Ausgabe 
20.2.1914
 
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DasGlattdecifcau

Wöchentliche Geilage der Gberkessischen Volkszeitung

Nummer 7

Siesten, Freitag den 20. Februar 1914.

6. Zakrgang

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Pas Irauenflimmrecht ein soziales Kecht.

, Lange bevor von einer eigentlichen Frauenbewegung mit einem bestimmten Ziel die Rede sein konnte, haben groß­herzige Zukunftsdenkcr unter den Vorkämpfern des Bürger­tums und geniale Frauen der verschiedenen Revolutions- cpochen, die von einem glühenden Freiheitsdrang erfüllt waren, die Forderung der politischen Gleichberechtigung des Weibes mit großem Geschick und starker Energie vertreten.

Es sei erinnert an Olympe de Ganges, die während der französischen Revolution der Erklärung der Menschenrechte, die nur Männerrechte waren, kühn die Erklärung der Frauen- rechtc gegcuüberstellte; cs sei hingewiesen auf Mary Woll- stonckraft, die Engländerin, die 1792 in einem Werk voll leidenschaftlichen Feuers die Rechte Der Frauen forderte.

Unter den frühen männlichen Vorkänipsern für. Frauen­rechte nennen wir den genialen Utopisten Charles Fourier und seinen Schüler, den französischen Philosophen Condorcet, für Deutschland den Königsberger Oberbürgermeister Th. von Hippel.

Alle diese Verfechter sozialer Gerechtigkeit für beide Ge­schlechter haben ihre Forderung rein ideologisch begründet, sie reklamiert als ein Naturrccht, das mit jedem Menschen ge- baren wird.

Mau höre, mit welchen Worten Olympe de Gouges ihre Erklärung der Frauenrechte einleitet:Die Mütter, Töchter und Schwestern, die Vertreterinnen der Nation sind ... haben beschlossen, in einer feierlichen Erklärung die natürlichen, unantastbaren und heiligen Rechte der Frauen darzulegen." Und an einer anderen Stelle:Die Frau ist frei geboren und an Rechten dem Manne gleich." Heute hat die wirt­schaftliche Entwicklung, haben die gewandelten Produktions­verhältnisse der ideellen Begründung eine wuchtige mate­rielle bcigegeben. Sehen wir zu, worin diese materielle Be­gründung besteht.

Eine Seite der geänderten Produktionsverhältnisse be­steht in der Wandlung der Arbeit und der Stellung der Frau.

Die kapitalistische Ordnung der Tinge machte aus der für den Familienbednrf produktiv Tätigen, die Waren schaf­fende Lohnarbeiterin. Aus der von der Familie Abhängigen die Selbständige, die vom Ertrag ihrer Erwerbsarbeit lebt. Die Ergebnisse der Berufs- und Gewcrbczühlung von: Jahre 1907 künden uns, wie weit diese Wandlung heute schon voll­zogen ist; nach ihr hatten wir 1907 in Deutschland bereits 9 492 881 Frauen und Mädchen, die auf den verschiedensten Gebieten der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft, die in den verschiedenenliberalen" Gebieten, desgleichen in Kunst und Wissenschaft im Dienste der Gesellschaft schafften.

Diese Zahlen beweisen, in wie hohem Maße die weib­lichen Arbeiter zu einem unentbehrlichen Faktor im gesell­schaftlichen Arbeitsprozeß geworden sind.

Damit ist auch der Anspruch der Frau auf politische Gleichberechtigung vollauf begründet; ihre ökonomischen Leistungen geben ihr ein Recht auf Gleichstellung mit dem Manne. Hinzu komnit, daß die unaufhaltsam fortschreitende Entwicklung gesellschaftliche Verhältnisse schuf, in denen das Wahlrecht für die Frauen zu einer unentbehrlichen Waffe, zu einer sozialen Notwendigkeit wird. Erklärlich genug: infolge

der Ausweitung des gesellschaftlichen Lebens, der Schaffung und Vermehrung sozialer Aufgaben für den Staat und der veränderten Stellung der Frau in der Gesellschaft^ wird ba3 Interesse des weiblichen Geschlechts durch unendlich viele Fäden verknüpft mit der Politik, mit all ihren Maßnahmen und Einrichtungen. Einfluß zu gewinnen auf all das poli­tische Leben wird zur zwingenden Notwendigkeit für die Frau. Das objektive Recht der Frau ist denn auch seit langem zu einer subjektiven Forderung geworden. Wie könnte cs auch anders sein! Die Wandlung in der Arbeit und der Stellung der Frau hat naturgemäß auch eine Wandlung in ihren Anschauungen, ihrem Denken, Wollen und Streben ge­bracht. Die Welt ist dasHaus der Frau" geworden, deren Lebenskreis sich stark erweitert hat.

Andere Aufgaben gilt es nun zu erfüllen; die anders geartete Umgebung mit ihren mannigfachen Einflüssen weitet ihren Gesichtskreis, hebt ihren Intellekt.

Befreit von der starken Bindung durch das Heim, eine Bindung, die gegeben war, solange die Familie die wich­tigsten Funktionen zur Erhaltung des Lebens ihrer Glieder selbst leistete, kommt die Frau nun erst zum Bewußtsein ihrer Kräfte und Talente, deren Entfaltung und Betätigung jetzt mehr oder minder draußen in der großen sozialen Gemein­schaft, im Wettbewerb mit vielen sich vollzieht. Die Not­wendigkeit des Besitzes politischer Rechte tritt um so klarer in das Bewußtsein der Frau, je mehr sie in der Schule des Lebens die Erfahrung macht, daß überall, im Guten wie im Bösen, die Politik in ihr Leben eingreift. Nunmehr erkennt sie im Wahlrecht die wertvolle Waffe, deren sie bedarf, um selbständig ihre Interessen gegen eine Welt dräuender Feinde verteidigen zu können.

Die Erkenntnis, daß die Frau die höchsten Staatsbürger- rechte zu beanspruchen hat, ja daß sie sie besitzen muß, löst < das kraftvolle Wollen aus, für die Eroberung dieser Rechte' mit leidenschaftlicher Hingabe, mit Energie und Ausdauer zu kämpfen.

Damit wird die Forderung des Frauenwahlrechts in zu- nehmendem Maße der Ausdruck des Massenwillens, und ihre Erfüllung rückt näher und näher. Unser Frauentag wird Zeugnis oblegen, wie weit die Erkenntnis, daß der Besitz des Frauenwahlrechts eine soziale Notwendigkeit ist, bereits die Massen erfaßt hat.

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Eine Karuevalsgcschichte von Leo Äolisch.

Dös glaabst! Datz :var halt einmal ein Abenteuer! Ich verdanke es der chauvinistischen Ueberheblichkeit einiger Kreolen- jüiigling«. Ta sas, ich einmal, kurz vor Karnevalschlnh wars, in einem kleinen Ort der argentinischen Provinz San Luis. Dort arbeitete ist seit kurzen, in der Eiscnbahniverkstätte, die ctiva vierzig Leute beschäftigte. Anher den, rheinländischen Ingenieur war ick) der einzige Europäer und siihlte mich sehr wohl in der indianische» und kreolischen Gesellschaft, hatte mir doch erst kurz vorher eine unangenehme Geschichte die LebensrcgelNur keine Napolitaner oder Spanier" eindringlich und überzeugend ciugetrichtcrt.

Also ich bin schon bet der Sache.

Eines Abends hatten wir über argentinische Sitten und Ge­bräuche debattiert, und ich hatte dabei die Ansicht vertreten, dah ein Europäer überall Vertrauen und Eingang finde, wenn er anständig auftrcte. Einige Kreolen widerstritten heftig: Ja, die argentinische Gastfreundschaft sei aus der ganze» Welt berühmt, aber über di: höfliche Bewirtung hinaus gingen dieHijos del paiß", die Kreolen,