Da trat aus den Reihen ein Jägerknechk,
„Der SICten, Ihr Herren, geschah zu Recht,
Mög sic in der Hölle genesen ."
Er stieß sie zur Seite mit seinem Fuß,
„Seht hier aus der Stirne des Teufels Gruß,
Es ist ein« Hexe gewesen.
Ich möcht es beschwören, sic hat noch die Nacht Am Tcufelsstcin bei ihren. Buhlen verbracht Und just ist sie von ihm gekommen.
Es werden zu Zeiten in Kaisers Land Wohl sieben auf eine» Tag verbrannt,
Zu Heil und Ruhen der Frommen."
„So möa sie denn", lachte der Junker laut,
„Zum Teufel fahren, als seilte Braut Wird er sie würdig empfangen."
Drauf wendet er eilig sein schnaubendes Roß Und iveitcr jagte der lärmende Troß,
Den kläffend die Hund« umsprangen.
I» einsamer Hütte „Am hangendcn Stein" Klein-Aennchen macht bei dem Brüderlein,
Kniet weinend am Strohlager nieder.
Es faltet die Hände mit kindlichem Sinn,
Es blickt nach dem Mutter-Marienbild hin:
„O, send unser Mütterchen wieder!"
Jakob Beck -Dietesheim.
Aus Weltbund Leöen.
Frauen- und Kinderarbeit in der Industrie im Jahre 1812. Im
letzterschicnenen Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches werden die Ziffern über die Beschäftigung von Frauen und jugendlichen Arbeitern i» den der Gemerbeanfstcht unterstellten Betrieben und den der Aussicht der Bergbehörden unterstehenden Anlage» im Jahre 1912 verösscntlicht. Tic Zahl der Betriebe, die erwachsene weibliche Arbeiter beschäftigen, ist demnach gegenüber dem Vorjahr von 97512 auf 101 933, die der jugendliche Arbciier und Kinder beschäftigenden von 110 21» auf 117 002 hinansgegangen. Insgesamt wurden in der Industrie und im Bergbau im Jahre 1912 1 379 540 erwachsene (über 16 Jahr« alte) weibliche Arbeiter beschäftigt (gegen 1 317 682 im Jahre vorher). Davon waren 846 147 (863 997) über 21 und 533 399 (513 685) 16—21 Jahre alt. Junge Lcute von 14—16 Jahren wurden 358 327 (332 882) männliche und 178 964 (172 535) weibliche beschäftigt.
Ein bedenkliches Zeichen ist die Zunahme der Zahl der in de» Fabriken »sw beschäftigten Kinder unter 14 Jahren. Trotz des Kinderschutzgesetzes hat hier seit 1969 eine ständige Vermehrung stattgefnnde». Tie Zahl der beschäftigten Knaben stieg in den letzten drei Jahren von 7014 ans 7434 und 7780, die der Mädchen von 5350 auf 5976 und 6133. Tie meisten Kinder — 30,3 Prozent aller — waren in der Textilindustrie deschäsiigt. An zweiter Stelle steht die Metallverarbeitung mit 12,3 Prozent und nahezu mit derselbe» Ziffer die Bekleidungsindustrie <12,1 Prozent), während in der Industrie der Steine und Erde» 9,6 Prozent aller beschäftigten Kinder tätig waren.
Zähne und Geschlecht. Nach H. ElliS weist das weibliche Geschlecht verhältnismäßig größere Zahnsormen auf, als das „starke Geschlecht", während der Unterkiefer wieder kleiner ist, als bei Männern. In Manchester wurde durch eine Untersuchung an 200 Kinder» sestgestellt, daß die Zahnentwicklnng bei den Mädchen größere Fortschritte zeigt, als bei den Knaben. Eulippc beobachtete eine stärkere Jahnstruitur beim männlichett Geschlecht, während Zahn- fraß, ohne Bevorzugung des Geschlechtes, bei Männern und Frauen im gleiche» Verhältnis vorkani. Nach Schaafhausen sind di« beiden mittleren Schneidezähne bei Frauen und Mädchen verhältnismäßig größer als bei gleichaltrigen Männern und Knaben. Was de» unteren Gesichtsteil anlangt, so ist derselbe bei Männer» viel stärker entwickelt und mit kräftigen Musketn versehen, sowie der Sitz einer starken Haarproduktio». Bei Frauen ist die untere GesichtShälste in der Regel zarter, mehr abgerundet, kleiner und im ganzen schwächer entwickelt, während die Zähne in allen Größen Vorkommen.
Die Schöpserin der italienischen Kinderheime. Eine neu« eigenartige Verbindung von sozialer und pädagogischer Arbeit hat die iiaiicnische Aerzti» Dr. Maria Montessori in ihre» Kinderheimen geschaffen, die sie zunächst in Rom ciurichtete und die dann überall in der Welt, in Frankreich, in England, in den Vereinigten Staaten, ja sogar in Indien und Ehina Nachahmung fanden, lieber die Entstehung dieser „Hansschnlen" nnd die besondere Methode, nach der Maria Montessori die Kinder in: Aller von 3—6 Jahren unter
richtet, hat sie in einem Buch Auskunft gegeben, das in ihrer Heimat »»d weit über die Wett hin einen »»gewöhnlichen Erfolg hatte nnd nun auch deutsch unter dem Titel: Selbsttätige Erziehung jm frühen Kindcsalter, bei Julius Hofsma»» in Stuttgart erscheint. Tie Ber- fnfferin widmete sich zunächst der Erziehung schwachsinniger Kinder »nd gelang!« aus den Erfahrungen mit diesen anormalen Wesen heraus zu einer Methode, durch die sie den Kindern orthographisches und kalligraphisches Schreiben beibrachi«. Ta ihre Resultate allgemeine Anerkennung fanden, kam sie auf de» Gedanken, die besondere Art von Erziehung, die bei den schwachsinnigen Kindern so erfolgreich war, könne auch bei den normalen im srithzeiligen Alter angewcndet werden. Hatte sie eine Entwicklung der geistigen Persönlichkeit bei den Anormalen durch möglichste Freiheit »ich An- rcgung zur Selbsttätigkeit, zur Sclbsterziehung erreicht, so baute sie mm diese Methode so aus, daß sie auch für normale Kinder von größten, Segen wurde. So gelang cs ihr, Kindern von 5 und 6 Jahre» in wenige» Monaten ohne fühlbare Anstrengung der Kleinen, ohne aufreibende Mühe des Lehrers, Lesen, Schreibe» und Rechnen so beiznbringcu, wie «S sonst erst in der dritten Klasse unserer Volksschulen erreicht wird. Die physischen und psychischen Anlagen des Kindes werden so beschäftigt, daß sie sich von selbst ordnen und das Lernen schließlich als eine »oiivcndige Frucht aus der Entwicklung des Kindes herauswächst. Jeder Zwang, jede Strafe nnd jeder Tadel sind verbannt, und Freiheit, Liebe und Freude machen die Schalstube zu dem Kinderparadies, bas sie stets hätte sein sollen nnd seit langen, nicht mehr ist. Diese glückliche Er- zichungsmethode wendete Maria Montessori zuerst in großem Maßstabe in den Kinderheimen an, die die Römische Gesellschaft für zweckmäßiges Bauwesen in jedcm der von ihr als „Heime für die Armen" errichieten Häuserkvmplexe schuf. Diese nienschenfrcnnd- liche und gemeinnützig« Gesellschaft, die in Jialie» eine großartige Wohiiungsrefori» angcbahnt hat, ivollie in ihren Wohngebäuden auch für die nicht schulpflichiigen Kinder eine Stätte schaffe», wo sic unter günstigen Bedingungen aufwachsen könnten, wenn die Eltern den Tag über zur Arbeit gehen. So entstanden die Schulen im Hause, Case bei Bambini, d. h. Kinderheime genannt, in denen alle Kinder des betreffenden Hauses von drei bis siebe» Jahren Aufnahme sind«» und zu deren Erhaltung die Eltern ginrcnischasl- lich beitragen. Eine Lehrerin, ein Arzt nnd eine Wärterin sorgen hier für die körperliche und sittliche Entwicklung der Kinder; Sprachfehler werde» durch systematische Hebung beseitigt; auf Geist und Körper wird gleich sorgsam geachtet. Mit dieser tresslichen sozialen Einrichtung, die in anderen italienischen Städte» und. anderen Ländern Nachahmung gefunden habe», geht nun die pädagogische Reform Hand in Hand, die i» der neuen Methode Maria Mon- tcssoris sich darstcllt und die die Kinder in „spielender" Weise zu rechten Menschen erziehen.
chesuttdkeitspsscge.
Tic Beruhigung schreiender Säuglinge. Gegen die Beruhigung schreiender Säuglinge durch Anblasen wendet pch Pros. Salge in Straßburg, indeni er darauf hinweist, daß cs sich hier nicht un, eine neue Entdeckung handelt, ,'ondcn, uni eine alte Unart der Kinderfrauen, die zu bekämpfen die Hygiene alle» Grund hat. Diese Methode ist gesährlich, weil es kaum ei» besseres Mittel gibt als sie, um die siir Säuglinge außerordentlich gcsähriichc» katarrhalische» Infektionen zu übertragen, zweitens weil eine derartige Störung im AtmungsmechnniSmus bei Kindern mit Neigung zu Krämpfen leicht zum Stimmritzcnkrampf führt und daher lebensgefährlich werden kau». Prof. Salge empfiehlt, wenn andere Beschwichtigungsversuche, wie leichtwiegcnbc Beilegungen des Kopfes und Oberkörpers versagen, lieber den Gebrauch innerlicher Mittel.
Kür Kaus und Kof.
„Tie lchmackhafie Küche ohne Fleisch". Preis 35 Psg. 4. Auslage (6.-8. Tausend). Zimmermannschcr Verlag. Chcninitz. Anne», siraße 19. — Das vorliegende Büchlein dürste allen Hausfrauen willkommen sein. In i reicher Abwchsclung bringt cS erprobte Rezepte von Gerichte», die sich durch Wohlgeschmack »nd hohen Nährwert auszcichncn. Tie Vielseitigkeit der angcslihrten -Speisenfolge bringt den Beweis, daß man des teuere» Fleisches cniraicn kann, ohne ans Schmackhaftigkeit verzichten zu mlisicn.


