fciligeit. ES muss«» unier ollen Umständen die Kommune» und womöglich auch der Staat helfend eingreifen.
In Deutschland ist aus diesem Gebiete bis seht verhältnismäßig wenig geschehe». Irgend welche geschlichen Bcstiimnungen, die die Angelegenheit regeln, bestehen bis jetzt noch nirgends. Was geschehen ist, geschah meist aus Anregung der privaten Wohltätigkeit hin und beschränkt sich aus eine Anzahl grosser Städte. In München bestehen eine Anzahl Suppenküchcn, die jährlich rund 500 000 Portionen Suppe an Kinder verabreichen. In Hamburg wird die Schulspeisung vom „wohltätigen Schulverein" betriebe», an dem die Armenverwaltung beteiligt ist. Auch in Berlin erhält der Verein zur Speisung armer Schulkinder eine städtische Unterstützung, aber nur in Höhe von etwa 5000 Mark. Der Verein stellt Len Rektoren die Mittel zur Verfügung, um armen Schulkindern ein Frühstück gewähren zu können. Für die Mittagspcisung hat der Magistrat mit dem Verein für Volksküchen einen Vertrag geschloffen, wonach dieser gegen eine städtische Beihilfe von kl Psg. pro Portion an Kinder, die von der Stadt zugewiesc» werde», ein Mittageffe» verabfolgt. I» Ch a r l o t t e » b u r g werden jährlich rund 050 Kinder gespeist. Tie Kosten betragen etwa 32 000 Mark. In Chemnitz sind 1500 Mark in den städtischen Etat eingestellt, um bedürftigen Kindern ein warmes Frühstück zu gewähre». In Dresden werden dem Verein zur Speisung bcdiirstiger Schulkinder seit dem Jahre 1010 städtische Beihilfen von jährlich 15 000 Mark gewährt. Frankfurt a. M. gibt für Schulkindersrüh- stiicke jährlich 10 000 Mark ans, Stuttgart 40 000 Mark. In Leipzig werden den Kindern bedürftiger Arbeitsloser während dreier Wochen warme Milch mit Brötchen und Mittags eine kräftige Speise geliefert. Mannheim »nd Hannover haben ebenfalls je 10 000 Mark zur Schulspeisung im Etat bereit gestellt. In Karlsruhe hat die Stadtverwaltung dem Frauenvereiu die Organisation übertragen, der die Selbstkosten mit 18 Psg. pro Portion erstattet bekommt. Aehnliche Einrichtungen bestehen in Gleiwitz, Hanan, Fürth, Osnabrück. Zittau, Eibau, Rummelsburg, Peine »sw.
Werfen wir einen Blick auf das A u s l a n b, so finde» wir, dort teilweise weit bessere Einrichtungen. In England besteht seit 1906 ein Schulspcisegesetz, das im Jahre 1911 von 123 Gemeinde» durchgcfllhrl wurde. Im Jahre 1910 wurden ohne London 120000 Schüler gespeist; die verzehrten Portionen näherten sich der neunten Million. In London selbst stieg die Zahl der gespeisten Schüler von 88 000 im Jahre 1908 auf 115 000 im Jahre 1910, die der verteilten Portionen von 144 000 auf 9139 000. Insgesamt erhielten rund 228 000 englische Kinder 16 299 000 Mahlzeiten im Jahre 1910. Tie össentlichcn Zuschüsse dazu betragen 3'/- Millionen Mark. Alle beteiligten Stellen sind einig tibcr die auherordentlich günstigen Erfolge der Einrichtung. In Frankreich gehört die Sckmlspeisung sogar in de» kleine» Dörfer» zu den Wesenheiten der Volksschule. In Paris ist seit 1882 die Speisung bedürftiger Schulkinder obligatorisch. Die Stadt besitzt 380 Schul- kantinen für 588 Schulen: im Jahre 1909 wurden an 38 500 Kinder säst 8 Millionen Mahlzeiten verteilt. Der städtische Zuschuß beträgt annähernd 1 Million Mark. Im Jahre 1909 hatte Frankreich lohne Paris) In 54 seiner 88 Departements 2367 Kantinen und speiste 148 000 Schüler. Drei Fünftel der Kantinen sind direkte kommunale Einrichtungen, die anderen beiden Fünftel werden teilweise öffentlich unterhalten. Nach der französischen Schultheorie must jedes bedürftige Kind eine warme Mittagsmahlzeit erhalten. Niemals darf die Schulspeisung als Wohltat gelten.
Holland ermächtigte mit der Einführung der Volksschulpflicht die Gemeinden im Jahre 1900, Schüler zu speisen und zu kleiden, sofern die Nahrungsnot oder der Kleidcrniangel vom regelmäßigeu Schulbesuch zurückhält. Im Jahre 1907 wurde die Einrichtung in 137 Städten durchgeführt. In der Schweiz ist die Schulspeisung ebenfalls gelenlich geregelt; in einigen Kantonen ist sic sogar obligatorisch. Sehr verbreitet ist die öffentliche Schulspeisung ln Italien. In Mailand erhalten täglich 17 600 <88 Prozent sämtlicher) Schulkinder warme Mittagskost: davon 30 Prozent unentgeltlich. J„ Roni, Genua, Padita, Venedig beteiligt sich öle Hälfte aller Schüler an fie» überwiegend unentgeltlichen Mahl- zeiten. Tie Gesamtausgaben von 41 Städten betrugen rmtd 1 Million Mark. In A in e r i ka sind die Einrichtnitgen »och Lnsterst verschiedenartig. Vielfach sind Gelegenheiten geschasfen. dast sich die Schüler in der Schule selbst die Mahlzeiten bereiten oder wenigsten» mitgebrachte Speisen wärme».
Die gegenwärtige wirtschaftliche Kris« sollt« auch den deutschen Gemeinden Anlast geben, sofort Mastnahinen zu treffen, um bi«
Schulspeisung armer Kinder weiter auSzugestalten. Sonst bleibt Deutschland In allen Knlturangelegcnheltru hinkend zurück.
Aer Aevölsreruttgsuberschttsr steigt wieder!
DaS Jahr 1911 war ein Schreckschuß für die deutsch- nationalen Politiker. Die Geburlenrate hatte ihre min schon icit Jahren sinkende Tendenz beibehaltcn; gleichzeitig wap aber der Rückgang der Sterbcrate, der bis dahin jenen Rückgang der Geburten mehr oder weniger aufgehoben hatte, znm Stillstand gckonimen, sodaß der Geburtenüberschuß mit einem Male einen gewaltigen Absturz erfuhr. Er sank von 873113 Personen oder 13,62 pro 1000 der Bevölkerung auf 739 945 oder 11,32 pro 1000 der Bevölkerung. Damit rückte für gewisse Leute das drohende Gespenst eines Bevölkcrungs- jtillstanües und schließlich Rückganges in greifbare Nähe. Unzählige Federn wurden in Bewegung gesetzt, um die Ur- jack>e des Hebels zu ergriinden und in buntscheckiger Mannich- saltigkeit reihte sich Vorschlag an Vorschlag, wie man am besten dem Nebel Einhalt tun könnte. Aber noch ehe irgend einer von diesen Vorschlägen praktische Gestalt angenommen hatte, haben sich^die Verhältnisse ganz von selbst gebessert. Was schon ans den Veröffentlichungen einiger Einzelstaaten über die Bevölkerungsvermchrung de? Jahres 1912 hcrvo» ging, das wird jetzt durch die in dem soeben herausge- kommcnen Vicrteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches mitgeteilten Ziffern für das ganze Reich bestätigt: Daß nämlich das Jahr 1911 infolge seines die Sänglings- stcrlilichkcit begünstigenden heißen Sommers ein Ausnahme. >ahr darslclllc und daß die normale Entwicklung der Bevölkerungsbewegung bis jetzt absolut keinen Anlaß gibt, besonders schwarz in die Zukunft zu sehen.
Zwar hat auch 1912 eine weitere kleine Abnahme der Gcbnrtenrate gebracht. Ihre Ziffer sank von 1 927 039, oder 29,48 pro 1000 der Bevölkerung, auf 1925 883, oder 29,12 pro 1000. Gleichzeitig sank aber anck, die Zahl der Gestorbenen von 1 187 094, oder 18,10 pro 1000, ans 1085 996, oder 16,42 pro 1000, und erreichte damit einen Tiefstand, wie ihn noch kcin Jahr vorher, auch nicht das bis dahin günstigste Jahr 1910 <17,09 pro 1000) anfznwcisen hatte. Infolgedessen stieg der Geburtenüberschuß von 739 945 — 11, 32 pro 1000 auf 839 887 — 12,70 pro 1000. Wenn er damit auch hinter dein Geburtenüberschuß der vorhergehenden 17 Jahre znrück- bleibt, so steht er damit doch noch ebenso hoch resp. höher wie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Reichsgründung, wie folgende kleine Tabelle erweist.
Es kamen auf je 1000 Einwohner im Jahresdurchschnitt Geburten Todesfälle Geburtenüberschuß
1873,82
40,65
28,02
12,63
1883/92
37,98
26,06
11,92
1893/1902
37,11
22,68
14,43
1903/1012
32,49
18,90
13,59
Hoffentlich werden diese statistischen Ergebnisse nicht verfehlen, die erregten Gemüter etwas zu beruhige». Zu bemerken ist ferner noch, daß die Zahl der T o t g e b o r e » e u einen kleinen Rückgang (von 2,95 pro 100 Geburten ans 2,93) erfahren hat. Dagegen ist die Rat der u n e h e l i ch G e - bo reue n wieder um eine Kleinigkeit gestiegen. Es wurden 1912 183 857 — 9,55 Prozent »»ehelich geboren gegen 177 056 — 9,19 Prozent in 1911. Die uneheliche Geburtenrate hat damit seit 1872 ihre» höchsten Stand erreicht; ihren niedrigsten hatte sie ini Jahre 1903 mit 8,33 Prozent.
Keimkestr.
Eine Skizze ans dem Jscrgetzirge.
Von Leo K o l t s ch.
Del, dämmernden Winterivalb hinan schreitet schnmükend und »lühsclig ei» Manu, Bitterkalt tst's, Aber dem derga» Kämpsen- den steht der Schweis, in großen, klaren Tropfen auf der Stirn «nd sein Atem geh! krampfhaft. Trotz aller Airchecngimgen bleibt sein hageres Gesicht djeich; nur Ohren und Nasenspitze glänzen jchier unheimlich blaurot. De,' hartgefrorene Schneepsad kreischt und


