Silbe aus Alisans Erzählungen verstauben, auch diese riefen, sobald sie ihn erblickten:
„Du mein, denk doch einer nur: Kuuk! Hat sich doch so etwas in den blöden Kopf gesetzt . ■ ."
„Hörst du. er ist auf eine Sandbank geraten . . , Hat sich aufs Schiff gesetzt und damit dann auf die Sandbank ... Ha, ha, ha . . ." Tic Kutscher kugelten sich vor Lachen.
„Stuf! St»I! Stuf!" gröhlte» die Straßenjungen. Alisa» hob eine,, Siciu vom Boden auf und ivarj ihn de» Jungen nach. Das Lachs): und Gröhlen wurde aber noch stärker und der lvehrlosc Alifan griff daun zur Flucht.
„Si'u—uk! Stu—nk!" brüllte die blasse. Tic erschreckten Hunde stimmten dem allgemeinen Lärm durch ihr Bellen bei.
Alisans Geschäft ging immer schlcchlcr. Tie Einwohner, kleine Beamte, und besonders die Einwohnerinnen der Siraße empfingen ihn mit einem Lächeln und während sie ihm für einen halben Groschen Nadeln oder dergleichen abka-usten, hielten sie es für ihre Pflicht, sich über Alisans wunderliche Liebhaberei zu amüsieren.
„Wie steht es also mit dem Stuf?" fragten sie „Erzähle nur etwas davon."
„Es steht eben so . . ."
„Wie also? Er segelte?"
„Er segelte, jawohl fertig . . ."
Mit solchen unbestimmten Antworten hoffte Alisa» manchmal den Spötteleien aus dem Wege zu gehen. Aber sein verliebtes Herz hielt gewöhnlich nicht lange stand.
Bald geriet er in Begeisterung. Tie Wunder der fremden Länder bekamen Farbe in seiner glühenden Phantasie und die Bilder einer unbekannten Natur wurde» gar zu grell und seltsam. Alisa» vergast alles: er segelte selbst mit der „Adwentüre" auf hoher See in phantastischem Nebel und au unerhört herrlichen Inseln vorbei: sein« Einbildungskraft entbrannte immer mehr und mehr ... bis plötzlich ein ungestümes, unaufhaltsames Lache» losbrach und ihn wie niit einem kalten Wasserstrahl iibergost.
„Väterchen, ich komme um! Ich komme um, rette mich!" brüllte der Beamte.
Alifan verduftete.
Manchmal kam cs auch vor, daß man ihn etwa drei Stunde» babehielt, amüsierte sich in gleicher Weise über Alisan und über Cook und entließ ihn dann mit den Worten: „Geh, wir brauchen nichts."
Schlecht ging es ihm. Der blaue, baumwollene Kittel, den ihm der Vormund im ersten Jahr seiner Vormundschaft gegeben hatte, bedeckte noch immer Alisans Schultern, denn er hatte keinen anderen. Und wenn der Bursche über sein Mißgeschick nachdachtc, so kam er zu der Ueberzeugung, dast an allem einzig und allein Kapitän Cook schuld sei.
So verunglückte der berühmte Seefahrer, der «inst bei den Sandwichinseln sein«» Tod gefunden hatte, zum zweitenmal im Sumpf der Gasse — von den Kutschern, alten Weibern, Jungen, fa selbst von den Hunden zu Tode kritisiert. Und zugleich mit Cook ging auch der gutmütige Alisan zugrunde.
Sein trauriges Schicksal wurde von den Einwohnern einerseits zur Kenntnis genommen, indem die Leute sagten: „Seht nur Alifan an, er hat immerfort seine Bücher gelesen und was ist aus ihm geworden . . . Rein wie ein Mondsüchtiger!"
Und dann diente der Fall Alisans auch zur Belehrung für andere und hiest es gewöhnlich:
„Was sicht dich nur an: das Buch, immer das Buch! Last es doch nur sein! Es kommt nichts gutes dabei heraus für dich. , . . Steh' nur Alifan an, der hat in ernemsort gelescn — und wer vor Hunger krepieren wird wie ein Hund, das wird Alisan sein.
(Deutsch von Nadja Straffer.)
Aus Wett und Leöeu.
Ter Triumph des Strumpfes. „Niemals in der ganzen Geschichte der weibliche» Mode ist dem Strumpf ein solcher Luxus und «in solcher Grad von Aufmerksamkeit zuteil geworden, wie es heute der Fall ist!" Mit diesen Worten beginnt Gordon Meggy einen Aufsatz ln „Pearsons Magazine", in dem er die exotischen Kostbarkeiten und Wunder der jüngsten Fusttoilettc schildert,- Ter Tango hat den Anstost gegeben: die geschlitzten Kleider habe» das übrige getan, und da nun einmal in der heutigen Mode der Strumpf eine Sichtbarkeit erlangt hat, ioie sie ihm selten zuteil geworden, so hat sich das Schmuckbedllrfnis der Frau mit Leidenschaft auf diesen bisher ein wenig vernachlässigten Teil der weiblichen Kleidung geworfen und feiert Orgie» der Eleganz, die wahrscheinlich noch lange nachklingen werde», wenn Tango und Schlitzrock schon längst vergessen sind. Früher war ein Strumpf eben ein Strumpf, bald seiner und bald gröber, bald kostbarer und bald billiger, aber doch ln seiner Art stets gleich. Heute dielet sich der wählenden Dame eine verwirrende Fülle der verschiedenartigsten Strumpfmuster, Strumpffarbe» und Strumpfzieraten dar, und sie kann, wenn sic will, für diese Dinge ein ganzes Vermögen anlegen. Gordon Meggtz erzählt, dast ihm in Paris ein Paar Strümpfe gezeigt wurden, an denen in jede Masche des seinen GetvebeS ei» Brillant eingenähl
war, so dast Hunderte dieser Edelsteine die zarte Fustsülle in ein einziges blendend schimmerndes Gewebe verwandelten. Der Preis betrug natürlich viele tausend Mark. Aber auch werd gerade nicht feinen Brillantschninck im Strumpfe tragen will, must doch mehrere Hundertmarkscheine wenigstens anlegen, um in der Strumpfmode von hente auf der Höhe zu sein. Tie kostbarsten Stickereien, die cr- lescnstcn Spitzcneinjätzc, die feinsten Gewebe sind hier verschwendet: die moderne Dame liebt cs, den delikaten Reiz einer exotischen Ornamentik unter freut Rocke hcrvorlugcn zu lassen: flatternde blaue Vögel, buntstrahlende Orchideen, streng geometrische Figuren. Und der Strumpf erhält erst das rechte Relief durch den reichen Fuß- schmuck, den die Dame trägt. Sie unterbricht die Farbe des Strumpfes, die genau mit der ganzen Toilette zu einer Harmonie abgestimnit ist, durch ein breites Pclzband; sie umschlingt die feinen Knöchel mit juwelenbcsctztc» oder Uhren tragenden Bändern: sie legt mit Diamanten geschmückte Strnmpsbändcr an und trägt an ihnen goldene Börsen und Büchschen und Etuis, das ganze klirrende entzückende Brie ä brac, in dem die Mondäne von heute ihre Uten» silien birgt.
Tie erste Ehcmiejchnle für Franc» ist, wie Grete Meisel-Hest in lieber Land und Meer mitteilt, von Tr. Paula Blum in Berlin ins Leben gerufen wurden. Diese Gründnng ist ein Beweis dafür, das, die Frauen sich eine» neue» Eriverbszweig erobern, der in vieler Hinsicht für sie besonders geeignet ist. Während sich früher der Chemikerin große Schwierigkeiten entgegenstellten, hat man jetzt begonnen, die Tätigkeit der Fra» gerade in diesem Berufe zu schätze»: sie erweist sich zur Arbeit in Laboratorien als besonders geeignet durch ihre größere manuelle Gewandtheit, ihren offenen Sinn für die praktische Seite dieses Berufes, und die Damen selbst sühlen sich wohl in dieser Tätigkeit, in der eine außerordentliche geistige Anregung sich mit einer eigentlich echt weiblichen sauberen Hantierung verbindet. Die Chemieschule der Frau Dr. Blum kommt daher einem ausgesprochenen Bedürfnis entgegen und erschließt den dazu begabten Frauen diesen aussichtsreichen Beruf, da die Nachfrage nach Chemikerinnen von Tag zu Tag steigt, llnent- geltliche Bortrüge über Küchcuchcmie werden den Dame» auch anf diesem echt hausfrauliche» Gebiet wissenschaftliche Ausbildung bieten.
Gesundheitspflege.
Fnftcrkranlunge» bei Schulkinder». Von Fußerkrankungen ist der Plattfuß für das Leben von einschneidender Bcdentnng. Nach Muskat ist er nur in etwa -4 Prozent angeboren, in 80 Prozent erworben. Von den verschiedenen Formen des Plattfußes ist die häufigste diejenige, die eine Folge der zu große» und falschen Be- lastung des Fußes ist, wodurch eine Schädigung der Knochen, Bänder und Muskulatur erfolgt. Ter Plattfuß ist unter der Schuljugend häufig zu finden, Ewald fand bei seiner Untersuchung von 13 Volksschnlklassen mit je 38—1» Knaben von 11—13 Jahren 01 Prozent mit ausgeprägtc», Knickfuß und 37 Prozent mit Plattfuß, In Magdeburg wind: scstgcstcllt, daß der Prozentsatz der Platt- füßigen von den untere» nach den oberen Klassen aussteigt: wegen Plattfuß hcrrcsuntr.uglich sind in Deutschland 25 Prozent, Ein« sachgemäße Plattfußbctämpsnng ist also erjorderlich. Sie muß bestehen in gcnauer Untersuchung der Schulrekrnten, in Schonung der mit Fußbeschwerden Behastetcn beim Gehen und Stehen, in Sorge für zweckmäßige Fußbekleidung und vor allem in Vermeidung falscher Fußstcllnna und Einsührung von llcbungcn im Turnunterricht, die der Plattsnßstclluna cntgcgcnivirke».
Kür Katts und Kof.
Ter Lehrmcister im Garten und Kleiutierhoj (Verlag Hach- mcister u. Thal, Leipzig.) Inhalt der Nr. 21. Schönblühcnde Dorne, Vom Emil Gicnapp. M. Abb. — Topfgewächse zum Auspslanzcn. Bon Karl Niendorf. — Pslanzt Sommerblumen! Von I. Teiler. M. Abb. — Obstbäumc au-. Kernen gezogen. — Von W. O. Rother.
— Zweistöckiges Gartenhaus. Bon Architekt Joh. Kettmann. M. Abb.
— Zehn Regeln zur Erzielung von Höchsterträgc» aus Korbweiden» Stnltnrcn. Von Paul Kaiser, Grandcnz. — Meine Lanbenbank. Von A. Gricshommer. M. Abb. — Ein Beitrag zur Kultur der Gurken. Von H. Stcinmatz. — Ter Maipilz. Von E. Voigt. M. Abb. — Windschutz für die Saalbeete. Von I. Teiler. M. Abb. — Milben. Von Alcr. Reichert. M, Abb. — Tic besten Eicrlegcr. Von I. Tonner. M. Abb. — Vertragliche Mängel des Hausgeflügels. (Schluß.) Von Tr. Bonatz. — Mein Vogclhcim. Von Frau L. Miillcr-Eollmen. — Schlechte Mütter. Von H. TiltcS. — Vachzucht von den besten Honigvölkern. Von Wilhelm Knapp. — Kleine Mitteilungen — Hauswirtschaft — Meinungsaustausch — Klcintierarzt
— Fragekasten — Feuilleton: Das Geheimnis des Rechtsanwalts. Roman von John K. Lens. (Fortsetzung > — AnsstcNungSkalendcr
— An» der Geschäftswelt — Literatur — Patentliste.


