Kimmung ist durch Ausnahmen unterbrochen, die silr die Lense»- und Seidenindustrte, bas Gast- und Schankwirtschafts-, sowie das Bäckerelgewcrbe zugelassen sind. Für das ganze große Gebiet der Heimarbeit gelle» ohnehin keine gesetzlichen Schutzbestimmungen. verboten ist die Verwendung von Kindern als Jagdtreiber, bei Theateranfsuhrungen und öffentliche» Schaustellungen, wenn nicht für diese die Erlaubnis der Schulbehörde vorliegt.
Trotz dieser Schutzbestimmungen waren im Jahre 1810/11 3835 Kinder unter 12 Jahren in behördlich beaufsichtigten Betrieben tätig, davon 2583 in Fabriken und 1252 in Kleinbetrieben. Außerdem wurden viele Tausende solcher Kinder in der Heimindustrie und in der Landwirtschast beschäftigt. Eine soeben vom K. K. Arbcilsftalistischcn Amt veröffentlichte Erhebung über die Kinderarbeit bringt gleichfalls höchst betrübliche Resultate, obwohl sie nicht einmal den gesamten Umfang der Kinderarbeit zahlenmäßig erfaßt. Es ivurden 3502 <15,7 Prozent) Schulen und 751330 <17,9 Prozent) Kinder untersucht. Dabei ergab sich, daß
34.8 Prozent, also mehr als ein Drittel dieser Kinder gewerblich arbeiteten. Und zwar betrug der Prozentsatz bei den Knaben
35.8 und bei den Mädchen 33 Prozent. Ter Verhältnisanteil arbeitender Schulkinder war natürlich in den einzelnen Ländern stark abweichend. So arbeiteten in Nicderösicrrcich nur 23,2 Prozent, tu Kärnten dagegen 23,2 Prozent der untersuchten Kinder; in manchen Bezirken stieg der Anteil ans 90, ja 100 Prozent. Ferner ist beachtenswert, daß in den Städte» nur 22,3 Prozent, in den Märkten dagegen 88,3 Prozent und in Landgemeinden 44,1 Prozent rrwerblich tätiger Schulkinder fcstgestellt wurden. Naturgevtäß steigt auch der Prozentsatz mit dem Alter der Kinder. Schrecklich ist es zu ersahreit. daß von den sechs- bis achtjährigen Kindern schon
17.8 Prozent, also fast der fünfte Teil, ums Brot schuften mußte. Von dcti neun- bis zehnjährigen Kinder» waren es 35,0 Prozent, von den elf- bis zwölfjährige» 49,7 Prozent und von den 13- bis 14jährigc» gar 52,3 Prozent. Das sind geradezu himmelschreiende und für ein „Kulturland" durchaus unwürdige Zustände. Die Er-? Hebung zeigte weiter, daß von den ehelichen Kinder» 34,0 Prozent, von den unehelichen 37.3 Prozent, von unehelichen mutterlosen aber sogar 48,8 Prozent arbeite» niußten.
Besonders schlimm sitid. wie schon erwähnt, die Verhältnisse aus de>» Lande. Hier ist alles daraus zugeschnitten, um den Gutsherren die billige und willige kindliche Arbeitskrast möglichst uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen. Fast die Hälfte aller Anstalten hat Schulbefuchscrlcichtcrungcn. Einzelne Orte haben für das Sommerhalbjahr gänzliche Befreiung vom Schulunterricht siir bas 8. Schuljahr, für das Winterhalbjahr Beschränkung auf 3 Wochen- stuttden oder auf 3 Monate. Häufig ist auch Halbtagsunterricht cin- geführt oder man kommt den Wünschen der Agrarier durch Verlegung der Schulferien auf die Zeit bestimmter landwirtschaftlicher Arbeiten, oder Gewährung einzelner freier Tag« und di« Erlaubnis zu vorzeitigen, Austritt aus der Schule entgegen. In einzelnen ländlichen Bezirken arbeiten die 95 Prozent der Kinder einfach das ganze Jahr, tagaus, tagein, auch an den Sonn» und Feiertagen. So sieht für diese Aern'sten die „goldene Jua«>td" aus.
Was die Dauer der Arbeitszeit anbctrisft, so gibt folgende kleine Ilcbersicht darüber Auskunft. Es arbeiteten von den Kindern mit normalem Schulunterricht
im Sommer im Winter niehr als 3 Stunden täglich 38.1 % 59,2 %
4 25 0 43 2
„ /, ** n „ 6-,vf ,, *0,4 ,,
,, „ 6 „ „ 6,5 „ 17,8 „
Kinder mit gekürztem Schulunterricht mehr als 4 Stunde» täglich 82.4 % — —
„ „ 6 „ „ 54.0 „ 77,2 „
„ „ 10 „ „ 10.3 „ 24,6 „
Zu diesen Arbeitszeiten müsse» nun also noch die Schulstunden »tid die für die Schularbeiten nötige Zeit hinzugercchnet werden, ivcnn man sich einen Begriff von der Belastung solch eines armen Landbuben oder Mädels machen will. Es ist daher auch nicht zu verwundern, daß die Enquete für 23 Prozent der untersuchten Kinder schlechte Gcsundheitsverbältnisse und siir 76,8 Prozent mangelhafte Schullcistungen angibt.
In der letzten Zeit, besonders seit dem Jubiläumsjahr, hat ja die Oefsenllichkcit in Oesterreich begonnen, sich etwas energischer dieser Allerärmsten, weil Wehrloseste», anzunehincn. Schon 1907 wurde eine „Zentralstelle für Kinderschuh und Jugendfürsorge" gegründet, die unter der Leitung des demokratischen Sozialpolitikers Tr. Jofcvh ttlärnreithcr steht, und die eine rege Tätigkeit entfaltet hat. Sic gibt eine Zeitschrift heraus, hat den österreichischen Kinderschntzkongreß 1913 in Salzburg veranstaltet, nimmt Statistiken aus, gibt ein Handbuch über Kindcr- schutz und Jugendfürsorge heraus, steht mit in- und ausländischen Jugendschutzverbänden in Verkehr us>v. Bekannt ist ferner, daß von den Ergcbnisie» der Kaiser-JubiläumSsammlung <1908) über 3 Millionen Kronen zu einen, „Kaiser-JubiläumsfoudS" für Kinderschuh und Jugendfürsorge" bestimmt und einer aus 50 Mitgliedern bestehenden „Großen Kommission" unter Leitung des Ministerpräsidenten zur Verwendung übergeben wurde. Aller Orten beschästigen sich seildein auch össcnttichc Körperschaften, Verbände und Einzelpersonen mit der Fürsorge für die Jugend. Die Landesverwaltungen allein haben 33 595 Schützlinge mit einem Jahresaufwand von 6 812 563 Kronen In Anstalten »ud Familien untekgcbracht. Dazu komnien die von Wohltätigkeitsvereinen, Kiudergärien, Ferienheime». Suppcnanslapen »sw. verausgabten Lummen. Das öffentliche Gewissen beginnt sich also ln Oesterreich
gegenüber dieser Verwüstung an BolkSkrast und Glück zu rege». Eine wirkliche Besserung der Zustände kann freilich erst eine einschneidend« und streng durchgcflihrte Kinbcrschutzgcsehgebung, die die Erwerbsarbeit schulpflichtiger Kinder überhaupt unmöglich macht, bringen. Sie wird freilich noch lange an den. Widerstand der ja auch in Oesterreich allniächtigen agrarischen Partei scheitern.
Kniu und Mutter.
Wer über die Weiber schimpft, hat sie zu lieb gehabt.
Sprichwörtlich.
WaZ mich darüber tröstet eine Frau zu sei», ist, daß ich wenigstens niemals nötig habe, eine solche zu heiraten.
Lady Montag».
Eine gute Frau ist schwerer zu finden als ein weißer Rabe. Heil. Gregor.
Behandelt die Frauen mit Nachsicht!
Aus krunnuer Rippe ward sie erschaffen,
Gott konnte sie nicht ganz gerade machen.
Goethe.
Sind doch ein wunderlich Volk, die Weiber, so wie die Kinder! Jedes lebet so gern nach seinem eigenen Belieben,
Und man sollte hernach nur immer loben und streicheln.
Goethe.
Die Frau ist ein menschliches Wesen, das sich anzieht, schwatzt und sich anszieht. Voltaire.
In einem Weiberrocke,
In einem Bienenstöcke,
Steckt Schaden und Geniest,
Ergetz und auch Verdrieß.
Friedrich v. Logan: Süstbittcrcs.
Das Süßeste und Bitterste in ein Wort gefaßt, heißt Weib. Manche Frau verteilt dann ihre Bestandteile so, daß sie außer dem Hanse süß und Iin eigenen Hause bitter ist.
Otto v. Leixner.
Gebt der Frau Flügel, und sic ist entweder ein Engel oder eine Gans. Sprichwörtlich.
Es ist nichts reizender, als eine Mutter zu sehen mit einen: Kind auf dem Arm, und nichts ehrwürdiger als eine Mutter unter vielen Kindern.
Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre.
Die Kinderliebe der Frau ist vielleicht deshalb etwas so wehmütig Schönes, weil jedes Kind ein kleiner Räuber ihrer Schönheit ist. Karl Ludwig Schleich.
Zehn Brahmanen überragt ein Lehrer an Würde, zehn Lehrer überragt ein Vater, zehn Väter oder wohl auch die ganze Erde iibertrisft an Würde eine einzige Mutter. Welcher Ehrwürdige kommt einer Mutter gleich? Indisch.
Mutter sein heißt in Sorgen glücklich sein.
» Ludwig Finkh.
Alle Liebe der Menschen muß erworben, erobert und verdient, über Hindernisse hinweg erhalten werden; die Mutterliebe allein hat man immer »»erworben und unverdient. Berthold Auerbach.
Die Kariswirtschafttiche Tätigkeit der Iran.
Es ist eine allbekannte Tasiache, daß das Fanulienleben kein „Ding au sich" ist. sondern sich entsprechend den jeweiligen Produk- lions- und Wirtschastssorme» verändert. Mit der Umgestaltung des Familienlebens verändert sich auch die Gestalt dcö hauSwlrt- fchaftlichen Betriebs, da zwischen beiden die engsten Zusammenhänge bestehen. Und schiver läßt sich die Tendenz seststcUcn, daß die tzanswirtschaftlichcn Betriebe, das heißt die häuslichen Gemcin- schastcn einer Anzahl Familienangehörigen zur Bereitung der Mahlzeiten, Pflege der Kinder usw. in ihrem Umfange immer kleiner werden. Zur Zeit der geschlossenen Haushaltung vor rund 1000 Jahren umsaßtc ein Hausstand 15 bis 20 Personen. Um baS Jahr 1000 zählte er 8 bis 10 Personen, im Jahre 1800 etiva 6 und zurzeit beträgt sei» Umfang in Deutschlaitd nur noch 4Vi Personen.
Die nähere» Gründe für das Kleincrwrrden der Ha»öl>aiu»ig lind verschiedener Art: das Ansschcibeti der Großeltern aus dem Haushalt, datt», daß die Kinder früher und niehr Hittausgehcn, um einen eigeneit Berus zu haben und früher zu heirate», ivctter, bah der Nachwuchs geringer wirb und endltch, daß die große» „Anstalten", wie Kasernen. Gefäugnissc, Kraitkeithäuser, «ensionen und sonstige Jiistitnte den Familictt zahlreiche Mitglieder entziehen. Dieses Kleinerwerde» der Familie hat eben di« Folg«, daß auch der hauswirtlchafllichc Betrieb kleiiier wird. Man bewohnt nicht mehr einen ganzen Hol oder ein ganze» H>rus, sondern eine Nah« ming. Und auch diele wird immer winziger, wird imnier mehr


