iVicinberatS wird sie entweder an das Familicnobcrhmipt, die Mutter oder ein anderes Familienmitglied ausgezahlt oder der öffentlichen oder privaten Erziehungsanstalt überwiesen, in der das Kind untergebracht ist. Ferner kann der Ge- meindcrat bestimmen, daß die Unterstützung für die Miete verwandt oder in Natura ausgezahlt wird, um eine mögliche mißbräuchliche Anwendung (z. V. Vertrinken) zu verhindern.
Es ist zu erwarten, daß dieses Gesetz nicht ohne Einfluß auf die Volksvermehrung bleiben wird. Ucbrigens bedeutet es kein absolutes Novum. Schon seither gaben eine Anzahl von Departements an Familien mit mehr als 3 Kindern eine Unterstützung von 10 Francs pro Monat und Kind, und in Paris erhalten Familien mit mehr als 4 Kindern unter 15 Jahren einen vierteljährlichen Zuschuß zur Miete von 24 Francs, wobei für diesen Zweck im ganzen 200CvM jährlich aufgewcndet wurden.
chermg Kinder!
Von G l j e b U s p e n 8 k i.
Äisiin, ein kleiner Staatsbeamter, war soeben vom Friedhof zuriickgckehrt, wo er sein zwei Wochen altes Kind der Erde übergeben hatte. Er ging am und ab im dunkle» Zimmer, das den wenig paffenden Namen Salon liihric und dachte über dies und jenes nach; von Zeit zu Zeit trat er ans Fenster und wischte sich eine Trane, denn der Weihgeruch, der das Zimmer erfüllte, mahnte ihn sehen Augenblick au bas tote Kind. Lag es an dem winterlichen Abend oder an dem Wcihrauchbuft, oder schließlich an seiner traurigen Stimmung infolge der Begräbniszeremonic: Kiskin wurde plötzlich von Gedanken an lein vergangenes Leben überwältigt. Bald kehrte in sein Gedächtnis der fiifjc Augenblick des ersten Avancements zurück, bald der nicht weniger süße Augenblick seiner Verehelichung. Tann versanken diese beiden schönen Augenblicke in den Erinnerungen an die langen Jahre der Not und Sorgen. Vor allem empörte sich seine Seele gegen die llnmöglichkcit, seine Familie zu vergrößern. Tos winzig kleine Gehalt, die vielen Aus° abcn für die bereits bestehende, große Familie sprachen deutlich asür, daß ein weiterer Zuwachs der Familie unmöglich sei, sollten nicht er, seine Frau und seine Kinder dein grenzenlosesten Elend prcisgegeben werden. Dies bedrückte Kiskin ungemein: er war noch jung, liebte seine Frau und seine Familie, und nun sollte er den wärmsten Gefühlen seines Herzens, den einzigen, in denen er sich unabhängig von seinen Amtspflichten fühlte, entsagen. Solche GcSanken kamen ihm schon öfters in den Kops. Seit einigen Jahren pslcgtc er bei den Taufen des einen oder des anderen seiner Kinder zu sagen: „Nun ist dieses das Letzte"! Aber die Gäste zwinkerten ihn> zu und bezweifelten seine Worte im höchsten Grade. Kiskin versicherte, gelobte und schwor, doch ei» Jahr darauf zog er wieder ans, um einen Paten oder eine Patin ausfindig zu machen. Das Gelöbnis, das Kiskin bei dem heutigen Begräbnis und bei der Taufe vor drei Tagen gegeben, saß diesmal besonders sest in ihm.
Genug! Fertig! Wir sind Gott sei Tank zufrieden! — sprach er, auf- und abqchend und sich eine neue Träne aus dcni Auge wischend. Das Geschrei der Kinder, die sich im entlegensten Zimmer hcrninbalgten, die ewigen Streitigkeiten unter ihnen, die Prügel, die sic in der Schule bekamen, in der sic sehr mäßige Fortschritte zeigte», befestigte,, in Kiskin die llcbcrzcngnng, daß die Sache fort- zusctzcn unmöglich sei. Cr erblickt: auch in dem Tod des Neugeborenen eine» sprechenden Wink: so sehr er als Vater das Kind bedauerte, mußte er in dessen Tode eine Vorsehung Gottes erblicke». Ter liebe Herrgott selbst überlegte cs sich, da er sah, daß dem Kinde mir Hunger drohte, und ries cs zu sich.
Nein, genug — sagte Kiskin laut. Er tröstete sich damit, daß auch sein Alter ihm nicht mehr erlaube, die Gattcnpflichtcn sortzn- fetzen. Es ist Zeit, dachte er bei sich, a» Gott zu denken, ihn um Hilfe anzuslehcn, den» er allein konnte nun dem armen Beamte» helfen. Zu diesem Zwecke hatte er ins Grab des Kindes die Rechnung der Begräbniskosten mit hincingclcgt, fest libcrzeugt, daß die zwölf Rubel, die zwei Tritte! seines Monatsgehaltes ansmachten die Aufmerksamkeit des Himmels auf feine Liebe und Opfer für die Kinder lenken würben. Auch würde die siindenlose Seele des verstorbenen Säuglings für ihn. Kiskin, und seine Fran beten und . . .
Vielleicht wirds doch irgendwie gehen! — schloß der Beamte, seufz!: und trat in das andere Zimmer, in dem seine Frau saß.
,Was redetest du dort"? fragte ihn seine Frau und lächelte. Ta spazierte er mutterseelenallein im Zimmer herum und brummte sich etwas in den Bart.
„Nichts besonderes" antwortete er.
Das Lächeln seiner Fran machte einen seltsamen Eindruck auf ihn. Von den Wirtschastssorgcn und der beständigen Not ganz in Anspruch genommen, erhellte selten ein Lächeln das Gesicht se'ncr Fran. Jetzt krampftc sich in ihm das Herz zufamnien von diesem Lächeln, daS ihn nicht inehr freuen durfte. Außer dem Lächeln ivnrde er noch von eine,» anderen Umstand erschreckt: an diese.» Abend sah seine Frau garnicht übel aus, sie war nach ihrer Krankheit ein wenig abgcniagert und sah hübscher aus- als je. Sie trug ein sauberes, reinliches Kleid und zum lieberfluß waren ihre Tchnl- tcrn von üppigen Haaren bedeckt, um die sic mauchc Beamtenfrau bcneidcie. Kiskins Frau war außerdem noch sehr jung. Sic zählte kaum nwhr^gls^echömidMgnzist Jahre, . UiM'Zmderen Umst äichen
konnte dies alles kclnessalls jemanden erschrecken; Kiskin aber er- lchrack darüber ....
Er überwand sich mit großer Mühe und sagte: „Was ich dir sagen wollte, Mascha ... ich denke, wir haben genug miteinander . . . und Gott . .
Kiskin wurde verlegen, sührte das Tascheniuch an die Ns' doch hatte er wohl bemerkt, baß seine verworrenen Worte von der Frau verstanden wurden. Sic errötete und wandte, die Haare kämmend, das Gesicht dem Fenster zu. Sic hatte über dasselbe wie ihr Man» »achgedacht und war zu demselben Schluß wie er gekommen.
„Ja", fuhr Kiskin. fort", wir haben Gott sei Dank . . . Was denkst du darüber?"
„Ich denke cs auch", antwortet« die Fra».
„Nun eben! Und wir wollen zu Eolt beten, baß er uns bci- stcht . . . Anders ists. wenn ich ein« Zulage bekomme. Tann, nun . . . Aber bei uni'eren Schwierigkeiten".
Beide Gatte» seufzten. „Was ist da zu machen", sagte der Manu. „Ja. Und außerdem sollten mir auch ein wenig an unsere Seelen denken . . ."
„Gewiß", fügte die Frau hinzu.
„So . . o! So ist es! Wir sollte» auch unsere Seelen nicht vergessen ... Es liegt nicht alles am Irdischen und Vergänglichen! Und dann, meine Liebe, steht in der Schrift geschrieben: Sorget um eure Seele . . . Also . . . Ich werde im Salon schlafe» und du hier . . "
„Ich hier . .,
„Und ich im Salon".
Tie Fran schwica eine Weile und sagte dann: „So ist cd viel besser". Der Mann seufzt« zur Antwoct. Und seine trübe Gemütsverfassung zu verscheuchen, beschloß Kiskin, das Gespräch auf etwas anderes zu bringen und fragte: „Wie spät inag cs jetzt sein?" Als er hörte, daß Sie Gesängnisnhr schon längst neun geschlagen halte, stellte er eine zweite Frage: „Ist es nicht Zeit, elwas zu sich zu nehmen?" Tann aßen sie schweigend zu Abend, wechselten nur von Zeit zu Zeit einige Worte, hauptsächlich Uber Vorgesctzt» und Ticnstkollegen. Das Gespräch wollte durchaus nicht gehen . . . Sowohl der Mann wie die Frau dachten an etwas anderes und langweilten sich. Kiskin schluckte einige Gläschen Wodka hinunter, aber auch das hob seine Stimmung nicht. Im Gegenteil, er seufzte immer häufiger und tiefer und der einzige Erfolg des leichten Rausches ivar, baß er immer lauter zu sprechen begann. Nach dem Essen erschien die Magb. um die Betten zurecht zu machen. Dieses beunruhigte Kiskin »och mehr als alles bisherige. Währc.'d er zusah, wie die Magd die Kissen anfschüttclte, dachte er schaudernd daran, baß er nicht mehr mit seiner Frau von den Träumen und Visionen sich unterhalten werde, die manche Nacht einen der Gatten heimgcsucht hatten und die dann gemeinsam besprochen wurden: auch fielen ihm andere, harmlose Nichtigkeiten seines ehelichen Lebens ein und er wurde ganz traurig. Doch überwand sich Kiskin auch diesmal und sagte zu der Magd: „Tu, Akulina, Herren mir mein Belt im Salon, auf dem Sofa . . ."
Akulina, die gerade das Bettlaken ausbreitctc, wandte voll Verwunderung ihr Gesicht dem Herrn zu, sah erst ihn, bann die Frau mit scharfem Blick an.
„Ja", fuhr der Beamte fort, verlegen die Augen nicderschlagend, „ja, Aknllimschka, im Salon . . . Was ist zu mache»! In Gotte» Namen! Cs ist Zeit, ninfi an die Seele . . ."
Diese drei zusammenhanglosen Sätze machten Akulina erstaunt.
„Keine Liebe", saatc der ei» wenig berausch:! Beamte, „die bleibt hier. Tn verstehst garnichts, rein garnichts, verstehst du!"
Kiskin machte Halt, er merkte die ganze Kompliziertheit seiner Lage und sagte plötzlich: „Wenn dir gesagt wird, du sollst das Bett im Salon machen, so brauchst du die Frau nicht zu belästigen, verstanden?"
Akulina verstümmle und tat, was ihr gesagt wurde. Aber auch sie seufzte auf.
Endlich war ans dem Sofa in, Talon das Bett fertig gema '. Doch Kiskin zögerte, sich hinzubegcbcn. Er ließ sich aus einer Truhe nieder und wendete sich nachlässig an seine Frau. „So . .o. Mascha! Na, na, was ist zu machen! Der liebe Herrgott scheint uns auf das Endliche aufmerksam zu machen!"
Als seine Frau, enlschlosicn, sich in das neue Leben einznOzgen, ihm fest sagte: „Nun ist es Zeit zum Schlafen", bat Kiski» sie um einen Kuß, wobei er sagte: „Zum letzten Mal! Begreif es doch." Nachdem seine Frau ihn geküßt hatte, konnte Kiskin sie erst recht nicht verlasse», den» er weinte und wischte sich die Tränen aus den Augen. Seine Frau weinte ebenfalls.
„Nun, gcb, geh", sagte sie endlich, sich rasch die Tränen trockncttd.
„Mascha!" sagte der Gatte.
„Es ist Zeit! Cr, acht schon auf zwölf . . . Geh nur! Genug."
Endlich mußte Kislin in seinen neuen Wohnort ziehen. Doch i;i der Türe blieb er wieder liehen. „Was meinst du, sollen wir die Türe schließen oder offen lassen, so"?
Sic beschlossen, die Türe „so" zu lassen. Tat!» wurde eine weitere Frage anfgcrollt: Wäre cs nicht besser, das Sofa der Türe gegenüber zu stellen, io baß es nicht allzu langweilig ist und man zttweil:» auch ein Wort miteinander wechseln kann.
Co wurde beschlossen, das Sofa dcni Wunsche Kiskins cn- sprcchcnd iimzustcllcn. Endlich war nun alles in Ordnung. Einige Äinnlcn herrschte tiescs Schweigen. Beide Galten konnten in der neuen Lage nicht gleich cinschlascn. Doch wollten sie einander die empfundenen Unbequemlichkeiten nicht verraten, stelltet! sich, beide schlafend und schwiegen.
„Mas cha", sprach eiidlich schiichtcrn dex Mann,


