Ausgabe 
16.1.1914
 
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DerOber" untersucht ihn und faitt:Der muß amputier! iverLen "

Eine Stunde später kommt der Chef, betrachtet sich auch die Angelegenheit »nd schnauzt:Ist das alles? Das hatten Tie mit Seifenbädern ebensogut daheim heilen können "

Mit Seifenbädern ist der Fiirger tatsächlich in acht Tagen heil geworden.

Eine- Tages bleibt der Ober stehen und nimmt die Sache ge­nauer in Augenschein.Na ja, es ist ja gut. Bewegen Sic nial den Finger. Ra, dann bewegen Sie ihn dach mal."

Der Alte schwitzt fast Tränen, aber es geht nicht. Ta greift der Ober zu und zerrt ihn hin und her, daß es kracht. Ter Alke schreit natürlich pur Schmerzen.

Aber Mann, ivarnm schreien Tie den» so! Sind Tie doch froh, daß Sie ihnoch haben. Sehn Sic, wenn cs mir nachgcgangen märe, könnten Tie ihn jetzt im Spiritus nach Hause tragen."

Tarauf entließ er ihn nnd wandte sich zum nächsten Objekt.

Tiefen Kall rächte wenig« Tage später einer ans dein Gebiet der Medizin derart, das, die Patienten des ganzen Hanfes tagelang sich darüber amüsierten.

Konimt da an einem verregneten Oktoberfonntag mittags ein alter Feger"hcrein uud lagt zum Asiistente» der inneren Abteilung, er sei Inngenlrant und könne nicht mehr weiter. Tasi dem so ivar, darauf dcntelen zumindest seine, ausgelaufenen Schuhe und seine zer­rissenen Kleider. Ter Arzt untersuchte ihn aber nicht an den Schuhen oder durchlöcherten Hosen, sondern fetzte sein Hörrohr an die Brust und sagte ihm 'dann, Latz er absolut nichts finden könne.

Schließlich mutz das der Mensch selbst doch besser wissen! T«uu wo kämen wir hin, loenn die Aerzt« zu jedem Kranken sagen woll­ten: Ich finde nichts. Kein Mensch braucht dieser Objektivität, die das Subjekt als ein Subjekt behandelt, zu glauben. Also Lachte auch der Feger und sagte:Ich habe cs ü o ch auf der Lunge." Der Assistenzarzt aber behauptete:Sic haben nichts an und ans der Lunge."

Nach kurzer Debatte endigte die Verhandlung mit folgendem Wortspiel:

Sic wollen mich also nicht ausuehmeu?"

Nein."

Nicht?"

Nein, sag« ich Ihnen."

Gut. Tic werden mich doch aufnehmcn."

Stolz verließ der Feger das Zimmer und ging hinaus vor das Tor, wo er sich aus der sehr belebten Straße so lange wie er ivar aufs Trottoir sallcn lieb. Tic Krankendiener mutzten ihn aus der Bahre hcrcinholcn. Im Gang begegnete der Transport dem Assistenzarzt, nnd der Feger rief ihn höhnisch an:Ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich nicht iveitcr kann."

Nach drei Wochen war, wie er sagte, fast nichts mehr auf der Lunge, als er einige Pfund schwerer, mit neuerKlust" »nd neuen Trittchen" lächelnd die gastliehe Stätte verließ.

Und er hatte außerdem bewiese», daß ein Patient durchaus nicht dümmer zu sein braucht als sei» Arzt.

Hus Well und Leben.

Eine chinesische Helen Keller. Man schützt die Zahl der Taub­stummen in China aus 400 000; wie viele davon auch blind sind, ivird nicht angegeben, aber unter diesen Tanbblinden ist eine andere »eleu Keller erstanden, wie die tn Philadelphia erscheinende» Sunday-School-Timcs z» erzählen wissen. Auch hier ist eine Seele aus der tiefsten Dunkclheit der Sinne errettet worden und lebt nun im Lichte des geistigen Sehens, in de», sie sich weiter »nd reicher entfalten wird. In China ist die Not dieser der wichtigsten Sinne beraubten Stiejkinder des Lebens noch viel größer als anderswo. Während der BolkSglanb« den Blinden eine gewisse Feinheit des inneren Gesichts und Klugheit zucrkennt, verachtet er die Taube», die von Teufeln besessen sei» sollen. So wachs«» die Taubstumme» denn heran in völliger Vertiertheit, nnd dies gräßliche Schicksal rührte eine heldenmütige Frau, die es aus sich nahm, Licht in die finstersten Finsternisse der menschlichen Existenz zu tragen. Es ist Miß Carter, die Lehrerin derchinesischen Heien Keller", der kleinen Wang Fung-Jing. Wie die amerikanische Taubblinde sich ohne die bewunderungswürdige Geduld ihrer Lehrerin Miß Snllivan nicht z« demmodernen Weltwunder" entfaltet hätte, so verdankt auch die kleine Chinesin ihrer Lehrerin alles. Vor 24i Jahre» kam sie, ohne die geringste Erziehung, als ein dumpfes, unbeseeltes Geschöps, dessen innere Onale» sich in wilde» Wutausbrüchen äußerten, nach der Tanbstnmmenschule in Schefu, die Miß Carlcr zusammen mit einer chinesischen Lehrerin, Mrs. Se», gegründet hat. Für die Ncivyorkerin ivar cs zunächst uncichlich schwer, Ihr hohes Ziel in China zu verfolge». Tie mußte die chinesische Sprache lerne» und wurde von de», Volke als eine Fremde, deren Beginnen man nicht verstand, mißlranisch und feindlich behandelt. Aber sie ließ sich nicht abschrcckcn, und wie sic überhaupt in ihrer Schule mit de» taub- stamme» Kindern schöne Resultat« erzielte, so ward ihr als bester Lohn die taubblindc Fnng-Iing beschert, die sich durch ihre Er­ziehung in erstannlichen Fortschritten aus einem vertierten Wesen

zum denkenden und fühlenden Menschen entwickelte. Drei Monate dauerte es, bevor das Kind so iveit war, das Wort Puppe, das man ihr im Blindcnalphabct in die Hand buchstabierte, mit dem Gegen­stand zu identifiziere», den man ihm iu die Hand gelegt hatte. Manchmal wollte Miß Carter die Geduld verlieren, aber als dann erst ein ivenig Licht in dies dunkle Gehirn gebracht war, da ließen die Butanfälle der Klein nach; sie lernte schneller nnd hatte nach Monate» sich die Brailicsche Blindenschrift angeeignet. Ter Vcr- faffcrin des Aufsatzes, die die Taubstnmmcnschule besuchte, lernte die neue Helen Keller »ach einer 2!4jährigen Ausbüdmig kennen. Fmi-g-Mng bewegt« sich sicher und höchst manierlich und hielt so­gleich die Handflächen hoch,in von ihrer Lehrerin zu hören, was sie tun sollte. Miß Carter gab ihr in Englisch den Auftrag, im Garten einige Blume» für den Gast zu pflücken. Bald kehrt« sie mit einem großen Strauß zurück uud überreichte ihn mit frennd- iicheni Gruß. Tabci entdeckte sie, daß sie draußen im Garten ihr Haarband verloren hatte und war darüber sehr traurig. In Braille­schrift schrieb sie aus ihre Tafel:Ich habe mein Haarband uuter de» Blumen verloren." Sie wurde nicht ruhig, bis man es ihr wieder gebracht hatte, und versvlgte alles mit größter Aufmerksam- kalt. Miß Carter ist jetzt dabei, der Kleinen nach dem Bellschen System das Sprechen beizubringe». Bei dieser für Sehende berech­neten Methode muß Fung-Iing ihre Finger ans Miß Carters Zunge, Lippen und Kehle legen, dann ihre Finger aus di« eigene Zunge lege» und de» Ton gemäß der richtigen Zungenstellung heransbringen. Sic ist bereits so weit, daß sic einzelne Worte richtig spricht. Als die Lehrerin ihr Haar berührte, sagte sie deutlich das chinesische Wort snr HaarFa". Tnrch unendliche Liebe und Ge­duld ist aus diesem freudlosen Wesen ei» glücklich«» Geschöpf ge» ivorden, das fröhlich mit den anderen Mädchen verkehrt »nd das einen brennenden Wissensdurst zeigt. Ihr größtes Vergnügen ist, von Miß Carter unterrichtet zu werden, und ihre beständige Bitte: Lehr mich etwas Neues!" Die erstaunlichen Fortschritt«, die Fnng-Ning in verhältnismäßig kurzer Zeit gemacht hat, taffen er­hoffen, daß auch diese Taubblindc dereinst in ihrer Ausbildung ein Zeugnis dafür wird oblegen könne», wieviel der Menschcngeist über die Natur vermag.

chelimdöeiispllc«ze.

Körpergewicht und Gesundheit. Das Körpergewicht ist ein wich­tiger Indicator für die Gesundheit, unter noruialcn Verhältnissen soll das Körpergewicht in »nbctlcidetem Zustande in Kilo der Körperlängc in Zentimeter unter Abzug von 400 entsprechen. Ein Mann, der 170 Zentimeter groß ist, soll daher ein Gewicht wm 70 Kilo auswcisen. Starke Abweichungen nach unten oder nach oben, sind imnier als bedenklich zu bezeichnen. Nicht minder wichtig ist es. ans starke Gewichtsabnahme oder -Zunahme zu achten, da auch diese fast immer mit krankhaften Zuständen verbunden sind. So findet sich regeln,äßia eine Gewichtsabnahme bei zehrenden Kon- stitnttonskrankhriten. z. B. bet der Tuberkulose, bei», Krebs, Zuckerkrankheit nnd Adcrnverkalkung. Tie Gewichtszunahme Ifängt gewöhnlich mit der Fettsucht zusammen. In den Blättern für Votks- gefundheitspstege wird ausgcsührt, daß durch das Essen bedeutend mehr Erkrankungen l>ervorgccnsc» werden, wie durch das Trinken und daß die meisten Menschen es nicht versieben, ihr Körpergewicht i» zulässigen Grenzen zu halte». Das tatsächlich verschiedene Ver­halten im Körperansatz beruht hauptsächlich in den verschiedenen individuellen Vcrlchltuisscn. cs konimt ans das Temperament a», auf die Lebensweise, aus die seelischen Verhältnisse, auf das Maß größerer oder geringerer geistiger Tätigkeit. Alle diese Faktoren sind außerordentlich maßgebend dafür, ob aus den genossene» Speisen eine Ausspeicherung im Körper erfolgt oder diese restlos verbraucht werden. Geistig sehr rege Personen und Nervöse haben gewöhnlich ei» niederes Körpergewicht und wird letzteres gehoben, dann geht auch gewöhnlich die nervöse Ucb«rrcizn»g zurück.

Aur Laus und Kol.

T«r Lehrmeister im Garten »nd Kleintiers,os. lVcrlag Hach- mcistcr ». Thal, Leipzig.) Inhalt der Nr. 1. WaS sich anS Zier­kürbisse» machen läßt. Von Job. Schneider. M. Abb. Roscnrost. Von :)!. Türke. Tav.eräpscl. Von Professor Tr. Brägelniann. Tie Ausnutzung der Hauswände durch Obstspaliere. Von Fritz Bacr. M. Abb. Efeu ans Samen. Von W Braun. M. Abb. Ter gewöhnliche Frostspanner sElvimatobia brnmata LZ. Bon Alex. Reichert. M Abb. Weiße Malaien. Von «7 Boas. M. Abb. Meine Hühnerzucht Von Tr. Mehring. AnS meiner Imkc>- praxis. Von Jos. Prnscha M. Abb. Vorbereitung der Kaninchen snr die Ausstellung. Von K. Klüiver, CberSwalde. M. Abb. Arbeilskalender für Januar Kleine Mitteilungen Hauswirt» sihaft Meinungsaustausch Fragckasten Feuilleton: Ter weiße Hase (Forts) Bon Julius R. HaarhanS. AuSstekI»n>t«- kalciider Ans der Geschäftswelt Literatur Patentltste.