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Nr. 11 _Gießen, Sonntag Iudica, den 17. Mär; 1918 7. Jahrg.

von der Nachfolge Jesu.

Evangelium des Matthaus 16, 24. Will mir jemand Nachfolgen, der verleugne sich lelbst und nehme sein Kreuz auf stch und folge mir nach.

Es ist ein wahres Wort, das einer, der die Menschen kannte, einmal ausgesprochen hat:Jesus hat viele Junger, aber wenig Nachfolger". Wer will wohl nicht ein Jün­ger Jesu sein, des großen Lehrers, des edel­sten Menschen! Aber ihm Nachfolgen aus sei­nem Wege, der durchs Leiden führt, das ist doch etwas anderes; dazu gehört mehr, .rfg hie und da ein Wort seiner Lehre aus den Lippen zu haben; dazu gehört tägliche Selbst­verleugnung und Selbsthingabe. Aber Selbst­verleugnung, das ist nichts für den Menschen des 20. Jahrhunderts. Sich durchsetzen, so lautet die moderne Lösung. Und doch bleibt es bei dem göttlichen Naturgesetz: Wer sein Leben erhalten will, der wird es verliere»; wer aber sein Leben gering achtet und aus­gibt in der Nachfolge Jesu, der wird es ge­winnen. Ter größte Kreuzträger aller Zei­ten, Jesus Christus, ist unser Vorbild. Von ihm heißt es: er trug sein Kreuz. Er hat sein Leben nicht geliebt bis in den Tod, er gab sich selbst für eine jündenbeladene Welt dahin. Er ging uns voran, den Weg des Leidens, der durch Nacht zum Lrcht, psr crucem ad lucem, führt. Eine sinnige Le­gende erzählt, daß Jesu Fußstapfen auf der via dolorosa, dem Schmerzenspfad, leuch­ten mit göttlichen Licht. Wir wollen diesen leuchtenden F ißspuren Jesu in dunller Nacht Nachfolgen mit dem Gebet im Herzen:

Tu gingst, o Jesu, unser Haupt,

Tnrch Leiden himmelan,

Und führest jeden, der da glaubt,

Mit dir die gleiche Bahn.

Wohlan, so führ' uns allzuglcich Zum Teil am Leiden und am Reich; Führ' uns durch deines Todes Tor- Samt deiner Sach' zum Licht empor."

Mhlingsgang.

Einst wandert' ich schweigend mit schnellem Schritt,

Und Frühling und Sonnenschein wunderten mit.

Viel Blumen blühten ani Wegesrand,

Und Kinder sah ich dort Hand in Hand, Tie pflückten sich Sträuße, ihr Jubel scholl, Tie Fäustchen waren von Blumen voll,

Doch achtlos öffneten sie die Hände;

Es gab j>a so viel! Tes Blühens kein Ende! Trauf kamen Zweie, auch Hand in Hand,

Und beugten sich fröhlich zum Wiesenrand, Und jedes pflückte und schmückte mit Lust ! Tem andern mit Blüten die junge Brust.

Noch weiter ging ich, da sah ich am Rain Eine Frauengestalt, die war allein:

Auch sie brach Blumen des Frühlings ab Und trug sie still aus ein grünendes Grab Im nahen Wald, wo die Vögel sangen;

Tann ist sie einsam weiter gegangen.

Als ich vorwärts schritt auf den blumigen Wegen,

Kam einer im ernsten Gewand mir entgegen,

Er Pflückte kniend, nrit fleißigen Händen,

Und ohne den Blick zur Seite zu wenden,

Trug dann seinen Strauß in die kleine Kapelle

Ticht neben dem Wege, verschw>and ans der Schwelle,

Und legte des Frühlings duftiges Grüßen Zu der milden Maienkönigin Füßen.

All die Menschenherzcn, die Menschenhände,

Tes Frühlings so voll, des Blühens fein Ende!

Es stieg mir heiß in die schauenden Augen: Was konnte wohl mir ein Blütenstrauß taugen?

Warum sollt' ich pflücken? wozu? für wen? Wohin mit den blühenden Blumen gehn?

Ta sprach es in mir:So leer ist kein Leben; Erbarmende Liebe kann es noch geben!

Ob einsam du selber, es ist in der Welt Viel leidvolles Dunkel, das Liebe erhellt."

Tes ärmlichen Hüttchens gedacht' ich da, Darinnen ein Kranker dem Tode nah;

In all, sein Bangen, in Schmerzen und Pein, Gehörte dort nicht der Frühling hinein?

So brach ich den vollen, den fröhlichen Strauß Und trug ihn klopfenden Herzens ins Haus Zu des Sterbenden Lager; siehe, sein Blick Strahlte des Lenzes Schimmer zurück,

Ten Abglanz ewiger Frühlingsfreude,

Tie Erlösung bedeutet von zeitlichem Leide. Still wandert' ich heimwärts mit schnellem Schritt,

Und Frühling und Sonnenschein wanderten mit.

Gräfin H e l e n e W a l d e r s e e.

Geschichten und Bilder aus Alt-Gietzen. W~

3. Amerikanische Adressen aus dem Jahre 1855.

Ein geschätzter Mitarbeiter unseres Ge- meindcblattes übergab mir vor wenigen Ta­gen zur Einsicht ein Notizbüchlein, das ein