&Tr bei eitlem Preise von 13 Mark pro 100 Kilogramm, also 7 Pfg. pro Pfund, 9—18 Prozent Fett, 84—40 Prozent Eiweiß und 8—S Prozent Rohfascr, sowie etwa 20 Prozent Extraktivstoffe wie Gummi, Schleim ufw. enthält. Die Rohfaser besteht aus ganz dünnen Häutchen, die im tierischen Magen leicht verdaulich sind. Um bcni Produkt das Fett zu entziehen, kocht Grafe es zunächst einige Stunden mit 8 Prozent Soda auf. Die Verseifung des Fettes durch die Soda geht hierbei schnell und vollkommen vo» statten. Danach wird die Masse ausgepreßt und gewaschen und enthält nunnichr keine Spur von Fett mehr. Eine vollkommene Gcruch- und Geschmacklosigkeit wird durch nochmaliges Auskochcn mit einem Mittel erreicht, dessen Charakter einstweilen noch von Prof. Grafe geheim gehalten wird, weil die Patentierung abgeivartct werden soll. Von diesem Mittel, das hygienisch absolut einivandsrei sein soll, werden einige Hunderstel Gramm pro Kilo zugesetzt.
Was nun hcrauskommt, ist ein weißes, geruch- und geschmackloses Präparat, das nach dem Trocknen etwas zur Hälfte aus Eiweiß besteht. Bedenkt man, daß bei dem «iiveißhaltigsten Nahrungsmittel, bas wir kennen, dem Fleisch, der Eiweißgehalt nur 25 Prozent der Trockensubstanz ober 5 Prozent des Frischgewichtes ausmacht, so werde» wir begreifen, das; wir hier ein Nährprodukt von höchstem Wert und höchster Ergiebigkeit vor uns haben. Freilich muß es erst mit anderen Nahrungsmitteln, resp. Gewürzen verarbeitet werden, um eine dem menschlichen Gaumen zusagend« Nahrung darzustellcn. Grafe teilt mit, daß es ihm gelungen ist, durch Beizen mit der von den Fleischern weggeworfencn Selcher- brühc und durch Zusatz von Blnt das Präparat zu einem wohlschmeckenden Wurstsüllsel zu machen. Ebenso kann es als Zusatz zu Wursthackslcisch benutzt oder durch Zusatz von Gelatine und verschiedenen Gewurzen zu Speisen verarbeitet werben. Wird es zur Hälfte mit Mehl vermischt, so liefert es ein hoch eiweißhaltiges Alcuronatbrot. Ein großer Vorteil dabei ist, daß das Produkt in getrocknetem und gemahlenem Zustande unbegrettzt haltbar ist, weshalb es sich besonders zur Versorgung des Militärs oder zur Einführung in die Tropen eignet.
Aus der durch das Soda gewonnenen Seifenlösung kann entweder Oelseisc hcrgcstellt werden oder das in ihr mitgclöste Eiweiß (etwa 25 Prozent des Gcsamtgchaltes) kann nach Fällung des Felles durch verdünnte Mincralsäurcn zu einem reinen Eiwciß- präparat verarbeitet werden, das sich wesentlich billiger im Preise stellen wurde, als die bis jetzt bekannten Eiwcißpräparate wie Sanatogen, Somatose, Tropon nfw. Das ganze Verfahren ist jeden- salls äußerst einfach miö beansprucht nur eine gering«, ivenig kost- jpiclige Apparatur.
Watioualitnt und Kinderreichtum.
Tie Erörterungen über den Geburtenrückgang haben sich in einer bestiniinten Abzweigung auf die Frage zuge- spitzt, ob die gcrntanischcn oder die slavischen Volksgruppe» kinderreicher seien. In Preußen sind nach dieser Richtung hin bei der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1910 Erhebungen angestellt worden, deren Resultat aus 6 ostelbischen Regierungsbezirken nun im 11. Bande (1914) des Statistischen Jahrbuchs für den Preußischen Staat verösfent- licht werden. Ergriffen sind die Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Die befragten Fraueit sind nach ihrer Nationalität (deutsch oder polnisch) und nach der Zahl der geborenen Kinder gruppiert. Schon ein oberflächlicher llcberblick der Zahlenkolonnen zeigt eine hervorragende Fruchtbarkeit der polnischen Frauen. Zunächst ist einmal die Zahl der kinderlosen polnischen Frauen (verheiratete, verwitwete und geschiedene) geringer wie die der deutschen. Im Rcg.-Bez. Allenstein hatten von den 00 438 deutschen Frauen 3417 (6—7 Prozent), dagegen von den 16 808 polnischen Frauen nur 737 (4—5 Prozent) keine Kinder. Dasselbe Verhältnis kehrt wieder im Reg.-Bezirk Oppeln, wo von den deutschen Frauen 7—8 Prozent, von den polnischen 5—6 Prozent kinderlos waren. Allenstein hat eine überwiegend landwirtschaftlich, Oppeln eine meist industriell tätige Bevölkerung. Tie Kindcrzahl ist hier also relativ gleich groß, was das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen betrifft; hinsichtlich des Erwerbszweiges aber steht die Jndnstriebcvölkerung beider Nationalitäten ungünstiger da. Doch gilt dies für den Kindcrreichtuui nicht durchweg. Unter der städtischen Bevölkerung im Reg.-Bez. Posen, einem vorwiegend kleingewerblichen und landwirtschaftlichen Gebiet, hatten von je 100 deutschen Frauen 8—9, von je 100 polni- schen Frauen 13 — 14 nicht weniger als jede 7—9 Kinder geboren. Also tritt auch in der absoluten Zahl der Kinder pro Mutter die Polnische Nationalität erheblich stärker hervor. Im selben Reg.-Bez. gebaren von je 100 Frauen der ländlichen Bevölkerung 12—13 jede 7—9 Kinder; hingegen hatten hier 19 — 20 Prozent der polnischen Jrauen diese hohe Kinder-
zahl. Demnach ist die landwirtschaftliche Bevölkerung beider Nationen kinderreicher als. die städtische.
Ein günstigeres Bild zeigt die städtische Bevölkerung in dem industriellen Reg.-Bez. Oppeln: Wir finden hier unter je 100 deutschen Frauen 9—10 mit je 7—9 Kindern und unter den polnischen Frauen sogar 18—19 Prozent. Es er- klärt sich dieser große Kinderreichtum durch das Zusammen- strömen besonders großer Mengen von Menschen im kräftigsten Alter in den Großindustricbczirken. Unzweifelhaft hat die besprochene Erhebung die größere Fruchtbarkeit der polnischen Mütter festgestellt.
Aber die Medaille hat auch ihre Kehrseite. Der höheren Geburtenziffer steht eine über den Staatsdurchfchnitt hinausgehende Säuglings st erblichkeit gegenüber. Hierfür liegt als neueste die preußische Zählung von 1911 und 1912 vor, die allerdings die Gestorbenen nicht nach der Nationalität trennt, aber doch zur Ergänzung des Vorhergesagtcn dienlich ist. Im Staatsdurchschnitt starben von je 1000 Lebendgeborenen im ersten Lebensjahre überhaupt 167, in den Städten Posen 184, Beuthen 199, Königshütte 221, in dem Reg.-Bez. Allenstein 171, Maricnwerder 198, Danzig 203, Brombcrg 199, Posen 168, Oppeln 189. Tie Städte rmd Regierungsbezirke mit starker oder gar überwiegender polnischer Bevölkerung haben eine übernormale Säuglingssterblichkeit. Dadurch wird die höhere Geburtenziffer zum Teil wieder ausgeglichen.
WMschü'tin und Kunllspeisefetl.
Von Dr. A. H a st c r l i k.
Wer von uns erinnert sich nicht mit wehmütiger Freude an den ersten naturwissenschaftlichen Anschauungsunterricht, der uns an der Hand herzlich schlechter Holzschnitte und grell de,„alter Farbtafeln die ersten Kenntnisse unserer Mcerwelt oerniittcln sollte! Durch keines dieser Bilder wurde unsere Phantäsie stärker angeregt als durch jenes, dessen ganze Fläche ein schwarzes, schwanzpcitschcndes Ungetüm zeigte, bas einen Strahl schäumenden Wassers bis zur Decke des Schulsaales cn,porzuschleuber» schien. Wie gerne wären wir neben dem Mann« gestanden, der mit einem nicht nachzuahmen- dcn kraftvollen Gcsichtsansdruck die Harpune gegen das Tier schleuderte. Jungen von heute bekommen völlig andere naturgetreue Bilder zu sehen: die Zeit der handgeschlendcrten Harpune ist überdies längst vorbei, fei Sven Föcen seine Granatharpune zum Schießen der Wale im Meere erfand. Mit dieser Erfindung und der Ausgestaltung unserer Tampffchiffahrt hat auch der Walsisch- fang andere Formen angenommen. Den Walfischfang betreiben heute namentlich Amerikaner und Norweger, und insbesondere in Norwegen hat in den letzte» 10 Jahren dieser Erwerbk-ziveig ein« große wirtschaftlich« Bedeutung erlangt, seit etwa 57 Fanggesell» fchasten mit eine», Kapital von über einer halben Milliarde Kronen daran beteiligt sind. Seit 1002 hat Norwegen ein neues Walgesctz erhalten, das jeden Fang längs der norwegischen Küste verbietet, um an diesen Stellen die etwa noch vorhandenen Wal« zu schützen und ihre Entwicklung zu fördern. Die gegenwärtigen Fanggegen« de» umfassen eine Strecke von ungcsähr 10 Grad nördlicher Breite bis 07 Grad südlicher Breite. Ter Fang geht auf Zahn- und Bart- walc und bezweckt neben der Gewinnung des Specks, der in der Walfischfäugcrsprache Blubber heißt, und von dem ein richtiger Blauwal bis 20 000 Kilo liefert, die Einbringung des Fischbeins, bas in der Bekleidungsindustrie eine wichtig« Rolle spielt und hoch im Preise steht, sowie des im Magen des Pottwals verkommenden merkwürdigen Stosses. Ambra genannt, der vcrniutlich ein krankhaftes Produkt der Verdauungswege — ähnlich den Gallensteinen — dieses Tieres verstellt. Ter Preis der Ambra, die in der Par- sümeriecrzcugung viel verwendet wird, ist ein recht hoher, — er beträgt gegenwärtig pro Kilo 2000 Kronen und ein glücklicher Fang kann Menge» an Ambra bis 350 Kilo bringen. Das Fleisch uni» dic Knochen der Wale bienen, nachdem sie völlig entfettet sind, als Düngemittel.
Im Jahre 1911 wurden, wie einem Bericht« von Ojscrdahl in Larvik zu entnehmen ist. allein 20 890 Wale geschossen, sie lieferten 828 700 Faß Tran im Werte von 83 886 280 Kronen, für Ambra wurde» 900 000 Kronen, für Fischbein 100 000, für Düngemittel 774 850 Konen erzielt: die Bruttoeinnahme betrug sonach 36 541130 Kronen. Im Jahre 1905 betrug nach englischer Statisttk die Welt- prodnktio» an Waltran 3 Millionen Gallonen <1 Gallon« — 4,54 Liter) wovon 900 000 Gallonen auf Norwegen, 750 000 Gallonen auf die Vereinigten Staaten, der Nest aus Rußland, Schottland, Neufundland, Japan und andere Länder entfiel.
Der Waltran hat bis jetzt nur in solchen Jndnslrien Verwendung finden können, in denen sein Fifchgeruch, der von stickstoffhaltige» Körpern sogenannten Phonicinen herrührt, nicht störend wirkte. Selbst die Eisenindustrie hat ihn für ihre feinere» Produkte nur ungern anfgeuommen: dagegen fand dag aus Waltran hrrgcstclllc Glycerin in der Sprcngstofsinbustrie Verwendung. Dl« Ursache dieses Geruches lag sowohl in der langen Tauer des Transportes vom Jang g„ bis zur Fettschmelze, während ivelcher sich tief«


