-aS ßllädchen crtift. „Situfi ’m crft’n is's mehr, zum letzt',! weniger .,. jm Fasching zahl'« ma draus ..."
„Warum gerade im Aaschiitg?"
„Wog',, den viel'« Bällen und Redut'u. wo dö Herrn' h,»-
f eugan. Da hab'n i" gnua Mad'l rind Frrm'n zum Amüsier'», da rauch'» s' uns net!" fügte sie aufklnrend hinzu. Der Richter und hie Anwälte sahen sich verständnisvoll an. Die Zuschauer lach!»n. „Und sonst, was verdienen Sir sonst?" fragt« der Richter. „Sunst Hab' i jede Nacht so bei zehn bis suszehn Herr'«," sagte das Mädchen mit einer harmlosen Miene.
„Zehn bis fünfzehn Herren," wiederholte der Richter erstaunt. „Dös war' traurig, wann f kan« zehn Herr n net halt'," bemerkte Herr Zimmert, mit der überlegenen Miene eines Sachverständigen, der Laien Fachkounlniss« vermittelt. „Sunst knunt s' ja net leb'«."
Ein Schänder ging durch den Saal, als cZ offenbar ward, dass flch dieses zarte Geschöpf mindestens zehnmal in einer Rächt prris- gcben muhte, um das Leben zu fristen. Die Männer lächelteti verlegen. Die Kranen sahen sich bestürzt an.
„Werden zum Beweis-verfahren noch Anträge gestellt?" fragte der Richter nach einer Panse.
Die Anwälte verneinten.
„Dann bitte ich um die Schlusivorträge.
Ein junger Mann zur rechte» Seile des Richters, der die ganze Jett teilnahmslos dagescsien war, erhob sich plötzlich und beantragte die Bestrafung beider Angeklagten weg.» Raushandels. Erst jetzt erfuhr das Publikum, daß dieser Man«, der sich so unerivartet bemerkbar machte, auch zu den Akteuren dieses DrauiaS gehörte. Es ivar der staatsanwaltschaftlschc Funktionär, der in seiner stummen Rolle die Staatsgewalt verkörperte.
Run nahm der alt« Advokat das Wort. Cr nannte das Mädchen «lue raffiniert« Buhlerin, die einen ehrbaren Bürger in ihre Netze gelockt und mit einem gesährlichen Werkzeug osscnbar zu dem Zwecke ang.'grissen hatte, um ihn zu betäuben und zu berauben. Kn der Chronik jener verrufen«» Gasten, sagte er mit anschwellcndcr Stimme, seien derartig« Geivalttaten an der Tagesordnung. Nur einem glücklichen Zufall habe es sein Mandant zu verdanken, daß er diesem furchtbaren Auichiag entronnen sei. S.'inc Sachdarstellung stimme mit den objektiven BeweiSergebnisten vollkommen iiberei», die der Angeklagte» trage das Brandmal der Lüge an der Sliv». „So Eine" verdiene überhaupt keinen Glauben. Der Versuch der Verteidigung, aus gewist:» Schioellnngen und Hautrötungen der Angeklagten, die ofsenbar di« Tpinplome einer Berufskrankheit seien, ein« Nottvchr abznleiten, sei kläglich geschciiert. Er bitte also, seinen Mandanten, der ein Ehrenmann sei, frelzusprechen und die Angeklagte, die schon durch ihr Gewerbe genügend gekennzeichnet sei, zu einer empfindlichen A, reststrafe zu verurteilen. Er liest sich nieder mit einem triumphierende« Blicke gegen das Pnblilum, das durch ein beifälliges Gemurmel .zu erkenne» gab, dast es sich mit ihn> eines Sinnes fühle.
Der junge Verteidiger, der jetzt an die Reihe kam, holt« sehr ivcit aus. Er entwarf ein Bild vom Lebe» jener Verlornen, das sick vom Hintergrund einer bürgerlichen Welt in düsten, Karben abhob. Not und Uiiwistcnheit und das Ehaos einer GesellschastS- ordnnug, in der niemand aus seinem Platze stet!«, wirken zusainmeu, um täglich »ad stündlich Hekatombe« von Krauenleibern dem un- crsätttiche» ?Noloch der Gcschlcchtsgicr zum Fratze hinzuwersen. Aber für di« Sunipspslanzrii sei mir der Sumpj verantwortlich. Wer zweifle daran, dast dieses gutmütig« und reizvolle Geschöpf in etnem anderen Milien, bei enttprechcicher Erziehung das Entzücken einer Welt hatte ivcrden können, die es heute wie eine Pest von sich abschüttie! Ein anderer Zufall der Geburt, ein« andere Wirtschaft rind andere Einfliiste — und dieses Mädchen, an dem jede Rocht füliszchn Männer ihre Brunst löschen, wäre ein entzückender Backfisch geworden, mit einem banmelnden Blondkopf im Nacken, der Musikmappe unter dem Arm, dem Storchmürchen in, keusche» Gemüt und all dem anderen Klimbim, womit die bürgerliche Welt ihre jungen Mädchen ansstattet, um sic für Erwerbsmaschinen mit Schmerbänche» begehrenswert zu machen. Aber dieses unglückliche Kind habe eine Schmutzwellc des Lebens an jene Ufer getragen, wo das Laster zu Haufe und die Tugend nur zu Gaste seien. Ein solcher Gast aus den Gcstldcn der Tng.nid sei dieser fette Spießbürger gewesen, der den traurigen Mut hatte, diese Aennste der Armen um ihren Lohn zu prellen, und dann noch di« Roheit ansbrachte, den Leib, a» den, er soeben seine Lust ausgetobt, mit Kusttritte» zu bearbeiten. Mag das Gesetz einem Schandlohn die Klagbarkeit versagen, gegcuüber einer Schandlat werde es hvilcittiich seine Schuldigkeit tun. Was sie ihm zugcfiigt, sei, menschlich betrachtet, eine ver- bieulc Züchtigung, juristisch beurteilt, ein Akt der Rotlvehr. Durch Zeugen seien seine Angaben widerlegt, dast sic sich der Schaufel bedient habe. Habe er in diesem entscheidenden Punkte nachgcwiesencr- inasten gelogen, so verdiene er auch in andcrcu Punkten keine» Glauben. Dagegen weise die Darstellung des Mädchens alle Merkmale der Wahrheit ans. Auch „So Eine" habe Anspruch aus Gerechtigkeit. Er bitte um ihren Freispruch.
Run war das Publik»,» plötzlich überzeugt, dast der Verteidiger im Rechte sei, und wurde für seine Sache ganz warm. Rur der Richter blieb kühl. Er hatte nicht einmal recht zugehvrt. Er hörte den Anivalten immer nur mit einem Ohre zu. Die waren ja mir dazu da, um das Recht zu verdrehe» und schöne Worte zu machen. Aber was verniochten die Worte, wo cs aus Beweise ankam? Die Gemeinheit und Niedertracht einer ganzen volkreiche» Stabt floh aus laufend und abertausend Rinnsalen des Lebens tu diese», Am,me zusammen — n?» fand er die Zeit, wo war cz überhaupt
möglich, all ihren Quellen bis ans den Grund zu gehen und mit peinlicher Genauigkeit ihre Grenzen abznftccken? Was sich in jener Nacht im Dunst einer Bordrllstube zugetragen hatte — wer konnte bas wissen? Aber hier stand ein ehrbarer Bürger und da ei» käufliches Mädchen. Sprachen die Menschen nicht, so redeten di« Klassen. Er ivar nicht dazu eingesetzt, moralische Werte zu zerstöre«, die die Gesellschaft geheiligt hatte. Ob mit Recht oder Un- rccht. bas zu beurteilen war nicht seine Sach«. Er liebt« nicht die parndoren Urteile. lind da das Recht mm einmal gesprochen werden luustte, so suchte er es nicht !m Himmel, sondern auf Erde», lind so erhob er sich und sprach zu Recht: Marie Prokop sei schuldig der Uebertretmtg der leichten körperlichen Beschädigung und werde unter Anwendung des außerordentlichen Milder,ingsrechtes zu einer Arreststrafe in der Dauer von drei Tagen verurteilt. Franz Högelmülter iverde von der gegen ihn erhobenen Anklag« sreige- splochen. Zu der Begründung wies der Richter darauf hi», dast durch das Geständnis der Angeklagte» erwiese» sei, dast sie den Franz Högclmülker versetzt habe. Ei« Beiveis dafür, dast sie in Notwehr gehandelt habe, sei mcht erbracht.
„Gegen das Urteil steht Ihnen das Rechtsmittel der Berufung zu," schlost der Richtcr. „Nehmen Sie di« Strafe an?" Das Mädchen ivkildete sich mit einem hilflos fragenden Blick an den Verteidiger.
„Wenn Sie berufen, wirft der Staatsanwalt wegen des geringen Strasansmastes berufen," bemerkte der Richter. Es war dies die übliche Art, Verurteilten den Weg zur zweiten Instanz bedenklich zu machen.
„So nehmen Sie an," riet ihr der Verteidiger, der auf eine höhere Strafe gefaßt war.
„Also, wann treten Sie die Strafe an?" fragt« der Richter.
„Fm Fasching, wann i bitten darf . . . Da Hab' i mehr Zeit," fügte sie schüchtern hinzu.
Das Publikum grinste, die Anwälte lächelten, nur der Richter bewahrte den Ernst und bewilligt« den erbetenen Strafausschub.
■ (Wiener Arbeiter-Zeitung,)
Aus Welt und Leven.
Der Angcnsport in den Schulen. Das mangelhafte Sehvermögen sehr vieler Stadtkinder rührt nicht allein van angeborener, sondern auch von erworbener Kurzsichtigkeit her, cs wird in seiner Entwicklung durch die Ilmgcbniig behindert, da cs nur selten ans eine» weiter cntftrnt liegende» Punkt gerichtet wird. Somit ergibt sich als ganz natürliche Folge, daß das Auge des Großstädters einen verhältnismäßig ilcincn Gesichtskreis hat, weil cs eben nicht erzogen ist, in die Ferne zu scheu. Hanptmau» von Ziegler wünscht daher, daß bestimmte Maßnahmen seitens der Schule zur Forderung des Sehvermögens getroffen werde», ohne den Unterricht wesentlich zu stören. Mit Rücksicht darauf, daß von den Schulen Ausflüge »nü Wanderungen nur jn beschränktem Maße ankgcsilhrt werden können, genügt diese Gelegenheit zur Schulung des Auges nicht, fragliche Ucbungc» ließen sich aber sehr ivohl dem Zeichenunterricht in, Gelände und den Jugcitdspiclei, auglicder». Dieser Vorschlag könnte, ohne de» Stundenplan zn stören, ausgeführt werde», wenn tm Sommerhalbjahr ein Nachmittag in der Woche für den Zeichenunterricht im Gelände sowie für Leibesübungen außerhalb der Turnhalle festgesetzt würde. Der Lehrer läßt sich von dem Schüler beschreiben, was er im Gelände sieht, bald ivird eine größere Sicherheit und Gewandtheit im Beobachten bemerkt werden. Ten Schülern mit schwachen Augen muß eine besondere Sorgfalt gcioidniet ivcrden. Die Ucbnngen zer- sallcn in Sehübiingen ans weitere Entscrnnngc», Ucbnngen tm Fördern des Angeninastes und Entfernungsschätzen. Jn erzieherischer Hinsicht haben derartige Ucbnngen de» Vorzug, daß die inaiinigfachstcn Gesichtspunkte in Erwägung gezogen werden müssen, denn brlanntlich wird das Abschätzc» beeinflußt durch die Bcleuchtnng, durch das Wasser, durch den Stand der Tonne »sw.
Kür KnttS und Hof.
Der Lehrmeister im Garte» und Meintlerhos fVerlag Hach- mclsler u. Thal. Leipzig). Inhalt der Nr. 10: lieber Levkoje» und ihre Verwendung, Von G. Müller, Fllrstl. Obcrgärtner. M. Abb.
— Mittel zum Schutze des ausgehende» Samens, Von I. Pelz. Mein Familie,igaric». Von Friedrich Fischer. M Abb. — Wie und in welchen Mengen dünge ich im Frühjahr künstlich und was ,st dabei zu bcachlc»? Bon E, Tchoppach. — Zur Obslbanmpflcgc. Von F. I, Böttcher. — Vom Stallmist im Garten. Von Joh, Schneider. M. Slbb. — Bepflanz, Me Drahtzäune mit Brombeeren! Von E. Ra». — Wie entfernt ma» alte Farben von Gartcnmöbcl»? Von Nicola Gotthard. — Tie Höckcrgans. Bo» Gustav Boas. M. Abb. — lieber einige Stubcuvogclkrankhciten. Von I. Roscnbcrg. ?.,ein Kuiestock. Von Ad. Westl-anscr. M. Abb. — Dle Tragikomödie in der Familie Seidenspinner lSchlust). Plauderei uv» Mar Ncntlvich. —- Arbcitskalcuder sür März — Meinungsaustausch — Klcinttcrarzt
— Fragckastc» — Feuilleton: Da« Geheimnis de» Rechtsanwalts. Roman von John K. Lc»S (Fortsetzung.) — BcreinSnachnchtcn — 9(„8 der Geschäftswelt — Geschäsiltche Mitteilungen,^


