Ausgabe 
31.7.1914
 
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Wöckentlicke Seilage der Oderkessiscken Volkszeitung

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Sieften, Freitag den Zl. 3Juli IS >4.

6. Sakcgang

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Kröeitermüller» seid auf der Kut!

Durch das unaufhaltsame Wachsen der Sozialdemokratie sieht sich die kapitalistische Gesellschaft aufs höchste bedroht.

Durch die Peitsche des Sozialistengesetzes, das Zuckerbrot" der Sozialgesetzgebung, und wiederum Polizeischikane und Ausnützung des gemeinen Rechts haben sie versucht. Len großenLümmel" Proletariat zahm zu machen und ihn von der Wahrnehmung seiner Interessen abzuhalten: der Erfolg entsprach den Erwartungen in keiner Weise: die Arbeiter blieben bei Rot und überließen Schwarzwciß den Tempel- Hütern Mammons.

Aber die Klasse der Herrschenden hat verschmitzte Rat- . gebcr in der Zunft der Regierenden. Sie bemerkten, daß es heute nicht mehr genügt, den Kindern der Enterbten in acht Schuljahren Demut, Religion und Königstreue beizubringen, sondern daß man die Jugend in der Hand behalten müsse gerade in den Jahren, in denen sie sich für alles Große und Schöne am leichtesten begeistern läßt, in denen daS Leben am unauslöschlichsten seine Eindrücke in das schwärmerisch weiche Herz, in das bildsame, aufnahmefähige Hirn drückt. S o ent st and die staatlich geförderte Jugend- pflege I

Millionen Mark haben die Einzclstaaten bewilligt, Mil­lionen die Gemeinden, und tief haben kapitalistische Inter­essenten in die Taschen gegriffen, um die deutsche Jugend zu ertüchtigen". Und rnit dem Erfolg wer wollte das leug­nen können sie vorläufig zufrieden sein. Ueber die deut­schen Fluren und durch die Wälder schwirrt es allsonntäglich dahin von Pfadfinder- und Wandervöglescharen, von phan­tastisch geputzten Sängern und Sängerinnen, von bis an die Zähne ausgerüsteten und uniformierten Kleinkriegern, die genau abgeguckt haben, wie sich der große Bruder Militaris­mus räuspert und wie er spuckt. Eine ganze Jugendindustrie ist entstanden, die glänzende Geschäfte macht und die Jugend­bewegung schon ebenso kaufmännisch betreibt und fördert, wie die Panzerplattenfabrikantcn den Flottenbau.

Zwei Ziele will die bürgerlich-amtliche Jugendbewegung erreichen: willige, begeisterte Soldaten, soziolistenfeindliche Arbeitskräfte!

Dafür fließt der Geldstrom, für diesen Zweck stellen sich Tausende von Offizieren und Lehrern in den Dienst der guten Sache", dafür schlägt die gesamte bürgerliche Presse von rechts bis links ohrenbetäubenden Tantam. Für alle Bedürfnisse rst gesorgt: Wer sich unter der Führung eines wirklichen Offiziers oder eines imitierten Pfadfinderleut­nants nicht recht wohl fühlt, der findet einen Lehrer, der ihn väterlich unauffällig" für die nationale Ausbeuter- und Militaristensache einfängt. Die Hauptsache ist und bleibt, daß Kinder von Arbeitern gewonnen werden.

Die Gefahren, die der Arbeiterklasse von dieser Seite drohen, sind von den leitenden Kreisen in ihrer ganzen Größe erkannt worden. Nicht etwa, daß uns der endliche Sieg unserer schönen, heiligen und vernünftigen Sache streitig ge­macht werden könnte. O nein! Aber wir wollen uns nicht einmal im Vormarsch aufhalten lasten. Tie Bedrückung und Ausbeutung der Masten ist so groß, daß wir garnicht schnell genug zu andern, bessern Zuständen kommen können. Aber haben die Massen, um die es sich hier handelt, die Gefahr

schon völlig erkannt? Das scheint nicht der Fall zu sein. Wohl macht die proletarische Jugendbewegung trotz aller Schikanicrungen herrliche Fortschritte, aber zur Größe der Gefahr stehen sie noch nicht im richtigen Verhältnis

Hier kann die Arbcitermuttcr viel helfen. Vor allem niuß sie die Glcichgülfigkeit gegenüber dieser Sache oblegen, die ihre Sache ist. Eine in militaristischen, übernationalen Gcdankcngängen verzogene Arbeiterjugend wäre eine gewalfige Rückendeckung für handwerksmäßige Kriegshetzer. Und je lässiger und gedankenloser eine Arbeitcrmutter das Kriegsspiel ihres Sohnes duldet, desto schneller und gräßlicher wird das Erwachen sein, wenn sie ihn, den sie mit Sorgen großgezogen, int tödlichen Geschoßhagel des wirklichen Schlachtfeldes wissen wird.

Was wir begannen, sollten unsere Kinder fortsetzen. Aber sie werden das Geschaffene zerstören und feile Untcr- nehmersöldlinge werden, wenn wir gleichgültig zusehen, wie man sie Söhne und Töchter inS gelbe Fahrwasser und zum Bruderkampf innerhalb der Arbeiterklasse drillt. Darum fort mit der Gleichgülfigkcit, ihr Mütter. Zerstört im Keinie die Neigung der Kinder zu bürgerlichem Flittcrkram und führt sie der Arbeiterjugend zu.

Wie man.das am besten bewerkstelligt? Allein durch das gute Beispiel, das die Eltern den Kindern geben! Es gibt keinen größeren Erzieher als das vorgelebte Beispiel. Und am tiefsten greift und am nachhaltigsten wirkt d a 5 Beispiel der Mutter. Wo die Kinder anstatt klein­lichen Schmölens auf Partei, Gewerkschaft und Arbeiter­bewegung, Verständnis suchen für die harten Notwendig­keiten des Klassenkampfes, Begeisterung für Bewegung und Ziel, Hingabe an unsere große weltbefreiende Idee, da klopfen die Hurrapatriotcn, Bcutepolitiker und Volksuntcr- drückcr vergeblich an. Ta wachsen die Anhänger und Werber für die freie Arbeiterjugend heran und führen dereinst zu herrlicher Vollendung, was ihre Mütter ersehnt haben.

Arbcitermüttcr! Wollt ihr eine Nachkommenschaft haben, die so denft und handelt, soseidaufderHut, daß mott euch nicht die Jugend entfremdet!

Krieg!

Drei Szene» von Kurt Eisner.

I.

eint Sommernacht. Tie Restauration eines «rohen Hotels, fremde, Evidenten, Kleinbürger. Commis, Kranen, kleine Mädchen. Tie Musikkapelle spielt:Puppchen, du bist mein Augenstern". Das Publikum singt mit. Lachen, Trinken, Esten, Rauchen, Schwatzen. An einem Tisch diskutiert man lebhast.

Der Student: Es geht loS. Endlich!

Ter Kleinbürger: Sie werden mächtig verdroschen!

Frau Lehmann: Wenn der Lump doch blos de» Thron­folger ermordet hätte, aber auch die Frau GemahlinI lGcrührt): Tie armen Kinder, die armen . . .

Herr Lehmann: Damischer Hund! So elne Gemeinheit!

DerStudent: Fetzt wirb man bi« Kanaille Mores lehren.

Ein ander Kleinbürger: Ich habe gelesen, Belgrad hak nachgegeben. Es kommt nicht zum Kriege.

Ter Student thciier selbstbewußt): Selbstredend kommt cs zum Kriege! Wetten, daß?

Der andere Kleinbürger leigensinnig): Ich habe doch ge­lesen, Belgrad...

Ein Commis sangetrunken): Unsinn . . . Morsen ist Kriech. Frieden ist Unsinn (will sich mit dem Glas Bier in der Hand erheben,