Hat, erfüllt feinen Ziveck In keiner Seife. es ist fein Ruhmesblatt in der Geschichte des englischen Liberalismus, angesehene Männer und Frauen aller Richtungen empfinden es als eine Schmach für einen maberuen Kulturstaat.
Die ablehnende Haltung vieler liberaler Abgeordneten und der Regierung hat dazu beigetragen, daß die englischen Frauenstimm- rechtsorganisationc» sich stark der Arbeiterpartei näher». Sie erklären ganz offen, bah fle den Grundsatz der Neutralität, wie er früher verstanden wurde, fallen lassen nüilleu, und daß sie bei den Wahlen in erster Linie die Arbeiterpartei unterstützen wollen,
Erfolge haben die englischen Frauen bei den Munizipalwahlen erzielt. Dreizehn Frauen wurde» als Stadträie gewählt, — Die Geographische Gesellschaft beschloß Frauen mit gleichen Rechten auf. zunehme», eine wissenschaftliche Gesellschaft ernannte Miß Ethel Sargant zur Präsidentin einer ihrer Sektionen; Miss Lawrence wurde zum obersten Schulinspektor für die Londoner Mädchenschule,, ernannt.
Sehr wichtig für die Heimarbeiterin»«,, war die Ausdehnung der Mindestlohngesetzgebung auf die Hemdenschneiderei, Leineu- stickerci, Konfitüren» und Konservenindustrie und die Erzeugung gußeisernen Kochgeschirrs,
Zwei skandinavische Staaten: Norwegen und Island haben den Frauen die volle politische Gleichberechtigung gegeben, Norwegen hat als erster aller Staaten durch Gesetz das uneheliche Kind mit dem ehelichen ganz gleich gestellt. Einem Vater, der nicht ausreichend für sein Kind sorgt, kann das Bürgerrecht entzogen werde». Den dänischen Frauen winkt die Aussicht, bald i» den Besitz des politischen Wahlrechts zu gelangen. Bei den Wahlen zum Unterhaus am 20. Mai siegten die radikale» Parteien, Die Wahlresorm, die auch bas Franenwahlvecht vorsieht, wurde aufs neue eingebrach!, und sie soll nun mit allen Mitteln gegen den Widerstand des Oberhauses durchgesevt werden, — Bei den Stadtverordnetenwahlen in Kopenhagen wurden 13 weibliche Stadtverordneten gewählt, fe 8 Sozialdemokratinnen und Konservative, 2 Radikale und eine Neutrale. Frau Harbou-Hoss Iradikall wurde das Anit des 2, Vizepräsidenten übertragen, — Auch i„ Dänemark sind Witwenpensioneu erngeflihrt worden,
Fn Schweden nahm die Zweite Kammer eine Regierungsvorlage für das Frauenstimmrecht an, die Erste Kammer lehnte sie jedoch ab. Nun bestreben sich die Frauen eine Reorganisation der Erste» Kammer durchzusühren,
Frankreich hat einig« sür die Frauen wichtige sozialpolitische Eleset-e zu verzeichnen. Am 12, Juni wurde ein Mutterschutzgesetz sür Dienstmädchen und außer dem Haufe arbeitende Frauen und am 13. November das Mindestlohugesetz für Arbeiterinnen verabschiedet, Die Wohnungspolitik soll durch Ermäßigung des Mietzinses für Familien mit mehr als drei Kinder» unter vierzehn Jahren gefördert werden.
In der Schweiz wurden in Zürich zum erstemnale fünfzehn Frauen in die Schulbehörde gewählt, darunter II Sozialdemokratinnen, Genossin Tr, Olga Lenz wurde als vierter Amtsvormund in die Bormundschastsbehörde von Zürich beruseu.
Die italienische Kammer hat leider das Frauenwahlrecht abge- lehnt. Das Eheverbot für Telephonistinnen ist ausgehoben worden. Selbst in Spanien und Portugal sind geringe Fortschritte zu verzeichnen, Tie spanischen Frauen erhielten die unbeschränkte Zulassung zur Universität und das Recht zur Ausübung aller Berufe, In Portugal wurde ein« Fra« zum Unterinfpektor der Gesundheits- komr ifsion ernannt.
In Oesterreich warte» die Frauen noch immer auf die Durchführung der Vereins- und Versammluugssreilxit: als elu kleiner Erfolg ist die Zuziehung voll Frauen zur Wiener handelspolitischen Kommission anzusprechen, die die Konsumenlenintereffen bei Abschluß der Baskanhindelsverträge vertreten soll,
Bo» Rußland ist nur Stillstand zu melden. Zwar sind Frauen zum Medizinischen Studium an der Universität Tomsk in Sibirien zugelassen worden, aber »ur aus dem Grunde, weis sich nicht gc- uüaend männliche Studierende fanden, Finnland leidet stark unter russischem Druck, seine Gesetzgebung ist dadurch jo gut wie lahm- gelegl.
In allen Kulturländern sehe» wir ein Fortschreiteu der Frauenbewegung, In den angelsächsische» und den skandinavischen Staaten ist der Fortschritt am stärksten, in de» gerinanischeu »nd siavisllfen Staaten am schwächsten, und es ersüllt uns nicht eben mit Freude, das Deutschland und Oesterreich anstat! den skandittavische» »nd angelsächsischen Länder» nachzueiser», sich zu den Staat«,, halten, die nicht nur in bezug auf die rechtliche Stellung der Frau iveit zurück sind, sonder» die tiberhaupt die Reaktion in der Kulturivelt verkörpern.
Zeyn Hevote für das praktische Leven.
Der Rechtsschutz des Oesterreichischen Frauenvercins »icfjtet auf Grund feiner reichen Erfahrung folgende für die grauen aller Länder beherzigenswerten Gebote an die Frauen:
1. Unterschreibe nie ein Schriftstück, das du nicht aufmerksam durchgeiesen und völlig verstanden hast. Im Zweifel befrage die Rechtsschutzstelle für Frauen.
2. Leihe fein Geld aus, weder an Fremde, noch an Be-
kannte oder Verwandte. Glaubst du es einmal ausnahms- wcise tun zu müssen, so tue es nur gegen Ausstellung eines
ordnungsgemäß unterschriebenen und datierten Schuld- scheineS. Niemals aber borge an Minderjährige oder Leicht- fertige.
Niemals übernimm Bürgschaften.
Niemals lasse dich durch das Versprechen hoher Prozente zum Geldhergeben verlocken.
Niemals lasse dich durch ein Eheverspreche» bewegen, einem Manne Geld zu geben.
3. Suche mit deinen Nebenmenschen ohne Gericht aus» zukommen. Prozessiere nur, wenn es durchaus sein must.
Sei willig zum Vergleich; auch das Armenrecht schützt nicht immer vor Verlust.
Bringe keine unnötigen Ehrenbeleidigungsklagen ein; sie sind oft auch für die Klagenden von Schaden,
4. Halte Frieden mit Nachbarn und HauSlentcn. Mache keine Tratschereien, höre auch keine an und erzähle sie nicht weiter.
Schreibe niemals anonyme Briese.
Lasse dich auch im Zorn nicht zu Schimpfworten hin- reihen. Alles dies kann zu Ehrenbeleidigungsklagen führen» die Zeitverlust, Geld- rind Arreftstrasen für dich zur Folge haben.
6. Gehe keinen Vertrag ein, bevor dir die Bedingungen ganz klar sind.
Schließe jeden Vertrag schriftlich und vor Zeugen ab.
Uebernimm keine Arbeit und keinen Dienst, auch nicht aushilfsweise, ohne genau die Bezahlung und alle Bedingungen zu vereinbaren.
Versprich nichts, >oas du nicht halten kannst.
Mache mit Mietern, Bettgehern und Kostgängern alles im vorhinein ab und womöglich schriftlich.
Vereinbare Vorausbezahlung der Miete.
0. Hüte dich vor Natenhändlern und kaufe möglichst nur gegen Barzahlung.
Wenn du aber ein Ratengeschäft eingehst (du kaufst auf Raten immer bedeutend teurer als gegen bar), so überlege dir die Vertragsbestiminnngen sehr genau und halte die Raten pünktlich ein, auch wenn du nicht gemahnt wirst, denn der Ratcnhändlcr wünscht gerade, daß du etwa zwei bis drei Raten schuldig bleibst. Gerätst du in Rückstand, dann läufst du Gefahr, daß der Gegenstand dir weggenomme» wird und die eingezahlten Raten auch verloren sind.
Lasse dich durch zudringliche Agenten nicht zur Bestellung unnötiger Sachen drängen; namentlich sei standhaft, wenn ein Hausierer dir Zeitschriften und Bücher in Lieferungen anpreist und dich zur sofortigen Unterfertignng deS Bestellscheines bereden will.
7. Lege deine Ersparnisse ans Sparkassenbüchel ein.
Tritt der Bezirks-, Orts- oder Betriebskraakenkasse und
womöglich einer Altersversicherung bei, aber nicht kleinen privaten Unternehmungen und Vereinen, die Spareinlagen nehmen, Kranken- »nd Altersnnterstützungen und Leichengelder versprechen, aber nicht immer verläßlich sind.
Tritt den Vereinigungen deines Standes als Mitglied bei (Organisation der Handlungsgehilfen, Beamtinnen, Arbeiterinnen, Heimarbeiterinnen, Dienstboten nftv.). Der kleine Jahresbeitrag sichert dir gclvisse Vorteile, zahle ihn pünktlich.
8. Nimm keine Stellung an, über die du keine Auskunft erhalten kannst. Hüte dich besonders, wenn eS sich um eine Stelle im Ausland handelt. (Mädchenhändler, Mädchenhändlerinnen!) Auch bei den verlockendste» Anerbietungen keine Uebereilung! Wende dich zunächst vertrauensvoll an das Vormundschaftsgericht, wenn du noch minderjährig bist.
9. Bevor du ein Eheverlöbnis eingehst, erkundige dich genau nach dem Vorleben des betreffenden, hüte dich vor Trinkern. Prüfe, ob ihr beide gemeinsam imstande seid, eine Familie zu ernähren.
Mädchen, vertraue nicht leichtsinnig, bedenke, daß «in Heiratsvcrspreche» nicht zur Ehe verpflichtet und daß deine Leichtgläubigkeit sehr traurige Folgen für dich haben kann!
Behaudelt dich dein Ehemann schlecht und du willst dich von ihm scheiden lassen, so gehe nicht von ihm


