Ausgabe 
13.2.1914
 
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zum ruhigen Kafseetrinken blieb übrig. Hungrig, mit leerem Magen geht's ab. Kein Wunder, wenn die Kinder völlig interesselos im Unterricht sitzen. Wo soll auch die Aufmerk­samkeit Herkommen, wenn der Magen knurrtI Nun noch das größte Unglück, nämlich für das Kind, die Glocke verkündet Len Beginn der Viertelstundenpause.Ach", durchzuckt es das Kind,jetzt habe ich in der Küche meine Bemme liegen lassen!" Doch der Schaden ist geheilt, denn die Mutter hat sich pünktlich mit dem Frühstück eingefunden. Echte, treue Mutterliebe, nicht wahr? Nein! Macht die Mutter in diesem Sinne öfters den Laufjungen, stärkt sie nur des Kin­des Liederlichkeit. Freilich auch der Herr Professor vergißt öfters etwas. Doch wenn das Kind seine Gedanken zusammen­nimmt, ist öfteres Vergessen direkt ausgeschlossen. Natür­lich müssen es die Eltern zur Ordnung anhalten, doch mehr wie alles Reden erreichen sie auch hier durch ein gutes Bei­spiel. Leben die Eltern selbst mit der Ordnung nicht auf Kriegsfuß, halten sic auch die Kinder für etwas ganz Selbst­verständliches. Eigenartigerweise findet man verhältnis­mäßig selten, daß die Mutter des Kindes Tagebuch nachträgt, das sie beim Wischen vielleicht unter dem Schrank gefunden hat. Wir müssen unsere Kinder streng anhalten, bald nach der Schule die Schularbeiten, möglichst noch bei Tageslicht, und die Bücher am Abend schulfertig zu machen. Auch die Schuhe und Kleider sind vor dem Schlafengehen gründlich zu säubern. Dann werden unsere Kinder auch mehr Inter­esse an der Schule haben aus einfach psychologischen Gründen.

Die Kere.

In Berchtesgadener Klosterland Vor Zeiten ein einsames Hüttlein stand Im Waldesdunkel verborgen.

Dort lebte mit ihren zwei Enkeln klein Ei» altes ehrsames Mütterlein Ein Leben voll Arbeit und Sorgen.

Von ihrer Sippe, nach langem Leid,

Tic Treie i» ihrer Einsamkeit Sind übrig geblieben von allen.

Die Mutter längst untcr dem Rasen lag,

Ter Vater war ferne am Schladingcr Tag Für der Bauern Sache gefallen.

So hausten sie still in der Hütte klein,

Im Bolksmnnd hiest esAin Hangenden Stein",

In Demut und Gottvcrtrauen.

Sie sammelten Kräuter und Wurzeln ans.

Die Grostmnlter trug sie dann zum Verkauf Ins Dorf zu den Klosterfrauen.

Doch bald kam das Unglück an einem Tag,

Ter jüngere Bub hatte brausten im Hag Einen Strauch voller Beeren gefunden.

Er pflückte von ihnen und ast sic geschwind,

Genäschig wie Kinder nun einmal sind;

Tic schienen gar trefflich zu munden,

Am Abend schon klagt er der Grostniutter leis:

Ach Mutter, mir ist heut so brennend Heist,

Ich will mich gleich schlafen legen,"

Die Grostniutter nahm ihn auf ihren Arm,

Sie streichelt sein Köpfchen, sic bettet ihn warn.

Und sprach einen frommen Segen.

Des Nachts schrie der Knabe in Ficbcrglnt:

Ach Mütterchen hilf, ach Mutter sei gut,

Ich kann mir nicht helfen vor Schmerzen."

Sie zündete schnell auf dem Herd« das Licht;

Und alz sie dem Buben sah i,t6 Gesicht Fuhr jäh ihr der Schrecken zun, Herzen,

In ihren Adern fast stockte das Blut,

Sie muhte die Zeichen nur gar zu gut Von seinen Lippen zu lesen.

Da gab g keine Hilfe, da nutzte kein Fleh»,

Ihr Bübchen mustt sicher zugrunde geh',,.

Es konnte ja »immer genesen.

Sie nah»! ihn von seinen, Lager mit Hast,

Sie herzte und küstte die süst« Last In Liebe und hcistem Erbarmen,

Doch plötzlich schos, es ihr durch den Sinn,

Sic legt« eilend den Buben hin Mit heimlich zitternden Armen.

So war es. bi« Blätter beim Mondschein gepflückt. Vielleicht mag «S helfen, vielleicht hast e» glückt;

Welch seliger Hoffnungsschimmer, _ ,i ;,

Es hat st« ein frohes Erregen «rfastk.

Sie nahm ihre Kleider in eilender Hast Und rief bann Kletn-Aennchen tn8 Zimmer,

Komm Acimchen, bleib hier bei dem Brüderlein, Ich eile indest nach dem Tenfelsstein Di« heilsamen Kräuter zu suche».

Nun sei mir recht artig, verhallte dich still,

Ich back auch am Sonntag, wenn Gott es will,

Einen trefflichen Klosterknchen."

Ach Mütterchen, bleib« doch nicht so lang,

Di« Nacht ist so einsam und mir ist so bang".

Begann Klein-Aennchen zu weinen.

Sei ruhig mein Mädchen und fasse nur Mut,

Wir stehen ja alle in Gottes Hut Und »immer veriästt er die Seinen,"

Ich suche die Kräuter zum heilenden Trank, Dann ist ja mein Bübchen nicht länger niehr krank, Tan» wird's ihm bald besser ergehen."

Sie suchet »och eilend ihr Kopftuch hervllr, Klein-Aennchen begleitet sie bis au bi« Tür Und bleibt an der Schwelle dann stehen.

Es späht in das Dilnke! mit suchendem Blick, Kehrt eilend zu seinem Buben zurück;

Sinkt weinend am Strohlager nieder.

Es faltet die Hände mit kindlichem Sinn,

ES blickt »ach deni Mntter-Marienbitb hin:

O, send unser Mütterchen wieder!"

Es ritt der Junker von Uhlenhorst Vor Tagcsgrauen wohl in den Forst,

Den grimmigen Eber zu jage».

Ihm folgte der Jäger buntes Heer,

Ein Knappe aber schritt nebenher Ihm Spiest und Armbrust zn tragen.

In nächtlichem Schweigen noch lag der Wald,

Es trieb von den Höhe» der Herbstwind kalt Die dampfenden Nebel zusammen.

Es schnoben die Rosse-und drängten sich dicht,

Es spielte der Fackeln qualmendes Licht - Mit geisterhaft zuckenden Flammen.

Der Junker wandte da? Haupt zurück,

Wohlan ihr Herren mit Waidmamisglilck,

Schon heimlich beginnt es zu tagen.

Dort schimmert schon ferne der Ebersteg Und läuft uns kein «lies Weib übern Weg,

Tann gibt cs ein fröhliches Jagen,"

Man weist schon!" rief hinten ein Jäger her, Ein minniglich Mägdlein Euch lieber war."

Und streckt- sich lachend im Biigcl,

Doch plötzlich am Ebersteg stockte der Zug,

Dem Junker entfuhr ein gar grimmiger Fluch,

Er ballt« die Fäuste am Zügel,

Denn grad übern Weg, mit gebengteni Leib,

In eilendem Schritt lief wirklich ein Weib Mit ängstlich spähenden Blicken,

Sie war schon auf wenige Schritte nah,

Und wollte, als es die Reiter sah Sich hastig vorüber drücken.

Der Junker sctzie die Sporen ei»,

Er drängte das Weiblein an einen Stein Und rief mit zornigem Fluchen:

Was- treibt Dich, triefende Hexengestalt,

Was hast Du hier draußen in meinem Wald In nächtttchcr Stunde zu suchen?"

Das Weiblein sank zitternd nieder in's Moos,

Es rafft« die Kräuter mis seinem Schost Und hielt sie dem Junker entgegen,

Ich Hab' in der Hütte «in totkrankeö Kind,

Seid gnädia o Herr, laßt mich eilen geschwind,

Es bringt Euch den himmlischen Segen,"

Die Fäuste des Innkörs zuckten vor Wut Man sollte der widerspenstigen Brnt Ten Herren gelegentlich weisen."

Er rist seinen Rappen z» Boden schier,

Erschrocken bäumte das edle Tier Und schlug mit den blitzenden Eise».

Schnell sprangen die Jägerknechte herzu,

Sie brachten den tobenden Rappen zur Ruh Und hielten ihn sicher gebunden.

Das Weiblcin aber lag ausgestreckt Am Bode», das wehrlose Haupt bedeckt Mit tödlich klassende» Wun'de».

Die Knappen zogen sich scheuend zurück,

Sie streiften de» Herren mit ängstlichem Blick Und slllsterten heimlich und lelse.

Die Herren drängten die Rosse heran.

Sie schauten di« blutende Leiche an Und hielten verlegeti ijn streike