause kam. Aber ich konnte nicht anders. Das gehört zum Geschäft eines Chauffeurs." Dann folgt die Frau mit einer langen, tränenvollen Geschichte ehelicher Kümmernisse, worauf der Advokat ihres Gatten sie in ein Kreuzverhör nimmt, um ihr womöglich das Geständnis zu entlocken, daß sie ihrem Louis gedroht habe, ihn um eines „anderen" willen zu verlassen, Aber der Rechtsverdreher kommt nicht weit. „Dieser Gerichtshof ist nicht geschaffen worden", fährt ihn der Richter an, „um den Parteien Gelegenheit zu geben, mehr odet weniger abscheuliche Beschuldigungen gegeneinander zu erheben, sondern um in Fällen von ehelichem Unglück und Elend augenblicklich Hilfe zu bringen." Es wird entschieden, daß LouiS seiner Frau zunächst wöchentlich 8 Dollar zu zahlen hat. Die „Probationsbeamtin", vor der beide Gatten sich dann außergerichtlich gründlicher auSsprechen, bekommt eine merkwürdige Tragikomödie der Eifersucht zu hören: Di« ^unge Frau, von noch durchaus mädchenhafter Erscheinung, wurde durch das Berufsunglück deS spaten NachhauIeko mmeuS.ibte S


