Eemeindeblatt für die evangelische ^irchengemeinde Eießen
Nr. 9
Gießen, Sonntag Okuli, den Z. März 1918
7. Iahrg.
Immer wieder.
Psalm 97,11. Dem Gerechten mus; das Licht immer wieder aufgehen und Freude den frommen Herzen.
Es ist soviel „Immer wieder" im täglichen Leben. Immer wieder die graue Sorge und die alte Mühe. Sisyphusarbeit von einem Tage zum andern. Immer wieder Versuchung und Fall, immer wieder Kampf und Not. Es gibt ein lähmendes „Immer wieder", ivic es im Weltkrieg uns entgegengetreten ist: immer wieder ein Triumph der Lüge und Bosheit, immer wieder ein Harren und Hoffen vor neuen Schwierigkeiten, neuen Feinden, neuen Opfern. Aber auch das trotzige gläubige „Immer wieder" haben wir lernen dürfen. „Dem Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen und Freude den frommen Herzen." Wie ein. Naturgesetz wirkt es sich im Leben der Gotteskinder aus: Das Licht mutz aufgchen in der Finsternis. Es ist, als hätten die beiden crnen himmlischen Bund miteinander ge- Ichlossen: Das Licht mit den frommen Herzen. Die Frauen am Ostermorgen durften dre grotze Erfahrung machen und die Jünger nach der Auferstehung des Herrn: — es mutz doch Frühling werden.
Was für eip seliger Trost, geschöpft aus tauicndsacher Erfahrung: immer wieder! So ermuntert der himmlische Arzt den Kranken, datz er sich getrost hineinlegt in die treusten Hände: immer wieder Licht und
«vreude. Der den Trost gegeben, kennt ganz genau den Verlauf der Krankheit, den Lauf der Tinge, das Wesen der Welt und übcr- lreht deutlich die letzten Kräfte und Gesetze: immer.wieder! All die Worte der heiligen Schrift von Wiederkehr und Wiedersehen, Wiederbringcn und Wiederfinden klingen nach in dem, zuversichtlichen „Immer wieder". Was, für eine heilige Mahnung das „lummer wieder!" Nur den Gerechten und Frommen ist der Trost gegeben. Immer wieder ,ich zusammenzurasfen zu Geduld und Ausdauer, zum gehorsamen Tragen und Werterwandern; immer wieder den Weg der Wahrhaftigkeit und des sittlichen Ernstes betreten, der Pflichterfüllung und Treue, immer wieder sich Heugen und aufrichten unter der gewaltigen und barmherzigen Gotteshand: dann kommt ans das Immer wieder lelrger Glaubenserfahrungen das letzte up- veränderliche Aufgehen des Lichtes und Leuchten der Freude, dafür bürgt der An
fänger und Vollender des Glaubens, unser Herr Jesus Christus.
var Schicksal der deutschen evangelischen Mission nach den; gegenwärtigen Stande.
An Einzelberichten über den Zustand der evangelischen Missionen fehlt es nicht, von Nutzen wird cs aher sein, die Veränderungen, welche der Weltkrieg aus diesem Gebiete gebracht hat, im ganzen zu überschauen. Eine solche Uebersicht gibt Oswald Müller-Steglitz im neuesten Hefte von „Die Biene auf dem Missionsfclde". Seit Anfang dieses Jahrhunderts hatte die Mission einen außerordentlichen Aufschwung genommen.^Als der Krieg ausbrach, befanden sich auf 741 Haupt- und 4032 Nebenstationen 1637 europäische Missionsarbeiter, darunter 248 Schwestern und 21 Aerzte, ferner 8963 eingeborene Gehilfen. Die Zahl der Heidenchristen belief sich auf 710 350, von denen 33 421 in: Jahre 1913 getauft wurden. Im L-aulunterricht befanden sich 64 557 Perioden. In 4631 Schulen wurden 246151 Schüler unterrichtet. Die Gesamteinnahmen in der Heimat beliefen sich aus 10 174 156 Mark, die auf den Missionsgebieten auf 2 811817 Mark, itttb die Gesamtausgaben betrugen 13 233 442 Mark. Die Einwirkungen des Krieges auf die einzelnen Missionsfelder sind nun ganz verschieden. In Kiaut- schou wurden bei dem Bombardement auch die verschiedenen Missionshäuser schwer beschädigt. Der Schaden beträgt über 100000 Mark. Die Missionare und einige Frauen dürfen ihre Arbeit in unbeschränktem Maße sortsührcn. In Japan können die Missionare ebenfalls ihre Arbeit fortsetzen. In der Süd- sec haben die Japaner die Karolinen-, Mariannen-, und Gilbert-Inseln in Besitz genommen, dort ist ihnen der Aufenthalt der Missionare aus politischen Gründen nicht angenehm, daher wurden die evangelischen und katholischen Missionare ausgewiesen. Dagegen können in Kaiser-Wilhelms-Land, das mit dem Bismarck-Archipel und den Samoa-Inseln von Australien annektiert wurde, die Rheinischen und Neudettelsauer Missionare ihr Werk fortsetzen. Welche Wirkungen der Eintritt Chinas auf die dortige Missionsarbcit haben wird, läßt sich jetzt stoch nicht sagen. Ihrer Freiheit sind die Missionare nicht beraubt. Dagegen hat die Mission in Indien große, nie wieder gut zu machende Schäden erlitten. Dort unter-


