Ausgabe 
3.4.1914
 
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Als 6cv Na;!, der T)cu!c hier oben Situier machen intJi deshalb im Feldbergerhof iibcrnachlci hatte, in die Witisstnbc kam, iilwr- nahm cL die Babcit, und sie bat de» Zöger inständig, den beiden nach.znfahren nnb einmal nach ihnen zu schauen. Es habe so flirchtig lies geschneit, dast ihnen wähl ivas passieren könnte.

Ter Nazi »lachte zuerst ein grimmiges Gesicht, strich unwirsch seinen Schnauz, sagte dann aber zu. Nach dem Morgenesscn hing er die Flinte »ni, schnallte die Bretter an, stieg die leichte Anhöhe um dem Feldbergerhof hinaus itnd schust dann iuic ein Pfeil gegen das Wiesental hinab.

Aber an diesem Tag kam er nicht mehr zun, Revicrgang zurück. Anstatt des Salomo, der aus unerklärlichen Gründen seiner Beglei­terin alle Augenblicke zurief:

Ankemarei, matt du vorus!",

Uttd mit der er ans den gleichen, unetklärlicheti Gründen in einen nnheiluollen Wortsireit geraten war, spurte ietzl der Iägernazi mit seinen Schneeschuhen der Ankeninarci dcti Weg voraus bis hinab nach dodtnau.

Mit der Frenndschaft war es nach diesen, Gang zwischen der Ankcnmarei und dem Salomo aus für immer. Sic hat nie er­fahren, wer diese Zwietracht zwischen sic gesät. Nach einem halbeti Fahr waren der Salomo und die Babeit einer- und der Iägernazi und die Ankcnmarei «tldererseits in aller Ordnung getraute Ehe­paare. lind seht noch fragt die Babctt deti Salomo, wen,! er aus Abwege geraten will:

Soll i dir öppe letwa vielleicht) Tee anbrnhc?"

Hus Welt und Leöeii.

Tie Ehescheibungszifser der Kulturländer. Bis zu cinem ge-

ivissen Grade lägt sich der Kulturgrad eines Landes an der Zahl seiner Scheidungen ablesen, sofern nicht besondere Gesetze, wie in Italien und Oesterreich, der Chetreiinung hinderlich sind. Sonst aber führt die mit der Kultur wachsende Tisserenzicrtheit, vor allem der Fronen, daneben allerdings auch üblere Einflüsse derKultur", wie Verwilderung der Sitten, immer häufiger dazit, hast das an­geblich fürs Leben geschloffene Band nach kürzerer oder längerer Dauer wieder zerrissen wird. Dr. Joh. Müller hat sich in der Zcii- schrist für Nationalökonomie und Statistik die Mühe gemacht, an der Hand des amtlichen Materials der verschiedenen Länder deren Schei- dnngszisser» zu bcrcchticn. Wir geben in nachstehendem die Zahlen für die letzte Periode wieder, nnb zwar nicht die absoluten Zahlen, die in diesen, Falle wenig besaget,, sondern die Zahl der Scheidungen berechnet ans die der jährlich.'» Eheschließungen. Es kainen ans je 1000 Eheschließungen Ehescheidungen:

Deutschland (1906-10) 27 Preußen . (1906i05 27 Bayern. .(1908-10) 17 Sachsen . (190610) 38 Oesterreich. (1908-10) 10 Ungarn . (1906-10) 38 Schweiz . (190105) 15

Italien . . (1906-09) 3,4

Frankreich . (190610) 38

Niederlande (1906-10) 19

England . (1881-85) 1,9

Schweden . (1906-10) 17

Per. Staat. (190105) 81

Japan . . (190609) 116

Bei Italien handelt eS sich übrigens »in Trcnnnngen von Tisch und Bett, da dieses Land keine gesetzlichen Scheidungen kennt. De» Rekord an Scheidungen hat also Japan. Ihm folgen die Vereinigten Staaten, sodann die Schweiz, Sachsen und Frankreich. An, Ende der Reihe sieht das bigotte England. Außer in Japan ist in allen Län­dern die Ehescheidnugszifscr in der Jnnahnie begriffen. In Deutsch­land hat sich die Zahl der Ehcschcidttngcn pro 1000 Eheschließungen seil der Periode 1881 bis 1885 erhöht von 15 aus 27, in Oesterreich von 3,0 aus 10, in Schweden von 8,6 ans 17, in den Vereinigten Staaten voti 65 (in 1891 bis 1895) auf 81. Dagegen hat Japan seit 1888 bis 1890 die Rclativzahl seiner Ehescheidungen von 337 ans 116 herabgesetzt.

Zuckerbrot und Peitsche. Einen charakteristischen Beitrag zur Psychologie gewisser inoderner Amerikanerinnen liefert der Ehe- scheidnngsprozcß, den der bekannte Newyorker Rechtsanwalt Charles Dtvight Folsom cingeleitet hat und der jetzt durch die Entscheidung des Lbergerichis seinen Abschluß fand. Das Urteil crsolgie, nach­dem Folsoni de,n Gerichtshof einen Brief seiner nun durch die Ent­scheidung der Richter von ihn« getrennten Gattin vorlcgic, einen Brief, der ans einer kleinen Sladi in Rordkalisornic» datiert ist itnd besser für sich selbst spricht, als jeder Kommentar cs vermöchte. Du tvarsl zu sehr Gentleman", wirst die Frau Gemahlin Ihrem Manne vor,Brutalität ist cL, was ich brauche.Und die besitzt er", der »«ne Lcbensgesährte, den Mrs. Folsom sich erkoren hat und den sie, die venvöhntc Tochter sorgloser und luxuriöser Verhält­nisse, ihrennatürlichen Galten" nennt.An einem zufälligen Worte, das er a>,j der Straße von mir anffing, erkannte und er» tvähltc er mich. Er war gliliger zu mir, als das je bisher ein Mctifch gewesen ist. Ich liebte ihn nicht von Ansang au, ich war nur glücklich und zusricdcu mit ih,». Er nahm mich ans lange Ritte

mH, er liebt Pscrbc wie ich, ja er kennt nichts als Pferde. Sein ganzes Leben hat er unter Pferden verbracht, als Jockei, Trainer und Züchter. Du würdest ihn roh nnd nitgebildet nennen, denn er kann nicht verständlich schreiben, aber ich liebe ihn, wie er ist. Nicht ein Zehntel dieser Liebe kouuie ich Dir entgcgcnbringcn. Ich habe Grausamkeiten von seinen Händen erduldet, aber auf der anderen Seite ist seine Güte und Zärtlichkeit ungewöhnlich. Als seine Frau werde ich rauhe Worte und Sitte» ertragen müssen, denn er ist dir seltsamste Mischung von Gut und Böse, Kraft nnd Schwäche: aber er ist mein natürlicher Gatte und das einzige Wesen, das nttch be­herrschen kann. Mein« ehrliche Hoffnung ist es, daß Du nach der Scheidung Deine natürliche Frau mit ivcnigcr Schmerzen finden »lögest, als ich meinen Gatten fand." Mrs. Folsom lebt in völliger Armut und wartet daraus, bis ihr Cowboy sich ebenfalls scheiben läßt und sic heiratet. Sic schildert in ihrem Briefe ihre gegen» ivärtigc Tttnaiio» alstragisch und entschlich".

chc'I'ttttdßeilspM'ge.

Tie iörperiche Erziehung des KinOes. Einer zweckmäßigen Anszucht des Heranwachsenden Geschlechtes kommt eine besonders .hohe Bedeutung zu für die Erhaltung und Kräftigung der Volks- gesnndheit. Ter Äindcskörper ist formbar im gute» und schlechteri Sinne. Schwächer veranlagte Kinder können durch scheniatischc Körpcrbecinfluffung zu günstiger Entwicklung gebracht werden. Vor altern muß vermieden werden, daß unvernünftige Erziehungsgrund­sätze und unzweckmäßige Lebenshaliung die Kinder in ihrer nor­malen Entwicklung beeinträchtigen. Verkehrtheiten der Ernährung, der Kleidung, des Unterrichtes geben vielfach die Ursache für körper­liche Dürftigkeit und Kränklichleit ab. In seinem soeben erschienenen Buche überTie körperliche Erziehung des Kindes" weift Tr. Hans Spitzky darauf hin, daß das Kind ei»Lusttier" ist, das nur in engster Berührung mit der nnverfälschten Natur die nötigen Wider­standskräfte für de» späteren Kampf ums Dasein zu erwerben im­stande ist. Daher ist die Kleidung zu verwerfen, die verweichlicht und beengt, die Nahrung, die fett und träge inacht, die Stuben- hvckerei, die Erziehung, die in der Abrichtnng zum Stillsitzen den Gipset hinderlicher Bravheit erblicken nnd dicscnige» Schulsystcnie, die auf Koste:: des leiblichen Gedeihens günstige Höchstleistungen erzielen wollen. Unsere Schulen alsSitzschulcn" bedeuten eine Hemmung nnd Gefahr für das Kind mit seinem natürlichen Be- wcgungsdrang. Tie ungeheure Beanspruchung des kindlichen Or­ganismus durch die Schule erfordert ein (Gegengewicht in Form einer großzügig anfgebauien körperlichen Erziehung. Auch die Mädchen bedürfen einer körperliche» Durchbildung, weil die Ge- snndhcit der zukünftigen Mütter über die körperliche Tauglichkeit der komnicnden Generation entscheidet.

Kür Kaus utib Kof.

Wie »tust der Garte,, beschasfcn sein, wenn er sich gut weiter entwickeln und uns dauernd als der angenehmste Soinnleraiisenthalt befriedigen soll'? Dieses Thema ist bei »ns in der Fachwelt heiß umstritten, in England ist man sich darüber längst einig. Englands Gartcnknlinr hat daher auch schon lange die ganze Welt interessiert nnd alle Fachkreise zu ihrem Studium angeregt. Gerade diese Gartenkultur liegt »ns stammverwandten Deutschen recht nahe und tatsächlich wird in keinem anderen Lande der Gartenpflege eine solche Liebe und eine solche Ansmerksamkeit cntgegengebracht wie bei uns nnd in England. Ein ivirkliches Verdienst ist es, Englands bestes Garlenbnch, RogersGarden Planning" uns in einer deut­schen Bearbeitung darzubieten, die »ns jetzt vortiegt in dem Bande: Wie lege ich meinen Garten an". Rach Rogers Gartenbuch im Aufträge der Gesellschaft siir Heimkultur herausgcgebcn von Kgl. Landesökonomicrat nnd Gartcnbandircktor August Sicbert, Direk­tor des Frankfurter Palmcngartcns, Professor Schölermann nnd Garteninspektur Krauß. Mit über 200 Abbildungen und Gartcn- plänen. 311 Seiten Lerikonsormat. Preis 6 Mark, Ortginalband 7,50 Mark (Porto 50 Pfg.) Westdeutsche Verlagsgesellschast in. l>. H.. Wiesbaden.

Die Bearbeiter haben eS verstanden, damit ein uns leichter be­kömmliches Nniversalbnch zu schassen. Als Univcrsaibuch dars eS angesprochen ivcrden. weil eS tatsächlich allen Verhältnissen gerecht wird, iveil cs ein notwendiges und nmfaffendcS Leitbnch ist ebenso siir den Pfleger des kleinen Vorgärtchens wie für den Schöpfer des großen Parkes. Ein überaus reichhaltiges Material in völlig neuer Form ist hier znfammengctragen. Der Gartensreunb, der sich nur nnlvillig durch schwerfällige, hausbackene Gartenbiichcr dnrchgc- arbeitet hat, sindei hier ettvaS ganz Neues. Ei»veredeltes Garten­buch", dem Leben und Eigenart inncwohnt, das trockene unanSsühr- barc Ratschläge vermeldet: dafür aber eine Fülle faßbarer An­regungen, praktischer Winke, Tabellen usiv. bringt. Ausznsetzen habe ist nur wenig. Nur hätte sich in diesem sonst wirklich t»st mochte ich sagen monumentalen Werk, die Tätigkeit eines Peter Behrens oder Schnltze-Naumbnrg Im Kapitel tzlarlcnmöbel etwas mehr ab- spiegcln mlissen, Alles in allein, diese kleinen Mängel setze» das Buch, dem der Verleger ein praktisches und hübsches Gewand ge­geben Hai, nicht herab. Es ist ein Werk, da? freudige und allgemeine Ansnahine verdient.