Ausgabe 
5.6.1914
 
Einzelbild herunterladen

Schaufel auf 5ctt Bergwerken, mit Zange unb Streckhummer in Len Hütten und Walzwerken, die Gesichtshaut und Haare versengt durch di« Glut der Oefen, so verlassen sie täglich, größtenteils barfuß, die Arbeitsstelle. Ei» wahrer Jammerl

lieber die Höslichkelt in verschiedene» Zeitalter» und bei ver­schiedenen Völkern plaudert Judith Garticr im Gaulois:Ist Ihre Nase fett?"Sie ist es!" So begrüßten sich die Perser, wenn sie sagen wollten:Wie geht es Ihnen?" Als die Chinesen noch in Höhlen wohnten, richteten sie am Morgen an ihre Nachbarn die Frage:Haben Sie Schlangen gehabt?" Diese Begrllßungssormel blieb Jahrhunderte hindurch bestehen, nachdem der Sinn der Worte längst verloren gegangen war. In späterer Zeit fragten sich die Chinesen:Haben Sie Ihren Reis gut verdaut?" Und dann wurde die Höflichkeit, die in Büchern festgelegt und nach Gesehen geregelt war, eine komplizierte Kunst, die man in allen ihren Abstufungen kennen mußte, von dem berühmtenKo-tu", bei dem man den Fuß­boden mit der Stirn berührt, dem seltsame»J-ki"-Tanz, den man, mit der Peitsch« in der Land, vor dem Kaiser zu tanzen hat, und der die mit fetten Bäuchlein gesegneten Mandarine gar oft in Ver­legenheit brachte, bis zu dem einfachen bürgerlichen Gruß, bet dem man die geballten Fäuste über dem gekrümmten Kopf erzittern läßt. Es gibt (oder gab wenigstens vor einigen Jahren noch) nichts Drolligeres als die übertriebenen Schmeicheleien, die sich in China Gast und Gastgeber zu sagen pflegen.Hochehrbarcr Herr, ich liege zu Deinen Füßen!"Nein, ich wälze mich im Staube, junger Phönix!"Meine kleinen Mardcraugcn sind durch den Glanz Deines Bildes geblendet!"Meine bescheidene Hütte erzittert ob der Ehre, Dich empfangen zu können."Ich trete in den Tempel der Weisheit ein!"Dich zu erivarten, war schon ein Glück!" Dich zu sehen, ist himmlischer Lohn!"Die Erde ist stolz, Dich zu tragen!"Die Sonne ist auf Deinen Ruhm neidisch!"Ich war auf das Dach meines Hauses gestiegen, um Dich kommen zu sehen!"Die himmlischen Geister hätten Dich für einen der ihrigen halten und Dich mit sich nehmen können!" Es gäbe in den Jrrgängen der chinesischen Höflichkeit noch viel zu entdecken.

Eines Tages", erzählt Judith Gautier,besuchte mich in Paris ein Mandarin, was eine große Ehre war. Ich cmpsing ihn, so gut ich ihn verstand, und er schien sich in meiner Gesellschaft wohl zu fühlen, denn er blieb drei Stunden. Ich wußte wahrscheinlich nicht die Formel, die ihn veranlaßt hätte, wegzugehc», und ich glaubte schon, daß er ewig bleiben würde. Tie chinesische Höflichkeit ckksordert offenbar, daß er so tue, als ob er sich dem Zauber meiner Persönlichkeit gar nicht mehr entziehen könnte, und daß er den Besuch bis zum Lästigwerden ausdehne. Schließlich ging er aber doch, stieg jedoch zu meinem Schreck schon wenige Sekunden später wieder die Treppe hinauf und klingelte von neuem. Ich glaubte, daß er seinen Schirm vergessen hätte. Das war es aber nicht. Er könnte sich nur nicht entferne», sagte er, ohne einen Kupferstich, den ich ihm gezeigt hatte, noch einmal anzusehc». Und ich mußte ihm den ganz glcichgiltigen Stich noch einmal zeige», und er sing ihn von neuem zu bewundern an. Dann ging er endgiltig, und ich war sehr betrübt, weil ich nicht wußte, mit welcher Höflichkeit ich seine Höflichkeit hätte beantworten sollen. Sollte ich die Treppe hinunter» purzeln oder auss Dach des Hauses steigen? Tie japanische Etikette richtete sich früher nach chinesischen Riten, nur daß sie hier noch strenger angewandt wurden als in China selbst. So erfordert im bürgerlichen Leben die Höjlichkeit weit öfter in Japan als in China das Niedcrwerfen zum Zeichen der Unterwürfigkeit. Tie Frau kroch vor ihrem Mann und seinen Verwandten nicht selten ans allen Vieren herum, und wenn zwei Freunde einander begrüßten, kauerten sie nieder, neigten die Stirn und rieben sich die knie, in­dem sie Zischtöne, die ihre Freude zum Ausdruck bringen sollten, hören ließen. In früherer Zeit trugen die Japaner um den Hals «ine Art Schärpe, deren Enden, je nach dem Range des Trägers, mehr oder minder lang waren: man konnte infolgedessen genau die Tiefe der Verbeugung, die der heilige Ritus erforderte, abmessen: je länger die Enden, die die Erbe berühren niußten, waren, desto weniger brauchte man sich zu neigen und zu beugen.

Neue Hochzeitsmoden i» England. Wer nicht mit eignen Augen englische Hochzeiten gesehen hat, kennt zumindest ans Bildern die reizende» Trachten der Brautjungfern, die dem ganzen Feste ein charakteristisches Gepräge geben. Mit Ihren großen Hüten gaben sie der Braut das Geleit, »nd die breitrandigen Kopfbedeckungen ließen bas zarte schmale Oval des typischen britischen Mädchcngestchts doppelt reizvoll hervortretcn. Ach, dies alles war einmal. Seit

3 Jahren sind diese Hüte der Brautjungfern immer mehr kn den Hintergrund gedrängt morde». Es begann mit der Mode, bei den Hochzeitsfcsteu historische Kostüme und Trachten nachzuahmen, die Brautjnngscrn setzten sich das Ziel, ln ihrer Tracht bestimmt« Meisterwerke der Malerei zu kopieren, der Hut fiel, und statt dessen tauchten seltsam geformte altertümliche Kopfbedeckungen auf. Bei manchen Hochzcitszllgen kam dabei fast etwas Karnevalistisches in das Aussehen der Brautjungfern; sie legten die Hüte ab und schmück« ten ihre blonden Flechten mit Blumengewinden. Aber auch Liefe Blütenkränz« wurden kleiner und Heitrer, nur zivei, drei kleine Blumen blieben schließlich übrig, unb an ihnen befestigt eine fast unsichtbare kleine Tüllschleife. Dann kamen Spitzenkappen, Kopien nach einem Bildnis des Velasquez; und gegenwärtig tragen die meisten Brautjungfern an dem Ehrentag ihrer Freundin ein kleine«! Tttllhäubchen, das in seiner Form und Ausmachung einer Dienst« mädchenhaube ähnelt, oder jenen zierlichen, kleinen, weißen Kopf« putz, den man in England in den Tceränmen so häufig bei de» Kellnerinnen sieht. Jnimcr mehr tritt bei den jungen Damen da8 Bestreben zutage, den Hochzeitstag der Freundin dazu zu benutzen, durch bizarre, ungewöhnliche und anfsehenerregendc Kopfbcbeckungeu die allgemeine Aufmerksamkeit ans sich zu lenken. DieDamen" haben eben auch ihre Sorgen.

cheimidyeilspflege.

Heilung durch Bienenstiche. Es ist zwar seit alten Zeiten bc«

könnt, aber verhältnismäßig wenige Menschen wissen es, daß der Bienenstich heilkräftig ist. Tie Erfahrung hat bewiesen, baß tu erster Linie rheumatische Leiden durch Bienenstich erfolgreich ge­heilt werden. Gicht läßt sich durch Bienengift nicht beseitigen; des« halb kann ans diese Weise scstgcslcllt werde», ob cs sich in gewissen Fällen um gichtartigc oder rheumatische Leiden handelt. Eine» interessanten Fall erzählt Prof. Sajö im Maiheft des Koömos- Handwcisers (Stuttgart): Im Jahre 1911 hatte ich mehrere Wochen Schmerzen in meiner rechten Hand, die sich nicht bessern wollten. Das Hebel steigerte sich dermaßen, daß ich nicht mehr fähig ivar, «in größeres Buch in meiner rechten Sand zu halten, ohne daß die linke Sand dabei niithals. Ich glaubte nicht, daß es sich um eine rheumatische Infektion handelte, weil ich feit meiner Kindheit gegen Bienenstiche immun bin; cs stechen mich mitnittcr auch 30 Bienen zu gleicher Zeit, ohne daß eine Geschwulst entsteht. Der geringe Schmerz dauert in der Regel nicht länger als einig« Minuten, lind wer gegen Bienenstich immun ist, pflegt auch gegen rheinnatisch« Ansteckung gefeit zu sein. Als ich damals eines Tages meine Bienenstämme besichtigte und bereits am Ende der Arbeit war, ohne von einer Biene angegrisscn worden zu sei», geschah cs beim letzte» Stocke, der aus mir unbekannter Ursache sehr erregt sein ninßte, daß gleich beim Qeffnen der Beute eine Anzahl der gereizten In­wohner über mich herfiel und im Rn meine beiden Hände mit ihren Stacheln bearbeitete. An meiner linken Hand hatte» die Stiche gar keine Wirkung, aber meine schmerzhafte recht« Hand begann zu schwellen »nd war abends beinahe doppelt so groß wie meine linke. Das war mir etwas ganz Neues, und ich gewann die Ueberzcugnng, daß in meiner rechten Hand sich die Quälgeister des Rheumatismus angesiedelt haben mußten. Tie Geschwulst bauerte mehrere Tage, und als sie geschwunden war, war auch meine Hand vollkommen geheilt. Der Schmerz stellt sich in der Folge nicht mehr ein.

Kür Kaus und Kof.

Hund und Kaße. Mit Unrecht iverden Hund und Katze als gegen­seitige natürliche Feinde bezeichnet. Namentlich auf ländlichen Ge­höften kann man die Erfahrung machen, daß Hund und Katze ein­trächtig zusannnenleben und oft ein« rührende Freundschaft pflegen. Wenn sie aber von jung aus gegeneinander verhetzt werden, wodurch selbstverständlich Feindschaft erzeugt wird, so ist der Gegensatz da. Bei vernünftiger Behandlung der Hundes tritt er nicht auf. Hund und Katze sind dem Mensche» ganz besonders zugetan, tragen viel zur Gemütlichkeit des häuslichen Heims bei und haben daher als treue Freunde des Menschen allen Anspruch auf eine gut« Behand­lung. Während der Hund sich durch seine Treue, Wachsamkeit, An­hänglichkeit uiii Klugheit auszeichnet, ist die Katze durch ihre Anmut beliebt u»d durch ihre Nützlichkeit im Mäusefangen sehr geschätzt. Damit die Katze nachts nicht den Vögeln gejährlich wird, muß man sie so gewöhnen, daß sie über Nacht im Hause bleibt. Wer sich einen Hund oder eine Katze hält, dem liegt auch die Verpflichtung ob, für das Wohl derselben zu sorgen und jede Mißhandlung zu vernieibc». Als Tierfreund muß er daraus bedacht sein, daß es seinen Schützlingen niemals an gutem Futter, frischem Wasser, rein- sicher Lagerstätte und freier Bewegung fehle. Junge Hunde uns Katzen solle» zur Reinlichkeit und Ordnung erzogen werden, was bei liebevoller und sachgemäßer Behandlung bald erreicht werden kann. Da der Hund tiefen Gram darüber empfindet, wenn er von seinem Herr» getrennt wird, so sollte man niemals einen Hund weg- gebcn, der schon einige Jahre in der Familie ivar. Em schneller schmerzloser Tod ist hier das Barmherzigere. Für anhängliche Katzen ailt dasselbe.