Ausgabe 
10.4.1914
 
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einen Gesaintrcingewinn von rund 17,4 und 20,8 Millionen Kr,, zwei andere von 18981912 8,54 Millionen usiv. In den drei Jahren 191012 betrug der Reingewinn der drei gröhten Be­triebe 8 782 700 Kranes, Man sieht: Segen ist der Muhe Preis!

Die zunehmende Envcrbstätigkcft der Frau komnit deutlich in der Statistik der Krankenversicherung zum Ausdruck, Schon das seitherige Krankeuversichcrungsgesetz verpflichtete bekanntlich alle In Gewerbebetrieben gegen Gehalt oder Lohn beschäftigten Per­sonen ohne Rücksicht aui das Geschlecht zur Mitgliedschaft bei den Krankenkassen, Die einschlägigen Vorschriften sind auch von Ein­führung der Versichernng an bis zu deni kürzlich erfolgten In­krafttreten der Rcichsversichcrungsordnung die gleichen geblieben.

Bei allen Kassenarten zusammen stieg von 1885 bis 1912 die Zahl der männlichen Mitglieder von 3% Millionen auf 9% Mil­lionen, das ist ungefähr das 2%fotf)e. Bon 1908 bis 1912 betrug die Steigerung 234 714 Mitglieder oder 2,8 Prozent. Noch viel stärker wuchs aber die Zahl der weiblichen Mitglieder an, nämlich von % Millionen auf 4,0 Millionen oder das 5'/-fache. Das An­wachsen der Zähl der weiblichen Mitglieder hat auch in de» letzten Jahren noch in gleichem Maße fortgedauert: seit 1908 beträgt ihre Zunahme 658 897 oder 20 Prozent. Im Jahre 1885 kainc» im Durchschnitt aller Kassen auf 100 männliche Mitglieder 22,2 weib­liche, im Jahre 1908 36,5 und im Jahre 1912 42,7, Bei den Ge­meindekrankenversicherungen, die hauptsächlich landwirtschaftliche Arbeiter besitzen, kamen im Jahre 1912 aus 100 männliche Mit­glieder 57,0 iveibliche, bei den Ortskrankenkassen 50,3, bei den Jnnungskrankcnkassen 22,9.

Endlich sei noch mitgeteilt, daß im Jahre 1912 auf 1000 männ­liche Einwohner 283.6 männliche Versicherte, auf 1000 weibliche Ein­wohner 118,1 weibliche Versicherte kamen. Dieser Anteil der Frauen am Erwerbsleben ist nicht im ganzen Reiche gleich groß. Am größten ist er in den Gebieten mit hochentwickelter Industrie, So kamen auf 1000 weibliche Einwohner versicherte Frauen in Berlin 332, in Reust (mit umfangreicher Textilindustrie) 320, in Sachscn-Altcnburg 270, in Braunschwcig 211, Provinz Sachsen 152 usw. Am geringsten ist der Anteil in Schaumburg-Lippc mit 18,5, Provinz Posen mit 27,3, Mit der Einführung der Reichsver- sicherungsordnung, die bekanntlich nunmehr sämtliche landwirt­schaftliche Arbeiter, Dienstboten, Heimarbeiter usw, der Versicherung unterwirft, ist die Zahl der versicherten weiblichen Personen »och weit mehr gestiegen.

Eine altpreustijche Sitt«npolizifti». Man denke nicht, Last die Sittenpolizisti» allein ein« Einrichtung fortgeschrittener Länder un- serer Zeit fei. Sogar vor Traugott v. Jagow gab es schon in­telligente Polizeieinrichtungen. In einem Buch gesammelter Ber­liner geschriebener Zeitungen aus der Zeit Friedrich Wilhelms I, findet sich folgende Notiz:Es ist hier ein gewisses Weib, so di« dicke Schneiderin genannt wird, diese ist dazu bestellt, daß sie alles leichtfertige Gesiitdel aufsuchen und in gute Geivahrsam must bringen lassen, wie ihr dann zu ihrer Securitä nicht allein eine Wacht zu­gegeben wird, sondern sie verkleidet sich auch öfters in Manneshabit und hat sie schon innerhalb 8 Tage an die 100 Huren ins hiesige Spitnthaus geliefert. Dieses Weib ist vordcni selbsten unter einer Diebesbande gewesen, und hat sic ivegen vielfältig verübten Dieb­stahls justisizicrt werde» sollen, da sie aber, jni Falle sie Pardon erhalten sollte, versprochen, die Stadt von alle:» diebischen Volk, weil sie cs nun von andern genau zu distinguieren wüsste, zu reinigen, weshalb man ihr nicht allein Pardon erteilet, sondern sie hat auch ihr Versprechen bisher wohl gehalten, als wohl vor dem, ehe sie dieses Metier getrieben. Sie ist aber in ihren AmtSgcschästen durch bey- gcbrachtcs Gift eines plötzlichen Todes gestorben."

Türkische Mädchen als Telephonistinnen, In diesen Tagen tvird in Koustantitiopel feierlich das von der Anglo-Französischen Tele- phongesellschast errichtete Fernsprechnetz cingeweiht, Vor drei Jahren erlangten di« französischen und englische» Unternehmer die Konzession für den Tclephondienst in Konstantinopel: jetzt ist die Einrichtung vollendet, rund 42 000 Kilometer Draht wurden gelegt, drei Hauptämter Per«, Stambul »std Kadiköi sowie eis kleinere Nebenämter sind betriebsfertig und 4000 Teilnehmer habe» sich be­reits gemeldet. Zum ersten Male ivcrdcn türkische Mädchen als Telephonistinnen tätig sein: noch niemals wurde» bisher Frauen oder Mädchen im Dienste der Post oder der Verkchrsanstalten an- gcstellt. Es sind in erster Linie junge Griechinnen, Armenierinnen und Jüdinnen, die angestellt wurden, aber auch sieben Türkinnen haben sich nm die Stellungen beworben und wurden angenonimen.

Während der Dicnststnnden werde» die türkischen Telephonistinnen ihr Haar verschlcitcrt trage». Die Regierung lgit di- Anstellung von

Franc» im Telephoubienst von Anfang an gebilligt und mit Stziupathie verfolgt,

Eine kaltblütige Fra», Ein in diesen Tage» aus Ceylon zurück- gekehrter Engländer erzählt in einen, Londoner Blatt ein Abenteuer, das als ein seltenes Beispiel erstaunlicher Kaltblütigkeit und Geistesgegenwart einer jungen Frau wiedergegeben wird, Es war bei einem Tiner in Trincomalee,das Diner war vorüber, wir sahen im Salon, als ich plötzlich sah, wie der Blick der liebens­würdigen Dame des Hauses, einer ungewöhnlich anmutigen nnd lebhaftvn jungen Frau, starr wurde: sie rief dem an der Tür stehenden eingeborene» Diener zu, eine Schale mit Milch zu holen und auf das Fell zu setzen, auf dem ihre Füße ruhten. Obgleich dcr Befehl so ruhig nnd gelassen gegeben war wie ein gewöhnlicher Auftrag, ahnte ich sofort, daß sich eine Schlange in, Raume besinden muhte. Da eine hastige Bewegung den Tod bedeuten konnte, saßen wir regungslos wie Bildsäulen, dajür aber glitten unsere Blicke durch alle Winkel des Raumes, Allein nichts war zu sehen. Die Milch wurde gebracht, vorsichtig auf das Fell gesetzt, ein paar Se­kunden, die uns endlos dünklen, verstrichen, und dann endlich erschien die Schlang«, Wir sahen mit Entsetze», wie sich von dem Fnstgelenk dcr jungen Dame des Hauses eine große Kobra loslöste und aus die Milchschale zuglitt. Sie wurde natürlich sofort er­schlagen, Wie viele Frauen aber mag es geben, die unter solchen Umständen die Kaltblütigkeit nnd die Willenskraft haben, ruhig zu bleiben und sich nicht zu bewegen? Erst als die Schlang« tot am Boden lag, gab die Nervenspannung unsrer Wirtin »ach und sic sank in Ohnmacht,"

chesmldßeilspsi'egl'.

Butterfäischungen. Tic Butterkontrolle erstreckt sich aus de» Wassergehalt, der nicht mehr als 10 Prozent betragen darf, nnd den Zusatz von Margarine, was durch Schmelzen dcr Butter in Röhr­chen fcstgestcllt wird Nach de» Erfahrungen Prof. Juckenacks in Berlin erfolge» Zusätze von 40 50 Prozent Margarine fast nur in den kleinere» Geschäfte», wo nur die Familic mitarbcitct. In größeren Geschäften werden der Butter Fette zngefligt, die bei der eisten informatorischen Untersuchung schwer seststellbar sind nnd erst durch chemische Untersuchungen festgestellt werden können, z, B, Kokosfett und Schwcincsctt, Tie Quanten solcher Fälschungen sest- zustcllcn, gelang vor einigen Jahre» in Berlin dadurch, daß 4050 Beamten zu gleicher Stunde die Geschäfte und die Lieferanten sehr genau kontrollierten, Tie Kontrolle dcr Margarine erstreckt sich darauf, ob bei dcr Fabrikation gesundheitsschädliche Fette verwendet werden und ans deren Wassergehalt, dcr nicht so groß sein darf, wenn sie die Butter als Nahrungsmittel ersetzen soll. Bei der in Bäckereien verwendeten Margarine wurde ein Zusatz von 25 Pro­zent Wasser festgestcllt. Ein erheblicher Miststand ist das Reno­vieren von verdorbener Butter und Margarine durch Schmelzen, die dann als frisch verkauft wird, oder durch Aromatisieren von vanille- haltigem Butterpulver, das den ranzige» Geschmack wenigstens sür ein paar Tage verdeckt. Eine große Uniwälznng steht in der Speise« fettindnstric bevor, wenn cs gelungen ist, feste Fette aus flüssige» Oclcn hcrznftcllcu, die zunächst nur für die Scisefabrikation in Be­tracht konnnen, aber auch als Speisefett verwendet werde» können, wenn das Ansgangsmaterial einwandfrei ist.

Kür Kalks uub Kof.

Ter Lehrmeister Im Garte» und Kleintierhoj lSachmeister u. Thal, Leipzig), Inhalt dcr Nr, 14, Fuchsien, Bon Otto Löwe, M, Abb, Was soll jeder Garteusrcnud von seinem Boden wissen? Von Obergärtner Jahn, Wann und wie sind Obstbänme und Beerensträucher künstlich z» dünge»? lieber Heilung des Gummi- flusses der Pfirsichbänn,e, Von G, Müller, Fiirstl, Obergärtner, M. Abb, Die Anzucht großer Zwiebeln aus Steckzwiebel», Von W, Hlibener. M, Abb, Die Erbsenbeete im Hansgarten, Von Ferdi« and Coppenrath, Malrübchcn, Von Felix Schladitz, Meine Sellcriepflanzen-Anzucht, Von Otto Brand, Frühe Bohnen, Von E, Voigt, Wie ich meine Küken ohne Glucke großzog. Von Therese Berger, M, Abb, Sumatra-Hühner, Von G, Boas, M, Abb, Mein Ententeich. Von Kurt Sturm, M, Abb, lieber, Brutcicr, Von 9(. Kicnzler, Hauptlchrcr, Ein neuer Aquarienfisch tPtero- phyllnm scalarc). Von Johannes Thumm, M, Abb, Mein Kaninchenstall, Von E, Berner, M. Abb, Arbeitskalender s»r den Monat April Kleine Mitteilungen Hauswirtschaft Mei­nungsaustausch Kleintierarzt Fragckastcn, c «' n T»* Das Geheimnis des Rcchtsanivalts, Ronian von John K, Lcys. lFvrlsctzuiig,) Vereinsnachrichtcn Ausstellnngskalendcr Ans der Geschäftswelt Literatur Patcntliste.