sachte seine freigebigen Unterstützungen: er wollte nichts sehen, was über den gegenwärtigen Augenblick ging, er wollte sein Gewissen ersticken, seinen Blick von der Zuknirst abwcnden, das war fein eigenes Geständnis: sein Benehmen glich dem eines Wahnsinnigen Vergebens suchte er seine Lage vor seinem Vater zu verbergen, dieser wußte keinen andere» Ausweg, seinen Sohn von den drängenden Wucherern zu befreie», als durch den Herzog von Brilliere einen geheimen Vcrhastsbefehl für seinen Sohn als Gnade zu erbitten und zu erlangen.
Am 16, Dezember 1773 bekam Mirabea» de» Befehl des Königs, das Schloß nicht zu verlaßen. Zu gleicher Zeit war seine Frau in ihrem Elternhausc mit einem Sohne niedergekommen, kam aber nach ihrer Genesung wieder zu ihrem Manne zurück.
Das neue Jahr brachte Mirabeau die grausamsten Ucber- raschungen. Seine Schuldenlast wurde auf 180 600 bis 260 000 Livres geschätzt. Sein Vater griff nun zu zwei Maßregeln. In, März 1774 zwang er ihn, sein Exil vom Schloße Mirabeau nach der kleinen Stadt Monosaue zu verlegen, und nach einem Familienrat wurde die Kuratel über ihn verhängt. Dieser Beschluß war ein harter, beleidigender Schlag für Mirabeau. Zur selben Zeit machte er auch die Entdeckung, daß ihm seine Frau untreu sei. Er zivang sie, de» Berkehr mit dem jungen Mann abzubrechen, er selbst schrieb ihm einen theatralisch aufgeregten, empörten Brief, In Wirklichkeit war ihm die ganze Sache gar nicht nahe gegangen, er selbst nahm sich alle Freiheiten, die ihn, beliebten. Sein Borgehen glich mehr einer Komödie, über di« sich zu belustigen Mirabeau der erste war! Er bemüht« ßch sogar in der Folge, den Liebhaber seiner Frau mit der Tochter seines Freundes zu verheiraten.
Mirabea» besaß das Talent, immer wieder in unvorhergesehene neue Schwierigkeiten verwickelt zu werden. Seine Schwester lebte in Graße, Ein Skandal regte eben den ganze» Ort auf. Grobe, unanständige Plakate, die an die Damen von Graße gerichtet waren, wurden an alle in die Augen fallenden Haustorc geklebt und in großer Menge umhergeftreut. Man schrieb diesen Einfall Mirabcaus Schwester und deren Mann zu. Frau v, Eabris war sehr schön, hinreißend, feurig, redegewandt und leidenschaftlich. Sie war an einen kranken, dem Wahnsinn nahen Mann verheiratet und unterhielt ganz offen und ungeniert «in Verhältnis mit einem Major v, Janßcrandy: Ein Verwandter von Mirabeau, Herr v, Villencuve, hatte sich zum Sprachrohr des Skandals über die Plakate und die beschimpfende Verdächtigung gegen seine Schwester hergegcbc». Zufällig traf ihn Mirabea», als er mit seiner Schwester und dem unvermeidlichen Jansscrandy einen Spazierritt unternahm. Die Anseinandersetzung war kurz; Mirabcan, von einer reichen Mahlzeit übcrerregt. riß Villencuve seinen Schirm aus der Hand und zerbrach ihn auf deßc» Rücken mit Gewalt, dann begann ein Ringkampf zwischen beiden, es war ein ungleicher Kampf: Mirabcan n>ar fünfundzwanzig, Herr v, Villencuve fünfzig Jahre alt, Villencuve verklagte ihn wegen Mordversuches: am 22, August sollte Mirabeau in Graße verhaftet werden, war aber bereits aus und davon, Jndeßen konnte diese Rauferei nicht ohne gerichtliches Nachspiel enden. Dennoch fand Mirabeaus Vater Mittel und Wege, das gerichtliche Verfahren zu umgehen, er tat dies nur seiner Schwiegertochter zuliebe, die ihm sehr nahestand und die ihn um diesen Gefallen gebeten hatte, Er erbat vom Minister einen geheimen Vcr-- hastsbcschl und erlangte diesen leicht. Mirabeau wurde wie ein Beutelschneiber verhaftet und in die Zitadelle von Jf abgeschobe». Wieder geschah ein neues Wunder — das ihn aus dicscr neuerlichen Prüfung erlöste. Seine Frau weigerte sich, ihm nach Jf zu folgen. Sein Vater erfuhr, daß cs Mirabeau zu gut ging, er veranlaßt« deshalb seine Uebcrführung in die Zitadelle von Joux, die von einem sehr strengen Kommandanten befehligt imirdc, Mirabcau schrieb von dort an seine Frau, daß er inmitten von Wölfen und Eulen verbannt sei, als einzige Begünstigung sei ihm zu jage» gestattet, in einem Lande, wo es kein« Jagd gab: auch würde ihn die Waßcrsucht, die er in seinen Füßen habe, daran verhindern. Keine Stadt in der Nähe, ohne Gesellschaft und Bücher, er bcsindc sich in dem kältesten Ländcrstrich Europas: man hätte ihn aus der anderen Gesangenfchaft entfernt, in der er durch menschliche Rücksichten sein Schicksal leichter getragen habe und sich besänftigt gefühlt hätte. Nicht lange — war auch der streng«, eisige Kommandant von Mirabeau behext worden: er ließ ihm Bücher geben, alle möglichen Erleichterungen wurden ihm zugestandcn, zum Schluß bekam er sogar Einladungen zu den Gastmahlen des Kommandanten, sSchluß folgt,>
Alls Wett und Leben.
Wie die Norwegerin ihr Wahlrecht benutzt. In diesen Tagen ber Erörterungen um bas Wahlrecht der Frau scheint es angebracht, die Arbeit zu betrachten, die die Frau in einem Lande vollbringt, das ihr das Wahlrecht eingeräumt hat. Seit sieben Jahren besitzt die norwegische Frau das Recht zum Wählen; damals war es ein beschränktes Wahlrecht, das von der Höhe der Steuersumme abhing, aber die mit der Gewährung der Stimmrechts gemachten Ersahrun- gen waren so günstig, daß man im vergangenen Jahre die unbeschränkte Erweiterung des Stimmrechtes auf alle Frauen im Alter von mehr als 25 Jahren beschloß, Leon Conscll hat eine Führerin der norwegischen Frauenbewegung, die Journalistin Frau Ella Anker, ausgesucht und über die Wirkungen des Frauenwahlrcchtcs befragt. „Ja, ich bin stolz, einem Volke anzugehören, das der Frau
das Stimmrecht bewilligt hat", erzählte Frau Anker. „Die norwegischen Frauen habe» ihre neuen Rechte mit Freuden ergriffen; in manchen Städten war ihre Wahlbeteiligung sogar größer als die der Männer, 73 Prozent der wahlberechtigten Frauen gegenüber 72 Prozent der Männer. In den ländlichen Gegenden sind wir freilich noch nicht so weit, aber hier wird Unterricht und Erziehung frucht. bar wirken," Wozu haben nun die norwegischen Frauen ihr Wahl- recht benutzt? „Unser Wirken galt zunächst der Verminderung der Säuglingssterblichkeit: wir haben durchgesetzt, daß alle in Fabriken arbeitende Mütter sechs Wochen lang nach der Geburt eines Kindes zwei Drittel ihres gewöhnlichen Lohnes weiter beziehen. Wir habe» für die ärmeren Volksschichten eine Mntterschaftsvcrsicherung; vom Tage der Niederkunst an bezieht die Mutter acht Wochen lang täglich ungefähr eine Mark, bleibt zu Hause und pflegt ihr Kind, Die Rechte unehelicher Kinder sollen erweitert iverden, die Verantwortung des Vaters wird erhöht, das uneheliche Kind kann den Namen des Vaters annehmen und ist auch erbberechtigt, Ju der Ehe haben die Frauen das gleiche Bestimmungsrecht über die Kinder wie der Vater und die Bestimmungen über die Ehescheidungen sind erleichtert, In dieser Richtung arbeite» wir tapfer weiter, gemeinsam mit den Männern und in völliger Harmonie mit ihnen."
Ein 40 000-Mark-Preis für das Drama einer Frau. Die in literarische» Kreisen Amerikas mit lebhafter Spannung erwartet« Entscheidung der Preisrichter über die Erteilung des von dem Newyvrker Theatcrdirektor Winthrop AmcS ausgesetzten großen Preises für das beste amerikanische Drama ist nun gefallen, Ter Preis besteht in einem festen Tantiemevorschub in Höhe von 40 000 Mark und weiterhin in 8 Prozent von den Bnlttocinnahmcn des Werkes. Die Preisrichter haben nach lOmvnatiger Arbeit unter den 1600 anonym cingcrcichtcn Manuskripten ihre Entscheidung getroffen und das Drama „Kinder der Erde" preisgekrönt. Das Werk spielt in einem ländlichen neuenglischen Milieu. Es ergab sich, daß der Autor dieses Dramas die 57jährige Miß Alice Brown auS Boston ist, die bisher noch niemals ein Theaterstück geschrieben hat und nur durch kleine Novellen und Aufsätze hcrvorgctrcten war. Unter den Bewerbern um den 40 066-Mark-PrciS, den nun eine Frau erobert hat, besand sich eine Anzahl der bekanntesten und mcistgespielten amerikanischen Dramatiker.
chesundl-eilspsseqe.
Der nervöse Säugling, Daß die Nervosität bereits schon im Säuglingsalter in die Erscheinung treten kann, dürste nur wenigen bekannt sein. Wie Tr, Fürstcnheini-Michclstadt im Arzt als Erzieher ausführt, läßt sich der nervöse Säugling an seiner gesteigerten Reizbarkeit, seiner großen Ungeduld, feinem unstillbaren Heulen aus kleinen Anläßen hin, seiner vorwiegenden Verdroßcnheit und Zappeligkeit bei einiger Uebung recht wohl vom gesunden Säugling unterscheiden. Bei dieser Zappeligkeit handelt es sich teilweise um „Bcwcgungsbrang", die ewig«, Unruhe nervöser Kinder, die deren Pflege außerordentlich erschwert: auch das auffällig viele Schreien nervöser Säuglinge gehört hierher. Die nervöse Regsamkeit zeigt sich auch oftmals an den Aeußernngen des Tricblebcns, das sich bis zu vorzeitigen und krankhastcn Erregungen steigeru kann, der ewig begehrliche Säugling, der teils nach Nahrung, »ach Zärtlichkeit oder wenigstens »ach Unterhaltung verlangt, ist ja keine unbekannte Erscheinung, Die Nervosität kann angeboren sein, aus erbliche Be- lastting beruhen. In weitaus der Mehrzahl aller Fälle entwickelt sich das Bild einer ausgesprochenen Nervosität beim Zusammentreffen einer angeborenen nervösen Veranlagung des Kindes mit niehr oder weniger schweren Erzichungssehlern, Auch Ernährungsfehler können gcwißcrniaßen Nervosität erzeugen. Bei der Ernährung wird häufig das Maß überschritten, vor allem auch die Mahlzeiten nicht regelmäßig verteilt. Sehr häufig bekommen die Kinder viel Nahrung im Ganzen, dadurch häuft sich im Darm die Menge unverdauter Bestandteile. Aus dem Darm gelangen wahrscheinlich saure Zcrsetzungsstosse, zum Teil auch Giftstoffe in die Blutbahn, vergiften di« feinsten Nervenfasern und lockern sie auf, wodurch deren Reizbarkeit gesteigert wird, Tie Ernährungs- und Tchlasstörungen des nervösen <Ä>ugIings sind überaus schwer zu vertreiben, wenn sie sich einmal eingenistet haben.
Kür Kaus und Kof.
Schutz den Tieren. Wen» man jetzt nach dem Erwache» ber Natur durch Wald und Feld streift, sicht man recht häufig, daß nichts bloß Kinder, sondern leider auch Ertvachscnc arme unschuldige Tiere mit Steinwürfen und Slockschlogc» verfolgen und töten, weil man sic für giftig oder schädlich hält, oder well sie ln ihrer Art, sich sort» zubewcgen, etwas Unheimliches, etwas für manche Menschen unangenehmes haben. Aber gerade solche Tiere, wie Kröten, Eidechsen, Blindschleichen. Manlwürfc, Igel und andcrs Getier, sind für dl« Forst- und Landwirtschaft von außerordentlichem Nutzen, weil sie große Mengen vo„ Unaciieker vertilgen, um ihr Lebe» zu fristen.


