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Wöchentliche GeilKge der Gbecksssischen VolksZeitung
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Nummer 2
ßiefjen, fceifag den «6. Januar «914.
6. Zcrdrgang
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Jas Zentrum und die Aranen.
Ucber die Beteiligung der Frauen am politischen Leben sprach kürzlich auf dem Zentrumsparteitag für den KreiS Aachen-Land der Kaplan L u m m e r i ch aus Eschweiler. Er erklärte, daß das Zentrurn sich der Agitation unter den Frauen mehr wie bisher annehmen müsse. Das Wachstum der sozialdemokratischen Franeubewegung zwinge das Zentrum, die ihm zuganichichen Frauen unter seiner Jahne zu sammeln. Der Kaplan wies aus brT3(rt der sozialdemokratischen Frauen- agitntion hin und führte nach einem Bericht in Nr. 284 des Aacheuer Bokksfreund aus:
„Bis überall, bemüht sie <di« Sozialdeinokralic) sich auch, bei uns allen Ernstes, die Franc», die Hausfrauen und Mutier zu erfassen, das Partei wesen auch an sie.hcranzubringeii. Ter eine Weg geht über den Mann, Ihm wird die Pflicht anserlegt, die Frau zu beeirrsliisten, das; sie das soziaidemokraiischr Partciblat! abonniert, daß sie dem sozialdemokratischen Konsum bciiritt, daß sie schließlich auch der Partei bcitriti, daß sie ihre Söhne und Töchter der sozialdemokratischen Jugendorganisation zusiihrt. Ter andere Weg geht direkt an die Frau. Man weiß, daß das religiöse Leben unserer Frauen ein Haupthindernis ist, die Frauen für de« Sozialismus zu gewinnen. Davon redet man also vorerst nickt. Man faßt die Frau von der w i r I s ch a j t l i ch e » Seite. Man sagt der Lohnarbeitcrin: Tn bist Lohnarbeiterin. Tie Schntzgesctz- gebunq des Staat.es vernachlässigt dich. Ter Staat ist ein Klasse,l- staat und nur siir die Reichen da. Man sagt der Hausfrau: T» ninßt dich um Politik kümmern, denn die Politik redet in dein Hau; und Heim hinein. Wenn du den Lohn deines Mannes zählst, nimmt dir die Politik einen Teil als Steuer weg. Tu gehst zum Bäcker und Metzger uns kansst Lebensmittel. Die Politik h a t e i n e n Zoll daraus geschlagen, so das; du mehr zahle» mutzt. Du sindesl also Politik in Kisten und Kasten, in Keller und Speicher, selbst im Kochtopf. Dir Politik ist auch immer gegen dich. Tenn der Arbeiter gilt nichts: Man geht über ihn hinweg. Bester wird cs erst, wenn alle Männer, also auch dein Mann, sich unserer Partei anschließen. Tie ist allein die wahre Arbeiterpartei. Wie wirken solche Rede»? 150 000 Frauen sind Mitglieder der sozialdeinokratlscheii Partei, 112 000 lesen die sozialdemokratische Frauenzeitschrift. Solche Zahlen reden ganze Bände."
Ter Kaplan Lumnierrch weiß also sehr gut, daß die angedeutete sozialdemokratische Ausklänrngsarbcit bei den Frauen sehr anspricht. Warunr spricht sie an? Weil alle-? das, was der Kaplan dem sozialdemokratischen Agitations- stofs entnimmt, wahr und richtig ist. Nach dem vorliegenden Bericht hat der Kaplan anch nicht einnial den Versuch gemacht, die von ihm angegebenen Tatsachen, die die Sozialdemokratie für ihre Propaganda unter den Frauen benutzt, zn erschüttern. Wenn dieser sozialdemokratische Agitationsstoss dem Zentrum nicht angenehm, ja geradezu gefährlich für dieses ist, so dock nur deshalb, weil das Zentrum mitschuldig an der wirtschaftlichen Not der Arbeiterfamilie» ist. Tie Politik des Zentrums verteuert die Lebenshaltung der Arbeiter, indem sie die Lebensmittel mit Zöllen und Steuern belegt. Herr Lnninierich hat ganz recht, sobald die denke Arbeiterfrau hinter diese Wahrheit komnit und erfährt, das; das Zentrum für diese Vertencriingspolitik mit verantwortlich ist, steht sie in der Politik zur Soziakdeniokratie und nicht znni Zentrum.
Statt nun dem Zentrum anzuraten. in Zukunft von der sehr unchristlichen Wucher- und Teuernngspokitik abznkasscn, um so die Arbeiterfrauen für sich zn gewinnen, empfiehlt Herr Lummcrich den Zentrumsagitatoren.' bei den Frauen die religiösen Empfindungen mehr als bisher zn stärken. Die Frauen sollen religiös fanatisiert und so gegen die Agitation
aus die Tauer aber wirkt sie nicht. Dafür wird die Sozialagitation der schwarzen Betrüger mag einige Zeit noch ziehen, ans die Tauer aber wrikt sie nicht. Dafür wird die Sozialdemokratie schon sorgen. Tie Zeutrmuspolitik und das Christentum, das die Wahrheit und die Menschenliebe predigt, sind nicht zu vereinbaren. Weil cs so ist, werden die katholischen Arbeiterfrauen den Schaden schon nrehr und mehr erkennen, den sie sich selbst antun, wenn wenn sie der verlogenen und arbeitcrverräterischen Zenirmnspni-kei nach- kansim.
Arni«euer folge iut Aitrfand.
Das Fahr 1913, das für die deutsch« Frauenbewegung so nn- sruchtbar gewesen ist, brachte de» Frauen im Ausland ,naneheu Erfolg. Au der Spitze stehen wieder die Bereinigten Staate» von Amerika. Zwar haben nur in dem Territorium Alaska die Frauen die volle Gleichberechtigung erhalten, aber i» Illinois wurde ihnen das Recht zuerkannt, an den Wahlen der Beamte» einschließlich der des Präsidenten teilzonehuieri, und in einig«,! ander» Staaten habe» Bolksoertretung und Senat Gesetze,itwiirje» für das Frauenwahl- rccht zugestimmt. sodaß di« Frag« jetzt nur noch der Bolksabstiiu- iiiuug unterbreitet werden muß. Zu,» Teil wird die Bolksabstii»- muiig bereits im Fahre 1014 ftättsindeii.
Aber Amerika hat noch andere wichtige Fortschritte aufznweiseu. Fii hohe BcaintciiftcUeii sind Frauen gewähi! worden, so gibt es verschieden« weibliche Bürgern,elfter: Miß Fniia E. Laihrvp ist die Leitung der „Kindcrabt-oilimg des Handels- »nd Arbeiismniistcri- uniS" lind damit ein vollkommen selbständiges Ressort i,„ Mini- sicriiiii, übertragen worden. Man darf dieses Anjrückeu in eine hohe und gnt besoldete Bcaniicnstelle — Miß Lathrvp hat ein Gehalt von 20 ONO Mark — nicht gering einschätzen, denn wir sehen ja, daß in Deutschland die Frauen zwar zn de» schlecht bezahlten Arbeiter» ;i,gelassen werde,,, daß man aber großes Geschrei erhebt, wem, es sich auch nur tttn bescheiden dotierte leitende Posten handeit.
Die Staate», in de,,«» das Frauenivahlrecht bereits eingesührk ist. sind erfreulicherweise zu einer für die Mittler und Kinder günstigeren Sozialpolitik übergegangen, ebenso sängt man iangsai» an, Mindestlöhne siir Arbeiteriimeii und Jugendliche scstzujctzen. Gesetze über Mütterpensionen, d. h. staatliche Nnterstiitznng sür Witwe» mit minderjährigen Kindern, nahmen die Siaalen Illinois, Shio, Fdaho, Iltah und die Grajschast Ltzilwankec an: zu einer Regulierung der Löhne oder der Arbeitsbedingungen ginge» Waihingio», Eolvrado, Oregou und Fowa über. Fn Ma»achuietis wurde ein Kiuderamt cingerichtet, in Wichita IStaai Kansas) vom Bürgermeister eine Fraiiknkvmmijsio» gewählt, die die Ansichten der Franc» in städtische» Angelegenheiten vertrete» soll.
Aber es sind auch in Amerika Niederlage» zu verzeichnen. Bel der wegen grober tlnreg.imüßigkeilen notwendig geworden«» zwei- len Bolksabftimmnng über das Frauenivahlrecht in Michigan unter- Inge» die Franc». Die Aikvlzolinicresten, die alles darausetzien, das W>,hlreä;t der Franc» hiitta» zu haite», siegte».
Bemerkenswert ist die starke Bewegung gegen den Mädchenhandel, die unter den aiiicrikaiuschen Flaue» eingesetzt hat. Die Frauenzeitschristen bringen fast in jeder Rum,„er Hiniveisc aus das Borgehen der Mädchenhändler, decken neue Fälle von Mädchenhandel auf, ,md in verschiedenen Städten haben di.- stimmbcgabien Frauen erreicht, daß Richter, die Mädchcnhändler gegen niäßige Kanlionen frei ließen, «bgesetzt wurden.
England ivird noch eine ganze Weite warte» miisscn, big das Frauenivahlrecht cingeführi »nd das Land w-eder ruh,, geworden ist. Durch eine geschäilsvrdnnngsmäßige Enisihcidnng des Sprechers sind die Frauen mahl rcchisa» träge, die zur Wahlrrsvrmvorlage gestellt waren, und mit ihnen die ganze Reform zn Fall gekommen. Es wurde Überhaupt nicht Über sic abgcstimmt. Die Regierung deS Herr» Asquiih kann sich aber nicht enifchiietzen, selbst eine Borlage sür das Franeuivahlreä;! ein.zubringe», »nd da di« SussrageiieS nichk «her mit ihrer .Kampseskaklik aufhörcn wolle», so werde» Braudstisiungen und dergleichen noch eine Weile soridancrn. — Das Katz- „nd ManSgesctz, das die Regierung im Aprik dnrchgebracht


