damals, wie der Vater und die Tante selbst nach Kinder gewesen sind, da hat der Großvater gesagt: „Kleine Kinder brauchen noch nicht traurig z» sein und auch noch nicht weinen
Und wie die fremden Menschen fertig gewesen sind mit dem Kasseetrinken, da ist gerade der kleine Fritzl ausgemacht und schaut mit großen, runden, blauen Baby-Augen erstaunt um sich.
Und da kann man sich jetzt seine Gedanken machen darüber, daß der Großvater einst ein ebenso winzig kleines Bübchen gewesen ist.
Denk mal, der Großvater — daß der so klein war wie jetzt der Fritzl und hat auch »och nicht einmal gehen können und ebenso wenig sprechen natürlich. Und wenn man dann weiter bedenkt, daß unser Fritzl auch mal ein solch alter Herr geworden sein wird, und daß er dann — ja. daß er dann auch sterben muß — denn das müssen alle. — Und immer so fort, immer weiter so. Es ist Mcnschcnlos ...
Menschenlos! Sollte man sich da nicht eigentlich versöhnen mit den, Sterben? Wen» es doch eine so natürliche Sache ist? Und doch tut es so bitter weh? Wie ist das nur?
Das haben alles die Menschen aus dem bißchen Leben gemacht.
Tic Freude» hineingelcgt und die Leibe».
Und sie denken, daß das Menschenherz die erste Geige spielt „im großen Rate der Natur".
Doch in Wirklichkeit hat cS überhaupt keine Stimme.
Und jetzt, wenn man vom Großvater spricht, dann erzähle» die Kinder ein wenig altklug auch irgend ein Stückchen von ihm.
Doch im ganzen ist er vergesse».
Hält man es ihnen aber vor, so wollen sie es nicht wahr habe».
Sie haben doch ihm zu Ehren den Verein gegründet, zu den: Zweck, an seinem Geburtstag und am Todestag das Grab mit Blumen zu schmücken. Das wird wohl schön sein, wenn man einen richtigen Verein „macht".
Mit einem Schreiben, in welchem es heißt:
„Wir alle Kinder beklagen bitterlich den Tod unseres lieben Großvaters. Wir haben daher beschlossen, einen Verein z» gründen. Mindestbeitrag im Fahr sllnfzig Pfennig."
Und dann gibt es einen Vorsitzenden und einen Vereinsdicner. Die heißen Werner und Hansel. F» den Sitzungen dreht es sich allemal darum, ob erstens das Fahresgehalt des Dieners von fiinfzeh» auf zwanzig Psennig« erhöht werden soll und ob zweitens der Diener bei den Sitzungen anwesend sein darf oder nicht. Einmal hat die klein« Auguste, die immer toternsthajt „beiwohnt", auch das Finger- chen gehoben: als ihr abr der Vorsitzende das Wort erteilic, da sagte sic bloß: „Erlauben Sie. daß ich Hinausgels?"
Gewöhnlich endigen die Sitzungen nnt einer kleinen Rauferei. Aber Werner antwortet dem Vater, der ihm vorstellt, daß cs unter der Würde eines Vorstandes sei, sich mit dem Vereinsdicner herum- zubalgen, er raufe in seiner Eigenschaft als Bruder. Da zieh! dann der Vater natürlich de» Kürzeren.
Und serner berufe» sich die Kinder darauf, daß sie sogar schon aus dem Grab gewesen sind — an einem Sonntag Nachmittag — und habe» sclbstgepslückte Blumen daraus gelegt.
Aber was die Tante betrifft, so war die nach gar nicht auf dem Grab. Und trotzdem sage ich, ist sic weit mehr betrübt als bi« Kinder.
Das kämmt nämlich daher, daß die Kinder sich nichts Rechts vorstellen können unter dem Tod.
Ais zun: Beispiel das Augusterl in Stuttgart gehört hat, daß der Onkel gestorben sei, hat cs gefragt, ob nun gar keine Hossnung mehr wäre. Und der kleine Bubi wollte einmal bei einem Leichenbegängnis wisien, ob beim der Tote nicht auch mitmarschicren diirsc. lind als die Mutter der kleinen Erna und des Franz! sagte, sic würden sie noch zu Tode ärgern, da äußerten die Kinder, cs habe nichts aus sich. Sic konnten ja dann bei der Tante Johanna effcu. — Und „wir streuen Blunic» auf dein Grab". Ties ist aus einem Lied, das sie ln der Schule singen. Und wie di« Tante selber noch ei» kleines Mädchen war, da ist die Großmutter von ihrer Freundin gestorben. Ein ganz kleines altes Frauchen ivar das. Und hat „Veilchen" geheißen. Ist das nicht ein netter Name? Da bekam die Freundin ein schwarzes Kleidchen. Ach. da wünschte ich mir sehr, daß von unseren vier Großeltern auch bald wer sterben niöchte. Ober wenigstens der alte Urgroßvater, der schon weit über achtzig war. So denken Kinder.
Und die Große»?
Was begreifen s i e denn eigentlich vorn Tote?
Im Grunde auch nichts weiter als dies: Ta ist mir ein lieber, teurer Mensch gegangen. Ich werde ihn nie wieder sehen, und er bringt mir keine Freude» mehr.
So wäre all diese Trauer nicht? weiter als Eigenliebe? Oh nein!
Beweinen ivir «inen lieben Menschen doch midi, daß er f i ch dahingegangcn . . .
Aber er weiß doch nichts mehr?
Also Ist da? Totsein nicht schlimm.
Aber das Sterben! Denn wenn einer iveiß, daß er gehen muß ..
Aber der Großvater wußte es wohl nicht.
Und doch!
Wenn ich einen schönen Blumenstrauß habe, kommen mir die Tränen, weil er sich nicht mehr mit mir daran erfreue» kann.
Oder wenn mir der schöne Herbst ins Zimmer lacht, den er so geliebt hat.
Oder »enn mir einer etwas Freundliches sagt von ihm.
So scnüerbar sind di« Menschen.
Wie heißt es doch: „Ich bi» kein ausgeklügelt Buch, Ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch."
Ach, wer eS vermöchte, die kurze Zeit, die er auf Erden wandelt, nnbekümmcri hinzubringen!
Wie di« Kinder.
Sie haben den Großvater lieb und freuen sich, so lang« er da ist. Ist er aber einmal gegangen, so fehlt er ihnen nicht weiier. Ja, es ist für sie eine kleine Sensation, wenn sie wegen der Beerdigung einen Nachmittag nicht zur Schule mllsien. Und wenn gerade Kiassen- anfsatz trifft, so hat «8 gewiß sein Gutes. Sie tu» groß vor einander: „Mein Großpapa ist gestorben und gestern war er noch ganz gesund." „Ach", macht der andere wegwerfend, „meiner ist sogar ertrunken im Walchensee."
Genau ivie da neulich nach dem furchtbaren Hagelwetter der Werner: „Bei dem Schmitt hat der Hagel siebzehn Fenster cinge- lchlagen, bei uns bloß fünf. Dafür haben sie bei ihm wieder »ich!, wie bei uns, die Feuerwehr alarpiicren brauchen zum Keller ans- pnmpen — siebzehn Mann."
" Ir
lind der Großvater?
Wenn er wüßte, sie denke» kaum mehr au ihn?
Ach, er würde bloß lächeln mit seinen lieben, guten, schöne» Angen. Und er würde sagen, daß er es auch nicht anders gemacht hat, ais er »och ein Kind gewesen ist. Der Großvater. (Frts. Zig.)
Zns Welt und cfidu'it.
Tie organischen Haarfärbemittel. Die bercchligte» Einwände und Warnungen, die gegen das Färben der Haare mit landläufig «ngepriesenen Mitteln erhoben werden, sind sehr oft berechtigt, namentlich wenn solche Mittel mit starke» Beimengungen inincrali- scher Stoffe hergestellt sind. Es erscheint an sich natürlich, daß zur Färbung oder andere» Behandlung eines organischen Körpers solche Stoff« besser geeignet sind, die selbst organischer Natur sind. Das wäre nun an sich ein oberflächliches llrteil, das jedcnfaüs eine Nachprüfung verlangt. Wenn aber jetzt gefärbte Haare bei den Frauen noch mehr als bisher Mode werden, und zwar derart, wie cs nach der Meldung über de» Gebrauch ganz unnatürlicher Farben für das Kopfhaar den Anschein hat, so ist die Mahnnng zur Vorsicht noch viel wichtiger als bisher. Die Ehcmie ist selbstverständlich in der Lage, eine schier unbegrenzte Zahl von Stoffen anzngeben, die mehr oder weniger gut auch zur Färbung von Haaren geeignet sind. Eine solche Verbindung, die in heutiger Zeit nach dieser Richtung besonders zu Ehren gekommen ist, ist ein Laboratorinmserzeuguis, mit dem Namen Paraphcnylendiami». Wem dieser Name zu umständlich sein sollte, niag sich damit trösten, daß cs viele in der Chemie gibt, die doppelt so lang sind, Außerdem ist er für den leichteren Gebrauch im Handel auf die ersten beiden Silbe» Para abgekürzt worden, wogegen freilich zu sagen ist, daß diese Be- zcichimng bereits für mehr als einen Stoff vergeben ist. Vom chemische» Standpunkt aus hat diese Verbindung den Vorzug großer Bequemlichkeit, da i» leichter Weise alle mögliche» Farbe» hergestellt werden können. Diese Produkte haben insbesondere eine eigene Beziehung zum Sauerstoff, der ihnen je nach der Menge jede beliebige Tönung verleiht. Es versteht sich von selbst, daß der Stoff vor der Verwendung mit parfümiertem Wasser versetzt wird. In Paris ist er bereits in der Form käuflich zu haben, baß eilt Fläschchen das eigentliche Färbemittel, das zweite sanerstoffhattiges Wasser enthält, so baß die Käuferin die Farbe selbst abtönen kann. Ein Zusatz von 1 Prozent aus der zweiten Flasche ergibt blond, ein solcher von 2 Prozent kastanienbraun nsw. Ob die blauen und grünen Farben nach Muster ans diesem Wege gleichfalls zu erzielen sind, wird vorläufig noch nicht verraten. Vorsicht Ist jedenfalls auch bei diesen Mittel» geboten.
Ucber Stärke und Gewicht des meiischlichen Haares teil! Tr. Ha»s Friedenthal in der Zeitschrist für Ethnologie gelegentlich einer Untersuch»na über das Tasmanicrkopfhaar einige interessante Zahlen mit. Was zunächst die Dicke des Haares betrifft, so zeichnet' sich die n>«ißc Rasse durch den Besitz eines besonders starken Haares aus; seine mittlere Maximalbrcit- beträgt bei schlichtem Haarwuchs 0,102 Millimeter. Dem Europäer nahezu gleich kommt der Chinese, dessen Haar «ine mittlere Höchstbreile von 0,009 Millimeter» auf-


