Ausgabe 
31.7.1914
 
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Jetzt cffen wir aber auch wie 6ie Kühe," ffonfl mittendrin Ediths Stimme, Und als sie mit ihrem Sack vor das Gasthaus traten, nahmen die Kinder mit schnellen Blicken Abschied. Auf dem Wege zum Bahnhof wurden sie sehr gefaßt und Auguste meinte zu guter Letzt:Jetzt halben wir aber so viel gesehen, daß cs zu Hause auch wieder schön ist." Edith brauchte einig« Zeit, um mit dieser Hoffnung fertig zu werden. Schließlich sagte sie dann zuversichtlich: Aber wir gehen doch wieder hinaus!" Spcranza.

Aus Wett und Leöem

Die Beschäftigung von Kindern in der Hausindustrie. Trotz der Versuch« der Gesetzgebung, di« Beschäftigung von Kindern in Ge wer bet rieben einzuschräntcn, hat dies« doch noch einen großen Umfang. Nach der letzten amtlichen Statistik waren im Reichs­durchschnitt 8,ö Prozent der Volksschulkinder errverbstätig. Einige Bundesstaaten ragten über diese Zahl erheblich hinaus, so Sachseu- Coburg-Gotha mit 15,2 Prozent, Meiningen mit 16,4 Prozent, Altenburg mit 19,2 Prozent »sw. Von Kennern der Verhältniffe wird aber die Zahl der wirklich beschäftigten Kinder viel höher geschätzt. Tic Kinderarbeit im allgemeinen, insbesondere aber die in der Hausindustrie, ist statistisch noch bei iveitem nicht in vollem Umfange erfaßt worden. Ter Grund siegt in dem Bestreben der Bevölkerung, eine Verschleierung der tatsächlichen Verhältniffe vor­zunehmen, wo von «iner Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten irgend welche Nachteile bcsürchtet werden. Einen Beweis dafür, daß die Neichsstatistik die Verhältniffe doch vielleicht zu günstig darstellt, liefert eine soeben erschienen« Arbeit von Tr. Vierer über die hauz- ge,verbliche Kinderarbeit im Kreise Sonnenberg. Er hat mit Hilf« der Lehrer scstgcstellt, daß von de» insgesamt 13 488 Volksschüler» des Kreises 7838, das sind 58,1 Prozent, erwerbstätig sind. Auf die Hausindustrie entfallen damit 39,2 Prozent aller Kinder; sie inachc» etiva ein Drittel sänitlicher Heiniarbeitcr aus. Tie Kinder ivnrden zum Teil zu recht gesundheitsschädlichen Berufen heran­gezogen. Trotz des gänzlichen Verbots der Beschäftigung von Kindern bis zu dem 10. Lebensjahr ivaren schon in den untersten Schulklassen der Kinder im Alter von 6 bis 7)4 Jahren 27,7 Prozent hausindustriell tätig. In den beiden folgenden Jahrgängen stieg diese Ziffer aus 33 und 36 Prozent. Etwa ein Trittcl der Kinder arbeitete durchschnittlich mehr als 3 Stunden täglich. Arbeitszeiten von 6 bis 8 Stunden ivaren.keineswegs vereinzelt. Bierer stellte fest, daß bei vier Fünftel der beschäftigten Kinder gegen das Kinder­schutzgesetz verstoßen wurde. Der Kinderarbeit kann eben weniger durch Verbot« cntgegengetreten »»erden, alz durch tatsächliche materiell« Hilf«, und zwar insbesondere an die Eltern für den fort- fallenden Lohn der Kinder.

Steigerung der Säuglingssterblichkeit im Frühjahr. Bis vor kurzem hat die Mehrzahl der Forscher die Ansicht vertreten, daß die hohen Sommertemperaturen den Kindern nicht direkt schädlich wer­den, sondern daß sic die Zersetzung ihrer Nahrung, der Milch, be­günstigen und daß diese dann di« Krankheit verursacht. Wie Dr. Liefniann in der Deutsch, med. Woch. aussiihrt, ist es aber nicht gelungen, in der Milch di« Keime zu finde», die ihr ein« derartige heftige Giftwirkung verleihen. Ta nun an jedem beliebigen heißen Tag, selbst im Frühjahr, in jedem Stadtt«!! und in ganz ver­schiedenen Straßen gleichzeitig viele Kinder erkranken und in kurzer Z«it sterben, so müßte doch der Keim in der Milch, der daran schuld sein soll, recht weit verbreitet sein. Wenn dem wirklich so wäre, so müßte es doch möglich sein, ihn im Laboratorium zu züchten und mit ihm giftige Milch zu erzeugen. Da dies aber bisher nicht ge­lungen ist, so bleibt nichts anderes übrig, als anzunehm«», daß die Hitze di« Kinder direkt schädigt. Es muß aber unbedingt darauf das Hauptgewicht gelegt ivcrdcn, daß Tierniilch überhaupt keine ideale Nahrung für den Säugling barstellt, da sie auch im reinsten Zustande zu Schädigiingen Veranlaffung geben kann. Die Hygiene der Kuhmilch muß daher zurücktretcn hinter einer direkten Fürsorge für die Kinder. Der Bevölkerung ist noch nicht genügend z»m Be­wußtsein gekommen, ein wie unersetzliches Gut di« Muttermilch für den Säugling darstellt. Das gesamte Milieu, das ein Kind umgibt, ist von Einfluß auf seinen Gesundheitszustand. Daher heißt Säug- lingsflirsorg« treiben zugleich Wohnungspsleg« aussibe». die Kinderoussagen besitzen, bewies wieder einmal eine Verhand­lung, die sich vor der Strafkammer jn Trier abspielt« und sich gegen einen 73jährigc» Handwerker richtete. Dem Angeklagten waren seit etwa einem Jahre zwei Mädchen im Alter von 11 und 13 Jahre», die von ihren Eltern verlassen waren, von der Kommunalverwaltung zur Pflege übergeben ivorden. Tic beiden Mädchen- besonders das

ältere, zeigten sich als schwer ziü erziehen de Kruder', so baß di« Frau des Angeklagten das 13jährig« Mädchen einmal als frech und ver­logen bezeichnen mußte. Nunmehr sann die Gescholtene auf Rach« und wandte sich schließlich an di« Armcnverwaltung mit der Bitte, sie in einer anderen Familie unterznbringen, da sie von dem An- geklagten in unsittlicher Weise verfolgt wevde. Obwohl der alt« Mann biese Anschuldigung mit Entrüstung zurückwi«s, blieben die beidcnals Zeuginnen vernommenen Mädchen auch vor Gericht bei ihrer Behauptung und detaillierten die angeblichen Nnstttlichkeiten ganz genau. Nach dem Plaiboyer des StaatSanivalis, welcher «in« Gefängnisstrafe von sieben Monaten beantragte, nahm der Vor­sitzende die jünger« Schivester noch einmal in ein eindringliches Kreuzverhör, und, in die Eng« getrieben, gestand sie jetzt ein, daß ihre Schwester die ganz« Sache erdacht habe, um sich zu rächen. Es erfolgt« nun natürlich nach ganz kurzer »Beratung des Gerichts die Freisprechung des Angeklagten. Jedenfalls zeigt auch dies« Ver­handlung wieder, wie vorsichtig mau den Kinderaussagen gegen­über sein muß, selbst wenn sie ihre angeblichen Wahrnehmungett so genau detaillieren wi« im vorliegenden Falle, da man mit der lebhaften Phantasie eines Kindes rechnen muß.

Hesundyeilspffege.

Welch« Wirkung übt der Alkoholgenuft auf die geistige Ent- Wicklung und Leistungssähigkeit des Kindes aus? lieber diese Frage macht« der Direktor der Städtische» Nervenheilanstalt in Ehemnitz, Prof. Tr. Weber, auf dem Sächsischen Jugcndtag für alkoholfreie Erziehung, den der Sächsische Landesverband gegen den Mißbrauch geistiger Getränke unlängst in Dresden veranstaltete, etwa solgende lehrreiche Ausführungen: »Bei dem heutiger: starken Konkurrenz­kampf auf allen Gebieten ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß unsere Kinder nicht Schädlichkeiten ausgesetzt sind, welche bi« Ge­sundheit und Leistungsfähigkeit des Nervensystems herabletzen. Zu diesen Schädlichkeiten gehört besonders der Alkohol in jeder Form, namentlich weil gerade im kindlichen und jugendlichen Alter das Gehinr, das wichtigste Organ der Geistestätigkcit, besonders cnrpsind- lich und widerstandsunsähig ist. Schon durch mäßige Gaben alkoholischer Getränke werden nachgewiesenermaßen bestimmte geistige Leistungen stark beeinträchtigt. Die Wirkungen solcher kleiner Alkoholmengen halte» oft zwei Tage an. Wird solcher Alkoholgenuß rcgelniäßig wiederholt, so kann sich das Gehirn über­haupt nicht mehr völlig von der Vergiftung erholen, und es kommt dann zu dauernden Veränderungen. Deshalb weisen Kinder, die regelmäßig Wein, Bier oder Schnaps u. dergl. erhalten, sehr oft mangelhafte Schulleistungen auf, sind ungezogen, lügnerisch oder zeigen schon in jüngeren Jahren allerlei verbrecherische »Neigungen lTiebstahl, Mißhandlung von Tieren und kleinen Kindern): oft erwacht frühzeitig der Geschlcchtstricb und führt zu mancherlei Aus­wüchsen. Alle dies« Folgen machen sich am stärksten geltend in den sogenannten Entwicklungsjahren szwischen dem 12. und 18. Lebens­jahr), in denen ohnehin, zumal heutzutage, allerlei besondere Schwierigkeiten, Gefahren und Versuchungen vorliegen. Vielfach beginnen »»heilbare n«rvös« und geistig« Erkrankungen gerade in diesem Alter und unter dem Einflüsse dieser Schädlichkeit. Für Kinder, di« von Haus aus nervös, reizbar oder schwächlich sind, ist der Alkohol noch schädlicher, und cs wäre ganz falsch, ihnen Wein oder Bier uff. zur »Beruhigung oder Kräftigung geben zu wollen. Der Vortragende erläuterte seine Ausführungen durch einzelne be­sonders drastische Beispiel«; er begründet damit die Forderung, die Jugend bis zum Abschluß der Entwicklungsjahrc vollkommen vom Genuß aller alkoholischen Getränke fernzuhalten.

Am Kaus und Kof.

Der Transport des lebende» Geflügels aus dem Wochenmarkt geschieht noch vielfach in recht unzweckinäßiger und tierguälerischer Weis«, was aber von den meisten ganiicht erkannt, mindestens nicht beabsichtigt wird. Man darf biese Tiere nicht an den Flügeln oder an den Reinen mit dem Kopfe nach abwärts tragen; denn das ver­ursacht ihnen entsetzliche Pein. Diejenigen handeln schon richtiger, welch« das Geflügel in Netz« stecken; jedoch, wenn das Netz keinen Holzboden hat, bann bleiben die Tiere in de» Maschen mit ihren Fußkrallen hängen. Also di« Hausfrauen mögen das hier Gesagte beherzigen I Noch besser wäre es, wenn auf jedem Wochenmarkte eine Tötungsbude wäre, in welcher Gesiilgel und Fische sogleich schmerzlos vom Leben besreit werden könnten, wie das bereits >n einer größeren Reihe von Städten der Fall ist, wo d!« Tierschutz» verein« mit Beihilfe der Stadt solche Tötungszelt- errichtet haben. Dann brauchen die gekauften Hühner, Tauben usw. nicht lebendig nach Hause geschleppt z» werden, die Hausfrauen sind des una>> genehmen Tötungsgeschäftes enthoben und die Tier« sindcn durch Betäubung und schnelle Enthauptting den leichteste» Tod.

Wafferslcckcn aus Politur. Wasscrfleckcn werden auf rwtt«rtcn Flächen dadurch b«seittgt, daß auf diesen Fleck gestreutes Kochsalz init etwas Wasser getröpfelt wirb. Nach einer Weile wischt man da? Salz schön rein weg und stellt durch Reiben mit einem weiche» Kork den Glanz der Politur wieder her^