.nach freu Gesichtspunkten des Verhältnisses von Knaben- und Mädchengeburten, der Reife und der Mortalität der Neugeborenen, dem Ablauf von Geburt und Wochenbett und der Stillsähigkeit." Tabei ergibt sich, daß das günstigste Alter für die erste Geburt zwischen dem 18, und 20, Jahre liegt, und Laß schon nach dem 2 3, Jahre die günstigen Bedingungen sllr die erste Geburt sinken, Selbst die Erstgeburten im Entwickelungsaller von 14—17 Jahren ergaben keineswegs ungünstige Resultate,
Fast zu dem gleichen Ergebnis führten Untersuchungen von Marek an der Olmützer Landesgebäranstalt, Auch hier lag das der ersten Geburt günstigste Alter zwischen dem 18, und 23, Jahre, Später waren viele regelwidrige Geburten und eine stärkere Morbidität und Mortalität der Mütter und Kinder zu verzeichnen. Der Anssatz verlangt nachdrücklich weitere gründliche Untersuchungen aus diesen, Gebiet« und weist aus die Wichligkeit der einwandfreien Feststellung des günstigsten Heiratsalters hin. Ein Vergleich mit der Statistik zeigt, daß 43,02 Vs Frauen im Alter von über 25 Jahren heiraten, also in einem Alter mit wesentlich herabgesetzten Vorbedingungen für eine gute erste Geburt, In dem Alter von 21 und 22 Jahren, das man wohl unbedenklich als das beste Heiratsalter bezeichnen darf, verehelichten sich im Jahre 1900 32,2ö Prozent der Frauen, Wenn es aber Tatsache ist, daß die Frauen nach dem 23, Lebensjahre mehr unter den Folgen der ersten Geburten zu leiden haben und daß auch die Zahl der totgeborenen oder schwächlichen Kinder bei diesen Frauen größer ist, so mutz die Sorge eines auf gesunde Bevölkerungspolitik bedachten Staates dahin gehen, recht vielen jungen Männern eine frühzeitige Eheschließung zu ermöglichen. Das kann auf mannigfache Weise geschehen, Die wichtigste Vorbedingung aber ist woh! die Verbilligung der Lebenshaltung durch Abschaijung der Lebensmittelzölle »nd durch Bereitstellung gesunder und billiger Wohnungen, Von welcher Seite wir auch das Revvlkerungsproolem betrachten mögen, immer wieder nniß als erste Forderung eine gründliche Abkehr von unserer heutigen Wirtschaftspolitik ausgestellt werden.
Der Aussatz in dem Archiv für Fraucnknnde zieh! diesen Schluß nicht, aber er stellt das Material zusammen, auf dem wir unsere Forderungen an die Gesetzgebung aufbauen können. Und auch die anderen Arbeiten des vor kurzem erschienenen ersten Bandes des genannten Werkes (Archiv für Franenkunde und Eugenik, Herans- gegeben von Dr, Mar Hirsch, Verlag von Eur! Kobitzsch, Würzburgj geben uns wertvolle Anregungen und Ausichlüsie, Ta es aber scheint, als ob in erster Linie die Aerzte in dem neuen Werk znm Wort kommen sollen, ist eine gewisse Gefahr vorhanden, daß die Wissenfchast von der Frau sich zu sehr auf die an kranken ober leidenden Frauen gemachten Untersuchungen stützt. Das könnte leicht zu einer Geringer-Bewertnng der Frau als Mitglied der Gesellschaft, als Staatsbürgerin führen. Aber auf der andern Seite ist es natiirlich ivertvoll, genaue Anhaltspunkte dakiir z» gewinnen, durch welche Einflüsse der Organismus der Frau ernstlich geschädigt wird, Ihre Kesunderhaltung bietet die Gewähr für ein kräftiges junges Menschengeschlecht, Wird sie erschüttert durch bestimmte Arbeiten, so müssen die Arbeitsmethode» geändert, gefährliche Arbeiten für die Frauen verboten werden. Aber das genügt in keinem Falle. Verderblich wirkt vor allen Dingen auch die Entkrästung, die durch Mangel an Nahrung und Ueberbürdung hervorgerufen wird. Und so müßten gerade die Kreise, die die Frau als Trägerin kommender Geschlechter schützen wollen, sich mit denen verbünden, deren politisch« Arbeit auf die Hebung der wirtschaftlichen Lage der Minderbemittelten hinzielt: auf die Abschaffung überlanger Arbeitszeiten aus bessere Entlohnung und aus eine grundlegende Umwandlung unserer Wirtschaftspolitik in dem Sinne, daß nicht mehr die unter harten Kämpfen errungenen Lohnerhöhungen vollständig aufgehoben werden durch die Verteuerung der Lebenshaltung,
Leider ziehen aber die Männer der Wissenschaft in Deutschland in der Praxis meist nicht die Konfcqm.mzen ihrer Theorien. Entweder stehen sse dem politischen Leben fremd »nd ablehnend gegenüber, oder sie unterstützen mit wenigen Ausnahmen diejenigen Parteien, deren Angehörige ans der gleichen Gesellschaftsschicht stammen, Auf diese Weise starken sie den Kapitalismus und niachen üch indirekt mitschuldig an dem Raubbau der mit der Gesundheit der arbeitenden Klassen getrieben wird. Die Sozialdemokratie dagegen macht sich das Material der Professoren, Aerzte und Juristen zu Nutze, und so erleben wir, baß die aus den Beweisführungen der Wissenschaft zu ziehenden Forderungen oft genug gegen die Vertreier der Wissenschaft dnrchgesetzt werden müssen. Wären wir aus die Theoretiker ans den Universitäten allein angewiesen, so könnten wir vergeblich auf die Einführung sozialer Reformen ivarien. Dazu bedarf es des p o l i t i s ch e n Kampfe?, und de» sührt die Partei der Arbeiterklasse, die Sozialdemokratte,
Don der Kochsai oit der Stinglings- sterölichlreit.
Tie Durchfchnittstcmperatiir steigt von Tag zu Tag. I» kurzer Zeit stehe» wir mitten in der Periode der heißen Tage lind damit leider auch in der Hochsaison der Säuglingssterblichkeit. Die Miittcr tun gut, sich möglichst bald beim Arzt, bei der Hebamme oder bei den an manchen Orten existierenden Fürsorgestellen Verhaltungsmaßregeln für diese kritische Zeit geben zu lassen. Verschiedentlich werden ja auch Merkblätter
kostenlos oder für einen kleinen Betrag verteilt, die eine Anweisung für sachgemäße Sänglingshygiene in den Sommer- nionaten enthalten. Leider fehlt es aber einem großen Teil unserer Arbeiterfrauen an der nötigen Zeit und den Mitteln, um wenigstens den einfachsten Anforderungen der Säuglingspflege zu entsprechen. Sie niüssen bei Tagcsgraue» den Weg in die Fabrik antreten, können höchstens in der Mittagspause auf kurze Zeit nach Hause eilen und nach den Kleinen sehen. Abends sind sie müde, da bleibt kaum noch Zeit und Kraft, um die Kindcrwäsche zu reinigen. Eine sachgemäße Ucber- wachung der Ernährung usw. ist meist nicht möglich. Die Säuglinge werden tagsüber der Obhut solcher Geschwister überlassen, die eigentlich selbst noch der Aussicht und Fürsorge in hohem Maße bedürftig sind. Stellen sich Krankheiten ein, so ist der Säugling in der Regel verloren. Acrztlichc Hilfe kann gewöhnlich erst in Anspruch genommen werden, wenn die Gefahr so augenscheinlich ist, daß nichts mehr zu retten ist. Es fehlen die Mittel zur Beschaffung guter Kindermilch und der für diese Jahreszeit besonders von den Acrzten empfohlenen Nährpräparate, Kakes usw. Es ist einfach unglaublich, womit die Mütter ihre Säuglinge vielfach füttern müssen, Eingcweichtes Brot, Kartoffeln und verdünnte Milch spielen die Hauptrolle, All diese Dinge sind natürlich sehr wenig geeignet, den Körper widerstandsfähig zu machen. Der Magen wird geschlvächt und es bedarf nur eines geringfügigen Anlasses, um Brechdurchfall oder dergleichen herbeiznführn. Im Jahre 1911 ging ungefähr ein Fünftel aller Säuglinge vor Vollendung des ersten Lebensjahres zugrunde. Bei den Ehelichen starben 18,2 Prozent und bei den Unehelichen 29.9 Prozent. Knaben sind bekanntlich im Sünglingsaltcr weniger widerstandsfähig als Mädchen. Die Sterblichkeit betrug bei den Knaben 20,7 und bei den Mädchen 17,7 Prozent. Die Tatsache, daß die unehelichen Kinder eine besonders hohe Stcrblichkeitsziffcr aufweisen, zeigt deutlich, daß die wirtschaftliche und soziale Lage der Eltern rcsp. der Mutter neben den Witternngseinflüsscn von größter Bedeutung ist. Unterernährte oder unrichtig ernährte Kinder sind selbstverständlich den Gefahren der heißen Jahreszeit am stärksten ansgeseht. Im Jahre 1911 starben in ganz Deutschland 359 522 Säuglinge (198 816 Knaben und 160 706 Mädchen). Der heiße Sommer des Jahres 1911 hatte naturgemäß eine besonders hohe Säuglingssterblichkeit im Gefolge. Im Jahre 1910 wurden 311 462 Säuglinge vom Tode dahingerafft. Nimnit man an, daß durchschnittlich pro Jahr etwa 320 000 Säuglinge sterben und daß die Geburt und Ernährung durchschnitt- 'ich 100 Mark Unkosten pro Kopf verursacht hat (bei den Arbeiterkindern ist der entgangene Arbeitslohn der Mutter zu berücksichtigen, in den bessersitnicrten Familien sind die Aufwendungen bedeutend höher), so ergibt sich ein gleichzeitiger Verlust an Vermögenswerten in Höhe von etwa 32 Millionen Mark, von dem vorwiegend die ärmeren Schichten der Bevölkerung betroffen werden. Daß die Säuglingssterblichkeit für die Wehrkraft Deutschlands weit wichtiger ist, als der vie!- erörterte Geburtenrückgang, ergibt sich schon daraus, daß im Jahre 1911, in dem 200 000 männliche Säuglinge starben. 565 520 junge Leute auf ihre Militärtauglichkcit untersucht wurden. ES müßte doch möglich sein, bei gleichmäßigerer Verteilung der Einkomniensverhältnisse und entsprechenden LcbenSmittclPrcisen lowie durch Schaffung hygienisch ei" wandfreier Arbeitcrwohnnngen die Sterblickikeit mindestens auf die Hälfte zu reduzieren. Dann könnten sich alljährlich etlva 100 000 junge Männer mehr als bisher znr militärischen Aushebung cinfinden.
Japanische Kindrücke.
Im Aprilheft der Deutschen Rundschau (herausgcgeben von Julius Rodenberc, im Verlag Gebrüder Paetel, Berlin) berichtet Marie von Bunlen in außerordentlich fesselnder und anschaulicher Weise von einer Wanderung ans der altjapanischen Heerstraße, die Tokio mit Kioto verbindet. Wir entnehnien der Schilderung einige besonders bezeichnende Stimmungen und Eindrücke, Zunächst als Probe iapanischcr Kewerbeknltur die Beschreibung eines Hausbaues.
„Jetzt kamen Brandstätten, Ein Dorf wurde wieder neu ans- g< führt, Bereits standen die meisten Häuser im hell«», würzigen Holz, Ich blieb stehen, sali den Zimmerlenten z». Aus der Erde stand ein fertiges Dachgerlist, Nun arbeiteten sie an den Wänden,


