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Wöchentliche Geilage der ßbetheffifchen Golkszeitung
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Hummer 21
Siesten, Freitag den 29. FNai 1914.
6. öakrgang
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I)ie Gewäßrung von Slillprämien aus Gemeindemitteln.
Seit »ns die Statistik einen ansfälligen Rückgang der Zahl der Geburten zeigt, hat die Säuglingssürsorgo eine größere Beachtung und einen größeren Umfang gewonnen. Bietet ja auch ein wirklicher Mutterschasts- und Klcinkindei- schutz ein ausgiebiges Mittel zur Bekämpfung der Abnahme der Bevölkerung. Allein durch die Verminderung der Säug- lingssterblichkeit auf das natürliche Maß wird einer Entvölkerung vorgebcugt. Man hat eine Reihe von Institutionen ins Leben gerufen, uni das Jntxressc für diese Bestrebungen zu fördern: eine deutsche Vereinigung für Säug- lingsfürsorge, regelmäßige Kongresse für Säuglingsschuh, in den einzelnen Bundesstaaten, wie Preußen und Bayern, Zentralstellen und Landeskonferenzen für Säuglingsschuh ?c.
Ein anerkannt wirksames Mittel auf dem Gebiete des Säuglingsschutzes ist die Förderung des Selbststillens der Säuglinge durch ihre Mutter. Ta meist wirtschaftlich.' Gründe das Selbststillen eingeschränkt haben, ist man dazu gekommen, durch Stilluntcrstützungen und Stillprämien das Stillen wieder zu fördern.
Alle die erwähnten Institutionen zur Förderung de: SäuglingSsürsorge haben in ihrer Propaganda ebenfalls immer großen Wert auf die Stillbeihilfen gelegt. Ncnncnt- lich sind wiederholt die Gemeinden darum angegangen wo>- den, solche Beihilfen aus den öffentlichen Mitteln zu ge währen. Die Tätigkeit ist auch nicht ganz ohne Erielg geblieben. Zur Zeit werden in 350 deutschen Gemeinden 31':!!- bcihilfen in irgend einer Forni gewährt. 1G5 Geni. luden gewähren Stillprämien in Geld. Die Form ihrer Vertei, lung ist außerordentlich verschiede». Zuweilen wird die Prämie nur in einem einzigen Geldbetrag, zuweilen in gleich- bleibenden wöchentlichen oder monatliche» Raten verabreicht Mitunter steigt oder fällt auch die Prämie mit der zunehmenden Dauer der Stillzeit. Im Durchschnitt wird die laufende Stillprämic ein Vierteljahr lang gctvährt. Vielfach wird nach einem weiteren Viertel- oder Halbjahr oder noch später eine Schlußprämic ausgezahlt. Häufig beginnt die Prämie erst einige Wochen »ach der Geburt, vereinzelt wird sie im Sommer höher bemessen wie in, Winter, oder sie gelangt im Sommer nur zur Verteilung, Im Durchschnitt mag die Höhe der Prämie etwa 2 Mk. bis 2,50 Mk. wöchentlich betragen. In Schöncberg erhalten diejenigen Frauen, die länger als 7 Monate die Brust geben, auf den Name» des Kindes ein Sparkassenbuch ausgestellt. Die Eintragungen erfolgen, bis das Kind das erste Lebensjahr vollendet. Da? Buch wird der Mutter ausgchändigt, wenn das Kind 2 Jahre alt geworden ist.
Die andere Forni der Unterstützung an stillende Mütter ist die Stillbeihilfc in Naturalien. Sie wird in 185 Gemeinden Deutschlands gewährt. In den ineisten Fällen wird direkt die Milch gewährt, in der Regel I Liter pro Tag mii die Dauer eines Vierteljahres. Die Milch wird meist in „Milchküchcn" bereitet uiid abgegeben. In großen Orten sind Abgabestollen in den einzelnen Stadtteilen eingerichtet: Hamburg zählt deren z. B. 30, Charlottenbiirg 3 »sw. Manche Geineinden gewähren daneben auch noch Nahr>ingsmittcl. So gewährt Posen Wöchnerinnenkost, Landsberg a. L. und
Ohligs Stärkungsmittel zur Förderung der Milcherzeugung, Wiesbaden zu demselben Zwecke „Lcictogol" »sw. Charlotten- bnrg gewährt auch bedürftigen Schwangeren eine Vorernäh- riing zur Stärkung.
Die meisten der in Frage kommenden Geineinden besitzen eine Sänglingsfürsorge- oder Mntterberatnngsstellc und ver- pslichten die Empfänger der Unterstützungen, diese Stellen zii besuchen. Hier findet die Kontrolle statt, ob die Mutter ivirklich stillt, hier erhält auch die Miitter die nötigen Aufklärungen für die Pflege des Kindes. Wo die genannten Beratungsstellen nicht vorhanden sind, wird die Kontrolle der Mütter meist von „Aufsichtsdamen" ausgeübt. In 15 Gemeinden Deutschlands gibt es auch Stillstuben, die großen Fabriken angegliedert siiid. Jii einer Anzahl Gemeinden sz. B. Brandenburg a. H., Ercield, Pirna usw.) siiid die Heb- aiiiinen verpflichtet, jeden Fall des Nichtstillcns dein Kreisarzt anzuzeigcn. In vielen Orten (z. B. Bremen, Bunzlnu. Dresden usw.) erhalten die Hebammen Prämien, wenn ein großer Teil ihrer Wöchnerinnen selbst stillt. In Strnß- biirg i. E. besteht eine Kinderheilstätte.
Von den Gemeinde» geben (nach der Zeitschrift für Süuglingsschntz) 218 ihre Aufwendungen fiir die Stillbci- hilfen mit zusammen 708 700 Mk. pro Jahr an. Sie betonen ausdrücklich, daß sie die Stillbeihilfen nicht als Armenunter- stützung ankrciden und ihr Bezug nicht den Verlust irgend welcher Bürgerrechte nach sich zieht. In bezug auf die absolute Höhe dieser Ausgaben steht Berlin mit riind 180 000 Mk. obenan. Vielfach wird die Fürsorge nicht wie es sein sollte von der Gemeinde als solcher durchgeführt, sondern von privaten Wohltätigkeitsvereinen, an die aus Gemeindemitteln Zuschüsse gewährt werden. Die Gemeindeverwaltungen sträuben sich mitunter aus „prinzipiellen" Gründen, solche „sozialistischen" Einrichtungen zu betreiben.
Es liegt mit an den Frauen, die Einrichtungen auch io weit wie möglich in Anspruch zu nehmen und auf weitere Schaffung solcher zu drängen. Das bietet eine Gewähr für ihre weitere Ausgestaltung, die nur eintritt, wenn sich die bisherigen Einrichtungen als viel zu unzureichend erweisen.
Wieder ein neues Dolksnaßrnngsmillel'.
Unter den Versuchen, die heutige Lebensmittcltenerung durch die Erstellung wohlfeilerer. aber in Bezug auf den Rährgchalt hochwertiger Ersatzpräporaie zu bekämpfen, verdient derjenige besondere Beachtung, der die bisher nur als Vichfutter vcrivandten Lel- Preßkuchen für die menschliche Ernährung geeignet machen will. Bei den, Anspressen von Oelsamcn wie Baumwoll-, Leinsamen. Erdnüssen, Kokoskcrne» usw. bleiben noch ziemlich stark fetthaltige Prcßrückstände, die nia» früher als wertlos wegwarf, jetzt aber als Vichfutter verwendet. Tieie Preßkuchen haben einen außerordentlich hohen Nährwert — enthalten sie doch neben dem Fett einen sehr hohen Prozentsatz an verdaulichen, Eiweiß — aber sic werden in, allgemeinen nicht gern von den Tieren genommen, da Las Tel bald ranzig wird und dann bitter und kratzend sch,neckt. Auch bekommt das Fleisch des MastgeslsigelS bei Flitter»,,g ntit solchen Kuchen leicht einen tranige» Beigeschmack. Ei» Heran?,sichen des OelcS durch Aether oder Benzin l>at, abgesehen von den Kosten, und der Fcuergefährlichkcit. noch de» Nachteil, daß cs den Geschmack noch mehr verdirbt.
Run hat Prof. Tr. Viktor Grase ei» Verfahren entdeckt, mittels dessen bei sehr geringe» Unkosten die Rückstände der Oelgcwinnnng so verarbeitet werden können, daß sic ein vollkommen gcrnch- und geschmackloses, absolut scltsrcies Produkt bilden. Er berichtet darüber im Prometheus. Als Ausgangspunkt „ahm er Scsamfuche».


