Ausgabe 
27.2.1914
 
Einzelbild herunterladen

Möchtet Ahr so freundlich fein, mein Gepäck in mein Zimmer bringen zu lasse»!"

Gewiß, liebes Kind, du mußt ja sehr milde sein. Bertha," sagte sie zu dem Hausmädchen gewendet,bringen Sie das Gepäck weine- Lahnes in Las blaue Zimmer,"

Verzeih, Mama, aber das grüne Zimmer ist doch mein , . ," GS war dein Zimmer"

GS stell«.- sich heraus, baß mein Zimmer, mein ehemaliges Zimmer, nunmehr van »reiner reizenden Cousine Gabriele, der reizendsten aller Causinen, bewohnt wurde.

Jawohl! Sie ivar unser Gast, Ihr war gege'-en, in allen Lade» herumznstöberu,

La geht es einem, wen.» man Unglück hat,

Aiunierhin, sie war lustig, vertrauensvoll und ahnungslos und gab mir etwas schüchtern die Hand, Meiner Beobachtungsgabe ent­ging as nicht, daß sie dabei reizend anssah, Lie reichte mir die Hand und sagte:

Guten Lag, Herr Cousin!"

Ach gestehe, daß mein Cke sicht in jenem Augenblick wohl den Ansiruck vollständiger Verwirrung habe» mußte, Ich betrachtete sie und ivallte in ihren klaren Augen lese». Dieses Mädchen besivt eilte vollendete Berst.UiingSgabe, das war der Schluß, zu dem ich kaiii, Lie iveiß ihre Augen wohl zu beherrschen. Hat sie meine Briese gelesen oder hat sie sic nicht gelesen-' Natürlich hat sie sie gelesen. Bei meinem Pech! Solch eine Komödiantin!

Was mochte sie wohl denken? Denn, unter uns gesagt, jene Tarne hat mich wirklich geliebt, Ohne zu übertreiben: in ihren Briefen gab es leidenschaftliche Aiisbrüche ivieO!" undAh!" uiid oft zahlreiche Rnszeicheii hintereinander.

Tollte Gabriele dies alles gelesen l-aben uiid deniioch mit di«se»i Seelcnsrieden mir die Hand bieten können und die Worte sprechen: Gnien Lag, Cousiil Georg!" Sie aber tat es, gab mir ihre frische, kleine, jiliige Hand und sragte mich:

Wolle» Lie irlcht selzen, ivie hübsch ich Ahr Zimiiler hergerichtet habe?"

Ich war gerettet!

» t

lief) glaubte, gerettet zu sein: aber ich ivar es nicht. Allerdings ivurde ich von ihr i» ei» Zimmer geführt, das mein Zimmer ivar uiid dennoch iiicht nach Tabak roch. Da standeil alle meine alten, ivohlbekannten Möbel uiid auch das alte Nülstisihchen stand da.

Jawohl, das ivar mein Zimmer, Und dcunoch ivar cs mein Ziiiliner nicht. Statt klnordnung herrichte Ordnung, mein liebes altes Nähtischchen war ein verslnchter Nähtisch geworden, und ivas das Wichtigste an meine»! Zimmer gewesen war, daß ich darin sein konnte, das war nun ganz und gar nicht mehr der Fall,

Aber ein Blick aus den Nähtisch ließ meiner Phantasie Flügel wachsen,

Wie durstig man aus solch einer Reise ivird! Könnte ich ein Glas Wasser haben, liebe Cousine?"

Sie lächelt« und sah aus eine Wasserslasche, die au! dem Tische stand, Ach aber, schlauer Tenfel, der ich bin, ich hatte schon früher ibenierkt, daß die Flasche leer ivar.

Sie verließ das Ziiiliner,

Ach lies zu,» Nähtischchen: da ivar jene Lade, Ach wagte kaum, sie zu össnen, Ach öffnet« sie oder dvch. Und die Briese waren nicht darin.

Meine Cousine ivar zuruckgekonimen, sie brachte mir Wasser, zeigte mir ein Album und sagte »rancherle!, ivas mich weniger in­teressierte als der vermullicki« Ausenlhältsort meiner Briese, Aber cs ivar sehr nett, ivas sie sagte.

Später traf ich meine Tante ans der Treppe, Die gnic Tante, Sie hatte keine Ahnung, daß mein Leichtsinn ihrer Tochter zu einer Lektüre e>erhvlsen l-atte, mit der sie nicht einverstanden gewesen wäre, einer gesährlichen Lektüre mitLI" nndAh!" und Rufzeichen, Sie hatte dvch eine Ahnung, Sie zog mich i» ihr Zimmer, öffnet« eine Lade und gab mir meine Briese,

Ich habe glücklicherweise", begann sie,einige Erfahrung, Be­vor ich ein junges Mädchen in ein Zimmer einziehen lasse, das kur; vorher ei» junger Mau» von deinem Alter bewohnt hat, l>alte ich sorgfältig Umschau,"

Ach siel ihrin de» Hals, glücklich nnd endgültig gerettet.

Acht Tage vergingen.

Als ich mich eines Morgens erhob, bemerkte ich ein Papier, das anscheinend zwischen Tür nnd Fußboden in mein Zimmer geschoben worden war. Ein Brief also. Ach las:

Lieber Cousin! Warum sagen Sie daö alles nicht meiner Mama?"

Ein Rätsel!Das alles?" Was denn? Ich hatte ja gar nichts gesagl! Was sollt« ich denn der Mama iviederholen?Lieber Cousin! es war alfu meine Cousine, die mir schrieb. Das machte die Sache allerdings nicht klarer.

Ach erspähe Gabriele auf der Stiege, ich will ihr ein Wort sagen. Sie aber errötet, senkt den Kopf und sagt:

Nehme» Sie Ähren Brief zurück und sprechen Sie mit Mama!" Aaivohl, das war meine Schrift, das war ein Brief von mir, es war mein Till:

Sie sind bewunderungswürdig und ich bewundere Sie! Wol­ken Sie mir erlauben, Ahnen mein Leben zu iveihe»? Ein Wort lind ich stürze zu Ähren Füßen,"

. Das ivar der erste Brief, den ich an die Dame meiner ver- jgessenen Träume gerichtet hatte. Dieser Brief hatte sich in einer

Spalte der Lade de- NähtischchenS den Blicken meiner Tante ver- borgen, Gabriele hatte ihn gesiinbeii und lieantivortet,

* * *

Ich habe mit Mama gesprochen und Gabriele geheiratet.

Frei nach Jules L e r m s n a.

ÄUS Welt und LeSen.

Schönheitsmittel aus der gute» alte» Zeit, Solaiige es Frauen

gibt, die etwas auf vorteilhaftes Aussehen halten, habe» sie auch Mittelchen und Wege gewußt, um ihrer Schönheit «inen höheren Glanz z» verleihen. Cs gib! eine ganze Literatur von Rezeptbüchern dieser Art in der dcntsche» Vergangenheit, aus denen Hans Pförtner in der Dame amüsante Einzelheiten mitteilt, Tie deutschen Schön«» in der guten alte» Zeit hatten allerlei Entschuldigungen für diese liiisrommen Werte bei der Hand und iviesen auf di« Bibel selbst hin, wo schon davon die Rede sei:Tie Heilige Schrift selbst redet von Judith und von Esther, daß sie sich mit köstlichem W affe v gewaschen, sich gesaibct und herrlich geputzet, dainit sie schön ausgesehen. Ist eL demnach keine Sünde, sich nett und reinlich zu halten," Auch wird es als moralisch gepriesen, daß eine Frail sich möglichst schön mache, damit sie dadurch ihren Mann von schuldiger Liebe anderwärts" abhalte. Die Rezepte, die in, einzelne»! gegeben wurden, dürfte» allerdings heute keinen Beifall finden. Zur Erzielung eines schöne» reinen Teints wird z, B, in der weit verbreiteten Schatzkammer folgende eigenartige Schönheilspajte an­gegeben:Nehmet weiß Wachs vier Nutzen, Ziegenfett, Wallrath, jedes zwei Unheil, Lampher eine Nnhe, lasset alles zusammen schinelheu, und durchziehet eure Tücher damit. Man nimmt auch schöne Holländische rohe Leinwand, tunket solche etliche mahl in bnrchgeseiget Froschlaich-Pflaster, daß cs allezeit wieder trocken iverde, wen» eS zuletzt ganz trocken, zerläßt man iveißeS Wachs ein halbes Pfund, Pomade zwei) Loih, Wallrath zwei) Ouentge», Camphcr sieben Gran, ivohl gemischt »nd den Campher zuletzt, ivenn man eS vom Feuer nimmt, darunter gethan; mit dieser Mixtur ivird die Leinwand, vermittelst eines großen und weiche» Pinsels, aus einer Seile, nach dein Gesichte zu, bestrichen, und wenn e- kalt und hart ist, mit einem andern reinen Tüchlei» gerieben »nd poliert. Solche Masqncn kühlen die rolhe» Gesichte, machen die Haut weich und zarte," Als Schutz gegen rauhe Lust »nd Sonnenbrand wird cmpsohlen:Ochsengalle, »ach und nach a» der Sonne getrocknet, und die Tinktur mit Branntivein auSgezoge»," oderbittere Mandeln frühe nüchtern gekänet und sich damit ge­rieben," I» dem medizinischen Werke David FriedelS, der i>» ?i. Hauptteil auch ivichtige kosmetische Ratschläge erteil, ivird vor allzuviel Essen und Trinken gewarnt und ebenso vor der Seif«, da sievor der Zeit ruutzlichi und schäbig" mache, Ci» beliebte- Schönheitsivasser wird also hergestellt:Nehmet ein jung ge­

schlachtetes »nd ausgeweideteS Spqu-Färcklein, zerhacket es gantz klein, thul es in ei» gläsernes Brennzeng, gießet ein paar Maas; Spanischen Wein darüber, thnt dazu zerstoßene Schnecken ein Maaß, drei) Zitronen »nd acht Luth Znckereand, destilliert es, leget Gold- biüttgen darein, und setzet es drei) Wochen an die Tonn,"

Jür Kans und Kos.

Tie Prüfung der Eier. Zur Unterdrückung von Mißstände» aus dem Gebiet des Eierhandels hat der Berliner Polizeipräsident ans Beranlnffung des preußischen Ministeriums des Innern, des Handels und der Landwirtschast eine schärfere Kontrolle eingeinhrt, die sich gut bewahrt hat. Die mit der Aussicht über de» Markt- und Ladenverkehr beauftragte» Beamten der Polizei sind mit kleinen heizbaren Apparaten zur Durchleuchtung der Eier ausge­rüstet worden, mit deren Hilfe es bei einiger Hebung leicht nnd schnell gelingt, Beränderuuge» des Eiinhalts, mie Eintrocknung, Fäulnis, Zersetzung durch Schimmelpilz nsiv, seslzustellen. Außer­dem ivird die Prüfung durch den Geruch zur Ermittlung dumpsiger nd heuiger Eier mit herangezogen, die mittelst Durchleuchte»? mangels sonstiger Verändernngen nicht erkannt werden könne». Das Vorgehen hat den Erfolg gehabt, nicht nur daL Pilblitnin gegen Uebervorteilnngeu und Tänschnngen lVerkans von ansgetrvcknelen Eiern, Änhibauseiern als vollsrische Eier, Verlaus in Zersetzung begrissener Eier als frische) bester zu schütze», sondern auch daiii geführt, daß die Eierlstindler selbst, »m sich vor Lieferung schlechter Eier nnd polizeilichen Beanstandungen z» beivahren, sich des Dirrc»- leiichtnngsversahrens zur Prüfung ihrer Ware bedienen, Das preußische Ministerium des Inner» gibt in dem Erlaß anheim, wenn in einem Bezirk das Bedürsnis nach einer schärferen »eber- wachnng des EierhandelS Vorhände» ist, waö namentlich in freu größere» Städten der Fall ist, wo ausländisch«, daher meist allere Eier oder Äühihanöware zur Deckung des Bedarfs mit herange­zogen werden müssen, da? angegebene Versghre» der Kontrolle ein» znführen,