Ausgabe 
30.1.1914
 
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WöibmÜkhe ßmlnge der Äderkessiscben Voikszeitung

Nummer 4

«Siesten, Freitag den 30. Uonuoc 1914.

6. Bobcgung

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Im ^Ketd) gibis Sturm" . . e

Auf der ganzen Linie der Arbciterfcinde bereitet man sich gegenwärtig vor, einen der bösartigsten Feldzüge gegen die organisierten Arbeiter und ihre Ver­bände zu unternehmen. Gutbezahlte und beflissene Ge­schäftsführer und Agenten von Unternehmer- und I n d u st r i e v e r b ä n d e n sammeln Material, tragen einen Haufen von meistens schamlos erfundenen Schauergeschichten Zusammen, halten Reden, lancieren Artikel in die Presse, suchen mit allen Mitteln in der Oeffentlichkeit die Meinung zu erwecken, daß die nicht gewerkschaftlich organisierten Ar­beiter nicht genügend geschützt sind und in der verruchtesten Weise von der organisierten Arbeiterschaft tyrannisiert und geschädigt würden. Ter Zweck dieses bubenhaften Verleum- derfeldzugcs ist, vom Reichstag neue Strafgesetze gegen die Gewerkschaften zu erzwingen, damit diese in ihrer Tätigkeit gehemmt und ganze Scharen gewerkschaft­lich organisierter Arbeiter in die Gefängnisse gebracht werden können.

Ausfälligcrweise wird diese ganze Hetze nicht einmal von den unorganisierten Arbeitern inszeniert, die angeblich geschützt werden sollen; die fühlen sich vollkommen sicher. Selbst die total verlumpten und unmoralischsten Subjekte, deren cs in nicht geringer Zahl unter den sogenannten Ar­beitswilligen gibt, sind völlig überzeugt, daß sie sich ungeslrast alle nur möglichen Uebergriffe erlauben dürfen. Stammt doch von einen, dieser Elemente das Wort:Wir Arbeitswillige können einen tot schlagen!" Und tatsächlich ist zweien solcher Arbeitswilligen, von denen einer in Burg b. Magdeburg einen Arbeiter erschoß, der an­dere in Stettin einen streikenden Arbeiter erstach, vom Ge­richt kein Härchen gekrümmt worden. Auch die inch r i st - liche n" und H i r s ch - D n n ck c r s ch e n Gewerkschaften organisierten Arbeiter rufen nicht nach diesem verschärften Schutz. Sie sind sich ebenso wie die unorganisiertenA r - beitswilligen" völlig bewußt, daß die bestehenden Gesetze und die Behörden, die, lvenn es gegen die freiorgani- fierten Gewerkschaften geht, ganz auf ihrer Seite stehen, mehr als genügen, um sie gegen wirkliche Uebergriffe zu schützen. Nein, die Nufer im Streit, die sich als die Schützer der Ar- bcitswilligcn aufwcrsen, sind die Beauftragten der Unter- nehmer und ihrer Verbände, jener Leute und Or­ganisationen, die selber durch Aussperrungen kalten Blutes Zehntausende von Arbeitswilligen ans Arbeit und Brot stoßen oder durch s ch w a r z e L i st e n von Ort zu Ort, von Betrieb zu Betrieb Hetzen, jener Leute, die nichts davon wissen wollen, daß die Hunderttausend- ehrenhafter Arbeitswilligen, die durch die Krise arbeitslos gemacht sind, durch eine st a a t l i ch e A r b e i t s l o s e n v e r s i ch c r u n g geschützt werden sollen. Diese Leute, die an und für sich durch ihren Reichtum und ihr wirtschaftliches Uebergewicht. schon eine ganz andere Macht als ein Arbeiter darstellen, sind selber sc st organisiert und alles andere als zimper- lich gegen diejenigen ihrer Klassengcnosscn. die sich nicht gut- willig der Unternchmerorganisation anschließen wollen. Sie besinnen sich keinen Augenblick, diese unorganisierten Unter- Nehmer durch Drohmittcl und geschäftliche Schädigungen in die tlnternehnierorganisation h i n c i n z n z w i n g e u. Diese

Leute, die in ihren eigenen Reihen in der unverschämtesten Weise terrorisieren, die rufen jetzt nach Schutz der ArbeitS- willigcn! Und sie berufen sich dabei auf Streikexzesse, für die, soweit welche vorgekomnien, sie selber das größte Ver­schulden trifft, weil sie häufig genug das verlumpteste Streik- brcchertuni in Fabrik und Werkstatt nntcrbringen und aus­drücklich zu Gewalttätigkeiten airreizen, dadurch, daß sie sie mit Waffen gegen die Streikenden ausrüsten.

Im Preußischen Abgeordnctenhause hat der alte Hasse: der Arbeiterschaft, der Freiherr von Zedlitz, bereits er» klärt: nicht prinzipiell und scharf genug könne die schab - l i ch e und verwerfliche Arbeitslose ir Versiche­rung bekämpft werden, ein viel besserer Schutz der Ar­beitswilligen müsse angestrebt werden, die Straßen und Plätze müssen bei Streiks sreige halten (die Streikposten verhaftet), die Gewerkschaften zivilrechtlich haftbar gemacht werden: nicht neue Rechte für die Ar- ocitcrschaftdie Arbeiterklasse hat mit dem Reichstags- Wahlrecht schon weit mehr Recht, als ihr gebührt."Im Reich gibt's Sturm, wir stehe» vor schweren Kämpfen!"

Diesem alten Hetzer hat der als genau so arbeiterfeind­lich bekannte Polizciminister in Preußen, v. Dallwitz, er­widert, das; alle die gewünschten scharfen Weisungen an die Polizeibehörden z«m Vorgehen bei Streiks bereits ergangen sind, daß überall Polizeiverordnnngen bestehen, ähnlich wie bei den letzten Streiks im Rheinland (Bergarbeiter, Färber in Crefeld) vorzngehen. . . .

Im Reiche gibt's Sturm, wir stehen vor schweren Kämpfen!" das Stimmungsbarometer der Herrschenden weist daraus hin. Gilt, beim Stürmen ist ein wesentlicher Faktor die Macht der Zahl. Wenn unsere Gewerkschaf­ten und die Partei die Zahl der Massen znm Kampf anf- rusen, »m im höchsten sittlichen P r o t e st den Herrschen­den znzurufen: D i e H ä n d e w e g v o n unfern w i n z i - gen Rechten! dann wollen wir Frauen nicht fehlen. Wir müssen erkennen, daß die schwere Gefahr, die dem Koalitions­recht droht, direkt die Existenz und die Lebens­haltung unserer Familie bedroht.

Wenn cs also gilt, der entfesselten, zügellosen Volks­fei n d s ch a f t im Sturm die besseren Kräfte des Volkes cntgegenzuwerfen, dann wollen >v i r Frauen nicht beiseite st e h e n!

Die Aorlschrilte in der Schrrlspeisung.

Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Ernährung der Schul­kinder, Insbesondere in den Städten der Industricbczirke, eine mangelhafte ist. Ter Erfolg des Schulunterrichts wird damit sehr oft in Frage gestellt. Bor allein bringt aber auch die »iigenilgende Ernährung schiverc Gefahren für die körperliche Entwiiklung der hcranreifcndeii Fugend mit sich. Es liegt daher ei» erhebliches öffentliches Interesse vor, die Speisung von Kinder» armer, er- ioerbstätiger Eltern zu fördern. Es empfiehlt sich, nicht nur die schlecht genährten Kinder zu speisen, sonder» im Fntcrefse des Kindsrfchntzes auch dleicnigcn. die durch Vernachlässigung der Familie heruntergekommen sind. Tie bisher durch private Wohl­tätigkeit lnS Lebe» gerufenen Einrichtungeik von Schiilerspeifungen sind nicht »mfassend genng, um die vorhandenen Miftstände zu de«