Ausgabe 
13.3.1914
 
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Es waren ferner Arbeiter, Tagelöhner ohne Angabe eines be­stimmte» ErwerbszweigeS: 62, barunter 21 Angehörige, Dienst­boten für häusliche: 122 (10 Angehörige), öffentlicher und Hosdienst, sogenannte freie Beruf«: 26 (5 Angehörige), ohne Beruf und ohne verufsangabe: 84 (6 Angehörige).

Unter den Abtretbende» waren nach dem Religionsbekenntnis: 688 evangelisch, 335 katholisch, 6 jüdisch. (Religionslose, Dissidenten, und dergleichen waren im Jahre 1811 weder unter den wegen SindesniordeS »och unter den wegen Abtreibung Vernrtcilten!)

(Fortsetzung folgt.)

Aas Krattenstinlmrecht ein soziales Hiecht.

Lange bevor von einer eigentlichen Frauenbewegung mit bestimmtem Ziel die Rede sein konnte, haben großherzige Zukunftsdenker unter den Vorkämpfern des Bürgertums und geniale Frauen der verschiedenen Revolutionsepochen, die von einem glühenden Freiheitsdrang erfüllt waren, die Forderung der politischen Gleichberechtigung des Weibes mit großem Geschick und starker Energie vertreten.

Es sei erinnert an Olympe de Gonges, die während der französischen Revolution der Erklärung der Menschenrechte, die nur Männerrechte waren, kühn die Erklärung der Frauenrcchte gegenüberstellte; es sei hingewiesen aus Mary Wollstonekraft, die Engländerin, die 1792 in einem Werke voll leidenschaftlichen Feuers die Rechte der Frau forderte.

Unter den frühen männlichen Vorkämpfern für Frauen­rechte nennen wir den genialen Utopisten Charles Fourier und seinen Schüler, den französischen Philosophen Condorcet, für Deutschland den KönigSberger Oberbürgermeister Th. v. Hippel.

Alle diese Verfechter sozialer Gerechtigkeit für beide Ge­schlechter haben ihre Forderung rein ideologisch begründet, sie reklamiert als ein Natnrrccht, das mit jedem Mensche» ge­boren wird.

Man höre, mit welchen Worten Olympe de GongeS ihre Erklärung der Frauenrechte einleitet:Die Mütter, Töchtex und Schwestern, die Vertreterinnen der Nation sind . . . haben beschlossen, in einer feierlichen Erklärung die natür­lichen, unantastbaren und heiligen Rechte der Frauen dar­zulegen." Und an einer anderen Stelle:Die Frau ist frei geboren und an Rechten dem Manne gleich." Heute hat die wirtschaftliche Entwicklung, haben die gewandelten Pro­duktionsverhältnisse der ideellen Begründung eine wuchtige materielle beigegebe». Sehen wir zu, worin diese materielle Begründung besteht. Eine Seite der geänderten Pro­duktionsverhältnisse besteht in der Wandlung der Arbeit und der Stellung der Fra».

Die kapitalistische Ordnung der Dinge machte auS der für den Familienbedarf produktiv Tätigen die warenschaffende Lohnarbeitcrin. Aus der von der Familie Abhängigen die Selbständige, die vom Ertrag ihrer Erwcrbsarbeit lebt. Die Ergebnisse der Berufs- und Gewerbezählung vom Jahre 1907 künden uns, wie weit diese Wandlung heute schon voll­zogen ist; nach ihr hatten wir 1907 in Deutschland bereits 9 492 881 Frauen und Mädchen, die auf den verschiedensten Gebieten der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft, die in den verschiedenenliberalen" Gebieten, desgleichen in Kunst und Wissenschaft im Dienste der Gesellschaft schafften.

Diese Zahlen beweisen, in wie hohem Maße die weiblichen Arbeiter zu eineni unentbehrlichen Faktor im gesellschaft­lichen Arbeitsprozeß geworden sind.

Damit ist auch der Anspruch der Frau auf politische Gleichberechtigung vollauf begründet; ihre ökonomischen Leistungen geben ihr ein Recht auf Gleichstellung mit dem Manne. Hinzu kommt, daß die unaufhaltsam fortschreitende Entwicklung gesellschaftliche Verhältnisse schuf, in denen das Wahlrecht sür die Frauen zu einer unentbehrlichen Waffe, zu einer sozialen Notwendigkeit ivird. Erklärlich genug: in­folge der Ausweitung des gesellschaftlichen Lebens, der Schaffung und Verniehrung sozialer Aufgaben für den Staat und der veränderten Stellung der Frau in der Gesellschaft, wird das Interesse dcS weiblichen Geschlechts durch unendlich viele Fäden verknüpft mit der Politik, mit all ihren Maß­nahmen und Einrichtungen. Einfluß zu gewinnen auf all dar politische Leben, wird zur zwingenden Notwendigkeit für die Frau. Das objektive Recht der Frau ist denn auch seit lgngegi ju «Mp subjektiven Forderu ng geworden. Wie

könnte es auch anders sein! Die Wandlung in der Arbeit und der Stellung der Frau hat naturgemäß auch eine Wand­lung in ihren Anschauungen, ihrem Denken, Wollen und Streben gebracht. Die Welt ist dasHaus der Frau" ge­worden, deren Lebenskreis sich stark erweitert hat.

Befreit von der starken Bindung durch das Hein,, eine Bindung, die gegeben war, solange die Familie die wichtigsten Funktionen zur Erhaltung des Lebens ihrer Glieder selbst leistete, kommt die Frau nun erst zum Bewußtsein ihrer Kräfte und Talente, deren Entfaltung und Betätigung jetzt mehr oder minder, draußen in der großen sozialen Gemein­schaft, im Wettbewerb mit vielen sich vollzieht. Die Not­wendigkeit des Besitzes politischer Rechte tritt um so klarer in das Bewußtsein der Frau, je mehr sie in der Schule des Lebens die Erfahrung niacht, daß überall, im Guten wie iin Bösen, die Politik in ihr Leben eingreift. Nunmehr erkennt sie im Wahlrecht die wertvolle Waffe, deren sie bedarf, um selbständig ihre Interessen gegen eine Welt dräuender Feinde verteidigen zu können.

Die Erkenntnis, daß die Frau die höchsten Staats- bürgerrcchte zu beanspruchen hat, ja daß sie sie besitzen mutz, löst das kraftvolle Wollen aus, für die Eroberung dieser Rechte mit leidenschaftlicher Hingabe, mit Energie und Aus­dauer zu kämpfen.

Daiuit wird die Forderung des Frauenwahlrechts in zn- nehmcndcm Maße der Ausdruck des Massenwillcns, und ihre Erfüllung rückt näher und näher. Unser Frauentag wird Zeugnis oblegen, wie weit die Erkenntnis, daß der Besitz des Frauenwahlrechts eine soziale Notwendigkeit ist, bereits die Massen erfaßt hat.

So Eine.

Von Michael Feuerstein.

(Schluß.!

Machen Ti« mir hier keine Reklame für Ihr Haus," siel der Richter ein.Also . . ."

Alfer, wia i so schrei'» hör', denk' a ma, gehst halt cini di« Tür war zuag'spirrt; i klaps', endli geht s' aus und da schau t halt, wia ziva ras'» warum ( g'rast hab'n, was, l »et . . ."

Hat die Mrzzt die Kohlen schau fei tu der Hand gehabt?" fragte der Verteidiger.

Ra, is am Of'n g'leg'u . . . und war trnck'» ... I Hab' nachg'schaut, da Wachmann, der glei kmnma is, hat p o g'seg ii! . ."

Der Richter gähnte. Dieser Tatsachenkehricht, in dem er herum­wühlen mußte, um irgendein Recht" zu finden. stank ihm bereits in die Nase und legte sich lähmend auf sei» Gehirn.

Eine Frage?" wendete er sich teilnahmslos an di« beiden An­wälte.

Ich bitte, Herr Asuge," sagte der Verteidiger,wieviel zahlt Ihnen di« Mizzi fürs Zimmer?"

Zehn Kranl'n per Nacht, Herr Dokta," erwiderte Herr Zinnnerl. Mad'ln vom Tag zahl'» nur achte," sllgte er mit dein Behagen eines Geschäftsmannes hinzu, der mit seinem Ertrag zufrieden ist.

Hat sie noch sonst ivelche Auslagen?"

A frcili . . . d' Wasch . . . d' Frisör!», da Dokta, dann Bsinnan, d' Maschcrln und so and're Sach'u . .

Wie viel macht das alles?"

Na iveugst' dreiß'g Kraul d' Woch'n . . "

Das macht also mit der Miete ungefähr siinfzehn Kronen pe» Nacht. . ."

Ja, a so ivaS . . ."

Und wie viel verdienen Sie in einer Nacht," wendete sich de» Verteidiger a» das Mädchen."

Wozu diese Frage. Herr Doktor, fiel der Richter ein.

Einerseits, um darzutnn," sagte der Verteidiger mit einer ausladenden Geste,daß di« Entlohnung mit zwei Kronen, di« dieser Ehrenmann meiner Mandantin sür eine «inftürrdige Inan­spruchnahme geboten hat, nicht einmal hinreicht, um ihre Spesen für diese Zeit zu decken, andererseits, uni «ine tatsächliche Grund­lage für die Berechnung des Verdiensteutganges zu siudeu, die sie siir bi« Zeit ihrer Ertrank»,ig den: Gegner gegenüber geltend niacht . . ."

Ich spreche mich ganz entschieden gegen di« Zulasiuiig dieser Frage an?," entgegnet« der andere Anwalt,die lediglich de>i Zweck hat, eilte Basis für einen Anspruch zu schassen, dem das Gesetz di« Ktagbarkeit versagt. ES handelt sich um eine» contra bonos mores verstoßenden Schaudlohn undSo Eine" hat Pent Recht . . ."

AuchSo Eine" hat ein Recht." fiel der Verteidiger «in.

Ter Richter unterbrach das Geplänkel und entschied, daß er die Frag« zulasse. Er tat dies, nicht weil er die Auffassung des Verteidiger teiWie, sondern, weil er selbst Interest« bekaui, tu die Wirtschaft dieser Klasse voti Mädchen einen Blick zu werfen.Also, wie viel verdienen Sie?"

DöS jgjjrt i mina gleich. Herr faijgyli c^cy irivi&SJtfJ