Ausgabe 
20.2.1914
 
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ritten kam und mich zur Arbeit meldete: und gar erst, als ich ihm mein Abenteuer erzählte, so weit eS meine Zunge wollte, Die Wette hatte tch gewonnen, aber nur lag nicht mehr viel an dem Ge­winn. Die Gegner wollten es auch nicht recht glauben: als ich ihnen aber nach zwei Tagen einen Brief des Don Manuel Gonzalez zeigt«, tn dem er mir lehr für bas Vergnügen meines Besuches dankte und mich bringend für einige Wochen einlud nachtres Leones", gaben ste doch klein bei. Also, ein Weltreisender kann immer Geld brauchen, d, gl.I Darum bereiteten mir di« vierzig Pesos nicht viel Verlegenheit, Mehr Kopfzerbrechen machte mir schon die Sach« mit Nozita: Was nun?

Ich könnte da ia Verschiedenes erzählen. Entweder, Nozita hätte mir einen Brief gesandt mit dem lakonischen Bescheid, alles müffe ein kurzer schöner Traum bleiben, Oder, mein Landsmann hätte mir geraten, ich solle möglichst bald verschwinden, eifersüchtige Gauchos seien hinter mir her. Aber ich bleibe hübsch bei der Wahr­heit, Eine Woche später war ich Verwalter aus der kleinen Estanzia Rozitas, Dort blieb ich und wir hatten glückliche Zeiten, das könnt ihr mir schon glauben. Wenn ich trotzdem tn jenen doch sehr ver­lockenden Hafen der Ehe nicht gelandet bin, so hatte das seinen Grund darin, dag di« schöne Rozita plötzlich einen alten Herrn, Parteigänger ihres Vaters, heiraten muhte. Dieser nämlich wollte durchaus Gobernador von San Luis werden. Ich glaube, auch ihre erste Heirat hatte einen solchen politischen Hintergrund. Jetzt noch, so wie Rozita cs verlangte, bei ihr zu bleibe», wäre unvor­sichtig gewesen. Tenn das ist doch klar: Je älter der Ehemann, desto eifersüchtiger! So kam es doch noch zu dem Brief mit dem schönen Traum, der nun aushören miiste. Nur das, ich den Brief schrieb, nachdem ich schmerzlich Urlaub genommen hatte. Ich ging dann nach Chile, Ein Jahr später, wir schrieben uns noch manch­mal, bekam ich ein Bild: Nozita, schöner als je, mit einem Kind auf dem Arm, Das war mein Andenken an unseren Karneval, O Rozita!

Bah! Und so wird wohl ein Sohn von mir dereinst Präsident der argentinischen Republik werden. Und, da ich einer langlebige» Familie angehöre, werde ich das sicher noch erleben. Dann fahre ich hinüber zu ihm und zur Nozita, deren alter Herr doch bann schon längst tot ist und etabliere mich als Minister für äußere, innere und überhaupt sämtliche Angelegenheiten. D. gl.I

Krailettöildung in Japan.

Auch nach Japan, wo die Frau so lange in der traditio­nellen buddhistischen Unterdrückung nur als Spielzeug und Dienerin des Mannes gelebt hat, dringen allmählich die modernen Ideen, die für die Frau eine größere Freiheit und als Vorbedingung dazu eine erweiterte geistige Ausbildung verlangen. Wir entnehmen einem sehr lehrreichen Artikel Leopold Kätschers in der Zeitschrift für Sozialwissenschaftcn folgende Einzelheiten über die Entwicklung der Frauen- und Mädchenbildung ini Lande der Kirschblüte. Die mit dem Regierungsantritt des vorigen Mikado (1868) einsetzende sogenannte Aufklärungspcriode bedeutet zugleich auch den Be­ginn der neuen Aera in bezug auf die Erziehung und Aus­bildung der japanischen Mädchen. 3000 Japanerinnen wur­den damals von der Regierung zu Studicnzwecken nach Amerika geschickt. Doch war man im allgemeinen nur darauf bedacht, die Frauen besser für ihren Beruf als Gattinnen und Mütter vorzubilden. Erst die Einführung des Bürger­lichen Gesetzbuches im Jahre 1890, die den Frauen neue un­geahnte Rechte gab, brachte in dieser Beziehung eine gewisse Wandlung. Es wurden dadurch den Frauen eine Anzahl Berufe erschlossen, die naturgemäß auch eine bessere Vor­bildung verlangten.

Während es bis znni Jahre 1895 nur private höhere Mädchenschulen gab, existieren seit jener Zeit auch öffentliche derartige Anstalten. In diese Schulen, die einen 45jährigcn Lehrplan haben, treten die jungen Mädchen nach Absolvierung der Volksschule. Die Unterrichtsfächer sind Japanisch, Englisch, Geographie, Algebra, Naturwissen­schaften, Nähen, Haushaltung, Schönschreiben, Zeichnen, Musik, Turnen und ans besonderen Wunsch Erzichungslehre, Handfertigkeit und chinesische Klassiker. Wöchentlich werden 28 bis 80 Stunden erteilt. Ein kaiserlicher Erlaß vom Jahre 1899 ordnet an, daß in jeder Präfektur mindestens eine solche Schule vorhanden sein muß. Im Jahre 1909 gab es 159 öffentliche höhere Mädchenschulen mit 46 582 Schülerinnen und 100 private mit 13 000 Schülerinnen,

Ferner gibt es weiblicheN o r n> a l s ch u l e n", deren Lehrplan etwa dem unserer Realgymnasien entspricht, und die in zwei Kurse zerfallen. Der erste Kursus ist vierjährig: die Mädchen müssen mindestens 15 Jahre alt sein und eine fünf- /lässige höhere E lementars chule mit Erfolg absolviert haben.

Der zweite Kursus ist zweijährig und nimmt nur Schüler« innen auf, die das 16. Lebensjahr vollendet haben. Außer den oben genannten Fächern der höheren Mädchenschulen wird hier noch Ethik, Pädagogik, Physik, Chemie und Gymnastik gelehrt. Der zweite Kursus enthält keine Haushaltungslehre und Schönschrift. Die diese Kurse besuchenden Mädchen tragen auch eine von der in Japan üblichen Frauentracht ab­weichende Kleidung, die ihnen eine größere Bewegungsfreiheit gibt. Zur Ausbildung von Lehrerinnen sind einige Lehrer­innenseminare errichtet worden. Ferner geht die Re­gierung jetzt dazu über, für die weiblichen Post-, Telegraphen- und Eisenbahnbeamten, die man seit Anfang des Jahr­hunderts zuiu öffentlichen Dienst zugelassen hat, Aus­bildungsinstitute zu schassen, nachdem diese Ausbildung bis­her nur von privater Seite besorgt wurde.

Seit deni Jahre 1901 hat Japan auch eine Frauen« Universität. Ihr Schöpfer ist der bekannte Schulmann Meruse. Freilich ist dieseUniversität" nicht unseren europäischen Universitäten zur Seite zu stellen. Eher könnte man sie noch mit einemCollege" vergleichen. Sie umfaßt vier Wissenszweige: Erziehungskuwde, englische Literatur, allgemeine Literatur und Haushaltungskunde. In Ver­bindung mit der Universität steht eine sechsklassige Mittel­schule nach Art der englischen Gymnasien, sowie ein Internat, in dem alle Schülerinnen, mit Ausnahme der in Tokio bei ihren Eltern wohnenden, leben müssen und zur Erlernung der Hausarbeit angehalten werden. Es wird hier vor allem Wert auf die Ausbildung sozialer Tugenden: Freundschafts­gefühl, Verantwortlichkeitsbewußtsein, Unabhängigkeit und Selbstvertrauen gelegt.

Erwähnung verdienen schließlich noch die 300 Fach­schulen mit zusammen 10 000 Schülerinnen, die die gewerb­liche und sonstige Berufsausbildung der Frauen zum Zwecke haben und in denen Koch-, Handarbeits-, Seidenbau-, Weberei- und Färbereiunterricht erteilt wird. Auch eine medizinische Fakultät mit 300 Studentinnen und eine Musik­schule für Frauen gibt es. Wenn im allgemeinen 'auch heute noch die Ausbildung der Frauen in Japan in erster Linie unter dem Gesichtspunkt ihrernatürlichen" Bestimmung als Gattin und Mutter erfolgt, so ist doch nicht zn verkennen, daß durch all die hier genannten Institutionen, die in ihrer Mehr- heit freilich nur den Töchtern der bessersituicrten Kreise zu­gänglich sind, die Frauen auf ein höheres geistiges und moralisches Niveau gehoben werden. Im übrigen wird auch in Japan die wirtschaftliche Entwicklung das Ihrige zur Selbständigmachung der Frau und zu ihrer Lösung aus den alten Knechtschaftsfesseln tun.

Kattsdieöliahf.

Von Anaiolc France.

Vor ungefähr zehn Jahren, vielleicht ist es etwas länger, viel, leicht etwas weniger lang her, besuchte ich «in Frauengcfängnis. Es war in einem alte» Schlosse, das unter Heinrich IV. erbaut worden war und dessen hohe Schieferdächer eine kleine südliche Stadt beherrschten, die an einem Flußufer lag. Der Direktor jenes Gefängnisses näherte sich den, Alter, in dem nian an feinen Rück­tritt denkt; er trug «tue schrvarze Perücke und einen weißen Bart. ES war ein ungewöhnlicher Direktor, Er dachte selbständig und hatte menschliche Empfindungen, Er macht« sich keine Jllusioncit über die seelische Beschaffenheit seiner dreihundert Schützlinge, aber er schätzte sie nicht erheblich geringer ein als die Moralität voll dreihundert Frauen, bi- man etwa ans gut Glück In einer Stadt dingfest gemacht hätte,

Es gibt hier ebenso wie anderivärts Menscheli aller Art," schien er mir mit seinem sanften und müden Blick zu sagen .... Ich lege bi« Vorschriften aus," sagte er zu mir,ehe ich fle an­wende, und ich erkläre sie den Gefangenen selbst. Die Vorschrift befiehlt zum Beispiel unbedingtes Schweigen, Wenn aber all« diese Frauen unbedingtes Schweigen wahrten, würden sie schwach­sinnig oder verrückt werben. Ich denke und ich muß denken, daß di-8 nicht der Wille der Vorschrift ist. Ich sage zu ihnen:Die Vorschrift befiehlt euch rinbedingles Schiveige», Was bedeutet dies? Das bcdentet, daß die Aufseher euch nicht hören bitrsen. Wem» man euch hört, werdet ihr bestraft; wenn man euch nicht hört, kann ma» euch keinen Vorrvurf machen. Ich kann von euch über eure Ge­danke» kein« Rechenschaft fordern. Wenn eure Wort« nicht mehr Lärln machen als eure Gedanken, kan» lch über eure Wort« keine Rechenschaft forbeni! Sind die Sträflinge nun aus diese Ar« unterrichtet, dann lernen sic zu sprechen, gleichsam ohne «inen Ton laut werden zn raffelt. Sie werden nicht verrückt »nd die Vorschrift ist bcfolai."