Ausgabe 
24.4.1914
 
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Wöchentliche Geilage der iDderkesfischen Volkszeitung

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Nummer 16

Sieften, fccifog den 24. Npri! l9I4.

6. Jahrgang

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Gelernte Arbeit im Kaule.

Die gewerkschaftliche Organisation der Hausangestellten stöbt in Deutschland ans mannigfache Schwierigkeiten, die zum großen Teil ihren Grund in der Gebundenheit der im Berufe tätigen Mädchen an das Hans und in dem häufigen Stellenwechsel haben. Ein Mädchen, das im Hause des Ar­beitgebers wohnt, keine geregelte Arbeitszeit hat und auch nach Beendigung der eigentlichen Arbeit sich iinnicr noch be­reit halten muß, irgend welche von ihm verlangten Dienste zu verrichten, ist natürlich sehr viel schwerer für den Organi­sationsgedanken zu gewinnen als Frauen, die in der Fabrik oder in Werkstätten mit Berufsgcnossinnen zusammenarbei- ten, die nach der Arbeit freie Verfügupg über ihre Zeit haben und die auch viel eher in der Lage sind, Versammlungen zu besuchen, in denen über Berufsangelegenheiten gesprochen tvird. Ein weiterer großer Uebelstand für die Organisation der Dienstboten ist das beständige Zuströnien junger, uner­fahrener Mädchen vom Lande in die Stadt, die in ihren ersten Stellen lernen wollen, sich mit niedrigen Löhnen zu­frieden geben und dadurch natürlich die Lohnsteigerung der andern mit verzögern.

Der Gedanke, die Unterbietung dergelernten" Haus­angestellten durch dieungelernten" unmöglich zu machen, und gleichzeitig den gemeinsamen Forderungen der Berurs- angehörigen nach geregelter Arbeitszeit durch eine Organi- sation größere Kraft zu geben, führte in Dänemark im Jahre 1899 zur Gründung derDienstniädchen-Vereinigung". Die drei Hauptpunkte des Programms bei der Gründung waren: Verbesserung der Löhne. Festsetzung geregelter Arbeitszeit, Hebung des Berufes. Selbstverständlich hatte die dänische Dienstmädchen-Vercinigung schwer zu kämpfen, vor allem gegen das Vorurteil der Hausfrauen, aber auch gegen die Gleichgültigkeit der Hausangestellten selbst. Alle Mühe schic» zunächst vergeblich zu sein, bis man den Versuch machte, auf indirektem Wege zum Ziel zu gelangen. Es wurden Kurie eingerichtet. Erfahrene Mitglieder erteilten den jüngeren Unterricht in den Hausarbeiten. Tie Köchinnen lehrten in einer gemietete» Küche das Kochen, Hausniädchcn vermittel­ten die erworbenen Kenntnisse im Servieren, Tischdecken. Zimmerreinigen. Eine Stellenvermittelung wurde aufgetan, und nun gaben die Kopenhagcncr Hausfrauen ihren Wider- stand und ihre Abneigung gegen die Organisation auf.

Im Jahre 1906 konnte die Vereinigung auf eine breitere Basis gestellt werden: sie gründete eine Fachschule, in der 32 Mädchen wohnen und Unterricht im Koche», Hansreinigen, Waschen und Servieren erhalten. Das Schulgeld ist niedrig etwa 11 Mark im Monat. Die Fachschule erzielt außer dem gewisse Einnahmen aus der ihr angegliedertcn Restau­ration, in der die in der Küche von den Schülerinnen herge­stellten Speisen verkauft werden, und aus der Wäscherei. Ein kleiner Zuschuß wird regelmäßig von der Regierung ge­zahlt. Inzwischen ist die Forderung einer täglichen Arbeits­zeit von 10y 2 Stunden, und wöchentlich ein halber freier Tag durchgesetzt worden. Die Organisation zählt jetzt über 1009 Mitglieder.

In Deutschland liegen die Dinge etwas anders. Die wesentlichste Arbeitsleistung der Organisation liegt hier aus dein Gebiete des Rechtsschutzes. Das hat seine guten Gründe

in einem Lande, in dem Ticnstbotenmißhandlungen und Ausnutzung jugendlicher Arbeitskräfte noch au der Tages- ordnung sind. Aber man wird sich auch bei uns ernstlich fragen müssen, ob es nicht zweckentsprechend ist, die beruf­liche Schulung der Hausangestellten in das Arbeitsprogramm aufzunehmen. Die Schwierigkeiten, die der Erfüllung einer solchen Aufgabe im Wege stehen, sind groß, aber ihre lieber- Windung würde sicher neben der allgenieincn Hebung des Berufes eine wesentliche Lohnsteigerung und eine Stärkung der Organisation zur Folge haben.

Es ist klar, daß manche Hausfrauen, die heute Mädchen anlernen" und sich diese nur allzu häufig höchst unvoll­kommene Ausbildung durch die Verrichtung der Hausarbeit gegen einen minimalen Lohn bezahlen lassen, sich bereit finden würden, einer gelernten Hausangestellten, die alle im Hause vorkommenden Arbeiten gründlich versteht, einen weit höheren Lohn zuzugestehcn. Des weiteren würde auch die Festsetzung einer bestinimten Arbeitszeit dadurch erleichtert werden, daß die gelernte Kraft die Arbeiten in kürzerer Zeit und besser verrichtet, als ein unerfahrenes Mädchen, das den Kopf verliert und nicht versteht, die Arbeit cinzuteilen. Von der Organisation aus müßte daun nur Wert darauf gelegt werden, daß die Zahl der Arbeitskräfte in einem Haushalt nach der vorhandenen Arbeit bemessen wird und nicht einer einzigen Angestellten soviel Arbeit auf­geladen wird, daß sie in der vereinbarten Zeit nicht damir fertig werden kann. Durch die Ausbildung der Mädchen in eignen! Betriebe und durch die damit verbundene Stellen­vermittlung würde ein fester und ständiger Zusamnienhang mit der Organisation geschaffen werden.

Vorbedingung wäre allerdings, daß die Berufsaus­bildung nicht durch irgendwelche kapitalistische Institution vermittelt würde, sondern durch eine Unternehmung der Gewerkschaft selbst, die keinen Gewinn erzielen will, sondern nur die einfache Kostendeckung der notwendigen Ausgaben hcrauszuschlagen braucht. Durch die Berufsausbildung der Mädchen würde der Zentralverband für Hausangestellte aller Wahrscheinlichkeit nach d i c Vermittlungsstelle für geschultes weibliches Hauspersonal werden und sowohl von Angestellten wie von Hausfrauen gesucht werden. Seine Machtstellung würde dadurch eine ganz andere; er wäre in der Lage, nach und nach zum mindesten für die aus seiner Schule hervor- gehcndcn Mädchen, wahrscheinlich aber darüber hinaus für alle Angestellten, mit hauswirtschaftlichen Kenntnissen, ge­sunde Arbeitsbedingungen durchzusehen.

Aie Erziehung des Kindes.

lieber. das Kind, sei» Wesen, seine Erziehung und seine Ent­artung sprach dieser Tage i» Fürth in Berolzheimcrianuin an> Einladung des Filrther Bolksbildungsocreins der bekannte «rinn« aipsychologc Amtsgerichtsrat Tr, Wulf feil ans Zwickau, Es mochte zunächst vielleicht sonderbar erscheinen, daß c,n Krimiital- Psychologe ein derartiges pädagogisches Theina belsandelte: aber tatsächlich ist die Moralpädagogic, wie der Boriragciidc selbst an»- führte, ein Grenzgebiet, das sehr wohl einen Krimliialiste» zur Be- handliing reizen kann, und bei dein die Behandlung durch einen Kriminalpsychologeil ivcrtvolle Ausschliisse zu bringe» vermag.

TaS gesamte mcnschliche Seelenleben gliedert sich in Vor­stellungen, Gedanken »nd Gefühle. Die B o r st« l I u » g e n wachsen heraus ans siiiiilichci, Enipsindungeu. Die sinnlichen «n p|,,&»»gct»