Ausgabe 
10.4.1914
 
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Zum Heöurlenrückgang.

«Mti -ochherrschastlich« Suchen nach dem kinderlosen Schweine-

MvC »»n dem wir kürzlich berichtete», findet im Berliner Kladdera- tatst- dies« poetische Verherrlichung:

Vernimm nun, was Gesetz und Recht,

Und sei mit dir im reinen:

Ein wirklich braver Schweineknecht Besaht fick nur mit Schweinen,

Und hast du eine liebe Iran,

So sei du doch kein Streber:

Bedenk', die Krau ist keine Sau,

Und du. du bist kein Eber!

Setz' keine Kinder in die Welt,

Nicht Mädchen oder Knaben

Der Mann, der stch die Schweine hält,

Der will nur Ferkel habe».

Die Ferkel sollst mit Zärtlichkeit Und Liebe du umfassen

Sonst aber sollst du jederzeit Die Liebe kräftig Haffen,

So sei beglückt am trauten Herd Und hi' getreu dar Deine

Di« Kinder sind dem Staate wert

Doch mehr wert find die Schweine!

Die Waschfrau,

Erhitzt und fröhlich, von den, Garten aus Sprang ich mit meinen Kindern in das Haus,

Da kam die Waschfrau, mir ihr Leid zu klagen,

Ei« hatte wieder Zwilling' seit drei Tagen,

Zwei kleine Mädchen, Fa, wie soll das gehn?

Mit ihre» achten waren s heute zehn.

Der Angstschwelst perlte ans der Stirn dem Weibe,

Vor Schwache bebte fle am ganzen Leibe:

Sie kroch ja aus dem Bett« viel zu früh Und hielt sich auf den Beinen nur mit Müh'.

St« tat fich fast wie allster sich gebärden:

Rur keine andere Frau! Nicht brotlos werden!

Nicht wahr. Sie ivarten eine Woche noch?

Nur «ine Woche! Wer weih, ob nicht doch

Der liebe Gott ein Einsehn hat und nimmt

sie w i e d e r!"

Ich drückte sie aus einen Sessel nieder,

Strich ihr das Haar, Um diese» Bisse» Brot!

Die arme Frau! Wie grausam spricht di« Not!

«d, Ey in der Ingen-

Die Not der Zeit.

Ziveikindermode , , , ,! Wvh und Wäh«! Geburtenrückgang. . . .! Weuh und Woih!

Die Eittenlossgkeit der Ehe Verdient in jeder Tonart: Psoi!"

Besonders tief entrüstet zettern Di« blauen und die jchivarze» Vettern Ob dieser neuen Schweinerei!

--O »ein verehrte Trüffclspürer,

So einfach liegt die Sach« nicht!

Ein ganzes Volk ist kein Verführer,

Mir auf die geil« Luft erpicht,

Den ihr mit Polizistenpfoten Und Katechismuslehrgebotcn Zurtickgefiihrtauf den Pfad der Pflicht". . , ,

Ein Volk ist «in« grohe Mutter!

Und wen» ihr Leib nicht mehr gebärt,

Dan» fchlt's wibt ihr woran? am F u t t e r, Womit st« ihre Kinder nährt!

Am Brote fehlt'« für all die Mäuler,

Die ihr. verehrt« Weheheuler,

In der Statistik so entbehrt!

Drum statt die ?tuge» zu verdrehen Und Mist zu reden von der Eh',

Wär's besser, eiuuial uachzusehen Fn eurem volle» Poricmouuä!

Gebt nur dem Volke mehr zu leben, Gleich, virddasVolkniehrKinbergeben! So heilt nicht 1>e»lt bas groheWeh"!

A De Nvra iu der Fugend,

Mutter und Kind.

Das Kiuderspiklzeug der Saison jetzt und vor Allst)

Jahre». Wenn die Laubbäiime grün z» werden beginnen, ist dieSnifon" des Kreiseln-. Der Kreisel wird an- deni Schrank hervorgckranit. dasselbe Instrument, das im Geiste

de- Vor einigen Jahren Verstorbenen hervorragenden Schiffe- bauingcnienrS Otto Schlick eine so geniale Umwandlung «. fahren hat. Nicht nur der Sport der Erwachsenen, auch Las

Spiel der Kinder hat ja seineSaison". Ob nun auch die jungenalten" Griechen. Las heißt die griechischen Buben und Mädel vor mehr als 2000 Jahren, für das Kreiseln Lik Zeit des beginnenden Frühlings bevorzugten, wissen wir nicht, daß sie aber das Kreiseln gekannt und betrieben haben, das wissen wir ganz genau. Regelrechte Kreisel, genau solche, wie wir sie als Kinder selbst getrieben haben, sind uns mehr­fach erhalten, und auf den gemalten griechischen Vasen, die ja überhaupt ein so überraschendes und anziehendes Bild vom intinicn täglickien Leben der antiken Hellenen bieten, sind Darstellungen von Kindern, die mit der Peiffche hinter ihrem Kreisel herlaufen, nicht selten.

Das lenkt unseren Blick überhaupt auf das antike Spiel­zeug! Nun, man kann getrost sagen, daß die Kinder des Themistokles, Sophokles, Kimon und Diogenes sich vielfach aus die gleiche Weise belustigten, wie noch heute unsere eigenen Sprößlinge, Wir sehen auf einer antiken Vase ein junges Mädchen, das sich schaukelt. Auf einerrichtigen" Schaukel sitzt sie, in der typischen Beinhaltung beim Hoch- gchen der Schaukel, und die Kleider flattern hinter ihr her. Auf einer anderen Vase sehen wir ein Mädchen gemalt, die mit vier Orangen gleichzeitig Fangeball spielt. Und sie hält den Kopf genau so wie unsere kleinen Freundinnen, wenn sic mit Apfelsinen jonglieren. Die Sparbüchse ist ja eigent­lich keinSpielzeug". Aber es sei erwähnt, daß sich auch von antiken Sparbüchsen Beispiele in den verschiedensten Formen erhalten haben, zum Beispiel als Haus usw. An irgend einer passenden Stelle ist dann der leider zu selten zum rechten Zweck benutzte Schlitz angebracht. Und da ist auch eine niehrtausendjährige Puppe, die nur darauf zu warten scheint, daß die Mädchen, die fast um 100 Generationen später ge­boren sind, sie in die Arme nehmen und lieb haben. Und eS ist keine gewöhnliche Puppe, nein, wie je ein moderne- Lottchen oder Aennchen kann sie alle ihre Gelenke und Glieder hübsch bewegen. Aber kann sie auch schlafen? Nein, da­kann sie noch nicht!

Wie sagt das Kind? Ich machte einen Besuch. Da ich wußte, daß ei» Kind im Hause war, nahm ich «inen Pfeffer­kuchen mit. Einen bunten Pfefferkuchen mit weißem Zucker­guß, so recht geschaffen, um ein Kinderherz zu erfreuen. Und doch hat er keine Freude ins Haus gebracht.

Als die kleinen Fäustchen noch der bunten und süßen Herrlichkeit griffen, fuhr die Mutter auf das Kind los:Wie sagt das Kind?"

Zwei Hände hielten den Kuchen fest, ei» roter Mund labte stch daran.

Wie sagt das Kind?" lvicderholte heftig die Mutter. Der kleine Mund blieb stumm. Dafür leuchteten die Augen um so Heller, wenn sie über den Kuchen glitten.

Sta, wie sogt das Kind zum Onkel, der ihni etwas schenkt?"

Aergerlich stieß die Mutter diese Worte hervor. Da hatte sie nun ein braves Kind, das sie über alles liebte und auf dessen Bravheit sie so stolz war: nun es aber einmal seine Bravheit zeigen sollte, war eS bockbeinig und versagte.

Ein Kind, daS nicht Danke sogt, soll auch keinen Pfeffer- suchen haben!" Damit riß sie deni Kinde den Kuchen an­der Hand.

Zeter und Mordio! . . . Eine peinlich« Szene, die erst ihr Ende erreichte, als das schreiende Kind zur Tür hinaus- gcsteckt war.

Mutzte dieser unerquickliche Abschluß kommen, der dem Kinde wie uns selbst die froh« Stunde verdarb?

Ich verlange, daß sich das Kind an Höflichkeit gewöhnt!" erklärte die Mutter, wie zu ihrer Entschuldigung.

Ach wären Vater und Mutter zueinander so höflich, olk sic es vom Kinde verlangen, höflich mit Bitte! und höflick! mit Tanke! bei all ihren kleinen und großen Handreickmngen und Gefälligkeiten, dann brauchten sie die Höflichkeit nickst in daS Kind hincinzuschelten und hineinzuprügeln.