Ausgabe 
3.3.1918
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

- 34 -

hielten die verschiedenen Gesellschaften nicht weniger als 152 Missionare, 17 Aerzte und Lehrer, 44 Missionsschwestern. In 113 Haupt- und- 974 Nebenstationen waren 160 456 Christen -gesammelt. In 1072 Schulen und Seminaren wurden 48 699 Zöglinge unterwiesen. Dieses ganze große Werk ist niedergebrochen. In Afrika ist Togo am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen, während in Kamerun die englischen und französischen Soldaten übel gehaust haben. Die Missionsstationen sind völlig zerstört, fast -alle Missionare wurden nach England! gebracht. In Deutsch-Südwestafrika durften mit englischer Erlaubnis die Missionare ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Die auf portu­giesischem Gebiete liegenden Stationen wnr- d-en zerstört oder wegen Hungersnot aufgege­ben. In Deutsch-Ostafrika sind die Missio­nare ganz verschieden behandelt worden, teil- hfetfe ließ man sie in Ruhe, viele andere aber wurden ausgewiesen oder verschleppt. In Südafrika konnten zuerst die Missionen ihre Arbeit fortsetzen, jetzt aber sind ihnen alle Schulen genommen und alles Eigentum ist unter englische Verwaltung gestellt. In Aegypten wurden die Missionare der Sudan- Pionier-Miffion ausgcwicsen. Also: das

Bild ist dunkel, ohne Sinn und Zweck ist viel Gutes zerstört worden. Aber wenn in Europa ein ehrenvoller deutscher Fried-e er­kämpft sein wird, wird auch für die Missio­nen das Morgenlicht eines neuen Tages an- bvechen.

Meine Amerikareise im Jahre J849.

Von Wilhelm Barthel, Gießen.

Im Frühjahre des Jahres 1849 hatte ich meine Lehrzeit in Nürnberg beendet, da erwachte der Drang in mir, die Welt zu sehen. Die Verhältnisse in Deutschland waren durch die Revolution sehr ungewisse geworden, und dieser Umstand brach den Widerstand meiner Eltern, den sie meinem Vorhaben, nach Amerika zu gehen, entgegen­setzten. Im Mai kehrte ich von Nürnberg nach Hause zurück, wo alsdann die Vorbereitun­gen für meine Reise -allmählich getroffen! wurden. Dänemark war damals mit Deutsch­land wegen Schleswig-Holsteins im Krieg, und unsere Häsen waren blockiert, so daß auch wegen meiner Reise das bevorstehende Ende der Blockade abgewartet werden mußte, was im August der Fall sein sollte. So geschah es denn auch, ich nahm gegen Mitte August Abschied von den Meinen und meiner Vater­stadt Hildburghauscn und begab mich nach Bremen -auf die Reise, die teils mit der Post, teils mit der Bahn zurückzulegen war. Einen Platz auf einem Schiffe, das Mitte August! -abgehen sollte, hatte mir ein hei­matlicher Agent vermittelt. In Bremen an­gekommen, suchte ich einen Landsmann auf, der mir aus meiner Kindheit bekannt war und Braumeister einer größeren Brauerei in

Bremen war. Dieser war mir behilflich bei den Einkäufen der Gegenstände, die ich zu meiner Reise benötigte. So fuhr ich denn von Bremen nach Bremerhaven und nahm Be­sitz von dem mir ausbednngenen Platze im Zwischendeck des neuen, die erste Fahrt machenden SchiffesElla", einer Bark, das heißt ein Zweimaster. Ich nahm einen der kleineren Bretterverschläge, die für zwei Per sonen bestimmt sind, abgeschlossen werden können und auch etwas teurer als Zwischen- decksplätze sind. Matratze und Decken hatte man selbst zu stellen.

Es waren eine Anzahl politischer Flächt lingc aus der badischen Revolution an Bord, sie waren die besten Elemente des sonst sehr gemischten Publikums im Zwischendeck. In­teressante Erlebnisse der ersteren wurden be richtet und verkürzten die Zeit. Als wir in Bremerhaven noch auf der Reede lagen, stieß ein vom Anker gerissenes größeres Schiff mit dem unserigen zusammen, einige kleine Schäden wurden verur­sacht, was von den Passagieren als böses Omen betrachtet wurde. Da stür­misches Wetter bcvorstand, beschloß un­ser Kapitän, nicht durch den Kanal, sondern durch die Nordsee um Schottland herum­zufahren, was, obwohl die Fahrt etwas ver­längernd, aber sicherer schien. In der Nord fee halten wir denn auch einen heftigen Sturm zu bestehen, und cs begegnete uns auch ein Wrack. In der ersten Sturmnacht wurden wir bei dem Stampfen des Schiffes, dem Brausen des Sturmes und dem 6le- polter aller nicht festgebundenen Gegen­stände durch einen heftigen Lärm erschreckt, der durch das Herabstürzen einer Segel- stangc vom Maste auf das Verdeck entstand. Heulen und Zähmklappen herrschten ini Zwischendeck, die Passagiere glaubten sich schon dem Untergang geweiht. Ich zog mich am Morgen an und begab mich aus das Verdeck, um mir das großartige Schauspiel des Sturmes anzusehen, wo ich denn auch der einzige Passagier war. Ich klainmerte mich fest an, fortwährend von Sturzwellen überschüttet, und beobachtete mit größtem In tercsfe die vom Gischt gekrönten Wogen, die unser Schiff bald aus oic Höhe hoben und bald.wieder in die Tiefe senkten. Ich war der einzige von allen Mitreisenden, der von der so lästigen Seekrankheit verschont blieb lund der auch den großartigen Anblick des Meeres voll und ganz auf sich einwirken! lassen konnte. Der Sturm nahm denn so nach und nach auch ein Ende, und >vir fuhren in einer Nacht um die Nordküste Schott­lands zwischen den Shetlandsinscln hindurch in den Atlantischen Ozean. Es >var eine stockfinstere Nacht und nebliges Wetter. Man hatte uns eine alte Trompete gegeben, uni so viel Lärm als möglich zu machen, damit wir -andere Schiffe ausmerkfam machen konn­ten, daß sie nicht mit uns zusammenstießen. Wir gaben das schauderhafte Konzert einige