„Hm?"
„Schläfst du?"
„Nein, ich ivcifi nicht warum, aber ich kann nicht cinsthlasen", „Auch ich kann, ivciß Gott warum, nicht cinschlascn".
„Das macht der neue Platz",
„Ich denke es mir auch . . . Am Ende ist dach der neue Platz schuld?"
„Sicher der neue Platz, schlaf nur!"
Wieder trat Schweinen ein, Diesmal hielt cs läng«r an, ffti Kiskins Kopf tauchte folgender Gedanke auf: Und wie, wenn ich eine Zulage bekomme? Er dachte weiter über verschiedenes »ach, bis plötzlich ein Flüstern der Frau aus dem Schlafzimmer kam: „Iwan Abramitsch!"
„Ja, Mamachen?"
„Schläfst du?"
«Nein, meine Liebe, ich kann nicht cinschlafen... ich denke, das kommt vom neuen Platz".
„Sicher vom neuen Platz, von dem Ungewohnten",
„Es scheint so. meine Liebe, vom Ungewohnten . .
„Wie spät mag es nur sein?"
„So spät! Nun ist cs Zeit, zu schlafen, Schlaf! Höchste Zeit!" Iwan Abramitsch seufzt und ein noch längeres Schweigen tritt ein. Er fühlt, dast auch seine Frau in derselben Weise gcguält wird wie er. Mein Gott, dachte Kiskin, ist das nicht sonderbar? Was bin ich nun jetzt! , , , Tot! Vollständig tot! N—na , . ," Plötzlich huschte es durch seinen Stopf. Na, und wenn der liebe Gott mjt eine Zulage beschert? Vor ihm entstand das Bild seiner Familie nach Gewährung einer Zulage, Das Hauptmomcnt dieses Bildes war, daß sich alles freute. Ganz und gar alles. Vom zweijährigen Kinde angesangen bis zur Magd Akulina, Alle waren glücklich, alle zufrieden . . . Aber Gott? murinclte plötzlich Kiskin.
„Was sagst du?" kam eine Stimme aus dem Schlafzimmer. „Nein, nur so! , . , Der Schlaf will nicht kommen!"
„Schlaf! schlaf!" sagte die Iran sich im Bette wälzend,
„Nein, wahrhaftig, cs ist doch etwas . . ." brummte der Mann und wandte sich mit dem Gesicht der Sofawand zu. „Flöhe Werdens kaum sein, aber so . . ."
„Schlaf, es ist kein einziger Floh dort",
„Ja eben, ich denke mir auch, woher sollten da Flöhe kommen? Es ist nur so, .
„Es gibt keine Flöhe, cs ist nur vom neuen Platz",
„Es scheint wirklich nnr vom neuen Platz, Es ist nur so . . ." „Schlaf!"
Die Frau schlief, Fn Kiskins Kopf aber tauchte wieder die Frage aus: Und tvie ist cs denn mit Gott! Und in demselben Augenblick durchliefen seine Gedanken all die Schwierigkeiten, die sein Familienleben bedrängten, und die er soeben klar und deutlich, unwiderleglich für jeden cingeschen hatte. Doch etwas drängte ihn, sein bisheriges Ehelcben nicht zu verändern, zwang ihn zu dem Entschluß, auf das letzte Stück Brot zu verzichten, um sich seiner Herzensneigung ganz, ohne Einschränkung, hinzugebcn. An ihm zog das Bild seiner traurigen Existenz vorbei, wenn er sich überwinden und „an die Seele" denken wollte. „Mein Gott", flüsterte er, „Mascha!"
„Mascha, schläfst du?" sagte er plötzlich laut.
Doch die Frau antwortete nicht.
„Sie schläft", dachte er.
Aber sie schlief noch lange nicht ein. Sic dachte, fest in das Kissen gewühlt, über dasselbe nach wie ihr Mann, Doch sie sah die Tinge klarer als er und beschloß, jcdett Gedanken, aus den sic durch die Frage „Aber Gott?" gebracht wurde, zu verscheuchen. Deswegen hatte sic attch nicht geantwortet, als sic der Mann ongcrufcn hatte. Sie stellte sich schlafend, hörte aber, wie sich Iwan Abramitsch voll einer Seite aus die andere wälzte und „mein Gott, mein Gott" flüsterte,
„Schläfst du?" kam cs wieder ans dem Salon,
Sie zog rasch die Decke über den Kops und antwortete nicht. Mit offenen Augen unter der Decke liegend, bemühte sie sich, an nichts zu denken. Wie hätte sie sich gefreut, wenn ihr Kopf sich in einen Stein verwandelt hätte! Diese Spannung dauerte lange an. Allmählich ivurdcn aber ihre Lider schwer. Sie sühltc sich immer inehr vom Schlaf überwältigt, und da plötzlich. . .
„Wer ist da?" schrie sic in Angst aus.
„Dort zieht es durch das Fenster... es zog mir so in de» Rücken, , . Ich bin ganz durchfroren!" murmelte Iwan Abramitsch, das Kissen in der Hand haltend.
Einige Monate später saß Iwan Abramitsch beim Abendessen und dachte darüber nach, wen er zum Paten einladen sollte. Sowohl er wie seine Frau sahen ganz niedergeschlagen aus. Das Sofa hat schon längst wieder seinen alten Platz bekommen, eine Zulage aber war noch immer nicht erfolgt.
Nach dem Abendessen seufzte Iwan Abramitsch und sagte: „Jetzt aber, Mascha, ist es ivirklich Zeit! Genug, was denkst du darüber?"
Die Frau schivicg,
(Ans detn Russischen von Nadja Straffer.)
Aus Welt und Leven.
Sexuelle Aufklärung i„ der Mädchenschule, Die Stadt Tronsicld in der englischen Grafschaft Derby ist seit einigen Tagen
ii> großer Aufregung, weil Miß Ontram, die Leiteriit der städtischen Mädchenschule, den älteren Schülerinnen, die demnächst entlassen werden sollen, vom Katheder herab das Geheimnis der Liebe und der Ehe erklärt hat. Die entrüsteten Mütter der aufgeklärten Mädchen wandten sich sofort mit einem Protest an die Schulbehörden und verlangten die Absetzung der indiskreten Miß, Fräulein Outram ist aber bis jetzt voit Amtswegen nicht bestraft ivordcti und hat energisch erklärt, daß sie, obwohl viele Schülerinnen auf Wunsch ihrer Eltern aus der Schule ausgetreten find, itach wie vor das, was sie für ihre Pflicht halte, zu tun gedenke. In einem ähnlichen Falle, der vor kurzem in einer Chicagocr Schule vorkam, wurde die Leiterin einer Mädchenschule, die ihren Schülerinnen einen Vortrag über sexuelle Hygiene gehalten hatte, gezwungen, ans dem Aiiite zu scheiden; der Schulrat von Chicago ivählte sie aber bald darauf einstimmig wieder.
Tic Lehrerin von Dronsield erwidert nun, die protestierenden Mütter seien in der Minderheit; sie veröffentlicht Briefe von Mütter», die offen gestehen, baß sie selbst es nicht wagten, ihren Töchtern das Geheimnis der geschlechtlichen Bcziehungeii zu ofsen- baren, lind die der Lehrerin dafür danken, daß sie sie von der Er- süllung einer peinlichen Pflicht befreit habe. Der ganze Vorfall hat den englischen Zeitungen Veranlassung gegeben, sich mit der Frage, ob eine Aufklärung der jungen Mädchen passciid sei oder nicht, in fast lcidenschastlichcr Weise zu beschäftige»; sehr viele Zeitungen sprechen sich für Vorträge über sexuelle Fragen aus, unter der Voraussetzung, daß solche Vorträge nur vor zur Einlassung koniinenden Schülerinnen gehalten würde».
I» Deutschland hat dieselbe Frage vor einigen Jahren die Gemüter ebenso in hestigeni Für und Wider erregt. Das gewissermaßen abschließeiidc Wort sprach der Dürcrbund in dem Buche „?!>» Lcbensquell", das bei Alexander Köhler in Dresden erschien. Das halbe Hundert der als Ertrag eines Preisausschreibens gewonnenen Beispiele sexueller Allsklärung, die dieses Buch enthält, dient der Forderimg, mit aller sexuellen Geheimtllerei zu brechen, die Aufklärung ilicht auf einen bestimniten vorgerückten Zeitpunkt des Lebens sestzulcgen, sondern sic durch die gesamte Erziehung des Kindes vorzuberciten. Beste Mittel, diese sexuelle Erziehung zu pflegen, gibt die Betrachiulig der EntwicklungSvorgäuge im Tier- und Pslauzcnrcich, und da könne» Eltern cbcnsovicl Inn wie die Lehrer der Schule, Es toinint vor allem darauf an, dafür zu sorgen, daß das Kiiid lernt. Natürliches natürlich zu nehmen, uiid ihm den Weg, von Tier und Pflanze zu schließen, nicht zu erschwere». Das erscheint einfach, aber in Wirklichkeit stellt die Ar- bcit vor die Ausgabe, einen Nicsenwall veralteter erzieherischer Grundsätze ans dem Weg zu räumen.
(-esundt-eitspfleqe.
Erkältung und :Modc, Der lieucflc» Mode zollt der bekannte Hygieniker S.-R, Dr, Beerwald, Bcrlin-Altheide, zivar voi» ästhetischen Stanüpllnki Ancrkcnniiiig, er verurteilt sic jedoch vom hygienische», :>Nan sicht nufere Damen heute mit mehr oder weniger llm- faitgrcichcr Pelzbekleidung um dcil Hals und Oberkörper, der Fuß aber steckt in einem dünnen Lackschuh und durch den dünnen Strumpf sieht man die Haut des Beines schimmern, Ter Hals, der reich mit Blutgefäßen versehen ist, hat diese warme Bekleidung nicht nötig, weil er sich nicht leicht erkältet, beim Fuße jedoch ist der Wärmeschutz am geringsten, daher eine scstc Fußbekleidung als einziger Schutz gegen Erkältungen nötig, weil aus den Fuß Regen und Schneegestöber tzianz besonders ihren ivärmcentziehenven Ein- flnß ausilben, Aehnliche Verhältnisse sindcn sich in der Kinder- beklcidnng, Die Jungen tragen dicke Kappen uiid Schals uni den Hals, die Beine sind aber fast in der Ausdehnung des ganzen Unterschenkels ohne jede Bckleiduiig und daher unbarmherzig Wind und Wetter anSgcsctzt. Gewiß hat die Abhärtung ihre Bercch- tiguiig ilitd die Verweichlichung ihre große Gefahren, aber stets muß sich der Körper dem jedesmaligen Klima anpasseu und darf nicht unter Vcrnachlässigiuig der persönlichen Leistungsfähigkeit an den Organismus Forderungen stellen, denen er nicht gcivachscn ist. Wenn man die cifineii Winde im Winter »»d Frühjahr, wenn man Regenschauer und Schneegestöber auf die ungeschützten Beine der in der Entwicklung bcgrissencn Kinder cinwirkcn läßt, so bedciltct dies eine außerordentliche Gefährdung ihrer Gesundheit,
Kür Kaiis ttitb Kof.
Jetzt im Frühjahr haben Weiß-, Wirsing- und Rotkohl durch das laiige Eiukellcru an Wohlgeschmack verloren. Dicnni Ucbcl fattit man leicht abhclfcn, in&cm inan das Gemüse, nach dcni »buchen Abbrühen, in kräftigcr Fleischbrühe auS Maggis Bonillonwürsclu wcichkvcht. Das gleiche gilt für Mohrrüben lGelbruben) und Kohlrüben,


