Ausgabe 
24.4.1914
 
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Serenissimi des habsburgischen und bayerischen Hauses gilt das Buch der Gräfin Larrsch derartige Ausschlüsse, das, man sich ob solcher Verkommenheit entsetzen muss. Die Gräfin Larifch hat bei einem Äenkontre im Jagdschloß Gödvllö ihren Better Rudolf eine» Schuft genannt und ihn geohrseigt.

Wie ein geivaltiger Schuft hat der Kronprinz denn auch an ihr ch»ü der bedauernswerten Baronin Vetscra gehandelt. Letztere war '«In enthusiastisches Kind. Der Kronprinz erniedrigte sie zur Dirne Mid riß sie in sein schmutziges Ende mit hinein. Aber während niau dem in das StaatSornot prunkvoll gekleideten Mörder und Selbst­mörder Bot seiner Beisetzung an geheiligter Stätie alle kirchlichen Ehren zuteil werden lies;, wurde die arme Mary Vctsera. deren einziges Vergehen ihre Liebe war, ohne Leichentuch, ohne Gottes­dienst. von Polizisten und Mönchen, bei Nacht und Nebel au der Kirchhofsmaucr der Zisterzienser-Abtei Heiligenkreuz wie ein Hund verscharrt ja. a. O. S. 227230.)

Die Gräfin Larifch ist über alle Vorkomnniiss« deshalb so genau lenterrichtet, weil sie zwischen dem Kronprinzen und der Baronesse Vetsera die Vermittlerin war: allerdings nicht zu dem Zweck, um sie zusammenzubringen, sondern um das Unheil, das die Leidenschaft beider amrichten konnte, zu verhindern. Sie geleitete die Betsera auch in die Hofburg, aber daß diese von hier nach Meyerling ent­führt wurde, war ein Gaunerstreich des Kronprinzen, auLgesithrt Unter Bedrohung nitt dein Revolver.

lieber die Mordtat selbst ist viel gefabelt worden. Ten Berich!, de» die Gräsin Larifch darüber gibt, erhielt sie aus dem Munde des Hosarztes Wiederhoser, der in Meyerling den Leichenbefund vorge­nommen hat. Unter dem Zimmer, worin der Doppelmord stattfaud, pok,liierte eine ausgelassene Jagdgesellschaft, darunter Prinz Philipp von Koburg. Als Gemahl der Schulbenprinzessin Luise von Belgien, die noch immer mit ihren Affären die Weit skandalisiert, war der Kobnrger der Schivager des Kronprinzen Rudolf, der mit Stephanie, der Schwester der Luise, verheiratet war. Wie Leopold II., der Vater beider, mit seiner Frau, der österreichische» Erzherzogin Maria Henriette, und seinen Töchtern stand und was er sich sonst gestattete, ersieht man aus dem BucheTie Liebschaste» des Königs von Belgien". lNach den Mitteilungen des Brüsseler Blattes Le Peuple, die deutsche Uebersctzung erschien in Budapest, Verlag von G. Grimm).

Der Kronprinz Rndolf war ein Rone von Jiinglingsbeinen an. König Albert von Sachsen wollte die katholischen Herrscherhäuser Wcttiu und Habsbnrg in engste Verbindung bringen, und zwar durch Heirat des Kronprinzen Rndols mit der Prinzessin Mathilde von Sachsen, der Tochter des Bruders des Königs Albert. Rudolf nahm ailf sein« Verlobungsreise »ach Dresden eine seiner Mätreffen mit. Das kam heraus, und ans der Heirat wurde nichts. Eine andre Nichte des Königs Albert, Prinzessin Josefa, heiratet« de» Erzherzog Otto. Die Ehe war tief unglücklich. Ja, die Prinzessin erfuhr seitens ihres Gatte» eine so empörende Beleidigung, daß sic von Wien zu ihren Eltern nach Dr:sdc» zurückslnchtete. De» Erzherzog Otto, einen Neffen des Kaisers Franz Josef, senilen seine Leiden­schaften in ein frühes Grab.

lSchlnß folgt.)

MS Welt und Leben.

T«s Ende der Marketenderin im srayzösische» Heer«. Nun

ist das Ende der französischen Markedenderin endgiltig besiegelt. Nach einer Mtttcilnng, die der französische Kriegsminister dieser Tage der Kammer machte, haben sie aufgchört, zn existiere». Schon seit einige» Jahren vermißte man bei bei» Tnrchniarsch der Truppen hinten das malerische Gefährt, ans dem dieMutter de§ Regiments" thronte. Aber man glaubte, dast sie im Ernstfall doch wieder erscheine» würden, diese kühnen »nd trotzige» Frauen in ihrer bunte» Uniform, die einst mit dem Ruhnie der französischen Waffen so innig vcrsch,visiert gcwcscii waren. TieAnnalcs" er- inner 11 , nun da die Tage der Marketenderin für immer dahin s»id, an diese ihre Glanzzeit im sranzösischcn Heere. In der Grosse» Armee des erste» Napoleon gehörten auch diese tapferen und hilss- bcreiten Frauen, die i» zahlreichen Liedern und ans vielen Bildern verherrlicht worden sind. Beranger hat die treue Kameradschaft besungen, die sic mit den Soldaten hielten, und Bcllange ln einer weitverbreiteten Lithographie be» alten Gardisten dargestcllt, bei dein der Kaiser auf seinem Gang« durchs Lager einen Lössel Suppe aus dem Kochtopf genießt. Seine Fra», die Marketenderin des Regiments, bringt dem Herrscher ihre Söhne, und der alle Soldat stellt vor:Das sind meine Kinder, und das ist meine Frau, die die Pyramiden und den Tajo gesehen hat." Besonders während des furchtbaren Guerillakrieges in Spanien und bei dem grausige» Rückzug ans Rußlands Schneewilstc» haben die Marketenderinnen ihreit Heldenmut bewährt, und unter ihnen ragen wieder einige leuchtende Beispiele der Tapferkeit hervor. Bekannt ist die Gc- schichle der Katharina Rohmer, einer tapferen Elsässerin, deren Vater ans dem Schlachtfeld siel und deren Mittler In der Schlacht

von FleurnS gelötet wurde. Mit 11 Jahren alle!» zurückgeblieben, wollte sie das Regiment, dem ihre Eltcrii angehört hatten, nicht ver- laffcn, uiid so ersetzte das Regiment ihr Vater und Mutter; sie machte mit der Garde all« großen Feldzüge Napoleons mit. Bei der Belagerung von Saragossa und in der Schlacht von Wagram wurde sie verwundet; während des Rückzuges aus Rußland erhielt sie vier oder fünf schwere Blessnren, aber wie durch ein Wunder entkam sie dem lintergang, der die meisten ihrer Kameradinnen in den Eis- wüsten .bahinraffte. Eine andere Marketenderin, die ans Ruß­land glücklich nach Hanse kam, Marie Tötc-be-Bois, fiel bei Waterloo. Sie hatte 17 Feldzüge mitgemacht und oft im Feuer gestände». Tie hatte einen Grenadier geheiratet, der bei Monttnirail starb; ihr Sohn, schon mit 10 Jahre» Tambour, wurde bei der Vertcibiguug von Paris 1811 von einer tödliche» Kugel getroffen. Die Mutter, die ihn mit ihrem Körper hatte schützen wollen, stürzt« schwervcrwnndct über ihn. Aber die Tapfere wurde »och einmal geheilt, und bei Waterloo befand sie sich in einem jener berühmten Karrees der Garde, die fast bis aus den letzten Mann niedergemachr wurden. Eine Kugel trifft sie im Gesicht und richtet sie entsetzlich zu.

Neuerungen im Warenhaus. AuS Ncwyork wird der Frank- furter Zeitung geschrieben: Etwa alle 2 Jahre wird hier ciizz Kauf­haus eröffnet, das sich durch eine Reihe vonepochemachende» Neue­rungen" einen Teil des Geschäfts der alten Konkurrenz zu sichern hofft. Heuer ist cs eine der alten Firmen, die in ihrem neuen Laden Einrichtungen zeigt, an die man bisher nicht gedacht hat. Gleich in den Anslageii ist man nach einem ganz andern Prinzip verfahren als bisher. Sie sind nichts als Lists, die in einer Minute inS Souterrain bcsördcrt werden können; in einer weiteren Minute erscheint dann eine neue Auslage, die natürlich vorher gehörig arrangiert worden ivar. Diese Einrichtung hat neben andern Vor­zügen auch den, baß sie sozusagen aufs Wetter gestimmt werden kann, was namentlich in Ncwyork ein nicht zu unterschätzender Vor­teil ist. ^st morgens der Himmel hell und klar, mögen jetzt Jrüh- jahrshiite, Toniienschirme und ähnliche an die wärmere Jahreszeit erinnernde Dinge sich dem Auge präsentieren. Kommt dann gegen Mittag ein Regen oder gar ein Schneetreiben, verschwinde» einig« der Frühlingsauslage», um einer gewaltigen Kollektion von Regen­schirmen, Guiuminiänlcin und dito Schuhen Platz zu machen. Will die Dame ein Rcilkleid anprobieren? Sie kann dies ans einem mechanisch die üblichen Pfcrdegangarten machenden Holz- p s c r ü tun. Ter Lade» hat einen Siab von Probicrmamscllcn jedes Alters und jeder erdenklichen Körpergestall, die ans Verlangen jedes der Figur einer Kundin entsprechende Kleid anziehen und die Farbenesfckte bei Tages- und bei künstlichem Lichte zeigen. Eine besondere Abteilung ist für Personen geschaffen, welche nicht nach Hanse gehe» wollen, um Abendtoilette zu »lachen. Man läßt am Morgen die notwendige Garderobe von Hause abholen, ivechsclt im Warenhaus seine Kleider »nd findet am nächsten Tag seinen Geschäftsanzug zu Hanse vor. Das ist eine, namentlich den Vor­städtern beiderlei Geschlechts sehr willlommcne Einrichtung. Natür­lich gibt's in dem Hiiuse Barbiere, Frisettrsalons und Mani- kuristiunen, ja einen besonderen Friseur sür Kinder. Für diese ist überhaupt sehr gut gesorgt; so zum Beispiel findet man einen großen Spielsaal, wo zwei Älndcrgärttieriniien ihres Amtes ivalten. Tie Firma beschäftigt drei Acrzlc, zwei, die stets Im Labe» sind, nud einen, der krankes Personal besucht.

Kesundßeitsplsege.

Belegte Brötchen. Pros. Rubner in Berlin rechnet ans Grund neuerer llntersnchnngcn die belegten Brötchen zu öcu nicht billigen Speisen, iveil Butter und Tiersctt und der Fleischbelag in den Preisgeldwerten der Nahrungsmittel eine ungünstige Stellung ein- nehme». Ter Einkaus im Gasthaus« bedingt sür de» nicht verhei­rateten Arbeiter eine erhebliche Steigerung des Preises. Ter Er­folg, den die Brötchen In der Ernährung speziell der niederen kauf- schwachcii Bevölkerung erzielt haben, besteht darin, baß sie sozu­sagen in jeder beliebigen Menge tierische Nahrungsmittel bieten. Tie nngnttstigen sozialen Folge» sind da zu spüren, >vo bei ge­ringem Einkommen die Brötchcnkost so viel an Aufwand ver­schlingt, daß zu wenig Gelb übrig bleibt, um anderweitige ge­nügend warme Nahrung zu beschasfen. Auch bei besser Situierte» uäve es oft richtiger, wenn da? Fleisch statt als kalte Küche z» figu­rieren, in der Küche regelrecht Verwendung fände.