5er prozessualen Oekonomie die Verhandlungen ln beiden Sachen zu verbinden . . ."
Der Richter gab dem Antrag statt. In der nun verlesenen Anzeige wurde der Sachverhalt so davgestellt, ivie ihn das Mädchen geschildert I>arte. D<is ärztliche Zeugnis, das der Anzeige beilag, konstatierte eine streisenlörmige, vier Zentimeter lange und zwei Zentimeter breite Schwellung und Hautrötung am Uitterleib.
„War die Verletzung mit einer Berufsstörung verbunden?" fragte der Richter in der gewohnten Weise, ohite sich dabei etwas K« denken.
Tie Zuhörer schlitlelien sich. Sie waren Im höchsten Grade angeregt.
„Ich bitte um Ruhe," mahnte der Richter. Piötzlich ging ihm der besonder« Sinn feiircx Frage auf und er hatte Mähe, die Würde zu bewahren.
Das Mädchen behauptete, sechs Tage das Beit gehütet zu haben.
„Das bedeutet doch für diese Dame keine Bernfsstörrmch" warf der alte Advokat ein. „Das bezetchnete Möbelstück bildet ja gerade ihre Betriebsstätte."
Das Publikum wieherte.
Den Verteidiger machte der Erfolg seines Gegners nervös. Der Augenblick erheischte eine treffende Antivort, aber es fiel ihm nichts ein.
„Ich bitte, de» Anstand zu ivahreit," sagte der Richter scharf, ohne auszublicken. Man wußte nicht, ob diese Ermahnung Lei» Publikum oder dem witzige» Anwalt galt.
„Sie haben die Anzeige gehört." wendete sich der Richter an Herrn Högelmüller. „Was haben Sie daraus zu erwidern?"
Herr Högelmüller hatte daraus z» erwidern, dast alles, was das Mädchen ansgesagt hatte, erlogen sei, dagegen das, was er bet der Pokizet angegeben hatte, wahr sei. Er sei aus seinem ehrbaren Wege vom Stammlokal in die Wohnung zufällig in jene verrufene Gasse geraten, von der Dirne ins Ha«S gelockt, ausgebentet und ohne jeden Grund mtsthandelt worden. Er selbst habe nicht das geringste getan.
„Womit hat Ihnen die Beschuldigte die Verletzung zugefügt?" fragte der Richter.
„Mit einer Kohlenschaufel."
„Döz is net wahr," siel das Mädchen ein.
„Schweigen Sie jetzt!" herrschte sie der Richter an, und zum anderen gewendet, sagte er: „Die Beschuldigte behauptet, dast sie sich mir der nötigen Verteidigung bedient habe, um einen rechtswidrigen Angriff aus ihr Leben abzuivehre» — was sagen Sie dazu?"
Herr Högelmüller verstand nicht recht,
„Sie behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben," half sein Anwalt nach.
„Keine Idee!"
„Wie erklären sie sich, Herr Högelmüller, die Verletzung des Mädchens an der kritischen Stelle," fragte der Verteidiger, indeni er, uni die Wichtigkeit der Frage zu betonen, jedes Wort bedeutungs- voll abwog.
„Aas geht mich ihre kritische Stelle an," erwiderte Högelmüller mit eiuer halben Wendung zum Publikum, das ihm beijällia zulachte. „Sie wird schon wissen, wovon ste's hat . . ."
Ter Verteidiger setzte eine Miene auf, als ob es ihm gelungen wäre, durch eine geschickte Frage den Gegner gründlich hinein- znlegen, und sagte ironisch: „Ich danke, Herr Högelmüller."
„Ter Zeug« Zimmerl soll hereiukomiuen," ordnete der Richter an.
Eine breite, unförmige Masse schob sich in den Saal.
„Sie heißen?"
„Peter Zimmerl!"
„Beruf?"
„Wirt!"
„Sie meinen wohl Bordellivirt?"
„I bitt' schön, Herr kaiserlicher Rat, i zahl' ehrlich meine Steuern," sagte Herr Zimmers gekränkt.
„Das interessiert mich nicht," herrschte ihn der Richter an. „Sie werden hier als Zeug« vernommen . . . Sie müssen die Wahrheit sagen . , . Eine iimvahre Auslage ist ntcht nur eine Sünde, sondern auch ei» Verbreche», dgS mit Kerker bis zwanzig Jahren . . ."
„I kenn' dö Paragraph' eh," unterbrach ihn Herr Zimmerl.
„Sckiweigen Sie, wenn ich rede . . . mit Kerker bis zu zwanzig Jahren bestraft wird . . . Auf di« Beeidigung ivirb wohl verzichtet?"
Die beiden Anwälte nickten zusttmmend,
„Sie leisten einen Handschlag, dast Sie die Wahrheit sagen werden," suhr der Richter in seiner Formel fort, indem er die rechte Hand Herrn Zimmerl entgegenhielt, die dieser ehrfurchtsvoll er- sastie und kräftig schütteiie. Er nahm die Handreichung als ein Zeichen besonderer Achtung auf. „Also erzählen Sie, was Sie wissen," sagte der Richter, s
„I wast nur dös ane, dast s' g'rast hab'n; imuiim i’ g'rast hab'n, >vast i net . . ."
„Erzählen Sie etwas aussührlicher . . "
„Aller, l sitz' in mein’ Zimmer und ranck' mein' Pseis'n, da hör' i daneb'n bei da Mizzl a Gschra. I hurch' und denk tun, was iS denn dös? D' Mizzl is a brav's Mad'l, zu ihr kuunuau d' feinst'» Herr'» , , , in mein' Hans geht's überhaupt anständi zua . , ." iSchlnst folgt.)
Aus Wett und Leben.
Die Kinderarbeit In Baden, Nach de», Bericht der Gewerbe-
inspektton ist im verflossenen Jahre in Baden eine nicht unbeträcht- liche Zunahme der Kinderarbeit zu verzeichne». Die Zahl der allerdings in der Hauptsache mit Anslrägerdiensien aller Art beschäftigten Schulkinder ist von 3192 im Jahre 1909 auf 4818 im Jahre 1912 und 5071 im Jahre 1913 gestiegen, 38,52 Prozent von diese» Kindern sind mit Zeitungstragen beschäftigt. Von de» sechs größten Städten des Landes steht Karlsruhe mit 19,56 Prozent aller gewerblich beschäftigten schnipslichtigen Kinder» au erster Stelle. Gezählt sind hier 661 solcher Kinder gegen 377 in Mannheim, 319 in Pforzheim, 268 iit Heidelberg, 158 in Frciburg und 63 in Konstanz.
Das anderen Städte» gegenüber immerhin günstige Verhältnis, das Mannheim als Grost- und Industriestadt aufweist, ist nicht zum geringen Teil der Äsrigen Tätigkeit der sozialdemokratischen Kinderschutzkommisston zuznschieben, wie die Gewerbeinspektion vor Jahresfrist ausdrücklich hervorhob. In letztjährige», Bericht lobt sie in dieser Hinsicht auch die Tätigkeit der Volksschulbehörde auf dieseni Gebiet, die nicht nur für ihre Pflegebefohlenen die Gesetzmäßigkeit, sondern auch die Zweckmäßigkeit der Beschäftigung prüft. Unter diesem Einfluß sind erfreulicherweise die durch die Schulverzeichnisse ermittelten Zuwiderhandlungen ivesentlich gesunken.
Himmelschreiend dagegen ist die Feststellung der Gewerbe- inspektio», daß in'einigen Landgemeinden Schulkinder mit Steineklopfen beschäftigt werde». In abgelegenen Gemeinden ist diese Beschäftigung sogar eine ortsübliche für Kinder verarmter Eltern. Tie Regierung sah sich dieserhalb genötigt, wiederholt gegen diesen Unfug einznschreiteu »nd aus das Verbot dieser Kinderarbeit hinzuweise». Die Lieferanten von Schotiermaterial an die Gemeinden müsse» nunmehr unterschriftttch erklären, daß sie Kinder nicht mehr beschäftigen.
chesltttdbeitspM'ge.
Ein Ricchmittel gegen Jahn- und Ohrenschmerzeil. Wenn ein von Zahnschmerzen infolge Zahnfrast geguälter Mensch an einem Fläschchen mit ätherischein Senföl riecht, so tritt ein« starke Reizung auf, bestehend in Rötung des Gesichtes, Tränenslust, Atmungssttll- stand, austerdeni tritt aber, wie Negimentsarzt Dr. Schwarz in Gravosa in der Münch, med. Woch. berichtet, als sehr erfreuliche Reaktion vollkolnnien«s Aushöre,, jeden Schmerzgefühls ans, der Zahnschmerz hat aufgehört, Di« Enipsindnng ist die, als wenn der Schmerz weggeblasen wäre. Di« Dauer der schmerzstillenden Wirkung beträgt meistens mehrere Stunden. Stuf Grund anatomischer Ueberlegungen kam Tr. Schwarz zur Ueberzengung, dast das Mittel auch bei den ineist sebr heftigen Schmerzen infolge akuter Mittelohrentzündung schinerzstillend wirken müsse. Taisächiich sowohl bei Mittelohrkatarrh ivi« bei Furunkel» im Ohr, ebenso auch bei Migräne, die ihren Sitz in der harte» Hirnhaut hat, wird ein voller Erfolg erzielt. Operationen, die sich sofort an die Einatmung anschliesten, ivie die Durchstechung des Trommelssells oder Zahnziehen, verlaufen entiveder schnierzlos oder mit geringeren Schmerzen als sonst. Das Mittel ivnrde in eitva 69 Fällen bei Erwachsenen angewendet, ohne daß das geriiigste bei der Ann>endn>igs- weise, die in einem einmaligen, nur eineu Moment dauernde» Zn- riechen besteht, w.rhrgenommeu wurde. Mit Rücksicht ans die ätzenden Eigenschasteii des Sensöls ist zu vermeiden, daß etwa Tröpfchen des Oeles aus die Haut oder gar Schleimhaut verspritzt werden. Man soll nur Fläschchen gebrauchen, die 5 Gramm Oel enthalten. Das Mittel scheint sich auch bei ,'onstigen Ohrbeschwerden, ivie z. B. beim Ohrensausen, zu bewähren.
Kür Kaus und Kof.
Der Lehrmeister im Garte» »nd Kleintierhos. (Verlag Hach- meister u. Tlurl, Leipzig.) Inhalt der Rr. 8: Zur Treiberei der Maiblume, Von Wilhelm Berniuger. M. Abb. — Die oimmi« z>>presse (Taxodiuni distichum). Von R. Müller, Gotha. M. Abb.
— Obstbau an Böschungen und Eisenbahndämmen, Von Gartentechniker Jos. Alfred Kieuhonz-Langsur. M. Abb, — Feinde deS Apf-IwicklerS. Von Alex. Reichert, M. Abb. — Erdbeeren im Zimmer. Von W. Braun. — Von der Brunuenkresse. Von Joy. Tonner M. Abb. — Gartendüngung in der Stadt. Von L. Schoppach.
— Zehn Ziegeln ,'iir die Behandlung der Spargelbeete. Von Paul Kaiser. — Erprobte Fütterung der Kücken bei künstlicher Aufzucht. Von H. R. Rengast. — Zwerg-Koschin. Von Johanne« Thumm. M. Abb — Ter Hanben-Rorwich Kanarie. Von I. Rotenberg. M. Abb. — Wert der Schweiuehaitnug im Kleinen. Von Dr. Kunath. — Mein Bienenstand. Von E. Goetz-Olbernhan. M. .Ivo.
— Kleinere Mitteilungen — HanSwirtschast — MeinnugSausiauta,
— Kleintierarzt — Fragekaste» — Feuitteion: RaberiS erste Liebe. Eine lustige Geschichte von HanS Arnold. (Schluß) —
nis des Rechtsanwalt«. Roman von John K. Leus. — Auestellniigo- kalender — tztusstellungsnachrtchten — Unterrichtswesen — .Ins der Geschäftswelt — Liteixitnr — Patentliste.


