Ausgabe 
9.1.1914
 
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in ehr ivächsk. Bis zur Bullendung des dritten Jahres sind Knaben" und Mädchen gewöhnlich gleich gekleidet, und während dieser Zeit stellt sich die Statistik der Verbrennungen folgendermaßen: im ersten Lebensjahre 214 Knaben, 234 Mädchen: >m zweiten 443 Knaben, 466 Mädchen; im dritten 840 Knaben, 623 Mädchen. Die Summe der drei ersten Lebensjahre ergibt also ein Mehr für die Knaben, das vielleicht durch deren größere Lebhaftigkeit zu erklären wäre. Im vierten Lebensjahr kommen nur noch 580 Knaben im Gegensatz zu 720 Mädchen durch Verbrennung ums Leben. Im fünften sogar nur 368 Knaben gegen 775 Mädchen. Für das spätere Alter werden nur noch Gruppen von je siins Jahre» aufgestellt, und die größere Gefahr des weiblichen Geschlechts tritt immer mehr hervor. Im Alter zwischen siins und zehn Jahren verbrannten 1427 Mädchen und nur 380 Knaben. In den beiden nächsten Stufen bis zum 15. »nd weiter bis zum 20. Lebensjahr, bleibt di« Zisser für die Mädchen mit 369 bezw. 261 immer noch erschreckend hoch, während sie für die Knaben und Jünglinge aus 47 bezw. 33 sinkt. Eine Engländerin Miß Synge hat erst vor kurzem ein größeres Werk über Kinder- kleidnng herausgegebcn und darin den ärmeren Kreisen nach der Beobachtung in den Schulen ein« besonder: Aufmerksamkeit gewid­met. Daraus geht hervor, daß die Kleidung der armen Kinder meist nicht nur dürftig ist, sondern aus höchst entzündlichen Stoffen bestehr, sodaß unter Umstände» «in Funke genügt, um die Kleider blitzschnell in Flamtncn zu setzen. Stuf die Gefahr der neuerdings aus den Markt gebrachten Flanellettc ist schon ost besonders hingewiesen worden. In jeder Hinsicht sind die Mädchen dabei benachteiligt, weil einmal ihre Röcke viel umsangreicher und ausgedehnter und daher deni Feuersangen mehr anSgejctzt sind, sodann aber die Trägerin­nen auch mehr an der B.wcgung hindern. Für die armen Klaffen kommt außerdem in Betracht, daß ein Schutz gegen die Kälte ge­wöhnlich nur darin gesucht wird, daß ein Mädchen mehrere Unter- röckic erhält, da es zu einem Manie! nicht reicht, und dadurch wird di« Oiesahr selbstverständlich in jeder Richtung vermehrt. Ein Punkt ist freilich zu berücksichtigen, daß die Mädchen später mehr zu Hans gehalten und auch mehr mit Aufgaben beschäftigt werden, die sie mit dem Feuer, namentlich in der Küche, in Berührung bringt. Ander­seits haben die Knaben crsahrnngsgemüß trotz Paulinchen im Struwwelpeter" mehr Neigung dazu, mit Streichhölzern oder Feuer zn spielen. Leider werden keine Zahlen sür die einzelnen Jahre niitgeieilt, denn man sollt« meine», daß durch das allmähliche Verschwiitüen der Petroleumlampe die Zahl solcher ilngiückssälle ab­nehme» miiß. Die sicherste Art brr Beleuchtung durch Elektrizität, die auch den Gebrauch des Feuerzeugs immer mehr ausschließt, wird' allerdings wohl nach lange nicht bis i» die ärmeren Volksschichten «indringen.

Die Mode des freien Halses. Das schlechte Wetter, das mit Regen und Nebel in diesen Tag«» einsetzie, bringt gewöhnlich den niedrigen offenen Kragen aus der Toiletie, weil man sich nicht gern mit freiem Hals einer Erkäliung auösetzt. Aber die Straßentoiletten behiclien die niedrigen Kragen und den kleinen Halsausschtiiit. Der neue Stil der Halsirachl triumphierte über die äußer» Hindcrnisie. Es ist eine schöne Mode, und niemand wird vom ästhetischen Stand­punkt aus diesen steifen hohen Krage» mit de» häßlichen Stäben, die an der Haut rote Flecke zurückließen, eine Träne nachwcincn. Dieser enge, den Hals fest umpreffcnde Abschluß der Bluse und des Kleides war eine jener fragwürdige» modernen Ersinbungen, die die Geschichte der Moden früher nicht kannte, denn selbst bei de» höchsten und breiteste» Kragen, bei denMühlsteinen" undKranscn- rädcrn", sorgte man dasllr, daß sie vom Halse gehörig abstande». Tie Anmut des JrauenhalscS wird sich »»»mehr wieder in voller Schönheit osscnbaren; freilich ist die Sprache des Halses ebenso be­redt wie verräterisch. Ein Sprichwort sagt, daß, wenn >»a» baS Alter einer Frau aus ihrem Gesicht erräi, man «s an ihrem Halse bestätigt finden kan». Frauen, deren Schönhcitslinien also bc- reils gelitten haben, werden sich zu dieser indiskreten Mode nur un­gern cnischließcn, und so ist sie denn hauptsächlich den jungen Frauen Vorbehalten. Für ei» schönes und Irisches Gesicht aber ist der niedrige Kragen eine so entzückende Folie, daß das schöne Geschlecht so bald nicht zu dem hohen engen Kragen von ehemals zurückkchre» dürste. Tie neuen Kragen bestehe» aus Spitze, Stickereien, Pelzen »nd Feder», schmiege» sich weich »nd unanssüllig so »m de» Hals, daß sie den vorderen Hais ganz frei lasten. Als Halsschmuck werden mit Vorliebe bunte Phantasicketten getragen ans große» Bernstein- perlen oder Koralle», Jeit, Lapislazuli u. a. Sie bringen eine lustige »nd farbige Note in die Mode des freien Halses.

Weiblich« Rechtsanwälte. J»S Susfrägii (StimttireW, kJ Lrgan des Weltbundes siir Frauenstimmrecht, hat an die Landes- organisationen eine Reihe von Fragen gerichtet, di« daö Rcchts- studiuin der Frauen betreffen. I» welchen Ländern werden Frauen zur Rechtsanwaltschaft zngelaffe»; in ivelchen Ländern können sie Rcchtswisseiischast studieren. In Frankreich. Holland, Schiveden, Norwegen, Dänemark, einige» Kantonen der Schweiz, Kanada, Australien, Ncu-Seeland, den Vereinigten Staaten, Finnland und teilweise i» Indien, Aegypten und Rußland köiineu Krauen Rechts­anwälte ivcrdcn. In einigen anderen Staaten dürfen sie zwar Jura studieren, aber der Berus des Rechtsanwalts bleibt ihnen vcr- schloffcn. Zu diesen Ländern gehören: Tentschland, Großbritannien, Belgien, Rumänien, Italien, Südafrika. Aber es gibt auch noch Läiidcr, in denen die Kraue» nicht einmal zu», Rcchtsstndium zu- gclaffe» werden, so z. B. in Oesterreich. Wie die Bedingungen in Serbien, Bulgarien, Portng.il und Island sind, konnte nicht fest- gestellt werden. Die Kraucnstiinmrcchtsorganisationen dieser Länder haben nicht geantwortet, doch darf wohl angenommen wer­ben, daß Island, das den Frauen das politische Wahlrecht gab, ihnen das Rcchtsftudilii» n»d den RechiSanwaitsberuf nicht verschließt. In Italien, Großbritannien und Rumänien ist bereits mehrfach versucht worden, die Gleichbercchligung der Frauen ans diesem Gebiete durch- zusetzcn. Die Genossin Tr. Thercja Labriola hatte sogar bereits in einige» Prozessen als Verteidigerin fungiert, trotzdem erklärte der oberste Gerichtshof, daß Frauen nicht zur Rechtsanivaltschaft zngc- lasse» ivcrde» könnte». Po» dem rumänischen KaffativnShof ist in der nächsten Zeit eine Enijcheidung in der Frage zu erwarten. Frau Ella Regrutzi hat aus ihre» Antrag Ausnahme i» die Rechts­anwaltschaft von Jaffy gefunden, aber die höhere Instanz machte den Beschluß rückgängig. Sic wandte sich darauf an den KassationS- gerichtshos, der als letzt« Instanz zu entscheiden hat.

chesmrdtieitspüecie.

Die Erhaltung der Kinderzähne. (Sin höchst wichtiger Faktor zur Erhaltungcher Kindcrzähne ist daS richtige Kauen. Nach Tr. John- ston ist da? Erhalten der normalen Funktion im Mund« von größe­rem Wert für di« andancrnde Gesundheit der Gewebe als der stete Gebrauch von Mundwässern und anderen künstliche» Mitteln, nicht nur in der Jugend, sondern auch int höhere» Alter. Wenn die Ge­webe erkrankt sind, so ist der Gebrauch von antiseptischr» AnSspü!»»- gc» a», Platze, aber, wenn Personen, die cS gar nicht brauchen, be­ständig gurgeln und spüle», bewirken sic ost mehr Schaden, als Nutzen. Besonders könne» Kinder durch de» beständigen Gebrauch von Zahnmittel» mehr gcschädigl als in ihrer Gesundheit gefordert werden. DaS Problem der Erhaltung der Zähne ist mehr als halb gelöst, wenn das Kind dazu angehaltcn wird, auf beiden Seiten des Mundes z» kauen, damit das Email poliert »nd das Zahnfleisch hart und widcrstanbssähig bleibt. Natürlich ist dies bei der Nahrung unserer heutigen Zivilisation schwierig, da die Speise so zubercitet wird, daß gar nicht gründlich gekaut zu werde» braucht, darum wer­den wir zur Benutzung der Zahnbürste gezwungen. Nun ist es aber äußerst wichtig, in der Jugend schon die Zahnbürste richtig zu ge» brauchen, damit Zähne »nd Zahnslelsch gesund bleiben. Ein Kind muß zum richtigen Gebrauch der Zahnbürste so gründlich erzogen werden, daß cs für immer an Reinlichkeit gewöhnt ist. dann wird cs auch im späteren Lek>e» niemals vernachlässigen, feinen Mund zn reinigen. Wenn ei» Mensch stets daran gewöhnt ist, die Zähne 51 t bürsten, bevor er sich abends nicderlegi, wird er niemals sein Bett mit Behagen auisuchen, wenn sein« Zähne nicht rci» sind. Bei der Pilegc der Kinderzähne handelt cS sich sowohl um die Pslegc der Milchzähne, so lange sie bleibe», wie um die Pslegc der bleibenden Zähne, sobald sic hcrvorkvmmen.

Am Laus und Kof.

Pjrjscr aus Brenneffil». Ein Psesscrcrsatz, der dem Nalur- pscsser gleicht, billiger und siir Krank« sogar zuträglicher ist, kann aus der Brenneffel gewonnen iverde». Ma» erntet die Brciiiieffcln zu diesem Zweck kurz vor der Blüte, trocknet »nd zerkleinert sic. Daraus werden sie mit Wasicr, Essig, Salz, Oel und Alkohol etwa 2 Stunden lang gekocht, bis bi- Brenneffel» eine wrißgraue Farbe augcnommcn haben und der größte Teil der Flüssigkeit verdinistet ist. Aus 60 Teile Breniieffeln komme» 10 Teile Wasicr, 20 Teile Alkohol. 5 Telle Del. 3 Teile Eisig und 2 Teile Salz. Di« Masse wird sodann getrocknet, z» Pulver zerstoße» »>id kan» daraus wie der Natiirpscsser z»m Würzen jeder Speise benutzt werden. ,>!>> die Krankenkost bietet er sogar gejuiidheitlichc Vorteile vor dem Nalurpfesfer.