Dritte deutsche Konferenz zur Förderung von Aröeiterinnen-Inlereffen.
Der ständig« Ausschuß zur Förderung der Arbeitcrinnen- Fnteresien hatte für den 19., 20. und 21. Februar eine Konferenz «inberufen, die im Berliner Architektenhaus abgehalten wurde. Die Vorsitzende, Frl. Margarethe Friedenthal, eröffnctc die Verhandlungen mit dem Hinweis, daß 3 Gruppen von Arbeiterinnen bei der diesmaligen Tagung in Betracht gezogen würden, die Jndustric- arbeiterin, die Heimarbeiterin und die Landarbeiterin. Mit der großen Enquete über „Arbeits- utid Lebensverhältniffe der Frauen in der Landwirtschaft", die der ständige Ausschuß resp. das außerordentliche Komitee, unter Assistenz verschiedener Professoren, vieler Männer und Frauen der verschiedensten Stände und Berufe, veranlaßt habe, solle auf Grund wisfenschaftlichcr Erkenntnis das Problem der F r a u e n f r a g e aus d e m Lande seiner Klärung uitd Lösung näher gebracht werden, insbesondere sei auch das Gebiet der sogenannten „Landflucht" dabei ins Auge gefaßt worden.
lieber die Ergebnisse der Enquete, deren Tatsachenmaterial als Sammelwerk, bearbeitet von 12 sehr verschiedenartigen Verfassern, ivie beispielsweise Elli, zu Putlitz und Rosa Kemps, veröffentlicht werden soll, wird nach Erscheinen des Werkes zu reden sein. Aber die Gcncralberichte über diese Enquete, die auf der Konferenz von Profeflor Auhagen und Gertrud Dnhrensurth erstattet wurden, gaben schon einen herrlichen Ausblick ans diese bürgerliche Ideenwelt. Besonders der Professor Auhagen, der anstatt das eigentliche Material zu behandeln, in hochkonservativcm Fahrwasser angesegelt kam, und sich dadurch sogar, man bettle, das Mißfallen des Börsen- kuricrs erwarb, entfaltete in Worten und Leitsätzen «ine ganz unglaubliche „W i s s e »s ch a s t l! ch k e i t". Von deni Grundsatz ausgehend, daß alle soziale Fiirsorgegesetzgebung wie Arbeitslosenvcr sicherung usw., nur die Landslucht fördere, daß auch Erhöhung der Löhne, bessere Wohnungsbedingungen, bessere Kost, Aufteilung des Grundbesitzes, nicht ausreichend sein würden, die Abwanberndeu zurückzuhalten, glatibte er in der „geistig-kulturellen Weckung der unteren Schichten" die Hauptursache der Abwanderung entdeckt zu hoben. Die Frage der Seßhaftmachung der Landarbeiter durch E i g e n b e s i tz hält er für sehr schwer lösbar, empfiehlt dagegen ganz vorsichtig an die Schaffung vott A r b e i t e r p a cht ste l l c n hcranzugehen. Weitergehendc Einschränkung der gewerblichen Arbeit von Mädchen würde ihm sehr itach Wunsch sein, da die Mädchen bann gezwungen wären, aus dem Lande zu bleiben. Auch das Hof- gangcrtum möchte er ivieder in echt tentsch-patriarchalischem Sinne gehoben wisse». Die Referentin Dyhrensurth kam aits ihrer Untersuchung der Enquete im großen und ganzen zu meist längst gestellten Forderungen, wie geregelte Arbeits- und Lehrverhältnisse, obligatorische Fortbildungsschulen, Einschränkung der Lohnarbeit der verheirateten Frau zugunsten des Eigenbetriebes, Ermöglichung des Erwerbs von Heimstätten. Wohlfahrtseinrichtungen, besseren Mutterschutz, dazu auch „Gründung von landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine» in Verbindung mit Mägdevereinen". Dieses letztere allein bestätigt zur Genüge, daß auch diese Referent!» in den ausgetretensten bürgerlich-sozialen Pfaden wandelt, und noch den Kinder- glauben hegt, Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter eine» Hut bringen zu können. Gefährlicher scheint, daß sie unter ihren Aus- sührungen zum geregelten Lehrverhältnis versteckte Angriffe gegen die Freizügigkeit der junge» Mädchen aussührte. (Sine dritte Refe- rentin sprach über den „Einfluß der Gebildeten auf dem Lande". Es sei zu bedauern, daß viele Pastöre, Lehrer, Aerzte den Aufenthalt auf dem Latide nur als Durchgangsstation betrachteten, dadurch kämen sie nicht zur richtige» Fühlung mit den eigentlichen Landbewohnern.
Am zweiten Tag referierte Fran Dr. Rosa Kenipf in trefflich- sachlicher Weise über Ausbildungsmöglichkeit«» für Mädchen und Frauen auf dem Lande. Sie entwarf ein anschauliches Bild vom Umfang der Arbeitsleistungen der Landfrauen im Haupt- und Nebenberuf, wies »ach, daß säst alle Vorbildungsstnfen fehlen und daß überall auf dem Lande Pslichtfortbildungsschulen neben den be- steheiidcn und weiter auszugeftaltenden Wanderkursen und Sonntagsschulen eingerichtet werden müßten. Auch inüsse in jedeni Regierungsbezirk ein« Landwirtschaftskammer erstrebt werden. Von solchen Vorkehrungen erhofft sie eilten Schutzwall gegen die Abwanderung. Frau Boehm-Lamgarben sprach Uber „Die Bedeutung des Vereinslebens für die Kleinbäuerinne» unkwdie Landarbcite- rinnen". Sie ist die Begründerin der landwirtschaftlichen Haus- frauenvereine in Ostpreußen, denen eigene Verkaufsstellen angc- gliedcrt sind, uitd sie suchte in ihrein Vortrag zu gleichen Gründungen in allcti atidcrett Teilen Deutschlands anzurcgen.
I» der von kaum 00 Personen besuchten öffentlichen Versamm- kung am Freitagabend sprach Elisabeth Bernhard über „Die Lage der weiblichen Angestellten in den Wasch- und Plättanstalten" (Klein- detriebett). Frl. Bernhards Darlegungen vo>t seit Wäscherinnen des grauesten Altertums bis zu den modernen Vertreterinnen dieses Berufes und der eng mit ihnen verschwifterte» Plätterinnen ivaren 'lar und eingehend, wenn schon sie nichts tvcsenllich Neues boten. Die Refcrcntin unterbreitete der Versainnilung eine Resolution dahingehend, daß auch die kleineren Betriebe (bis zu zehn Arbeite- Timicn) den gleichen Gewerbevorschriften, wie sie für die Großbetriebe bestehen, nnlenvorscn werden sollte», uni die schwere lieberarbeit, Nachtarbeit, in diesen! Arbeitszweig zu beseitigen. Die Folge dürfte allerdings sein, baß diese Kleinbetriebe dadurch konkurrenz-. itnfähig werdet! und baldigst zugunsten der Großbetriebe und des Hanshetriebs in dcx Familie, üpji der Bildfläche verschwinden,
Am Sanistag sprachen dann Frau Dr. Altmann-Gotthciner über „Entwicklung der Frauenarbeit in der Metallindustrie" und Frl. Tr. Elisabeth LüderS über „Die Entwicklung der Frauenarbeit in der Konfektionsindustrie". Ta auch diese nationalökono,nischen Essays im Druck erscheinen sollen, erübrigt es sich hier, im einzelnen darauf einzugchen. Heroorgehoben sei nur, daß auch Frau Dr. Altmann- Gotthciner sehr ivarm für obligatorische Fortbildungsschulen sür Mädchen eintrat, sowie sür den weiteren Ausbau der Arbeiterinnen- Schutzgefetze, für Berufsorganisationen und Tarisvcrträge. In der Metallindustrie den Mann zurückzudrängen, dürfte der Fra» schwer möglich werden, sei auch aus den verschiedensten Gründen nicht zu ivünschen. In der Elektrotechnik als einem neuen und sür die Frau geeigneteren Beruf kann auch von einem Verdrängen durch die Frau nicht die Rede sein. Trotz ihres fchars betonten sraucnrechtlcrischeu Empsindcns kam die Refcrcntin also ans Grund ihrer ivissenschast- lichen Anschauungen zu dein Urteil, in der Metallindustrie keinen empfehlenswerte!, Platz sür die Frau zu erblicken. Das aber trieb die Nur-Fraucnrechtleriu und Flottencnthusiastin Maria Lischnewska auf ihrer stolzeste» Rosinante in die Arena. Der Wissenschaft zum Trotz legte sie dar. daß die Frau auch in diesem eisernen Sterns nicht nur Arbeiterin, Vorarbeiicrin, Werkmeisterin sein solle, sondern auch zur Leiterin der gewaltigsten Metallindustrien hcranwachseu könne und müsse. Die Fraucngcsamtheit habe sich dafür ins Zeug zu legen, umsomehr, als die „Gewerkschaften doch überhaupt noch g a r n i ch t s sür die Arbeiterinnen getan hätten". Tie aufmerksam horchende Vorsitzende nahm keine Veranlassung, diese erbärmliche Verleumdung zu rügen.
Frl. Lüders, die ihren Darlegungen auch «ine Unisragc zu- grunde gelegt hatte, kam in der Hauptsache zu dem Schluß, das Heil der Konsektionsbranche in der Herstellung nur besserer Artikel zu sehen, sie möchte alle billige Mare und Schundware beseitigt wissen, wünscht auch bessere Ansbildungsmöglichkeiten, besonders für die jugendliche Koufektionsarbeiterin. Die anschließende Diskussion förderte einige ivundersamc Blüte» zutage. Als zum Beispiel eine Heimarbeiterin aus die ständige Nachfrage nach billigerer Ware hin- tvics und einige feste Lohnsätze für bessere Ware heranziehcn wollte, wehrte ihr das die Vorsitzende mit dem Bemerken, daß die Lohn- srage heute nicht aus der Tagesordnung stände. Ein Bielefelder Fabrikant hatte einige Minuten zuvor den Inhalt von fünf auserlesenen Lohnbüchern zur Bcrlesuug gebracht. Ei» anderer forscher Bielefelder Fabrikant wetterte in der Diskussion grimmig gegen die Fortbildungsschule», weil die Arbeiter durch den Besuch der Fortbildungsschulen nur „noch lümmeliger" würden. Dieser lümmelhafte Tot, i>eranlaßte endlich auch di« Vorsitzende zu einem milden Verweis, besonders wohl deswegen, ivcil sich die Vertreter der Arbeitnehmer im Gegensatz zu diese!» feinen Herrn durchtvcg sachlich und vornehm ausgedrückt hatte». Als aber schließlich ein mit Recht empörter Arbeitnehmervertreter nebenbei auch dem Bielefelder tSharfniachcr und der „Verleumderin der Gewcrkschasten" die gebührende Antwort geben wollte, schnitt ihm die Vorsitzende mit Parzenstarrsinn den Faden ab.
Bürgerliche Nationalölononiinnen mögen wohl befähigt sei», niehr oder weniger gutes Material aus dieser oder jener Arbeite- riunensphäre zusanunenzutragc», das richtige Fazit -daraus zu ziehe», müssen sie vorläufig doch noch den sozialdeuiokratischcn Nationalökonoinen beiderlei Geschlecht? überlassen. Das beivies beispielsweise Frl. Lüders, als ste schloß, „die Konfektionäre kennen nun genügend alle die Schwächen ihrer Branche, die auf der Ausbildung resp. Ncnheranbildung junger Arbeitskräfte beruhen, sie werden nun schleunigst für Abhilfe sorgen". Wirklich naiv. Es befremdete deshalb auch gctvifserinaßen, am Vorstandstifch dieser bürgerlich-sozialen Gesellschaft Helene Simon mitpräsidiercn zu scheu. _
Das Frauenstimmrecht in verschiedenen Ländern.
Der französische Abgeordnete Ferdinand B u i s s o n hat zi>r Ergänzung seiner im Laufe dieser Legislaturperiode bereits erstatteten Berichte eine Nebersicht über die Ausdehnung und die Wirkungen des Wahlrechts der Frauen in den einzelnen Staaten ausgcarbeitet, die er ans Erkundigungen in jenen Ländern anfbant. Es handelt sich dabei »in einige europäische Staaten, namentlich aber in» Amerika und Australien. In England gibt cs bekanntlich noch kein Wahlrecht der Francir znin Parlamente, nur ein solches für bestimmte Gemeindebehörden (namentlich Schul- und Armen- rechtc), das aber kein allgemeines ist. Auch siird die Frauen, nicht zu allen Posten, zu denen sic wählen dürfen, wählbar. — In N orwegen sind sie bei Parlaments- und Gemeinde- Wahlen wahlberechtigt und wählbar. In Schweden rmd jetzt noch, bis zi,r Einführung des vollen Rechtes durch die bevorstehende Verfassungsrevision, in Dänemark haben sie nur das vollständige Gemeinde- und Kirchenwahlrccht. Dagegen sitzen sie in Finnland bekanntlich seit 7 Jahren im Landtag, der jetzt unter 200 Mitgliedern 22 weibliche zählt. In den Vereinigten Staaten hatten zur Zeit der Um frage 9 ^hentc schon 12^^taaten und da? Territorium


