Gatten in Eifersucht verstrickt und suchte nun ihr Herz da durch zu erleichtern, daß sie ihn dafür ebenfalls eifersüchtig machte. Sie erfand wilde Geschichten von liebeköerbenden Männern, viel schöner als er, die sie anbetend umschwärmten, und der Chauffeur glaubte ihr. Aber jetzt, nachdem die beiden jungen Menschen einmal die Möglichkeit hatten, einander in die töricht irrenden Seelen zu schauen, ist alles wieder „»II risslit". Ihre Hände halten sich umschlungen, während die beiden Leutchen friedlich nebeneinander auf der Bank des „ProbationsraunieS" sitzen. — Im nächsten Falle ist ein Schwicgcrpapa das Karnickel. Der graubärtige Patriarch erscheint mit seiner Tochter Sarah, die einen Haftbefehl gegen ihren Gatten erwirkt hat, dem sie eine allzuknappc Finanzierung des Haushalts und schlimmeres borwirft. Der Beklagte weist auf den schwiegerväterlichen Patriarchen als den Giftmischer alles Unheils hin, der ihn gern mit allerhand milden Grcisenworten belegt und nicht dulden will, dasi Sarah Abends für ihn kocht. Trotz dieser erschwerenden Um stände leistet der Gatte das beinahe Uebernatürliche, seine Sarah doch zu lieben, und weil ein solcher Fall nicht hoffnungslos fein kann, vertagt der Richter die Verhandlung und ordnet zugleich an, daß der Schwicgerpapa schleunigst um zieh«. „Ich wohne seit 18 Jahren bei meiner Tochter", klagt der Alte: „warum soll ich jetzt anderswo wohnen?" — „Uni diesen beiden eine Chance zu geben, wieder glücklich zu Wer den", entscheidet der weise Richter. Und Arm in Arm vec> lassen Charles und Sarah den Gerichtssaal, über dessen Tür die Worte „Aussprache und Versöhnung, nicht Strafe" zu lesen sind.
Aas erste Abenteuer.
(®cfr[u&.)
Es ging los. Im Sonnenbrand, Schritt vor Schritt gleichmäßig dahin, steil: man redete in der ersten Stunde kaum ein Wort, so ernst war diese Einführung. Nur wenn «in Wanderer von oben herunterkam. traf ihn «in leuchtender Kinderblick. Und wenn es ein kleiner Junge war, so stießen sich die Mädchen an. Als man schon Stunden gegangen war, schien es, als hätten di« Linder, deine gar nicht mehr mit Schwierigkeiten zu kämpfen, so leicht ging es. Di« knie« bewegten sich, als seien sie nichts anderes gewohnt. »!» sich die Mutter einen Augenblick hlnsetzte, fragte Edith: „Kann di« Mama nimmer lausen?"
„Ich war gerade schwer wie ein Sack," sagte die Mutter, „aber es ist gleich wieder besser". Und dann achteten sie darauf, ob niibt den Vater auch solch eine Schwäche onkomme. Er aber ließ sich nichts zuschulden kommen. Man war jetzt so hoch, daß man bas Land frei unter sich hatte. Der Fluß wälzte sich in Kriimmungen silbern hin. Ein fröhlicher grünes Tal breitet« sich da unten aus. Ruhig log «in See langgestreckt auf der Erde. „Da ist lauter Wasser heretngelaufen," sagte Edith, „geht da? nicht mehr heraus?" Aengsl. lich schauten ihre Augen. Aber Auguste wußte, baß sich das so ge hörte und nichts Erschreckendes war. Man konnte darauf auch Echifsle fahren, deswegen mußte der See da sein. Wie das aussah von dieser Höhe. Al» hätte «in« scherzende Hand «in Teichlein zum Spielen ins Tal hinuntergesetzt. Die Bäume, die Wälder waren so winzig und säuberlich in den Boden eingesteckt, als könne man sic ganz leicht wieder heraukheben und nach Gefallen anderswo ein- setzen. „Ich wiirb« dann unser HäuSl« zum See hintun," schlug Edith vor. „Ich 'raus auf den Berg," meint« Auguste, „und morgens würld' ich dann zum Baden hcrunierlaufen". „Ta ist ja schon ein Hänsle!" rief Edith au». _ „ „ ,
Man war bei der Hütte angelangt. Weidende Kühe und Schafe breiteten Frieden um sich au». Rauch stieg aus dem Kamin der Hütte. „Hoho, da ob«i kocht man auch!" rief August« belustigt. Eie fanden noch Hund«, «in Pferd mit seinem Jungen, die herum- spazierten. In einem Haus« waren Hühner, hinter Gittern Kaninchen und Meerschweinchen. Al» die Kinder mit all dem Bekanntschaft «eschiossen hatten, besahen sie sich wieder die Gegend. „Also ba geht» weit hinunter." „Denk Dir, ba find wir herausgekommen."
In der Hütte gab «S Milch, Brot und Eier. Auf den Bänken saßen auch noch ander« Leute umher. Einer von den Burschen spielte Zither, ein anderer junger Mensch machte sich an da» Mädchen heran und tanzte mit ihr, Di« Kinder staunten zu all dem. Wie sich baS Mädel andächtig dichte und auf dem kleinen Raum ben jungen Menschen mtt sich rundum bewegt«. „Wie beim Theater," sagte die Klein«. AIS baS fest« schön« Mädchen sie noch auf ihren Schoß nahm, lüchelt« bas Kind und brachte das Müudchen vor Erstaunen wicht mehr zu. August« nur sagte hinterher: „Ach, da ist nichts dabei.* . . . Sie wollte damit sagen, baß da» alltäglich und gar nicht chearralislb wSre. - : H '
Man ughm Kbschieh von Kühen, vjerbea und Bbckeip di« sich üntznttr «rlvreu. Dort standen sie und —. -"i ai» türruuij« ste fcu« Sorg«
höh«. Di« Kinder trennten sich ungern von dem Anblick der Tiere. »I» eS mn «ine vergecke ging, hielten st« «ine Weile sttll und nnnk» ten. Der Vater aber lagt«: ^linder, wir dürfen nicht zögern. Bald kommt di« Dänunerung „nb wir haben noch einen guten Weg " So wandert« man über einen schmalen Fußpfad, über enge Holzbrlickchcn um die Berghöhe herum. Ta war eine Sennhütte. Neugierig kam «in Bub« heraus. Die Sennerin stand mächtig, breit und hoch in ihren derben Hosen ba und wurde von den Kindern mit große» Augen betrachtet, Aber ihr« Botschaft war nicht so «rsrcnlich wie Ihr Anblick. „Sie sinh einen falschen Weg gegangen," sagte sie. „Nun müssen Sie über die Wetterhütte und haben einen langen Abstieg." Edith brach bei diesen Worten in Tränen aus: „Dann kommen wir nimmer heim, o wir kommen nicht mehr hinunter." „Wie dumm," tröstete ?luguste, „hier kommt man überall hinunter".
In der Eile übersahen sic, auf dem Kamm der Höhe zu gehen und klctietten an einem seitliche» Nasenhang. Eine Weile ging eS so, dann kam wieder die Angst über die Kleine. „Meine Schuhe sind schon ganz krumm!" Den andern erging es nicht besser. Edith stellt« sich hoch »nd Übersah ben Abgrund, der gefährlich vor ihnen lag. „Ich fall hinunter, wenn mich Mama nimnicr halte» kann," klagte sie. Nur Auguste war behend wie ein Reh Uber den Hang hochgeklettert und lachte oben Tränen über baS Mißgeschick. „Geht doch gerade herauf statt seitwärts," rief sie den andern zu. Und so ging es. Ma„ kam zur Wetterhütte und traf dort einen Wanderer. „Merken Ei« ja aus ben Weg," riet er, „da oben ist eine Wildnis". Als Edith das Wort Wildnis hörte, brach sie abermals in Tränen aus. Der Schreck war ihr in di« Glieder gefahren, daß sie nicht mehr gehen konnte. Ein« ungeheure ängstliche Vorstellung kam über sie und malte ihr «inen Schrecken vor, der sich auf dem Gcsichtchen widerspicgclte. ES ging über abgebrochen« ?ia»m- stämme und Geröll steil bergab. Schließlich blieb nichts andere» übrig, al» Edith in Vater» Rucksack zu legen. Man sah nur ihr Blumcnhittchen und die Locken aus dem Rucksack Hervorschauen, sonst nichts von dem kleinen Wesen. Auguste aber lief voraus, suchte die Wegmarkicrung, warnte vor tiefen Stufen, vor Schmutz und Steinen uni lief so sicher und leicht, al» wäre dies alles ein Kinderspiel. Ihre Beinche,, schritten fühlend über ben Erdboden, der Körper bewegte sich federnd talab, als wäre sie der gewandteste Gebirgsbewohner. Nur der Vater hatte eS schiver mtt seiner großen kleinen Last.
Nach einer Tlunde meinte Edith, sie könne wohl wieder gehen. Wie aus einem Dampfbad entstieg sie ihrem Sack und folgte munter Auguste nach. „Ist das der Wald mit dem Wolf und Rotkäppchen und dem Wolf mit den sieben Geißlein?" fragte sie. Und sie erzählt« weitschweisig die Märchen, wie sie stch's dachte. Inzwischen brach die Dämmeruna herein und schattenhaft stiegen und stiegen die Wanderer immer noch bergab. Ohne ein End« zu sehen.
Plötzlich schreckte Edith auf: „Wir kommen nicht mehr heim, der Zug fährt uns davon." Sie hatte Recht, aber man durste e» nicht zugeben. Die Eltern hatten so auf ben Weg zu achten, daß sie kaum die Stimmung aufnehmen konnttn, bi« sich durch ben Wald wob. Weithin nur Stämme, durch die der Abenbschalten Schleier hinwebte, sie beleuchtete, zerriß und wieder sorglich spann. Ge- dämpfte Stimmen von Tieren wurden vernommen, aufgeschrccktr Vögel drängten Tone von sich Rehe flüchteten und äugten aus der Ferne zurück Man fühlte es nur im Dämmerlicht. Gefällte Baumleiber hingen zu Tal. Ti« morsche Rinde brannte feurig. Es kamen Lichtungen, in denen bcr Rasen sanft zu Tale lief. Und bann hörten die Bäume auf. Man watet« auf sumpfiger Erde und verfing sich in Hürden, die durch ein schmales Wasser von der Landstraße trennten. August« kletterte über all die Gitter hin »nd kam lachend und kopfschüttelnd wieder zurück. „Ter Zug ist doch weg," flüsterte Edith leise und verzweifelt. Man war fünfzig Schritte von den Menschen entfernt, hinten standen schon ihre Häuser, aber man konnte nicht zu ihnen hinstnden. „Wir sind dumm!" schrie Auguste, „Da ist ja ein« Türe!" Ausatmend stießen sie bas Holzgeländer zurück und gingen über den letzten kleinen Hang, aus dessen feuchter Erde wie tolle Gcstallcn die Weiden wuchsen, vor den Müden stand ein Bauernhaus mit kleinen Fenstern und einem schwachen Lichtt'chimmer hinter ihnen. Tie Sinder horchten voll Erwartung, als der Vater klopfte. Man wie» ben Weg. Sin Fußpfad führte mitten in einen Cit, der sich in der Dunkelheit v«rbarg. Im Gasthaus« war n"-t> gkichäfl gc.i Leben. Man trug die Kinder, die diese nächtliche Wirsli.hkcil wie wundersame Märchen bestaunten, tu die Betten.
Der Morgen ging wieder strahlend auf. Die Kinder erwachten fast mit der Sonn« und erzählten sich wispernd unendiiche Geschichten Ihre» Erleben». Leise zogen sie sich an und schlichen mit der Mutter in» Freie. — Ta waren stattlich« Bauernhäuser mit ttefen behaglichen Dächern und Blumen an sedem Fenster. ES. ging durch «in« Türe in den Stall, in dem ein ganze» Volk von Kühen und Ochsen stand und fraß. Das ging mit gesundem Hungef hintereinander, di« Halme hjugen rechl» und links zum Maul« hinaus. Nebenan waren die Pferde, die im warmen Dunst ruhten/ unterm Gebälk gackerten Hühner. i..
Edith rang schon wie6«i mit Worten, um all die Herrlichkeit «inzufangen. ES sagte ,u seinem Schwesterchen: „Du. das ist ja fürchterlich schön. Und ich fteug auch gleich wieder auf den Berg, um herabguchen zu können.^
„Ach," meint« Augustes „Ich werde überhaupt später Berg-
ftei«r". • -■/
,D>e So nutz fies in ein Kornfeld «nd wühlte darin wie ein schäumend?» Meer von Gold. ;
_ „Stau frühstücken upr eigentlich," fragte Ebich. Da kehrten Ü « zurück u«d fand«» eigen län dlich g ut jPtritWo Nsch.


