Ausgabe 
6.2.1914
 
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weist, während der Japaner mit einer Haardicke von 0,105 Milli­meter» unter allen Völkern der Erde das stärkste Haar zu besitzen scheint. Messungen bei Indianern ergaben als größte durchschnitt­liche Haarbicke 0,09 Millimeter, bei Hereros 0,983 Millimeter. Das Haar der Buschmänner, das als sehr sei» bekannt ist, zeigt noch immer eine Höchstbreite von 9,0773 Millimetern, ivährend man bei ägyptischen Mumien 0,073 bis 0,07t Millimeter crinittelt hat. Die geringste Dicke weist das Haar deS Australiers aus mit 0,006 Milli­meter». Bedeutend stärker als die Kopshaare sind beim Europäer die Barthaare, für die man 0,153 Millimeter als Durchschnittsstärke ge­funden hat. Bergleichsivcise sei bemerkt, daß di« Fcllhaar« des Schimpansen 0,135 Millimeter dick sind. Wie die Dicke, so zeigt auch das t-lc wicht der Kopfhaare bei den einzelnen Menschenrasse» groß« Unterschiede. Beim Europäer stellt sich das Gewicht von 1 Zcnki- > net er Haarlängc auf durchschnittlich 5t Millionstel Gramm. Ei» annähernd gleiches Gewicht zeigten auch das Kopshaar eines peruani­schen Indianers und eines Kamerunnegers mit 57 bczw. 59 Million­stel Gramm für das Zentimcler Länge. Durch ein sehr hohes Ge­wicht zeichnen sich dagegen die Haar« des Chinese» ans, die mit 0,998 Milligramm pro Zentimeter säst doppelt so schwer sind wie Enropäerhaarc. In der Jugend ist das Haar meist feiner als im Alter. Als äußerste Grenzen siir das Zentimeter Haargewicht hat man bisher 39 und 115 Millionstel Gramm sestgestellt. Ein Haar voll 1 Meter Länge wiegt durchschnittlich 5 bis 6 Milligramm! Wett schwerer «IS das Kopshaar ist bei den Angehörigen der weißen Rasse das sogenannte Terminal- oder Fcllhaar, z B. das Barthaar. Co wogen bei einem tOjährigen Europäer die Barthaare pro Zenti­meter 170,5 Millionstel Gramm, zeigte» also etwa das dreifache Strcckengcwicht des Kopfhaares. Infolge dieser bedeutenden Differenzen dürste es in den meisten Fällen selbst bei kleine» Haar- bruchstiicken nicht schwer zu entscheiden sei», ob Kopf- oder Tcrminal- haar vorliegt, eine Frage, di« bei gcrichtSärztlichcn Untersuchungen von Wichtigkeit sein kann, SKi de» außcrenropäischcn Rassen scheint dieser Unterschied nicht so ausgeprägt z» sein oder überhaupt nicht zn bestehen.

Das Puppcnhans von Utrecht. Tic Zeit, da die weihnachtlichen SpielzengaussteUungcn in den Läden und Warenhäusern und die verlockend ansgebantcn Schaufenster mit ihren Puppen, Festungen, Tieren und Miniaturantomobilc» die Herzen der Kinder mit frohen weihnachtlichen Vorahnungen erfülle», ist zwar schon längst vorüber, aber die Kleinen, die mit leuchtenden Auge» all diese Wunderwerke bestaunen, würde» mit offenem Mntibc dreinschaucn, wenn sic das kostbarste Puppenhaus der Welt sehen könnten: das Puppenhaus von Utrecht. Und nicht nur den Kindern, nein, auch den Kunst­freunden und Sammlern alter Möbel würde beim Anblick dieses kleinen Wunderwerks das Herz schneller schlagen, denn das Pnppcn- werk von Utricht besitzt Schütze an Möbeln und allen Einrich- jungsgcgeiiständcn, deren Wert kaum zu berechnen ist und deren kulturhistorische Bedeutung sogar zwei bekanittc Kunstgelchrte, die Professoren Vogelfang und Müller, dazu begeistert hat, diesem PuppeuhanS ein ganzes gelehrtes Werk zu widmen. Es war um 1875, als eine reiche Dame aus Amsterdam aus die Idee kam, sich ein Puppenhaus machen zu kasteit, das »in Meisterwerk werden sollte. Immer mehr verliebte die vornehme Holländerin sich in ihren Plan, Handwerker und Künstler winden in Beivcgnng ge­setzt, und nach 15 Jahren war dieses kleine Schloß vollendet, hatte «in Vermöge» verschlungen, aber dafür steht auch heule staunend die Nachwelt vor diesem Pnppeuhcim, das uns bester und unver­fälschter als alle wirklichen Häuser aus jener Zeit einen Einblick i» bas Lebe» einer holländischen Patrlzlcrivohnung des 17. Jahr­hunderts gcivährt. 115 klein« Zimmerchen sind cs, die hier bis zu dctl geringsiigigstcn Einzelheiten ohne Rücksicht auf Mühe oder Kosten ausgcstattct wurden. Die winzigen Möbel sind mit Gold beschlagen oder durch die Kunst des Holzschnitzers geadelt, ent­zückende Puppengemälde wurden von Künstlerhand geschossen, um getreu nach dem Borbildc der Wirklichkeit die Wände zu schmücken, ja den Salon dieses PuppcnhauscS malte einer der bcrühniteste» Künstler seiner Zeit aus, Meister Mouchero», besten Namen die Kunstwclt noch heute kennt. Da scheu wir im Salon auf Brokat­stühlen unter reizende» Deckengemälden die Dame des HanscS in der Unterhaltung mit zivei Herren; im Treppenhaus, durch das ein

Bage mit einem Korbe gerade zum Einkauf eilt, steht das Kinder fräulcin in: Begriff, mit dem Baby einen Spaziergang zu unter-

nehmen; int Wohnzimmer plaudert die Dame des Hauses init ihre,» Gemahl, indes im Kindcrzimmcr auf hochbeinigem Stithl ein Töchterchen mit den, Onkel Arzt spricht. Küche, Garte», Schlaf, gcniach mit allen Toilette-Utensilien einer vornehmen Patriziersrau sind vorhanden. Ja so weit geht dieWirklichkeit" de? Lebens in diesem Puppenhaus, daß cs 1813 sogar einen regelrechten Einbruch erdulden mußte, bei dem eilt« Reihe goldener und silberner Haus­geräte, ein Leuchter und goldene Bestecke gestohlen wurden. Allein die Stadt Utrecht, die mit Stolz ihr berühmtes Puppenhaus hütet, ließ die Bewohnerin nicht lange ohne Taselgerät, und schleunigst wurden für die Puppen neue Gvldbestcckc hcrgcstcllt, knnstvolle Kopien der gestohlenen Originale.

chesttndheilspsscge.

Saultrankhcitc» durch Pclzsärbcmittel. In der Deutsch, mcd. Wochenschr. berichtete Prof. Blaschko-Bcrli» über einige von ihm beobachtete Fälle von Hautkrankheiten, die deswegen unser Inter­esse beanspruchen, iveil sic durch Pelzsärbemittel hcrvorgerufcn werden. Eine Danie erkrankte an einer Hautentzündung, die sich voni Kopse über den ganzen Körper erstreckte. Die sorgfältigste Nachforschung ergab keinerlei Anhaltspunkte für eine i» irgend einem kosmetische» Mittel enthaltenen chemischen Schädlichkeit. Da sich aber bei näherer Beobachtung zeigte, daß die Hautent- ziindung ihren Ausgangspunkt am Halse genommen und sich von da abivärts über de» Körper verbreitete, kam Prof. Blaschko aus den Gedanken, ob nicht ein gefärbter Pelzkragen die Ursache der Erkrankung sein könne. Tatsächlich stellte sich heraus, daß der Pelzkragen des AbendmantelS vor kurzem frisch ausgcsärbt war. Der Pelzkragen färbte schon bei leichter Reibung ans das Papier ab. Tic chemische Untersuchung ergab, daß der Pelz mit Para- phenilendiamin gcsärbt, aber nicht genügend geläutert war. Ein anderer Patient bekam seit 1 oder 5 Jahren jedesmal im Winter, sobald er ins Freie kam. einen heftigen KesichtSausschlag, der i» wechselnder Stärke den ganzen Winter hindurch aufzutrcten pflegte. Auch hier war der Pelzkragen des Patienten srisch ge­färbt und der Kragen färbte in derselben starken Weise aus ein Stück Papier ab. Der Patient ließ den Pelzbesatz ändern und konnte alsdann ohne die geringsten Störungen sich im Gebirge dem Wintersport hingeben. Werden die Pelze gut ausgewaschen, so daß der getrocknete Pelzecht" gefärbt ist, dann enthält er auch kein Paraphenilcudiamii! mehr und kann unbeschadet gebraucht werden.

Das heiße Bad bei Verstauchungen. Dr. K « n I o r o w i tz -

Hannover empfiehlt bei Vcrstanchnngen statt der üblichen kalten Bleiivastcrumschläge das heiße, langaiidaucrndc örtliche Bad. Er hält cs für wirksamer als kalt« Anwendungen, weil cS sich bet den in Betracht komniendc» Verletzungen nicht um eine Entzündung, sondern um Blutcrgüste infolge Zerreißung von Gelenkbändern bandelt. Das heiße Bad ivird in der Weise ansgesiihrt, daß das ver­letzte Glied in ein möglichst heißes Bad sofort nach dem Unfall ge­steckt wird, sodaß der Spiegel des Wägers noch handbreit über dein Gelenk steht Die Temperatur betrügt zunächst 28 Grad, dann gießt man alle 5 Minuten heißes Wastcr z», bis die Temperatur 35 Grad l>eträgt, ja inan kan» womöglich noch höher gehen. Das Gelenk kan» daraus leicht nnd schmerzlos bcivegt ivrrden. Das lrisst aber nur dann zn, wenn cs sich um eine einfache Verstauchung, d. h. um einen tiliß eines oder mehrerer Gelenkbänder handelt. Sobald aber nur die geringste Verletzung eines Knochens stattgesunden hat, werden die Beschwerden durch das heiße 2iad verschlimmert. TaS lang- dauernde heiße Bad ist deninach ein ivichtiges Mittel zwischen Bruch und Verstauchung und kan» die Röntgenuntersuchung ersetzen. Tie Erklärnng geht dahin, daß das heiße Bad im Falle einer Ver­stauchung eine erhöht« Anssaugnng des Blute? und damit ein schnellcs Bcrschwinden der Schmerzen bcivirkt. Dagegen ist beim Knochcnbruch die Blutung bedeutend, da viel stärkere Gesäße verletzt sind, die sich weder zurück- noch zusammenziehen könne». Hier ivird durch die Anwendung der Hitze weniger die Aussaugung des Blutes angeregt, als die Blutung selbst verstärkt und dadurch der Tchinerz vergrößert.