verwirrt, sie weichen einen Augenblick zurück; aber auf einmal haben sic die Reihen geschloffen, sich zu einem Körper zusammen- geballt und Hunderte von Stimmen, die ans einer Kehle zu kommen scheinen, brechen in den Ruf aus:
„Viva Itarlia!"
„Es lebe das junge Parma)" schreit die Menge, die auf sie zustürzt.
„Ewiva Garibaldi' - “ rufen die Kinder und dringen wie ein grauer Keil in die Menge hinein, um dort z» verschwinden.
' In den Fenstern der Hotels, aus de» Dächern der Häuser flattern gleich weißen Vögeln unzählige Tücher; ein Blumenregen ergießt sich von dort auf die Köpfe der Menge; sröhliche, laute Rufe ertönen.
Alles sieht festtäglich aus, alles lebt auf, selbst der graue Marmor blüht in hellen Farben.
Fahnen flattern. Hüte nnd Blumen fliegen durch die Lust; über den Köpfen der Erwachsenen tauchen kleine Kinderköpsc auf, kleine braune Pfötchen fahren durch die Luft, greisen nach den Blumen und begrüßen die Menge. Und alles weit überlönend, klingt ununterbrochen der machtvolle Ruf:
„Viva il socialismo!"
„Ewiva Italia!"
Fedes Kind fühlt sich crgrissen, aus die Schultern der Er- ncachseneu gehoben, von rauhen, schnauzbärtigen Männern a» die ,Brnst gedrückt. Die Musik ist bei dem allgemeinen Lärm dem Lachen und Schreien kaum »och zu hören.
Man sieht Frauen durch die Menge schwirren, die die übrig gebliebenen Kinder an sich nehmen wollen. Man hört sie rufen:
^ „Sie nehmen zwei, Annita?"
„Ja, Sie auch?"
„Und eines für die lahme Margucrita. . ."
Ucbcrall begegnet man fröhlich erregte», festtäglichen Gesichtern, feuchten, freundliche» Augen. Hie und da sieht man die Kinder der Streifenden bereits ein Stück Brot kaue».
„Zu unserer Zeit dachte man nicht an so etwas!" sagt ein Greis mit einer Vogelnase und einer schwarzen Zigarre im Munde.
„Und wie einfach ist das doch!"
„Ja! So einfach nnd so vernünftig!"
Ter Alte nimmt die Zigarre ans dem Mimde, betrachtet nachdenklich das eine Ende und streist seufzend die Asche ab. Gleich daraus sicht er zwei Kinder auS Parma, offenbar zwei Brüder, neben sich stehen, macht ein grimmiges Gesicht, stülpt den Hut über die Auge» und breitet die Arme weit ans. Tic Kinder, die ihn erst ganz ernst anblicken, schmiegen sich eng aneinander und weichen mit ängstlichem Gesicht zurück.
Der Alte duckt sich plötzlich und sangt an, laut zu krähen. Tic Kinder lachen fröhlich aus und hüpfen mit den nackten Bcinchen ans dem Pflaster herum. Ter Alte steht auf, rückt de» Hut zurecht und entfernt sich unsicheren Schrittes, offenbar in der Meinung, seine Schuldigkeit getan zu haben.
Gin buckliges, grauhaariges Weib mit dem Gesicht einer Hexe nnd struppigen grauen Haaren auf dem knochigen Kinn steht ans dem Sockel des Kolumbus-Denkmals, weint und trocknet sich immer wieder die rotgeränderten Augen mit dem Ende eines verblichenen Shawls ab. Sic ist häßlich, ihre Hautfarbe ist dunkel nnd sie erscheint so seltsam und vereinsamt inmitten dieser freudig erregte» Menschenmenge.
. Tänzelnden Schrittes geht eine schwarzhaarige Genneserin vorüber: sic führt ein siebcnfähriges Menschlein mit Holzpantosscln an den Füßen und einem bis an die Schultern reichenden grauen Hut an der Hand.
Es schüttelt de» Kopf, »m den Hnt in den Nacken zu werfen; dieser aber rutscht ihm immer wieder auf die Nase herab. Tie ^Frau reißt ihm 'den Hut vom Kopfe nnd singt laut irgend ein Lied, während sic ihn lachend in der Lust schwenkt. Ter Knabe hat de» Kopf znrückgeworfen. er lacht überS ganze Gesicht, ficht sie an, springt dann in die Höhe, greift »ach seinem Hute und beide ver- fchwinden in der Menge.
Ein hochgewachscncr Mann mit nackten, ungeheuren Armen nnd einem Lcderschurz hält ein sechsjähriges Mädchen ans seiner Schulter und spricht zu der »eben ihm einherschreitendc» Fra», die einen Knaben mit sencrrotem Haar an der Hand führt:
„Tn verstehst, wenn sich dieser Brauch Eingang verschafft, wird es schwer sein, »ns »nterznkr"iegen, he?"
Und er lacht mit lauter, tiefer, trinmphicrciider Stimme, seine kleine Last in die blaue Lust cmporwcrfend:
„Ewiva Parma—a!"
Tic Leute verschwinden, die Kinder mit sich sorttragend oder führend. Auf dem Platze bleibt nichts zurück als ein paar zerdrückte Blnnie», Kvnsektpapier, eine fröhliche Grnppe von blauen Dicnst- männcrn und tibcr ihnen die edle Gefüllt des Mannes, der die Neue Welt entdeckte.
Aber ans den Straße», die gleich nngchcnrcn Röhren ans den Platz münden, erschallen fröhliche Ruse von Menschen, die dem neuen Leben entgcgenschrciten.
Ans Welt und Leven.
Das Amulett als Schmuck, Ter Aberglauben des weiblichen Geschlechts spielt in der Geschichte des Schmuckes eine große Nolle; wir finde» Amulette schon in den prähistorischen Epochen und sic dienen, wie bei den Naturvölkern, dazu, unheilvollen Zauber von der Trägerin abzuwehren und die bösen Dämonen zu versöhnen.
Jene schönen zylindrische» Sicgelsteine, die die Babylonier Im 4. Jahrtausend v. Ehr, trugen und die jetzt so kostbare Schätze der Museen bilden, hatten ganz dieselbe Bedeutung: durch sie und ihre Symbolik suchte man die Götter gnädig zu stimme», und deshalb trug man sie als Amulette um den Hals oder im Fingerring. Noch zahlreicher sind die mit dem Aberglaube» in Verbindung stehenden Schmuckstücke bei den Aegyptcrn; die Skarabäcu, die ei» Symbol des Sonnengottes darstellcn, trete» am häufigsten als Amulette auf, doch auch sonst dient der nieistc Schmuck mehr einem religiösen als einem ästhetischen Zwecke. Tie Römerin trug ihre Abwehrmittcl gegen allen Zauber in einer reichgeschmiicktcn Bulla oder Kapsel; sie prunkte mit ihren Amuletten in Armbändern und Diademen. Als besonders wirksam gegen jeden bösen Einfluß gatten die schwarze Koralle und der Bernstein. Kinder hielt man vor allem für schutz- bedürftig und behängte sie mit Halsketten, an denen ganze Jnvcn» tare von gcheimnisvollcii Symbole» und beschricbencil Metall- blättchen ausgereiht waren. Ter Glaube an die wunderbaren Kräfte der Edelsteine, der im alten Rom die Vorliebe für Diamanten und Jutvclcn bestimmte, tritt im Mittelalter nicht minder stark hervor. Tic Stcinbüchcr erzählen davon, und die Tichtcr preisen die Zaubermacht der Steine. Wir wissen von solchen Schmuckstücken, die wahre llnivcrsalmittcl bildeicn. So besaß Dietrich von Graz einen mit tnchr als öO Edelsteinen verzierten Wundcrgürtel, der dem Träge: Ehre und Glück, Macht und Reichtum, Nnperletzlichkeit gegen Waffen, Fencr und Wasser und allezeit Sieg verlieh. Ten Dame» tvarcn andre Tinge durch ihre Schmucksachen garantiert. Ter Rubin gab ihnen inneren Frieden und Heiterkeit, der Saphir Eheglück »sw. Gegen Augenleiden brauchte man den Smaragd, der Amethyst vertrieb das Kopfweh nnd nach einem auch beim schöneren Geschlecht nicht unbeliebten Rausche den Kater. Ta man von solchen wirksamen Amuletten nicht genug haben konnte, so erhielten die Ringe und Ketten riesige Dimensionen, so daß die Dame» mit ihnen ganz überladen waren. Bis ins 18. Jahrhundert hinein gab cs die tvundcriichsicn Schmnckamnlctte, kuriose Gegenstände ans dem Tierreich, wie Haisichzähne, Stücke vom Einhorn, idie gegen Gift gut waren, Krcbsaugen, die von der fallenden Sucht heilten, Teckel der Mondschnecke gegen das Nasenbluten, Bisamäpsel und wohlriechenden Amber, ja sogar tierische und menschliche Darm- und Magensteine, die man alle weniger ihrer Schönheit, als ihrer Wunder» Wirkung wegen als Amulette trug.
Gesund!) eilspssege.
Eine Vanillespeisevergistung hat Tr, Eisenheimer im isracliti- schcn Asyl in Köln beobachtet. Nach dem Genuß eines aus Gries, Zucker, Eiweiß nnd Vanille hergestcllten Puddings, der aber schon am Tage vorher gekocht und schlecht ansbcwahrt ivorden war, erkrankten alle zehn Personen, die davon gegessen hatten. Durchweg ivurdcn schwere Magen- und Darmstöruiigcn fcstgestcllt; die hauptsächlichsten Symptome ivarcn blutige Durchfälle, galliges Erbrechen, hohes Fieber, Riereiienlziindiing, Leibsck>mcrzen, Tie chemische Untersuchung der Vanille blieb ergebnislos, desgleichen die chemische und bakteriologische Untersuchung der Vanille, ebenso Tierversuche mit der Vanille. Als Urheber wurde das zngesctzte Eiweiß bezw. dessen Zcrsetzungsproduktc aiigcschcu.
Kür Kaus und Kof.
Der Lehrmeister im Garten und Kleintlerhof. (Verlag von Hochmeister u. Thal, Leipzig.) Inhalt der Rr. 17. Felsen- und Mauergartcn. Von R. Müller, Gotha. M. Abb, — Immer trockene Gartenwege, Bon H, Schneider-Nicncck, M. Abd. — Wasserbehälter aus Beton. Bon Joseph Jeschck. M. Abb. — Zehn Regel» für de» Frühgcmüseban im Freien. Bon G. Müller, Fiirfll. Sber- gärtner. — Etwas vom Lerchensporn. Von O. Brand. M. Abb. — Vom Hornveilchcn. Von W. Hübcner. M. Abb. — Richtiger Schnitt der Fuchsien. Von Otto Brand. M. Abb. — Birke» im Frühjahr verpflanzen. Vvn L. B. Burg. — Die amerikanische Mvosbecrc. Von Lbstbautech,liker Jos. Alfred Klcyhon.z in Langsur. — Aeußcrer Hausschmuck. Von Fr. Stcinemanit. M. Abb. — Mein neues Taubenhaus. Von K. Temmel. M. Abb. — Futterkasten für Klicken. Bo» Kg,. Tcichvoat Heinr. GooS. M. Abb. - Versichert d,c Tiere! Von Georg Hothum. — Lalchhcchtc miisse» gelchont werden. Vo» Wilhelm VariclS — Kuh oder Ziege? Bon Karl Naschla. M. Abb. - Ein zahmer Kranich. Vo» Pastor Groß. M. Abb. — Mciimugsaustausch — Kleintierarzt — Fragckaste» — Feuilleton: Das Geheimnis des RcchtsauwaltS. Roman von John K. Lcys. (Fortsetzung.) — Ansstcllmigskalender — AnS der Geschäftswelt.


