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Stunden tätig, indem immer der eine mit dem anderen abwechselnd blies, um endlich nach der Kunstübung müde in unsere Kvien zu kriechen.

Auf dem Schiffe hatten wir die volle Verköstigung jzu erhalten, die aber einem verwöhnten Gaumen nicht zugesagt hätte. Morgens ein dünner Kaffee, mittags ab­wechselnd Erbsen, Linsen, Bohnen, Grau- ven, Sauerkraut. Gesalzenes Schiveine- und Rindfleisch gab es genügend und abends Tee oder heißes Wasser. Meine gute Mut­ter hatte mich reichlich mit gutem Zwieback versehen, ebenso mit geriebenen gekochten Kartoffeln; gut «getrocknet, lieferten diese abends eine gute Kartoffelsuppe. Mit dem von Bremen mitgebrachten Rum machte ich mir einen Grog, zu dem ich meinen Zwie­back. Auf dem Schiffe erhielt man auch seinen sogenannten Zwieback, das waren runde braune Kuchen, dem Kommißbrot ähn­lich, aber so steinhart gebacken, daß sie dem Hammer und natürlich auch den Zähnen widerstanden. Man zerschlug sie, so gut es tzing, in kleine Stücke, steckte sich diese in die Tasche und ab und zu in den Mund, so bekam man dann doch im Laufe des Ta­ges etwas iw den Magen, was erwünscht war, da man auf See, wenn man gesund ist, immer Hünger hat. Die Seeluft macht Appetit. Hier und da gab es auch einen He­ring. Trinkwasser war äußerst rar und übel- schmeckend, doch hätte man es zuni Waschen sehr nötig gehabt, da man sich mit dem See­wasser nicht gut waschen kann. Man suchte sich zu helfen, indem man sich auf eines der Wasserfässer auf dem Verdeck setzte und eine leere Flasche an einer Schnur in das Spund­loch hineinließ und gefüllt wieder heraufzog. Man hatte dann wenigstens ein wenig Wafser zum Waschen.

An Bord waren ziemlich viele musikalische Leute, die hie? und da etwas zum besten ga­ben und abends bei gutem, ruhigem Wetter auch zum Tanze aufspielten. Ich vertrieb mir viel die Zeit mit Zeichnen, Skizzieren und Porträtieren, sah dem anmutigen Spiel der Tümmler (Delphine) zu, die bei etwas bewegter See in beträchtlichen Mengen ihr lustiges Spiel auf den Wellen .trieben. Ost bewunderte ich die Farbenpracht der auf- und untergehenden Sonne am Himmel und als Reflex auf dem Meere, rauchte und vertrieb mir die Zeit, so gut es gehen wollte. Eines Tages hatte sich, jedenfalls ermüdet, ein See­adler aus dem Schiffsmast niedergelassen, den ein Matrose nach hartem Kampfe, zerbissen !und zerkratzt herunterholtc. Es war ein prächtiges Tier.

Eines Tages empfand ich als guter Tur­ner Lust, den Mast zu ersteigen, >vas ich auch ausführte und bis in die oberste Spitze im Mastkorb bestieg. Da wurde es mir aber doch etwas schwindelig, die gelinde Schwankung ans dem Verdeck war da oben sehr beträcht­lich. Matrosen, die mich beobachtet hatten.

stiegen mir nach, um mich da oben gegen ein Lösegeld festzubinden. Ich merkte ihre Ab­sicht, und während sie auf der einen Seite emporstiegen, rutschte ich schnell an einem Seile hinunter, wo ich sie dann auslachte und sie das Nachsehen hatten. Bei gutem Winde und verhältnismäßig schneller Fahrt ist es ja aus einem Segelschiff interessanter als auf einem Dampfer, bei Windstille ist es aber fast zum Verzweifeln, wenn das Schiff gar nicht vom Flecke kommen Ivill. Wir hatten aber auch dies ertragen müssen. Doch die Zeit ging herum; eines Tages kam der Lotse an Bord, es zeigte sich am Horizont als neb­liger Streifen allmählich das ersehnte Land, und am 1. Oktober fuhren wir nach sechs­wöchiger Fahrt glücklich in die Bai von Neu- york ein, die einen herrlichen Anblick ge­währte. Links die Hügel von Staten-Jsland, rechts Longisland und Hoboken. Das Herz schlug einem vor Erwartung, was uns die neue Heimat bringen werde.

Dies in kurzen Umrissen meine Erlebnisse aus der Reise nach Amerika, die nun schon 69 Jahre zurückliegen und die ich rein nach meiner Erinnerung, ohne frühere schriftliche Aufzeichnungen wiedergebe. Die auf dem Schiffe gezeichneten Skizzen sind noch in meinem Besitze.

Geschichten und Bilder aus Alt-Giehen.

2. Kammacher Schäfer.

(Schluß.) >

Bei seiner Anwesenheit in Amerika ver­säumte Schäfer begreiflicherweise nicht, die zwei größten Sehenswürdigkeiten dieses Landes, die Niagarafälle und den nachmali­gen Bellowstone-Park, zu besuchen. Im letzteren fanden die riesigen Mammutbäume, die Wellingtonien, seinen ganzen Beifall. Hundert Meter werden diese Riesenfichten hoch, und ihr Stamm erreicht einen Durch­messer bis zu 12 Meter. Allerdings gehören Hunderte von Jahren Wachstum dazu, bis sich der gigantische Baum zu diesen Dimen­sionen entfaltet. Schäfers erster Gedanke war:Das wär' ebbes für bei Batterstadt," und dieser Gedanke ließ ihm keine Ruhe. Er beschloß, ein Säckchen Wellingtoniensamen mit nach Gießen zu nehmen. In seiner Phantasie malte er sich aus, Ivic spätere Ge­schlechter in dem Wald mit den Riesenbäu- men lustwandelten uni» dieser eine Sehens­würdigkeit Deutschlands würde, zu dem die Besucher aus aller Herren Länder herbei­geströmt kämen, was danrt auch sicher geeig­net wäre, den Wohlstand der Stadt zu er­höhen. Ta heiße es dann:Das haben wir alles dem alten Schäfer zu verdanken!" und nur mit Ehrfurcht und Hochachtung würde in späteren Zeiten sein Name genannt werden. Ich bin," sagte der Alte,damals vor Stolz un vor Hochachtung vor mir selwer um e paar Zoll gewachse." Er war überzeugt, daß es der Stadtrat nach seinem Tode ge-